16. März 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Zinserhöhung statt Negativzinsen?

Die Erwartungen an die Geldpolitik der Zentralbanken haben gedreht. In den USA sind die Fantasien für Zinssenkungen verflogen.

Im Fokus

Die Erwartungen an die Geldpolitik der Zentralbanken haben gedreht. In den USA sind die Fantasien für Zinssenkungen verflogen. Die EZB-Präsidentin Lagarde zeigt sich proaktiv schon mal besorgt über eine steigende Inflation und verspricht ein recht- um nicht zu sagen vorzeitiges Handeln. Entsprechend reagiert der Finanzmarkt und geht von einer Zinserhöhung der EZB im Sommer aus. Die Prognosen für Negativzinsen der SNB, welche vor zwei Wochen angesichts der Stärke des Frankens wieder hervorgeholt wurden, haben einer ersten erwarteten Zinserhöhung im Dezember platzgemacht. Die Renditen der langfristigen Obligationen sind ebenfalls gestiegen. Der 10-jährige Swap-Zins im Franken erhöhte sich von 0.41% auf 0.62%, liegt damit aber unter dem Wert von Anfang Jahr. Getrieben wird die Meinungsänderung durch die Angst vor einem neuerlichen Inflationsschub wie 2022, die insbesondere für die Schweiz unbegründet ist.

Einfluss des Erdölpreises auf die Inflationsrate ist beschränkt

Im Warenkorb des Bundesamtes für Statistik für die Berechnung der Inflationsrate machen die Erdölprodukte nur 2.1% aus. Wenn diese wie 2022 50% teurer werden, wovon wir weit entfernt sind, steigt die Inflationsrate auf rund 1%. Die Flugpreise, die ebenfalls rasch auf einen hohen Erdölpreis reagieren, machen ein weiteres Prozent im Warenkorb aus und werden die Inflationsrate auch noch etwas anheben. Ohne die indirekten Effekte auf die anderen Warengruppen aufgrund höherer Transport- und Produktionskosten, die erst mit einer Verzögerung wirksam werden und einen dauerhaften hohen Erdölpreis bedingen, wird die Inflationsrate nicht über die obere Grenze des Zielbandes der SNB von 2% hinausschiessen.

Stabilisierende Elemente dominieren

Bei der Berechnung der Schweizer Inflationsrate dominieren die Dienstleistungen mit einem Gewicht von 62%. Die Preise dieser Warengruppe hängt vor allem von den Lohnkosten ab, welche träge sind. Bei einer genaueren Beurteilung der Inflationsberechnung fallen die Wohnungsmieten mit einem Gewicht von 19% auf. Diese werden zum einen nur alle drei Monate erfasst und benötigen für einen Sprung nach oben eine Anpassung des Referenzzinssatzes für die Mieten. Eine solche wird erst ein Thema, wenn die SNB den Zielwert für den Saron erhöht und damit der Zins der Saron-Hypotheken steigt. Die Preise im Gesundheitsbereich mit einem Gewicht von 17% sind ebenfalls keinen starken kurzfristigen Schwankungen unterworfen. Dazu kommen die Administrierten Preise, welche mit 25% die am stärksten gewichtete Gruppe sind und innert Kürze auch nicht in den Himmel wachsen. Die Preise in der Schweiz sind viel weniger dynamisch als in den USA. Das hat sich auch während der letzten Inflationsphase 2022 gezeigt, als die Inflationsrate nicht über 3.5% anstieg.

Kein Grund zur Eile

Für die SNB gibt es trotz dem starken Anstieg des Erdölpreises keinen Grund, bei ihrem geldpolitischen Entscheid am Donnerstag eine mögliche Zinserhöhung anzudeuten. Die Inflation und die Inflationserwartungen sind in der Schweiz auf einem tiefen Niveau. Die Ausgangslage ist zudem eine andere als 2022. Im Nachgang der Corona-Pandemie hatten die Leute viel Geld, welches sie plötzlich wieder ausgeben konnten und wollten. Diese Nachfrage prallte auf einen Produktionsprozess, der aufgrund der Lieferkettenprobleme nach dem Corona-Lockdown noch nicht funktionierte, was sich in zum Teil deutlich höheren Preisen ausdrückte. Die hohen Energiepreise nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine verstärkten somit einen Inflationsschub, der zuvor schon wirkte. Die Inflationsrate wird auch in der Schweiz steigen, jedoch nicht in einem Ausmass, welches eine Zinserhöhung der SNB erfordert. Die SNB kann ruhig abwarten, wie sich die Lage im Nahen Osten und beim Erdölpreis weiterentwickelt.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.26%, S&P500: -0.61%, Nasdaq: -0.93%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.56%, DAX: -0.60%, SMI: -0.02%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -0.73%, Hang Seng: +1.28%, S&P/ASX 200: -0.39%

Die Abhängigkeit der Aktienmärkte vom Ölpreis hält an. Die Ausschläge an den Börsen sind im Vergleich zur Vorwoche jedoch kleiner geworden. Der S&P 500 verlor letzte Woche 1.60%. Die europäischen Aktien sanken 0.06%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 1.14% abschloss.

Die Vorgänge im Nahen Osten schüren die Angst vor höheren Energiepreisen und vor einer steigenden Inflation. Dies wird vorderhand anhalten. Die US-Wirtschaft erweist sich insgesamt jedoch als widerstandsfähig, auch wenn der Anstieg des Ölpreises ein Belastungsfaktor ist. Der private Konsum bleibt eine zentrale Stütze. Die Unternehmen werden sich auch an höhere Energiepreise anpassen können. Die für die der Aktienmärkte zentralen Treiber bleiben deshalb intakt.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.263%; DE: 2.983%; CH: 0.409%

Die Renditen der Obligationen mit langen Laufzeiten steigen weiter an, insbesondere in den USA. Der höhere Erdölpreis schürt die Angst vor einem starken Anstieg der Inflation. Zudem kostet der Krieg im Iran täglich eine Milliarde US-Dollar, was die Schulden wieder zum Thema macht. Die Rendite der 30-jährigen Treasury-Note nähert sich der Marke von 5%, die politisch als Warnzeichen gilt.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7901
Euro in US-Dollar: 1.1439
Euro in Franken: 0.9038

Der Franken ist in den letzten Tagen trotz der anhaltenden Unsicherheit rund um den Nahen Osten und um die Energiesicherheit schwächer geworden. Ob die SNB dahintersteckt, lässt sich nicht sagen, ist aber unwahrscheinlich. Der US-Dollar profitiert vom steigenden Erdölpreis. Eine Abhängigkeit, die auch früher schon zu beobachten war.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 99.68 pro Fass
Goldpreis: USD 5'014.13 pro Unze

Die Schwankungen beim Ölpreis sind anhaltend hoch. Die Bemühungen der US-Regierung, den Preis nach unten zu drücken, zeigen keine Wirkung. Das gilt sowohl für die Freigabe Strategischer Ölreserven als auch für die Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Öl oder das Versprechen von geschützten Konvois durch die Strasse von Hormuz. Die Bilder von brennenden Öltankern sind stärker.

Wirtschaft

USA: U. Michigan Konsumentenvertrauen (März)
letztes: 56.6; erwartet: 54.8; aktuell: 55.5

Die Stimmung bei den amerikanischen Konsumenten ist weniger stark gesunken als erwartet. Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da sie zu Beginn des Monats erhoben wurden. Die Einschränkung, dass der Effekt des Krieges im Iran noch nicht berücksichtigt ist, gilt praktisch für alle momentan publizierten Konjunkturdaten.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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