Mann bereitet pflanzliche Fischknusperli auf einem Teller zu

Fisch ohne Fisch: wie die Catchfree AG Seafood neu denkt

Fischknusperli und Lachs ohne Fisch? Die Catchfree AG produziert Seafood aus pflanzlichen Zutaten und beliefert damit schweizweit mehr als 300 Betriebe. Das Appenzeller Start-up hat für seine innovative Geschäftsidee und deren erfolgreiche Entwicklung den Förderpreis «Startfeld Diamant» der St.Galler Kantonalbank gewonnen.

Von der Produktidee zum Unternehmen

«Man kann gar nicht früh genug Feedback zu einem neuen Produkt einholen.» Für Severin Eder ist das eines der wichtigsten Learnings seit der Gründung der Catchfree AG. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Eduard Müller hat er aus einer Produktidee innerhalb kurzer Zeit ein Unternehmen aufgebaut, das heute mehr als 300 Gastronomie- und Verpflegungsbetriebe in der Schweiz beliefert. Zum Angebot gehören pflanzliche Fischknusperli, Fischburger, Fischstäbli, Thunfisch und Lachs.

Die Ozeane schützen

Fisch und Meeresfrüchte werden heute laut Severin Eder zu 97% importiert, gleichzeitig seien die Meere vielerorts überfischt. Hinzu komme, dass die kontrollierten Aufzuchten von Fischen oft umwelt- und gesundheitsschädlich seien. Für Eder und Müller entstand daraus die Frage, wie sich vertraute Seafood-Gerichte auf pflanzlicher Basis umsetzen lassen, ohne auf den typischen Geschmack zu verzichten. «Wir wollen Genuss, Erlebnis und Wohlbefinden mit nachhaltigem Effekt auf den Teller bringen», sagt Eder.

Mikroalgen als Quelle für Omega-3-Fettsäuren

Die beiden Gründer stellen ihr Seafood mit pflanzlichen Zutaten wie Pilz- und Sojaproteinen sowie Mikroalgen her. «Wir nutzen die Mikroalgen als Quelle für Omega-3-Fettsäuren», sagt Severin Eder. «Fische entwickeln diese Fettsäuren nicht selbst, sondern nehmen sie über ihre Nahrung auf – vor allem über Mikroalgen. Diese produzieren von Natur aus grosse Mengen an Omega-3-Fettsäuren.» Der Omega-3-Gehalt der Catchfree-Produkte entspricht laut Eder etwa jenem vergleichbarer Fischprodukte. Die Algen, die Catchfree von europäischen Produzenten bezieht, liefern zudem den typischen Meergeschmack.

Degustation von pflanzlichem Seafood in einer Küche
Nah am Markt: Severin Eder (links) und Eduard Müller (Mitte) entwickeln die Produkte von Catchfree gemeinsam mit Gastronomen oder Restaurantmanagern wie Patrick Schmiech vom Restaurant Brauwerk in St.Gallen (rechts) weiter. Dabei werden nicht nur Prototypen getestet und perfektioniert, sondern auch neue Menüs mit pflanzlichem Seafood kreiert.

Enge Zusammenarbeit mit Gastronomie sowie Köchinnen und Köchen

Das erste marktfähige Produkt waren pflanzliche Fischknusperli. Diesen Schweizer Klassiker produzierte die Catchfree AG für die Sommersaison 2025 und schaffte damit einen erfolgreichen Markteintritt. Es folgten bald Fischburger, Fischstäbli, Thunfisch und Lachs. Bei der Entwicklung der Produkte arbeitet das junge Unternehmen eng mit Gastronominnen und Gastronomen sowie mit Köchinnen und Köchen zusammen. Sie testen und beurteilen die Prototypen. So erhält Catchfree bereits während der Entwicklung Rückmeldungen dazu, wie sich die Produkte zubereiten lassen, ob sie im Gastronomiealltag funktionieren und wie sie bei den Gästen ankommen.

SGKB als Finanzpartner für die Wachstumsphase

Zum Kontakt zwischen Catchfree und der St.Galler Kantonalbank kam es über die Stiftung Startfeld. In der Gründungs- und Aufbauphase liessen sich Severin Eder und Eduard Müller von der SGKB zu den finanziellen Bedürfnissen ihres Unternehmens beraten. Bei der Kapitalerhöhung unterstützte die Bank Catchfree mit einem Kapitaleinzahlungskonto. Für das tägliche Banking nutzt das Unternehmen unter anderem ein Kontokorrentkonto, Kartenlösungen sowie die EBICS-Schnittstelle für den Zahlungsverkehr. Eder: «Für mich sind jedoch nicht nur die Finanzprodukte wichtig, sondern auch kurze Wege, persönliche Ansprechpartner und dass auf neue Bedürfnisse rasch reagiert wird.»

Produktion von pflanzlichen Fischburgern
Hergestellt aus natürlichen Zutaten und im Geschmack kaum von echtem Fisch zu unterscheiden: der pflanzliche Fischburger.
Zubereitung von pflanzlichen Lachs-Chunks
Für sein tierfreies Seafood hat die Catchfree AG den Förderpreis «Startfeld Diamant» gewonnen.

