10. August 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

An den Aktien perlt alles ab

Die Aktienindizes erreichen historische Höchststände und nichts scheint den Boom an den Börsen bremsen zu können. Seit dem ernsthaften letzten Einbruch der Kurse 2022 sind schon vier Jahre vergangen. Das ist ungewöhnlich.

Im Fokus

Die Aktienindizes erreichen historische Höchststände und nichts scheint den Boom an den Börsen bremsen zu können. Seit dem ernsthaften letzten Einbruch der Kurse 2022 sind schon vier Jahre vergangen. Das ist ungewöhnlich. Die Schlagzeilen machen dabei die Aktien, die nur im Entferntesten etwas mit Halbleitern oder mit dem Bau von Datenzentren zu tun haben. Bei diesen Titeln sind die Kursbewegungen nach oben und nach unten sehr gross, wobei die Richtung jeweils abrupt dreht. Der Wechsel zwischen Liebe und Hass ist fliessend. Im Schatten dieser Scheinwerferlicht-Aktien steigen aber auch die Kurse der meisten Titel der Old-Economy. Dabei ist es nicht so, dass das wirtschaftliche und politische Umfeld im schönsten Sonnenschein erstrahlt. Die Warner vor einer unausweichlichen Korrektur sind auch nicht rar. Dennoch scheint der positiven Stimmung den Aktienmärkten momentan nichts etwas anhaben zu können.

Konjunktur trotzt den Unsicherheiten

Die notwendige Basis für eine solide Aktienentwicklung ist eine widerstandsfähige und wachsende Wirtschaft. Trotz hohen Energiepreisen und Lieferproblemen durch die Schliessung der Strasse von Hormus hält sich die Wirtschaft in den Industrieländern gut. Die Lieferströme und die Unternehmen passen sich an. Das gleiche gilt für das erratische Zollumfeld der Amerikaner. Die grossen börsenkotierten Unternehmen können damit umgehen. Die Leute beklagen sich über steigende Preise, geben ihr Geld aber weiter aus, wenn auch gezielter und oft auf Kosten einer tieferen Sparquote. Eine wichtige Grundlage dafür ist ein solider Arbeitsmarkt. Die Firmen halten sich mit Neueinstellungen zurück, stellen die Leute aber auch nicht auf die Strasse. Mögliche Zinserhöhungen der Zentralbanken haben ihren Schreck auch verloren. Die Inflationsraten sind gestiegen, aber eine Wiederholung des Inflationsschubes von 2022 ist nicht wahrscheinlich.

Politische Krisenmeldungen stumpfen ab

Politische Ereignisse haben starke Auswirkungen auf die Börsen, wenn sie unerwartet sind. Der Ausbruch des Krieges im Iran oder der Zoll-Auftritt von Donald Trump im April des letzten Jahres haben die Investoren überrascht. Unsicherheit und fallende Aktienkurse waren die Folge. Mittlerweile hat man von Trump so viele Eskalationsdrohungen gegen den Iran gehört, dass sie ihre Wirkung verloren haben. Das gleiche gilt für neue Zollankündigungen. Wer nicht direkt davon betroffen ist, hat den Überblick längstens verloren und nimmt sie zur Kenntnis, wenn überhaupt. Das zeigt einmal mehr, dass politische Ereignisse auf die Börsen nur einen nachhaltigen Einfluss haben, wenn sie das Wachstum der Weltwirtschaft substanziell verändern.

Platzt die KI-Blase?

Ob sich die Milliarden-Investitionen in die KI-Entwicklung und KI-Umgebung wirklich auszahlen werden, weiss heute niemand. Zweifel sind angebracht. Dass die zunehmende Fremdfinanzierung der Investitionen im KI-Bereich das Risiko im System erhöht, ist auch richtig. Die Erwartungen in die KI-Firmen sind gewaltig, werden aber mehrheitlich übertroffen. Das Auf und Ab in den Kursen dieser Aktien wird weitergehen. Sie handeln in einer eigenen Welt und grosse Verluste bei den Halbleiter-Aktien übertragen sich nicht auf den Gesamtmarkt. Solange das so bleibt, ist die Gefahr einer KI-Blase für den Aktienmarkt überschaubar.

