18. Juni 2026, Zinsen & Geldpolitik
EZB reagiert, SNB wartet ab
Die höheren Energiepreise als Folge des Iran-Konflikts haben die Inflationsraten nach oben gedrückt. Dennoch ist die Ausgangslage für die Notenbanken nicht überall gleich.
Die Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im Mai gegenüber dem Vorjahr um 3.2%. Damit erreichte die Inflationsrate den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Getrieben wurde die Teuerung in erster Linie durch die höheren Energiepreise. Zwar ist der Anteil von Öl und Gas am europäischen Energiemix nicht mehr ganz so gross wie früher. Dennoch haben die Energiepreise im massgebenden Warenkorb für die Inflationsmessung weiterhin ein Gewicht von rund 9%. Damit trug allein dieser Bereich rund ein Prozentpunkt zur Teuerung bei.
EZB reagiert frühzeitig
Anders als noch 2021 reagierte die Europäische Zentralbank dieses Mal frühzeitig auf den zunehmenden Inflationsdruck. Die EZB geht davon aus, dass die Inflationsrate über die Sommermonate weiter ansteigen wird. Erst im zweiten Halbjahr 2027 dürfte sie wieder in Richtung ihres Inflationsziels von 2% fallen. Der EZB-Rat erhöhte deshalb Mitte Juni den Leitzins um 25 Basispunkte. Darauf, ob dies der Anfang eines neuerlichen Zinserhöhungszyklus gewesen sei, mochte man sich jedoch nicht festlegen. Die Europäische Zentralbank verfolgt weiterhin einen datengestützten Ansatz und entscheidet von Sitzung zu Sitzung.
SNB kann vorerst abwarten
Die höheren Energiepreise liessen auch in der Schweiz die Inflationsrate steigen. Allerdings fällt dieser Effekt hierzulande schwächer aus, weil der Energiemix weniger Öl und Gas enthält und die Strompreise in der Grundversorgung administriert sind. Mit 0.6% im Jahresvergleich liegt die Teuerung entsprechend weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Inflationszielbands von 0% bis 2%. Die Schweizerische Nationalbank konnte ihren Leitzins Mitte Juni entsprechend unverändert lassen. In ihrer bedingten Inflationsprognose geht sie zwar ebenfalls davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten noch leicht ansteigen wird. Mittelfristig hat sich der Inflationsdruck gegenüber der letzten Lagebeurteilung jedoch kaum verändert. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb in unseren Augen vorderhand nicht angezeigt. Die Kapitalmarktzinsen dürften sich deshalb in nächster Zeit ebenfalls seitwärts bewegen.
Unsere Zinsprognosen auf einen Blick
| 18.06.26 | In 3 Monaten | In 12 Monaten | |
|---|---|---|---|
| SARON | -0.04% | -0.10% bis 0.00% | -0.10% bis 0.00% |
| Swap 5 Jahre | 0.30% | 0.30% bis 0.50% | 0.35% bis 0.55% |
| Swap 10 Jahre | 0.57% | 0.55% bis 0.75% | 0.55% bis 0.75% |
Langfristige Zinsentwicklung
Patrick Häfeli
8021 Zürich
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