02. März 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Einmal mehr Krieg im Nahen Osten

Der Angriff der Amerikaner und der Israeli auf den Iran war zu erwarten. Zu gross war der Aufmarsch der US-Armee, als dass man einfach so wieder abziehen konnte. Für die Welt und die Finanzmärkte ist es ein Déjà-vu.

Im Fokus

Der Angriff der Amerikaner und der Israeli auf den Iran war zu erwarten. Zu gross war der Aufmarsch der US-Armee, als dass man einfach so wieder abziehen konnte. Für die Welt und die Finanzmärkte ist es ein Déjà-vu. In regelmässigen Abständen ist es in den letzten Jahrzehnten im Nahen Osten zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen. Die bisherigen Reaktionen an den Finanzmärkten sind daher nicht überraschend. Die Aktienmärkte haben mit Kursverlusten eröffnet und die sicheren Häfen wie das Gold oder der Franken sind gesucht. Wie es an den Finanzmärkten weitergeht, hängt auch und vor allem davon ab, wie stark sich der Konflikt zeitlich hinzieht und örtlich ausweitet. Dies wird sich erst in den kommenden Tagen oder Wochen zeigen.

Einfluss auf die Weltwirtschaft ist entscheidend

Der Einfluss von politischen Ereignissen auf die Finanzmärkte wird immer durch ihren Einfluss auf die Weltwirtschaft bestimmt. Der Iran und die anderen Länder in der Region gehören wirtschaftlich nicht zu den Grossen und nicht zu den Wachstumsmotoren der globalen Konjunktur. Dass sich die Frage des Einflusses von Konflikten im Nahen Osten auf die Weltwirtschaft überhaupt stellt, hat nur mit deren Auswirkung auf die Energieversorgung und die Energiepreise zu tun. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz und durch das Rote Meer wird für eine gewisse Zeit zum Erliegen kommen. Dies hat zumindest kurzfristig Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit von Erdöl und flüssigem Erdgas. Die Abhängigkeit vom Nahen Osten ist aber bei weitem nicht mehr so gross wie früher. Die Amerikaner produzieren ihr Öl selbst und die Europäer haben ihre Bezüge diversifiziert. Zudem wird Trump Druck auf die Ölproduzenten ausüben, die Förderung an anderen Orten zu erhöhen, damit der Ölpreis und die Benzinpreise in den USA nicht zu stark steigen. Eine Verdoppelung der Energiepreise wie 2022 nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine ist nicht zu erwarten. 

Keine Kurzschlusshandlungen

Die Untergangs- und Crashszenarien werden jetzt wieder Hochkonjunktur haben. Davon darf man sich nicht zu stark beeindrucken lassen. Es ist wichtig, die weitere Entwicklung eng zu verfolgen, aber in Panik Aktien zu verkaufen oder andere Geschäfte zu tätigen, ist Fehl am Platz. Um sich ein genaueres Bild zu machen, muss man die nächsten Tage abwarten.

Grundregeln des Anlegens beachten

Die Vorgänge im Iran haben jedoch einmal mehr in Erinnerung gerufen, dass die Grundregeln des Anlegens für den Anlageerfolg entscheidend sind. Wenn man sie befolgt, kann man auch in der aktuellen Situation ruhig bleiben. Die banalste, aber wichtigste Regel ist die Diversifikation der Anlagen über verschiedene Märkte, verschiedene Regionen und verschiedene Sektoren. Die Aktienquote darf und muss so hoch sein, dass man auch in Stresssituationen nicht verkaufen muss und sein Grundportfolio der Anlagestrategie auch durch stürmische Zeiten halten kann. Die Liquidität der Anlagen ist wichtig, damit man bei Bedarf trotzdem handlungsfähig ist: lieber eine grosskapitalisierte Aktie mehr als ein Alternatives Produkt, das beim leisesten Lüftchen keinen Markt mehr hat. Mit speziellen und exotischen Anlagen darf man experimentieren, aber nur am Rande des Portfolios und mit Volumen, die einem bei Verlusten nicht weh tun. Als Schweizer Anleger kommt noch hinzu, dass der Anteil der Fremdwährungen nicht zu allzu gross sein sollte.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.05%, S&P500: -0.43%, Nasdaq: -0.92%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.38%, DAX: -0.02%, SMI: +0.72%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -1.52%, Hang Seng: -1.50%, S&P/ASX 200: +0.03%

Die vierte Woche in Folge haben die Schweizer Aktienindizes mit einem Plus abgeschlossen. Dies im Unterschied zu den amerikanischen Märkten, die in dieser Zeit an Wert verloren haben. Von der Unruhe im Tech-Sektor sind die Schweizer Aktien nur am Rande betroffen, da dieser Sektor hierzulande mit ein paar Ausnahmen kaum vertreten ist. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.44% zu. Die europäischen Aktien stiegen 0.12%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.83% abschloss.

Die Stimmung der Anleger ist zuletzt von politischen Unsicherheiten belastet worden. Der Krieg im Iran wird für weitere Unsicherheit sorgen. Für die mittelfristige Entwicklung bleiben aber die Konjunktur- und Gewinndynamik zentral. Die für die globalen Aktienmärkte den Ton angebende US-Wirtschaft befindet sich trotz des Rückgangs des Wachstums im vierten Quartal auf 1.4% in einer guten Verfassung. Der wichtige private Konsum bleibt trotz der Abschwächung am Arbeitsmarkt tragfähig und stützt die US-Wirtschaft. Die Unternehmen agieren vorsichtig, was neue Stellen angeht aber auch Entlassungen bleiben begrenzt. Die für die Aktienmärkte zentralen Treiber wie die Perspektiven für die Gewinne der Unternehmen und das Wirtschaftswachstum bleiben deshalb intakt.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 3.958%; DE: 2.643%; CH: 0.208%

Im vergangenen Juni senkte die SNB ihren Leitzins auf 0% und betonte seither mehrfach, dass die Hürden für Negativzinsen hoch seien. Trotz der tiefen Inflation und des starken Frankens rechnen wir daher nicht mit einem weiteren Zinsschritt. Die Schweizer Wirtschaft dürfte in diesem Jahr zwar unterdurchschnittlich wachsen, eine Rezession droht aufgrund der soliden Binnenwirtschaft jedoch nicht. Mehr dazu in unserem Bericht Kein Handlungsbedarf für die SNB.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7693
Euro in US-Dollar: 1.179
Euro in Franken: 0.9046

Der Krieg im Nahen Osten macht den Franken aus Sicht der Anleger attraktiv. Wie stark sich dieser Effekt auswirken wird, bleibt aber abzuwarten. Viel hängt davon ab, wie stark sich die Auseinandersetzungen auf andere Länder ausweiten.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 71.48 pro Fass
Goldpreis: USD 5’365.03 pro Unze

Der Ölpreis ist wie erwartet gestiegen. Der Anstieg hielt sich mit 5% bis 8% je nach Sorte allerdings in Grenzen. Für die weitere Entwicklung wird wichtig sein, wie lange die Transportwege durch die Strasse von Hormuz unterbrochen sind.

Wirtschaft

Schweiz: KOF-Konjunkturbarometer (Februar)
letzter: 103.3; erwartet: 103.0; aktuell: 104.2

Der vorausschauende Konjunkturindikator der ETH Zürich ist im Februar wieder gestiegen. Die positiven Indikationen für eine bessere Konjunkturentwicklung verfestigen sich. Schwierig ist es nach wie vor für die Industrie, wobei auch hier zarte Anzeichen der Besserung zu erkennen sind, insbesondere im Exportbereich.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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