Wirtschaftsausblick 2027: hohe Energiepreise und Konjunkturhoffnungen
Hohe Energiepreise, unklare Aussichten zur Konjunkturentwicklung in Deutschland und anhaltende Unsicherheiten rund um die US-Zölle: Für Ostschweizer KMU bleibt die Budgetplanung für 2027 anspruchsvoll. Unser Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung im In- und Ausland.
Energiepreise und Unsicherheit bleiben hoch
Der Iran-Krieg hat das bisherige Wirtschaftsjahr geprägt. Durch die Blockade der Strasse von Hormus kostete ein Fass Öl der Sorte Brent im Frühling 2026 zeitweise mehr als 120 US-Dollar. Auch aktuell liegt der Preis wieder über der 100-Dollar-Marke. Der für Europa wichtige Gaspreis hat in den letzten Monaten ebenfalls erheblich zugelegt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts dürften auch 2027 eine wichtige Rolle spielen. Es ist damit zu rechnen, dass die Energiepreise hoch bleiben. Gleichzeitig belastet die globale Unsicherheit weiterhin das Klima für Investitionen in neue Maschinen und Ausrüstung.
Weltwirtschaft wächst trotz Inflationsschub
Die hohen Energiepreise haben einen globalen Inflationsschub ausgelöst. In den USA und der Eurozone lag die Inflationsrate im August deutlich über 3%. Dieses Umfeld wirkt sich auf die Weltwirtschaft aus, die sich dennoch nach wie vor robust zeigt. Wichtige Stützen sind die stabile US-Wirtschaft und Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Auch 2027 wird die Weltwirtschaft trotz anhaltender Risiken solide weiterwachsen. In wichtigen Absatzmärkten wie den USA oder Europa dürfte das Wachstum aber erneut unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.
Deutschland: Aufschwung ist schmal und rüstungsabhängig
Für die Ostschweizer Exportwirtschaft spielt die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland eine zentrale Rolle. Die deutsche Wirtschaft befindet sich zwar in einer besseren Lage als noch vor zwei Jahren, die Erholung bleibt aber auf einem tiefen Niveau. Ein klarer konjunktureller Aufschwung ist bislang nicht absehbar. Die positiven Impulse kommen in erster Linie aus der Rüstungsindustrie, getrieben durch staatliche Grossaufträge. Für 2027 wird entscheidend sein, ob und wie stark sich der positive Trend auf weitere Branchen ausweitet und dadurch an Dynamik gewinnt. Die strukturellen Herausforderungen bleiben gross – vor allem in der für Ostschweizer Zulieferer wichtigen deutschen Autoindustrie.
Ostschweiz: Silberstreifen für die Exportindustrie?
Die Situation in der Ostschweizer Industrie ist seit Längerem anspruchsvoll. Fehlende konjunkturelle Impulse aus Deutschland, der über Jahre starke Franken und die US-Zölle haben Spuren hinterlassen. Gemäss Unternehmensumfragen des KOF-Instituts der ETH Zürich verzeichneten im August rund 40% der befragten Ostschweizer MEM-Firmen einen zu tiefen Auftragsbestand. Zuletzt gab es zwar erste Anzeichen für Verbesserungen, insbesondere in der Elektroindustrie. Der Aufschwung konzentriert sich aber auf Firmen, die vom globalen KI-Boom profitieren. Ob sich diese Entwicklung im nächsten Jahr auf weitere Unternehmen und Branchen ausweitet, bleibt offen. Weiterhin positiv ist die Lage in der Ostschweizer Bauwirtschaft. Tiefe Zinsen und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum stützen die Branche. Das dürfte auch 2027 so bleiben.
2027: Risiken bleiben
Trotz zuletzt positiverer Konjunktursignale bleibt das Umfeld für die Ostschweizer Wirtschaft anspruchsvoll. Dies gilt besonders für exportorientierte Unternehmen. Neben den hohen Energiepreisen bleibt auch der US-Absatzmarkt ein Risiko. In den USA laufen weitere Untersuchungen, die zusätzliche Zölle nach sich ziehen könnten. Auch eine erneute Aufwertung des Frankens bleibt ein realistisches Szenario. Zwar hat er sich dieses Jahr trotz geopolitischer Turbulenzen etwas abgeschwächt. Faktoren wie hohe Staatsschulden, die den Euro und den US-Dollar bereits in der Vergangenheit belastet haben, bestehen jedoch weiterhin. Die aktuelle währungstechnische Verschnaufpause für die Exportindustrie ist nicht durch strukturelle Faktoren gestützt. Allen Risiken zum Trotz: Die Ostschweizer Wirtschaft hat mehrfach gezeigt, dass sie sich an schwierige Rahmenbedingungen anpassen und innovative Lösungen finden kann.
Herausgegriffen: SNB behält Leitzins unverändert bei 0%
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins im September unverändert bei 0% belassen. Wie üblich begründet die Zentralbank ihren Entscheid mit der Entwicklung der Inflation. Diese ist in den letzten Monaten zwar leicht angestiegen, aber in erster Linie aufgrund höherer Energiepreise. Zentralbanken reagieren üblicherweise erst dann, wenn sich dieser Preisdruck auf andere Waren und Dienstleistungen ausweitet oder ein solcher Effekt erwartet wird. Dafür hat es in der Schweiz bisher aber keine klaren Anzeichen gegeben. In unserem Basisszenario wird die SNB deshalb ihren Leitzins weiter bei 0% halten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die SNB im Verlauf des nächsten Jahres das Nullniveau verlässt, um sich für einen möglichen künftigen Krisenfall wieder etwas geldpolitischen Spielraum zu verschaffen. Angesichts der mittelfristig weiterhin nur moderaten Inflationsdynamik rechnen wir aber aktuell nicht damit. Der Leitzins dürfte in jedem Fall tief bleiben.