Ostschweizer Baugewerbe: Rückenwind durch Wohnungsbau
Der Wohnungsbau sorgt wieder für Schwung in der Ostschweizer Bauwirtschaft. Dank steigender Baubewilligungen und voller Auftragsbücher blickt die Branche optimistisch nach vorne.
Die Ostschweizer Bauwirtschaft ist mit Rückenwind ins Jahr 2026 gestartet. Neun von zehn befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage mindestens als neutral, die Hälfte sogar als positiv. Hauptgrund dafür ist vor allem die anziehende Bautätigkeit im Wohnungsbau. Herausfordernder bleibt hingegen die Lage bei Gewerbe- und Industriebauten. In diesem Segment ist die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen weiterhin gering.
Rekordhoher Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe
Von der steigenden Bautätigkeit profitiert derzeit vor allem das Bauhauptgewerbe. Die Unternehmen verfügen über volle Auftragsbücher: Die Auftragsreichweite ist auf über neun Monate gestiegen und liegt damit auf einem Rekordstand. Die Kapazitäten bleiben dadurch auf absehbare Zeit gut ausgelastet. Etwas verhaltener ist die Lage im Baunebengewerbe, das beispielsweise den Innenausbau oder die technische Gebäudeausrüstung umfasst. Innerhalb dieser Branche gibt es jedoch grosse Unterschiede. Jeweils rund ein Viertel der Unternehmen berichtet von einer hohen respektive tiefen Auftragslage. Generell kämpfen Ostschweizer Bauunternehmen damit, die zum Teil hohe Nachfrage auch in steigende Gewinne umzumünzen. Gleichzeitig verschärft sich mit der zunehmenden Bautätigkeit erneut der Fachkräftemangel. Besonders im Bauhauptgewerbe wird es immer schwieriger, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.
Wohnungsbau nimmt deutlich Fahrt auf
Nachdem der Wohnungsbau mehrere Jahre unter Druck stand, hat sich der Markt mit der ersten Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im März 2024 spürbar erholt. So sind im Kanton St. Gallen die Baubewilligungen für neue Wohnungen im vergangenen Jahr um 29% gestiegen, nachdem sie bereits im Vorjahr um 11% zugelegt hatten. Besonders stark war der Anstieg bei den Mietwohnungen – im Vergleich zum Vorjahr wurden 62% mehr bewilligt. Der Wohnungsbau profitiert einerseits von der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum und andererseits vom tieferen Zinsumfeld. Insbesondere institutionelle Anleger investieren wieder vermehrt in Immobilien. Die im letzten Jahr bewilligten Wohnungen dürften dafür sorgen, dass die Auftragsbücher in den kommenden Monaten gut gefüllt bleiben. Entsprechend blickt die Ostschweizer Bauwirtschaft insgesamt optimistisch in die Zukunft.
Gesuche für Umbauten legen zu
Auch die Zahl der Gesuche für Umbauten ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Im Bereich Wohneigentum dürfte dies unter anderem mit der geplanten Abschaffung des Eigenmietwerts zusammenhängen. Bis zur definitiven Abschaffung – voraussichtlich 2028 – können Renovationen und Unterhaltsarbeiten noch steuerlich abgezogen werden. Somit besteht ein Anreiz, Investitionen vorzuziehen. Gegen Ende der Übergangsfrist könnte es deshalb teilweise sogar zu Kapazitätsengpässen im Baugewerbe kommen. Insgesamt spricht derzeit vieles dafür, dass der Wohnungsbau auch im laufenden Jahr eine wichtige Stütze für die Ostschweizer Bauwirtschaft bleibt.
Herausgegriffen: Kein Handlungsbedarf für die SNB
Der Krieg im Nahen Osten erhöht aufgrund der gestiegenen Energiepreise die Aufwärtsrisiken für die Inflation deutlich. Gleichzeitig sind jedoch auch die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum gestiegen. Deshalb fällt die Inflationsprognose für die nächsten Quartale höher aus als noch im Dezember. Mittelfristig hat sich der Inflationsdruck aufgrund des starken Schweizer Frankens jedoch kaum verändert. Dennoch haben die stark gestiegenen Energiepreise die Inflationsbefürchtungen und damit auch die Zinserwartungen erheblich erhöht. Entsprechend sind die Kapitalmarktzinsen deutlich angestiegen. Je länger die Strasse von Hormus blockiert bleibt und die Energiepreise in der Folge hoch bleiben oder sogar weiter steigen, desto stärker wird auch der Inflationsdruck ausfallen. Allerdings braucht es einiges, bis die Inflation in der Schweiz wieder über die obere Grenze des Zielbands von 0 bis 2 % steigen würde. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb aus unserer Sicht vorerst nicht angezeigt. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Kapitalmarktzinsen mittelfristig wieder sinken werden. Dies kann jedoch ein paar Wochen dauern.