Berg mit Pflanzenkohle als CO2-Senke der Inkoh AG

Inkoh AG: Pflanzenkohle als CO₂-Senke

Die Bündner Inkoh AG entwickelt und produziert hochwertige, biozertifizierte Pflanzenkohle aus unbehandeltem Waldrestholz. Pflanzenkohle verbessert Böden, speichert CO₂ langfristig und unterstützt als Futterzusatz bei Kühen eine gesunde Verdauung. Die neueste Innovation des Unternehmens: KLARK, ein klimaneutraler Beton.

KLARK: Recycelbarer, robuster und CO₂-neutraler Beton

KLARK hat Eigenschaften, die ihn zu etwas Besonderem machen. Wie herkömmlicher Beton ist er frei formbar, langlebig, robust, druckfest, wasserundurchlässig und bietet guten Schallschutz: Vorzüge, die Beton zum meistverwendeten Baustoff der Welt machen. Zusätzlich ist KLARK vollständig recycelbar und CO₂-neutral. Langfristig kann er bis zu 200 Kilogramm CO₂ pro Kubikmeter speichern. Ein damit gebautes Einfamilienhaus kann so den CO₂-Fussabdruck des verwendeten Zements ausgleichen. Dieser dient im Beton als Bindemittel und verursacht bei seiner Herstellung viel CO₂. Möglich macht die Kompensation eine entscheidende Zutat im Klimabeton: Pflanzenkohle.

Einbau des KLAR Klimabeton der Inkoh AG
Bildquelle: Inkoh AG (KLARK Klimabeton)
Sichtbeton mit KLAR Klimabeton der Inkoh AG

Pyrolyse: Hochporös und gleichzeitig sehr stabil

Die Inkoh AG, eine Tochtergesellschaft des Bauunternehmens Zindel United mit Sitz in Maienfeld, ist eine Pionierin in der Entwicklung und Herstellung hochwertiger Pflanzenkohle in der Schweiz. Pflanzenkohle besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff, ist hochporös und gleichzeitig sehr stabil. Sie wird durch Pyrolyse hergestellt. Dabei wird Biomasse, zum Beispiel Holz, bei Temperaturen zwischen 550 und 800 °C und unter Ausschluss von Sauerstoff verkohlt. «Flüchtige Bestandteile wie Wasser, Harze oder Öle entweichen als Gas. Zurück bleibt fester Kohlenstoff mit unzähligen Poren», sagt Noel Schweizer, Geschäftsführer der Inkoh AG. «Durch ihre poröse und stabile Struktur besitzt Pflanzenkohle eine grosse spezifische Oberfläche. Diese Eigenschaft macht sie für viele Anwendungen interessant.»

Pflanzenkohle: CO₂ über Jahrhunderte im Boden speichern

Pflanzenkohle entfalte ihre grösste Kraft als CO₂-Senke, sagt Noel Schweizer. Das funktioniert so: Pflanzen nehmen über die Photosynthese CO₂ aus der Luft auf und wandeln es in pflanzliche Biomasse um. Verrotten sie, wird der darin gebundene Kohlenstoff wieder als CO₂ an die Luft abgegeben. Der Kreislauf schliesst sich. Bei der Pyrolyse wird ein Teil dieses Kohlenstoffs in eine stabile Form umgewandelt. Da sich Pflanzenkohle im Boden nur sehr langsam abbaut, bleibt der Kohlenstoff über Jahrhunderte gespeichert. Mit ihren Pflanzenkohle-Produkten will die Inkoh AG einen Beitrag leisten zur Erreichung des Klimaziels Netto-Null 2050. Dazu arbeitet sie auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen wie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der OST – Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil zusammen – beispielsweise bei der Entwicklung von Baumsubstraten und dem Klimabeton KLARK.

Personen stehen vor einer Abfüllanlage von Pflanzenkohle der Inkoh AG
Tim Röttig (links) Verantwortlicher Grüne Branche, Vertrieb und Produktentwicklung, Joël Heggli (Mitte) Planung und Umsetzung, und Noel Schweizer (rechts), Geschäftsführer, vor dem Herzstück der Pyrolyseanlage in Landquart.

Massgeschneiderte Finanzlösungen

Innovationen voranzutreiben, ist nicht nur aus technischer Sicht eine Herausforderung. «Sie müssen auch finanzierbar sein», sagt Romano De Giorgi, Finanzchef der Muttergesellschaft Zindel United. Dabei sei das Fremdkapital neben den verwendeten Eigenmitteln eine zentrale Erfolgsgrösse. «Mit der St.Galler Kantonalbank haben wir eine Bank gefunden, die stets bestrebt ist, auf unsere Finanzierungsbedürfnisse einzugehen und sie im Rahmen des Möglichen zu strukturieren. So wie bei der Finanzierung der neuen Produktionsanlage für Pflanzenkohle in Landquart.» Auch wirtschaftlich und geopolitisch unsichere Zeiten fordern Unternehmen. «Die SGKB unterstützt uns mit fundiertem Finanz-Know-how und erarbeitet massgeschneiderte Lösungen.»

Carbon Black: bald die nächste Innovation?

