Immobilien Ostschweiz Kompakt – Wohneigentum

Im Kanton St. Gallen bleibt die Nachfrage nach Wohneigentum höher als das Angebot. Tiefe Zinsen stützen den Markt. Wie geht es weiter mit den Preisen für Wohneigentum?

Aktuell vor 3M. vor 12M.
BIP-Wachstum (YoY, CH) 0.4% 0.8% 2.4%
Geschäftslageindikator (OCH) 14.9 9.5 0.3
Inflation (YoY, CH) 0.4% 0.6% 0.2%
Arbeitslosenquote (CH) 3.0% 3.0% 2.7%
Arbeitslosenquote (SG) 2.1% 2.1% 2.0%
Quelle: Bloomberg, Konjunkturboard Ostschweiz, KOF ETH Zürich, Bundesamt für Statistik; Daten per 31.07.2026

Die Ostschweizer Wirtschaft präsentiert sich uneinheitlich. Während sich der Binnenmarkt robust entwickelt, bleibt die Lage in der Exportwirtschaft angesichts der globalen Entwicklungen herausfordernd. Impulse für eine nachhaltige Belebung sind derzeit nicht in Sicht. Der Binnenmarkt wird durch die tiefen Zinsen gestützt, allerdings belastet die Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung die Konsumstimmung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist trotz leichtem Anstieg der Arbeitslosigkeit weiterhin solide.

Quelle: Bloomberg, BWO und Prognosen SGKB; Daten per 20.08.2026

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins im Juni erwartungsgemäss nicht verändert. Jedoch ist auch in der Schweiz der Inflationsdruck zuletzt weiter angestiegen. Mit 0.5% im Jahresvergleich liegt die Teuerung jedoch weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Zielbands von 0 bis 2%. Erdöl und Erdgas nehmen im heimischen Warenkorb einen geringeren Platz ein als im Ausland. Eine Anpassung des Leitzinses ist deshalb aus unserer Sicht vorderhand nicht angezeigt. Für die nächsten Monate rechnen wir dennoch damit, dass die Phase leicht erhöhter Kapitalmarktzinsen noch andauern dürfte.

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Quelle: Wüest Partner, Wüest Dimensions, Infopro Digital Schweiz GmbH; Stand: 2. Quartal 2026 (gleitende Jahressummen der letzten vier Quartale)

Bei den Eigentumswohnungen haben die Baubewilligungen im Kanton St. Gallen zuletzt wieder leicht abgenommen. Pro 1’000 Haushalte wurden im vergangenen Jahr im Kanton St. Gallen rund 3 neue Eigentumswohnungen bewilligt und damit gleich viele wie in der Schweiz insgesamt.

Bei den Einfamilienhäusern zeigt sich hingegen ein deutlicherer Rückgang. Pro 1’000 Haushalte wurden zuletzt im Kanton St. Gallen nur knapp 1.3 Einfamilienhäuser bewilligt – so wenige wie noch nie in den letzten zehn Jahren. Zudem werden bestehende Einfamilienhäuser vermehrt abgerissen, um Platz für neue Wohnbauten zu schaffen. Entsprechend fällt die Nettoproduktion von Einfamilienhäusern tiefer aus, als es die Bewilligungszahlen vermuten lassen.

Quelle: Wüest Partner, Wüest Dimensions, Bundesamt für Statistik; Stand: 2025

Die Leerwohnungsziffer im Kanton St. Gallen ist 2025 erneut nur leicht gesunken. Der Rückgang ist vollständig auf die zunehmende Knappheit im Mietwohnungsmarkt zurückzuführen. Bei den Wohnungen und Häusern, die zum Verkauf angeboten werden, haben die Leerstände im Kanton St. Gallen hingegen leicht zugenommen. Damit unterscheidet sich der Kanton St. Gallen von der Gesamtschweiz, wo auch die Leerstände zum Verkauf leicht abgenommen haben. Insgesamt befinden sich die Leerstände im Bereich des Wohneigentums weiterhin auf tiefem Niveau.

Quelle: Wüest Partner, Wüest Dimensions; Stand: 2. Quartal 2026

Das Angebot an zum Verkauf stehenden Wohnungen und Häusern hat sich zuletzt mehrheitlich seitwärts entwickelt. Im langjährigen Vergleich bleibt das Angebot auf einem tiefen Niveau und kann mit der regen Nachfrage nicht Schritt halten. In beiden Segmenten liegt das Angebot deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Das im Segment des Stockwerkeigentums zusätzlich geschaffene Angebot wird vom Markt daher rasch absorbiert. Bei älteren Eigentumswohnungen gestaltet sich die Vermarktung zum Teil schwieriger, insbesondere wenn die Struktur nicht mehr den heutigen Ansprüchen entspricht und der Erneuerungsfonds nicht ausreichend gefüllt ist.

Quelle: Wüest Partner; Stand: 2. Quartal 2026 (indexiert Q1 2016 =100)

Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt gross und wird durch das tiefe Zinsniveau gestützt. Die Nachfrage hat gegenüber dem Vorquartal erneut zugelegt und übersteigt damit weiterhin das Angebot. Entsprechend sind die Preise für Einfamilienhäuser weiter gestiegen. Im 2. Quartal wurde im Kanton St. Gallen für ein Einfamilienhaus 1.9% mehr bezahlt als im Vorjahresquartal. Gegenüber dem Vorquartal hat sich die Dynamik jedoch etwas abgeschwächt. Die starken Preisanstiege der vergangenen Jahre schränken den Kreis potenzieller Käuferinnen und Käufer ein. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir mit leicht steigenden Preisen.

Quelle: Wüest Partner; Stand: 2. Quartal 2026 (indexiert Q1 2016 =100)

Die Transaktionspreise für Eigentumswohnungen im Kanton St. Gallen sind im 2. Quartal 2026 nicht mehr weitergewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal resultiert aber weiterhin ein Plus von 3.1%. Die Preistreiber bleiben intakt: Die Nachfrage ist weiterhin hoch. Neben den tiefen Zinsen verleihen zudem auch die hohen Preise für Einfamilienhäuser der Nachfrage nach Eigentumswohnungen zusätzlichen Rückenwind. Trotz hoher Bautätigkeit im Segment des Stockwerkeigentums hält der Nachfrageüberhang daher an, was auch in den kommenden Monaten für steigende Preise sorgen dürfte.


Ausblick

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist in der St. Galler Bevölkerung nach wie vor stark ausgeprägt. Das anhaltende Tiefzinsumfeld sorgt dafür, dass Wohneigentum gegenüber Mietwohnungen finanziell attraktiv bleibt. In der Ostschweiz wird die Nachfrage zusätzlich dadurch gestützt, dass die Preise im Vergleich zur angrenzenden Region Zürich deutlich erschwinglicher sind. Entsprechend dürfte die Nachfrage auf einem hohen Niveau verharren.

Mit dieser Nachfrage kann das Angebot nicht Schritt halten. Bei den Einfamilienhäusern bleibt die Bautätigkeit trotz grosser Nachfrage verhalten. Bei den Eigentumswohnungen reicht der Zuwachs nicht aus, um die Nachfrageüberhänge zu decken. Auch aus dem Bestand kommen nicht genügend Objekte auf den Markt. Das Angebot dürfte daher weiterhin knapp bleiben.

Die starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre schränken den Kreis potenzieller Käuferinnen und Käufer ein. Die Kombination aus grosser Nachfrage und knappem Angebot sorgt weiterhin für steigende Preise. Die Dynamik dürfte sich aber im Vergleich zum Vorjahr etwas abschwächen.

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