09. März 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Inflation wird steigen, aber weniger als jetzt befürchtet

Ein Anstieg der Inflationsraten in die Höhen von 2022 ist nicht zu erwarten. Die Lieferprobleme beschränken sich auf die Güter, die im Bereich des Persischen Golfes transportiert werden, allen voran Erdöl und Flüssiges Erdgas.

Im Fokus

Die Preise für das Erdöl und für das Erdgas sind deutlich gestiegen und haben Inflationsängste geweckt. Die Renditen der Obligationen steigen und die Aktienkurse fallen. Für ein Fass Erdöl der amerikanischen Sorte WTI muss mehr als 100 US-Dollar bezahlt werden. Mitte Februar lag der Preis noch bei 60 US-Dollar. Der aktuelle Preis ist jedoch kein Rekordstand. Zwischen 2007 und 2008 stieg der Ölpreis von 50 US-Dollar auf 150 US-Dollar, bevor er im Zuge der Finanzkrise auf 35 US-Dollar absackte. Zwischen 2011 und 2014 pendelte der Preis vier Jahre lang um die Marke von 100 US-Dollar. Der letzte starke Anstieg war dann 2021 und 2022 als im Höchst 124 US-Dollar bezahlt werden musste, ausgehend von einem tiefen Stand von 40 US-Dollar. Die Inflation in den USA hat jeweils auf starke Preiserhöhungen beim Ölpreis reagiert. 2008 stieg sie auf 5.6% und 2022 auf über 9%, wobei damals der Preisschub bei den Energiepreisen den durch die Lieferkettenprobleme ausgelösten Inflationsschub verstärkte. In der Schweiz ist die Inflationsrate jeweils auch gestiegen, wobei die Höchststände mit 2.9% und 3.4% nicht hoch ausfielen.

Frage der Dauer der Anspannungen

Wie stark der aktuelle Preisanstieg genau auf die Inflationsraten durchschlägt, lässt sich heute nicht beurteilen. Entscheidend wird sein, wie stark der Erdölpreis noch steigt und wann sich die Lage rund um die Strasse von Hormuz entspannt. Höhere Energiepreise wirken auf verschiedenen Wegen auf die Inflation ein. Einerseits direkt über die Benzin- und Heizölpreise, andererseits indirekt über höhere Produktionskosten. Der zweite Effekt ist geringer als dies früher der Fall war. Die Energieeffizienz der Produktion vieler Güter hat sich verbessert. Der zunehmende Einsatz erneuerbarer Energien trägt ebenfalls zu einer geringeren Abhängigkeit vom Erdöl bei. Hinzu kommt, dass mit einer gewissen Verzögerung die höheren Energiekosten die wirtschaftliche Aktivität beeinträchtigten, was über eine geringere Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen preisdämpfend wirkt. In der Schweiz spielt der Franken eine wichtige Rolle, der in einem Umfeld grosser Unsicherheit teurer wird, was sich über die Importpreise ebenfalls negativ auf den Inflationsdruck auswirkt.

Keine Wiederholung von 2022

Ein Anstieg der Inflationsraten in die Höhen von 2022 ist nicht zu erwarten. Die Lieferprobleme beschränken sich auf die Güter, die im Bereich des Persischen Golfes transportiert werden, allen voran Erdöl und Flüssiges Erdgas. Teurer werden aufgrund des Ausfalls der Drehkreuze am Golf auch die Luftfrachtraten. Um das von den Huthis bedrohte Rote Meer haben die Schiffe jedoch bereits jetzt einen grossen Umweg gemacht. Für die meisten Transportrouten gibt es daher keine zusätzlichen Einschränkungen. Die Preise für Container-Transporte bewegen sich im normalen Bereich der letzten Monate. Die Frachtprobleme bei den Tankern aus dem Nahen Osten sind ein individuelles Ereignis, weshalb sich ihre Auswirkungen auf die Inflation in Grenzen halten werden.