Für die Inkoh AG ist klar: In Pflanzenkohle steckt noch viel Potenzial. Nach dem Klimabeton tüftelt die Greentech-Pionierin an der nächsten Innovation: einem CO₂-neutralen Ersatz für Carbon Black. Carbon Black, auch bekannt als «Industrieruss», ist ein feines, schwarzes Pulver aus Kohlenstoff, das durch das kontrollierte Verbrennen von fossilen Rohstoffen wie Öl oder Gas entsteht. Die Industrie verwendet Carbon Black als Verstärkungsfüller etwa in Reifen oder als Farbpigment in Kunststoffen oder Lacken. Statt aus fossilen Rohstoffen will die Inkoh AG Carbon Black künftig aus Pflanzenkohle herstellen. «Wir müssen den Pyrolyseprozess so optimieren, dass die Pflanzenkohle bestimmte Leitfähigkeitsparameter erfüllt. Zudem muss sie sehr rein sein für die industrielle Anwendung. Danach wird die Pflanzenkohle zu einem extrem feinen Pulver vermahlen», sagt Noel Schweizer.

Eine Handvoll Restholz, mit der die Inkoh AG mittels Pyrolyse Pflanzenkohle herstellt.
Im Ofen wird mittels Pyrolyse Pflanzenkohle hergestellt.
Personen stehen vor einer Abfüllanlage von Pflanzenkohle der Inkoh AG
Eine Hand voll Pflanzenkohle der Inkoh AG als CO2-Senke

Interview mit Noel Schweizer

Pflanzenkohle: warum Temperatur und Rohstoff entscheidend sind

Geschäftsführer Inkoh AG

Noel Schweizer von der Inkoh AG

Was unterscheidet Pflanzenkohle von Grillkohle?

«Beide Kohlen werden aus Biomasse hergestellt. Bei der Grillkohle sind die Temperaturen tiefer, dadurch wird sie weniger stark verkohlt. Sie enthält unter Umständen auch Toxine, sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Pflanzenkohle darf keine PAK enthalten, sonst darf sie nicht in der Landwirtschaft und zur Bodenverbesserung eingesetzt werden. Sie wird in einem kontinuierlichen Prozess unter deutlich kontrollierteren Umständen hergestellt.»

Wie wichtig ist die Art der Biomasse?

«Die verwendete Biomasse beeinflusst die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Pflanzenkohle. Nadel- und Hartholz haben beispielsweise verschiedene Energiegehalte und eine unterschiedliche Porenstruktur. Wir erhalten entweder mehr spezifische Oberfläche oder eine dichtere Pflanzenkohle.»

Welche Biomasse nutzt die Inkoh AG?

«Wir verwenden unbehandeltes Waldrestholz aus der regionalen Forstwirtschaft. Im Jahr verarbeiten wir Häckselschnitzel mit einem Volumen von rund 80’000 Schüttraummeter.»

Was zeichnet die Inkoh-Pflanzenkohle aus?

«Unsere Pflanzenkohle ist sehr rein und hat einen Kohlenstoffgehalt von über 90 Prozent. Zudem entspricht sie den Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards des European Biochar Certificate (EBC). Deshalb darf sie auch in der Bio-Landwirtschaft eingesetzt werden.»


Fruchtbare Böden, vitale Stadtbäume und gesunde Nutztiere

Pflanzenkohle ist eine effektive Bodenverbesserin. Wie ein Schwamm kann sie viel Wasser und Nährstoffe speichern und langsam wieder abgeben. Zudem belüftet sie den Boden, fördert Mikroorganismen und steigert so Fruchtbarkeit und Ertrag. In Städten schützt Pflanzenkohle Bäume gegen Trockenheit, indem sie Wasser und Nährstoffe im Wurzelbereich speichert und die Bodenstruktur auflockert. In der Nutztierhaltung wird Pflanzenkohle gerne als Futterzusatz oder Stalleinstreu verwendet. Als Futterkohle reguliert sie die Verdauung und beugt Durchfall vor. Zudem bindet sie Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt, fördert eine gesunde Darmflora und verbessert die Nährstoffaufnahme. Im Stall sorgt sie als Einstreuzusatz für eine bessere Hygiene, indem sie Feuchtigkeit aufnimmt und den Ammoniak- und Schwefelgeruch bindet, was die Luftqualität verbessert.

Ein Pferd steht vor einem Sack voll Pflanzenkohle der Inkoh AG, das als Futterzusatz oder Stalleinstreu dienen kann.
Ein Sack voll Pflanzenkohle als effektive Bodenverbesserin: Wie ein Schwamm kann sie viel Wasser und Nährstoffe speichern und langsam wieder abgeben. Zudem belüftet sie den Boden, fördert Mikroorganismen und steigert so Fruchtbarkeit und Ertrag.

Interview mit Corin Krebs

Wie hat die SGKB die Inkoh AG bisher unterstützt?

«Da ist zum einen der Betriebskredit. Dieser sichert die Liquidität. Zum anderen unterstützen wir die Inkoh AG mit einer Hypothek für den Bau des neuen Hauptsitzes in Landquart sowie mit unseren Basisprodukten.»

Wo siehst du aktuell die grössten Herausforderungen für KMU?

«Die unsicheren Zeiten dämpfen den Auftragseingang und die KMU sind grösstenteils erneut mit steigenden Preisen konfrontiert. Nicht nur direkt bei Treibstoff und Energie, sondern auch seitens der Lieferanten.»

Wie kann die SGKB ihren Firmenkunden dabei unter die Arme greifen?

«Als Bank übernehmen wir eine Ankerfunktion. Wir stehen unseren Kundinnen und Kunden zur Seite und pflegen einen intensiven Austausch. Gerade in unsicheren Zeiten ist Beständigkeit besonders wichtig. Wo nötig, unterstützen wir sie dabei, passende Massnahmen zu identifizieren. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein.»

Portraitfoto von Corin Krebs, Senior Beraterin Firmenkunden bei der St.Galler Kantonalbank

«Als Bank haben wir eine Ankerfunktion»

Senior Beraterin Firmenkunden bei der St.Galler Kantonalbank

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