Dabei sein, ohne euphorisch zu werden

Die Aktienkurse werden nicht ewig weiter steigen. Es wird zu Korrekturen kommen. Solche sind Teil der Charakteristik des Aktienmarktes. Es zeigt sich aber einmal mehr, wie wichtig es ist, investiert zu sein und investiert zu bleiben. Wichtig ist dabei, ein breit verteiltes Portfolio zu halten. Ob man beim KI-Hype mitmachen will oder nicht, kann jeder für sich entscheiden. Mit einem kleineren Teil des Portfolios mitzumachen, macht sicher Sinn. Schwergewichtig auf das KI-Thema zu setzen, ist aber eine andere Sache.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.28%, S&P500: +0.62%, Nasdaq: +1.30%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.33%, DAX: +0.69%, SMI: +0.18%

Die erneute Aussicht auf eine Lösung rund um die Strasse von Hormus hat die Investoren beflügelt. Ob sich ihre Hoffnungen diesmal bewahrheiten, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Wenn nicht, warten sie halt auf die nächste Entspannungsmeldung von Trump. Der S&P 500 legte letzte Woche 3.58% zu. Die europäischen Aktien stiegen 2.61%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 1.73% abschloss.

Die Eskalation im Nahen Osten und wiederaufgekommene Zweifel am KI-Investitionszyklus haben die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten nur vorübergehend gestoppt. Auf Indexebene bleiben die Ausschläge moderat, weil defensive Sektoren die Verluste auffangen. Auf Ebene der einzelnen Aktien fallen die Bewegungen deutlich heftiger aus. Am sichtbarsten wird dies im Halbleiter- und Speicherchipbereich, wo nach der Rally des ersten Halbjahres abrupt die Gewinnmitnahmen einsetzten. Kursbestimmend für dieses Marktsegment ist derzeit die Frage, ob die KI-Investitionsbudgets in geplanter Höhe umgesetzt werden. Die Schwankungen bei den Indizes sind nach wie vor tief. Dahinter verbirgt sich eine Rotation bei den Sektoren, welche die Widerstandsfähigkeit stützt. Eine breite Diversifikation ist zwar wenig aufregend, aber in der aktuellen Marktverfassung aktueller denn je.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.65%; DE: 3.13%; CH: 0.38%

Die Zinsen am Kapitalmarkt sinken weiter, insbesondere in Europa. Die Befürchtungen um einen starken Inflationsschub nehmen ab. Dass die langfristigen Zinsen in den USA steigen, interessiert die europäischen Anleihen und die Schweizer Obligationen für einmal nur wenig.

Währungen

Euro in Franken: 0.935
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.155

Die Interventionen der Bank of Japan und des amerikanischen Finanzministeriums zu Gunsten des Yen bewirken nur wenig. Der Wechselkurs des Yen zum US-Dollar konnte um 4% nach oben gedrückt werden. Er hat aber Mühe, das Niveau zu halten. Dass die Bank of Japan interveniert, ist nachvollziehbar. Dass ein Finanzministerium den Devisenmarkt beeinflussen will, ist ökonomisch gesehen fragwürdig, passt aber zur aktuellen US-Regierung.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 84.28 pro Fass
Goldpreis: USD 4'333.83 pro Unze

Der Goldpreis hat sich von der Marke von 4'000 US-Dollar pro Unze gelöst und deutlich zugelegt. Warum das gerade jetzt passiert, ist nicht einfach zu erklären. Der Rückschlag vorher war aber so stark, dass eine Gegenbewegung einmal folgen musste.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Non Farm Payrolls (Juli)
aktuell: -23'000 (erwartet: 80’000, Vormonat: 20’000)

USA: Arbeitslosenrate (Juli)
aktuell: 4.1% (erwartet: 4.2%, Vormonat: 4.2%)

In den USA werden kaum mehr neue Stellen geschaffen. Dass im Juli sogar Stellen verloren gingen, war vor allem auf einen Abbau staatlicher Stellen zurückzuführen. Auf den ersten Blick passt es da nicht, dass die Arbeitslosenrate sinkt. Das hat damit zu tun, dass die Zahl der Leute, die arbeiten wollen, so tief ist wie schon lange nicht mehr. Für die Fed macht ein schwächelnder Arbeitsmarkt bei gleichzeitig hoher Inflation die Sache nicht einfacher.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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