Problem für Trump

Der starke Anstieg des Ölpreises ist nicht nur für die Wirtschaft und die Finanzmärkte, sondern auch für Donald Trump ein Problem. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA nähert sich rasch der Marke von 4 US-Dollar pro Gallone. Diese gilt als psychologisch wichtig für die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit der amerikanischen Konsumenten und Wähler. Deswegen wird Trump den Krieg mit dem Iran nicht morgen beenden. Aber er wird versuchen, die Auswirkungen auf den Ölpreis zu begrenzen. Die Inder dürfen beispielsweise wieder russisches Öl kaufen. Trump erwägt auch, einen Teil der Strategischen Ölreserven freizugeben, wie das Biden 2022 auch getan hat. Ob dies den Ölpreis senkt, ist fraglich, da gerade in den USA die Versorgung mit Öl und Benzin nicht eingeschränkt ist. Lassen wir uns überraschen, was Trump sonst noch alles einfällt, um den Druck auf den Erdölpreis zu verringern.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.95%, S&P500: -1.33%, Nasdaq: -1.59%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -1.09%, DAX: -0.94%, SMI: -1.52%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -5.77%, Hang Seng: -1.88%, S&P/ASX 200: -2.85%

Die Aktienmärkte interessieren sich momentan nur für den Ölpreis. Steigt er, sinken die Aktienkurse. Sinkt er, steigen sie. Daran wird sich in den nächsten Tagen wenig ändern. Der S&P 500 verlor letzte Woche 2.02%. Die europäischen Aktien sanken 6.82%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 6.00% abschloss.

Die Vorgänge im Nahen Osten schüren die Angst vor höheren Energiepreisen und einer steigenden Inflation. Dies wird vorderhand anhalten. Die US-Wirtschaft erweist sich insgesamt jedoch als widerstandsfähig, auch wenn der Anstieg des Ölpreises ein Belastungsfaktor ist. Der private Konsum bleibt eine zentrale Stütze. Die für die der Aktienmärkte zentralen Treiber bleiben deshalb intakt.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.181%; DE: 2.860%; CH: 0.389%

Im vergangenen Juni senkte die SNB ihren Leitzins auf 0% und betonte seither mehrfach, dass die Hürden für Negativzinsen hoch seien. Trotz der tiefen Inflation und des starken Frankens rechnen wir daher nicht mit einem weiteren Zinsschritt. Die Schweizer Wirtschaft dürfte in diesem Jahr zwar unterdurchschnittlich wachsen, eine Rezession droht aufgrund der soliden Binnenwirtschaft jedoch nicht. Mehr dazu in unserem Bericht Kein Handlungsbedarf für die SNB.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7787
Euro in US-Dollar: 1.1569
Euro in Franken: 0.9009

Der Euro leidet unter den Anspannungen im Energiemarkt am stärksten. Insbesondere der Anstieg des Preises für Erdgas schürt Ängste, dass die Wirtschaft in der Euroländern stärker leiden wird als anderswo. Das Gegenstück ist der Franken, der in diesem Umfeld gesucht wird.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 107.91 pro Fass
Goldpreis: USD 5'127.68 pro Unze

Der Ölpreis steigt weiter. Solange sich die Lage in der Strasse von Hormuz nicht beruhigt, wird es keine deutliche Entspannung geben. Die Bemühungen der Amerikaner, den Druck auf dem Ölpreis zu senken, sind bisher erfolglos im Sande verlaufen.

Wirtschaft

USA: Non Farm Payrolls (Februar) letzte: 126’000; erwartet: 55’000; aktuell: -92’000
USA: Arbeitslosenrate (Februar) letzte: 4.3%; erwartet: 4.3%; aktuell: 4.4%

In den USA gingen entgegen den Erwartungen im Februar viele Stellen verloren. Die schlechten Arbeitsmarktzahlen sind eine Mischung aus Spezialsituationen wie den Schneestürmen oder Streiks und einer Zunahme der Verunsicherung bei den Unternehmen. Insbesondere im Baugewerbe und in der Freizeit- und Reisebranche gingen Stellen verloren. Es gilt die März-Zahlen abzuwarten, bevor eine genauere Aussage über den amerikanischen Arbeitsmarkt gemacht werden kann.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki,  bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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