«Startfeld Diamant» als Zugang zur Wirtschaft

Mit seinen pflanzlichen Seafood-Produkten hat das Appenzeller Start-up 2026 den «Startfeld Diamanten» gewonnen. Diese Auszeichnung vergibt die St.Galler Kantonalbank an Ostschweizer Start-ups in der Wachstumsphase. «Der Preis ist eine Anerkennung für die harte Arbeit des Teams und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Severin Eder. «Der ‹Startfeld Diamant› hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Das darauf folgende mediale Interesse war enorm und die Auszeichnung verschaffte uns Zugang zu Experten aus Wirtschaft und Finanzierung, potenziellen Investoren und Partnern sowie anderen Jungunternehmern.»

Auf Wachstumskurs Richtung Deutschland

Die zusätzliche Sichtbarkeit durch den Gewinn des «Startfeld Diamanten» und der Zugang zu einem breiten Netzwerk waren wichtig für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Denn knapp zwei Jahre nach der Gründung hat Catchfree 2026 Fuss gefasst im Schweizer Markt. Nun will das Ostschweizer Jungunternehmen den nächsten Wachstumsschritt machen. Der Blick richtet sich dafür nach Deutschland. Dort hat Catchfree seine Produkte bereits bei einem Händler listen können und steht vor dem Abschluss erster Verträge mit Gastronomiebetrieben.


Interview mit Severin Eder

«Die SGKB macht ein starres System für Start-ups zugänglich»

Co-Gründer der Catchfree AG

Warum imitieren Sie Seafood?

Wir setzen bei dem an, was die Menschen kennen: Fisch und Meeresfrüchte sind fest in unserer Esskultur verankert. Wir greifen diese Gewohnheiten auf und verbinden sie mit einer neuen, tierfreien Produktionsweise. So wird Innovation zugänglich und bleibt nicht fremd. Unser Seafood bietet Genuss, ist unbelastet und trägt dadurch zum Wohlbefinden jeder und jedes Einzelnen bei.

Auf welche Erfolge blicken Sie zurück?

Unser Unternehmen wächst: Nur zehn Monate nach dem Markteintritt belieferten wir schweizweit über 300 Gastronomie- und Verpflegungsbetriebe. Erfolg bedeutet für uns aber nicht nur Umsatzzahlen. Wir freuen uns, wenn wir Menschen, die uns noch nicht gekannt haben, mit einem positiven Genusserlebnis überraschen können.

Welchen Herausforderungen sind Sie begegnet?

Bei Lebensmitteln ist das Genusserlebnis entscheidend. Wir wussten: Unser Produkt muss die Erwartungen erfüllen, das erzeugt Druck. Wir hatten das Glück, tolle Partner in der Gastronomie und der Distribution zu finden, die unsere Produkte begeistert mitentwickelten und sie schliesslich ins Angebot aufnahmen.

Welche Rolle spielte die St.Galler Kantonalbank bei der Gründung Ihres Unternehmens?

Die St.Galler Kantonalbank war als zuverlässige Finanzpartnerin von Anfang an dabei und verstand unsere Bedürfnisse als Start-up. Uns sind direkte Ansprechpersonen wichtig, die unkompliziert und gut erreichbar sind. In einem jungen Unternehmen verändern sich Situationen von einem Tag auf den anderen. Die SGKB versteht diese Dynamik. Ein Beispiel: Während unserer ersten Finanzierungsrunde brauchten wir kurzfristig ein neu ausgestelltes Dokument zu unseren Kontounterlagen. Bei grossen Banken ist das oft ein starrer Prozess, der mehrere Wochen dauern kann. Dank des direkten Kontakts war die Angelegenheit bei der SGKB innerhalb zweier Tage erledigt. So macht sie ein starres System für Start-ups zugänglich.

Was hat Ihnen die Auszeichnung «Startfeld Diamant» gebracht?

Der «Startfeld Diamant» der SGKB ist eine wertvolle Plattform, um die Innovationskraft von Start-ups sichtbar zu machen. Hinzu kommt, dass wir ohne diesen Förderpreis nie die Aufmerksamkeit erlangt hätten, die auf die Verleihung folgte. Er hat nicht nur das mediale Interesse markant erhöht, sondern uns auch Zugang zu einem bedeutenden Netzwerk aus Experten für Wirtschaft und Finanzierung, potenziellen Investoren und Partnern sowie anderen innovativen Jungunternehmern verschafft.

Pflanzliche Fischknusperli auf einem Teller
Pflanzliche Fischknusperli. Bilder: Catchfree AG
Cremige Pasta mit pflanzlichem Lachs auf einem Teller
Cremige Pasta mit pflanzlichem Lachs.
Pflanzlicher Thunfisch in einem Sandwich
Tierfreie Thunfisch-Chunks in einem Sandwich.
Pflanzliche Fischstäbchen auf einem Teller
Pflanzliche Fischstäbchen.

KMU-Tipps von Severin Eder

  1. Früh testen
    Produkte und Dienstleistungen möglichst früh bei potenziellen Kundinnen und Kunden testen und Rückmeldungen konsequent in die Weiterentwicklung einbeziehen.
  2. Partner einbinden
    Mit vertrauensvollen Partnern und Fachpersonen zusammenarbeiten, welche die Geschäftsidee verstehen und mittragen.
  3. Netzwerk aufbauen
    Kontakte zu Fachpersonen, potenziellen Investoren, Partnern und anderen Jungunternehmern aktiv pflegen.
  4. Offen bleiben
    Externe Perspektiven zulassen und bereit sein, die eigene Lösung infolge neuer Erkenntnisse weiterzuentwickeln.
  5. Vision verfolgen
    Auch bei neuen Herausforderungen und Veränderungen das langfristige Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Weiterführende Informationen:

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