Netzoptimal AG: intelligente Software für ein stabiles Stromnetz
Die Energiewende stellt Stromnetze vor enorme Herausforderungen. Die übliche Antwort auf Photovoltaik, E-Autos und Volatilität ist oft ein teurer Netzausbau. Die Netzoptimal AG aus St. Gallen zeigt, dass es auch smarter und nachhaltiger geht. Ihre Softwarelösungen ermöglichen eine optimale Netzauslastung und eine nahtlose Integration erneuerbarer Energien.
Fokusthema: Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien
Die St.Galler Kantonalbank ist stolz darauf, Unternehmen und Start-ups zu ihren Kunden zu zählen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung und erneuerbare Energien einsetzen. Im KMU-Fokus präsentieren wir spannende KMU aus diesem Sektor.
Inhaltsübersicht
- Nachhaltigkeit als Treiber smarter, resilienter Netze
- SGKB als Finanzdienstleister und Sparringspartner
- Expansion dank Fachkräften aus dem Ausland
- Vergrösserung der Systemlandschaft dank Kooperationen
- KMU-Erfolgstipps von Theo Auckenthaler
- Interview mit Deborah Näf
- Leistungen der SGKB für die Netzoptimal AG
Optimale Netzauslastung statt Ausbau
Wie soll die Energiewende gelingen? Photovoltaikanlagen speisen beispielsweise erneuerbaren Strom ins Netz ein. Da ihre Produktion vom Wetter und von der Tageszeit abhängt, schwanken Einspeisung und Spannung im Verteilnetz aber stärker als bei konventionellen Kraftwerken. Gleichzeitig treiben Wärmepumpen und Elektroautos den Stromverbrauch in die Höhe. Um diesen Lastspitzen und Engpässen entgegenzuwirken, ist eine intelligentere Steuerung der Netze erforderlich – genau hier setzt die Software der Netzoptimal AG aus St. Gallen an: «Wir helfen Energieunternehmen, ihr Netz smart zu steuern. So vermeiden sie einen unnötigen Ausbau, reduzieren den CO₂-Fussabdruck und sparen Geld», sagt Theo Auckenthaler, CEO der Netzoptimal AG.
Nachhaltigkeit als Treiber smarter, resilienter Netze
Die Idee entstand vor zwei Jahren bei der AIMotroniX AG – einem Tech-Unternehmen von Theo Auckenthaler, das auf modellbasierte Regelung spezialisiert ist. Bei diesem Verfahren werden anhand von mathematischen Modellen und Messwerten Prognosen erstellt, um komplexe Systeme vorausschauend steuern zu können, etwa im Bereich Energie oder Verkehr. «Wir fragten uns: Wie können wir Stromnetze smarter machen?», sagt Auckenthaler. Seine Vision: ein Energiesystem, das flexibel, nachhaltig und unabhängig funktioniert. «Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass einige wenige grosse Kraftwerke alles regeln. Die Zukunft gehört dezentralen, resilienten Netzen», sagt Auckenthaler.
Statt die Netze teuer auszubauen, können Verteilnetzbetreiber und Energieversorger mithilfe der Software von Netzoptimal Einspeisung, Verbrauch und Netzgrenzen optimal aufeinander abstimmen. So lässt sich die bestehende Infrastruktur besser nutzen, während gleichzeitig Lastspitzen, Spannungsschwankungen und Engpässe reduziert werden. Dadurch können beispielsweise neue Photovoltaikanlagen und Ladestationen für Elektroautos schneller ans Netz angeschlossen werden. Verzögerungen wegen fehlender Netzkapazitäten nehmen ab und Investitionen werden besser planbar. «Wir entkoppeln den Netzausbau von der Energiewende. Das schafft Spielraum für Investoren und beschleunigt die Transformation.»
