18. Juni 2026, Tägliche Marktsicht

Zwischen Friedenshoffnung und Zinssorgen

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten und eine mögliche Öffnung der Strasse von Hormus stützten die europäischen Aktienmärkte, während restriktive Signale der US-Notenbank die US-Börsen deutlich belasteten.

US-Notenbank lässt Leitzins auch unter Kevin Warsh unverändert

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins gestern unverändert bei 3.50-3.75% belassen. Das Interesse der Marktteilnehmer galt vor diesem Hintergrund insbesondere der ersten Pressekonferenz des neu gewählten Notenbank-Chefs Kevin Warsh und den kommunikativen Veränderungen gegenüber seinem Vorgänger Jerome Powell. Tatsächlich waren einige Veränderungen auf den ersten Blick erkennbar. So deutete Kevin Warsh an, zukünftig spärlicher kommunizieren zu wollen, als das bisher üblich war. Folglich wurde das Resultat der zweitätigen Sitzung des Offenmarktausschusses nur noch in einem äusserst knappen Statement festgehalten. Ebenfalls wurde auf eine sogenannte «Forward Guidance», in der eine mögliche Richtung der zukünftigen Geldpolitik aufgezeigt wird, verzichtet.

Vorerst beibehalten wurde hingegen die Veröffentlichung der sogenannten «Dot Plot»-Grafik, in der die Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre Prognosen für die nächsten Jahre abgeben. Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh verzichtete jedoch seinerseits darauf. Von den 18 verbleibenden Mitglieder erwartet die Hälfte per Jahresende einen leicht höheren Leitzins, während acht einen gleichbleibenden und eine Person einen leicht tieferen Leitzins prognostiziert. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank in diesem Jahr keine Leitzinsveränderung vornehmen wird.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.39%, SPI: +0.53%, SMIM: +1.23%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss am Mittwoch moderat im Plus. Hoffnung auf eine Entspannung im Nahostkonflikt stützte die Kurse, während der bevorstehende Fed-Zinsentscheid die Anleger vorsichtig bleiben liessen. Das zwischen Washington und Teheran ausgehandelte Rahmenabkommen wurde am G7-Gipfel als wichtiger Schritt zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms gewürdigt. An den Finanzmärkten sorgte insbesondere die Aussicht auf eine mögliche Öffnung der strategisch wichtigen Strasse von Hormus für Optimismus. Der SMI gewann 0.4% auf 13'815 Punkte und überschritt damit erstmals seit Ende Februar wieder die Marke von 13'800 Punkten. Besonders gefragt waren Pharmawerte. Zu den Gewinner zählten Novartis (+1.1%), Roche (+1.2%), Amrize (+1.6%), ABB (+1.6%) und Holcim (+2.2%). Schwächere Kurse stellten die Werte von Nestlé (-0.6%), Swiss Re (-0.7%), Logitech (+1.7%) und Swisscom (-1.7%).

Am breiten Markt stiegen die Aktien des Halbleiterunternehmens Comet um 6.1% nach einer deutlichen Kurszielerhöhung durch einen Broker. Eine noch stärkere Tagesperformance zeigte der Dentalspezialist Straumann (+10.8%), als das Unternehmen den Ausblick für die Gewinnmargen für das laufende Jahr anhob. Die Aktien von Bystronic (-4.6%) fielen, nachdem das Unternehmen seine Erwartungen für das zweite Quartal gesenkt hatte. Der Maschinenbauer rechnet zwar mit einem höheren Auftragseingang und Umsatz gegenüber dem 1. Quartal 2026, diese dürften jedoch unter den bisherigen Prognosen liegen. Für das Gesamtjahr erwartet Bystronic weiterhin einen Umsatz über Vorjahresniveau, während sich die Profitabilität gegenüber 2025 voraussichtlich nicht verbessern wird.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.68%, DAX: +0.10%

Die europäischen Aktienmärkte setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Der EuroStoxx 50 (+0.7%) überschritt erstmals die Marke von 6'300 Punkten und profitierte von der Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung im Nahen Osten sowie einer möglichen Öffnung der Strasse von Hormus. Auch der deutsche DAX und der britische FTSE100 (je +0.1%) schlossen leicht in der Gewinnzone. Der französische CAC40 verlor 0.2%. Gefragt waren vor allem Technologie- und Bankaktien, während Autowerte unter Druck standen. Die Aktien von BMW fielen (-8.3%), nachdem der Autobauer seine Prognose deutlich gesenkt hatte. Aufgrund der schwachen Nachfrage in China und der Belastungen durch den Nahostkonflikt könnte die Gewinnmarge 2026 auf nur noch 1% fallen. Zudem plant BMW weitere Kostensenkungsmassnahmen, die das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte belasten dürften.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.98%, S&P 500: -1.21%, Nasdaq: -1.34%

Die amerikanischen Aktienmärkte schlossen nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank deutlich tiefer. Die Fed  stellte die Bekämpfung des Preisauftriebs klar in den Vordergrund. Damit schwanden die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen, während am Markt inzwischen sogar eine Zinserhöhung im Oktober als möglich gilt. Der Dow Jones verlor 1.0%, der S&P 500 1.2% und der Nasdaq 1.3%. Auf Sektorenebene schlossen sämtliche Bereich in der Verlustzone. Am stärksten wurden die Sektoren Immobilien, Zyklischer Konsum, und Kommunikationsdienste belastet. Der Technologiesektor gab gestern wieder einmal ein geteiltes Bild ab. Während die Halbleiterunternehmen eine leicht positive Performance aufwiesen, fielen Aktien von Software und Services um 3.2%. Ebenfalls negativ notierten die Titel von SpaceX mit einem Tagesverlust von 5.0%.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.45%; DE: 2.93%; CH: 0.34%

In einer ersten Reaktion auf den Leitzinsentscheid der US-Notenbank Fed stieg die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe um etwa 7 Basispunkte an. Allerdings wurde ein Grossteil dieses Anstiegs über Nacht bereits wieder wettgemacht. Die Zinsen in der Schweiz glitten gestern im Vorfeld des heute Morgen anstehenden Zinsentscheids der Schweizerischen Nationalbank weiter zurück. Es wird mit einem unveränderten Leitzins gerechnet.

Währungen

Euro in Franken: 0.920
US-Dollar in Franken: 0.799
Euro in US-Dollar: 1.152

Der US-Dollar profitierte vom Leitzinsentscheid der US-Notenbank Fed und der Aussicht auf eine mögliche Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr. Entsprechend legte der Greenback gegenüber sämtlichen G10-Währungen zu. Heute richtet sich der Fokus auf den Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank, an dem jedoch keine Überraschungen zu erwarten sind.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 77.75 pro Fass
Goldpreis: USD 4'299.22 pro Unze

Mit der vorzeitigen Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran ist der Ölpreis gestern weiter gefallen. Insgesamt verbilligte sich der Ölpreis in den letzten sechs Handelstagen damit um über 16%. Klar ist allerdings auch, dass der Deal erst der Auftakt weiterer schwieriger Verhandlungen ist. Im Fokus stehen nun die Normalisierung der Schifffahrt in der Strasse von Hormus sowie das Ausmass der Schäden an der regionalen Energieinfrastruktur.

Wirtschaft und Konjunktur

Abgesehen vom Fed-Leitzinsentscheid wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.

Florian Hiltpold

Portraitfoto von Florian Hiltpold, Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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