SGKB als Finanzdienstleister und Sparringspartner
Erste Studien und Pilotprojekte – gefördert vom Kanton St. Gallen – führten zu einem Prototyp. 2024 gründete Auckenthaler die Netzoptimal AG, 2025 gewann das Unternehmen den «Startfeld Rohdiamant» für das beste Start-up in der Ideenphase. Die Jury überzeugte der modellbasierte und intelligente Ansatz zur Lösung komplexer Herausforderungen im Energiesektor. «Die Auszeichnung war ein echter Boost. Sie hat uns Sichtbarkeit gebracht, Vertrauen bei Investoren geschaffen und Zugang zu einem starken Netzwerk eröffnet», sagt CEO Auckenthaler.
Mit dem Gewinn begann auch die enge Zusammenarbeit mit der St.Galler Kantonalbank. Die Finalisten erhalten unter anderem für zwei Jahre ein kostenloses Geschäftskonto inklusive Debitkarte sowie eine Silber-Kreditkarte. Auch die Buchhaltung läuft effizient: Netzoptimal nutzt die Online-Business-Software eines Drittanbieters und ist über eine Open-Banking-Plattform direkt an die St.Galler Kantonalbank angebunden. So lassen sich Zahlungs- und Kontoinformationen sicher und automatisiert austauschen. «Das spart uns Zeit und verschlankt die Prozesse», sagt Auckenthaler. Für ihn geht die Partnerschaft aber über Bankdienstleistungen hinaus: «Es geht um Vertrauen und um einen Partner, der die Bedürfnisse von Start-ups versteht. Die St.Galler Kantonalbank hat uns gezeigt, dass sie nicht nur Finanzdienstleister ist, sondern auch Sparringspartner für unsere Entwicklung.
Expansion dank Fachkräften aus dem Ausland
Laut Auckenthaler wirkt Nachhaltigkeit in der Energiewirtschaft auf viele wie eine Bedrohung: strengere Vorschriften, höhere Kosten, komplexere Prozesse. Er sieht das anders: «Darin steckt enormes Marktpotenzial.» Netzoptimal will in den nächsten zwei Jahren den Schweizer Markt erschliessen und anschliessend in Europa expandieren. Dafür baut Auckenthaler das Team gezielt aus. Heute zählt das Unternehmen mit Sitz in St. Gallen neun Mitarbeitende – unter ihnen Regelungstechniker, Algorithmiker, IT-Spezialisten und Business-Developer. «Qualifizierte Fachkräfte zu finden, ist schwierig. Deshalb rekrutieren wir nicht nur in der Schweiz, sondern international.»
Das Team umfasst Spezialisten aus der Schweiz, Schweden, Deutschland und Italien. Auckenthaler leistet bei ausländischen Mitarbeitenden denn auch gleich selbst eine Art Integrationshilfe: Er erklärt, wie die Schweizer Gesellschaft funktioniert, welche Vereine es gibt und worauf sie im Umgang mit den Menschen achten sollen. «Unsere Betriebssprache ist nicht nur Englisch. Wir sprechen auch bewusst Deutsch, damit die Integration leichter gelingt. Schliesslich sollen sich meine Mitarbeitenden hier in der Region wohl und zu Hause fühlen.»
Vergrösserung der Systemlandschaft dank Kooperationen
«Wer heute ein Unternehmen führt, muss bereit sein, Dinge neu zu denken», sagt Auckenthaler. «Es gibt immer Mittel und Wege, eine Herausforderung zu bewältigen. Eine solche zeigt sich zum Beispiel hinsichtlich Gesetzgebung und Regulierung.» Diese sei zum Teil widersprüchlich und bilde das «NOVA-Prinzip» (Netzoptimierung vor Verstärkung vor Ausbau) nicht konsequent ab. «In der Branche herrscht eine grosse Verunsicherung», sagt Auckenthaler. «Darum setzen viele Netzbetreiber weiter auf sehr teure Netzverstärkung statt auf intelligente Lösungen.» Da die Netzoptimal AG nur einen kleinen Teil der Systemlandschaft abdeckt, sucht das Unternehmen gezielt Kooperationen mit anderen Anbietern. Ziel sind Synergien und bessere Gesamtlösungen für die Kunden. Auckenthaler ist optimistisch: «Die Nachfrage ist da. Jetzt geht es darum, Tempo zu machen.» Den Break-even plant das Unternehmen für 2027.
Die Vorteile der Softwarelösung
- Steuerung flexibler Lasten und Speicher
- Glättung von Lastspitzen
- Einhaltung von Leistungsgrenzen
- Geringerer Bedarf an Netzausbau
- Senkung der Kosten für Ausgleichsenergie
- Einfache Integration in bestehende IT- und Leitsysteme
- Einsatz vom einzelnen Ortsnetz bis zu grösseren Netzgebieten
- Mehr Transparenz und Kontrolle
KMU-Erfolgstipps von Theo Auckenthaler
Mut zur Innovation
«Viele Unternehmen verharren in alten Strukturen, weil sie Angst vor Veränderung haben. Dabei ist genau das der Moment, in dem Chancen entstehen. Wir haben uns damals gesagt: Wir probieren es. Das war ein Sprung ins kalte Wasser – aber ohne den geht es nicht.»
Netzwerken
«Förderprogramme wie Startfeld sind nicht nur für Start-ups interessant. Es geht nicht ums Preisgeld, sondern um Strahlkraft und Know-how. Wer sich dort zeigt, gewinnt Vertrauen – bei Kunden, Partnern und Investoren.»
Digitalisierung als Hebel
«Automatisierung und smarte Steuerung sind nicht nur für Energieunternehmen relevant. Jedes KMU kann Prozesse optimieren – und damit Kosten sparen und Ressourcen schonen.»
Nachhaltigkeit als Business-Chance
«Viele sehen Nachhaltigkeit als Bedrohung. Darin steckt jedoch enormes Marktpotenzial. Wer hier früh investiert, sichert sich Wettbewerbsvorteile.»
«Automatisierung und smarte Steuerung sind nicht nur für Energieunternehmen relevant.»
Theo Auckenthaler, CEO und Gründer der Netzoptimal AG
Interview mit Deborah Näf
Was beeindruckt dich an der Netzoptimal AG, ihren Gründern und ihrem Businesskonzept?
«Die Netzoptimal AG hat sich eines Themas angenommen, das den Nerv der Zeit trifft. Theo Auckenthaler und Christoph Fluri sind keine typischen Start-up-Gründer. Sie verfügen über langjährige Berufserfahrung und ergänzen sich optimal mit ihren Kompetenzen und ihrer Erfahrung in Unternehmensführung. Ihr Unternehmergeist und ihre Leidenschaft für diese anspruchsvolle Aufgabe beeindrucken mich.»
Wie hat die St.Galler Kantonalbank das Unternehmen bisher unterstützt?
«Mit Basisprodukten und bei der Abwicklung der Kapitalerhöhung. Ich freue mich, die Netzoptimal AG auch in den kommenden Unternehmensphasen und bei komplexeren Bedürfnissen persönlich zu begleiten.»
Welches Potential siehst du in der Netzoptimal AG bzw. in ihrer Strategie?
«Das kompetente Team hat eine zukunftsweisende Lösung für Verteilnetzbetreiber und Energieversorger entwickelt. Aus meiner Sicht hat das Unternehmen beträchtliches Wachstumspotenzial, da eine effiziente Stromverteilung und optimierte Speicherkapazitäten immer wichtiger werden.»
«Die Netzoptimal AG hat sich einem Thema angenommen, das den Nerv der Zeit trifft»
Beraterin Gewerbekunden bei der St.Galler Kantonalbank
Leistungen der SGKB für die Netzoptimal AG
Allgemeine Leistungen
- Persönliche Betreuung
- Kreditkarte Commercial Silber
- Kostenlose E-Banking-Schnittstelle
Start-up-Paket (gilt für zwei Jahre ab Firmengründung)
- Kostenloses Kapitaleinzahlungskonto
- Kostenloses Kontokorrentkonto
- Kostenlose Visa Debitkarte