21. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Zinsen & Geldpolitik

Inflationsdruck lässt Zinsen steigen

Die höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten haben die Zinsen zuletzt weiter nach oben gedrückt. Doch nicht alle Notenbanken werden gleichermassen auf den Inflationsanstieg reagieren.

In den USA ist die Inflationsrate im April von 3.3% auf 3.8% und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen. Anders als noch im März ging der Anstieg jedoch nicht mehr nur von den Energiepreisen aus. Die für die Bevölkerung ebenfalls spürbaren Nahrungsmittelpreise haben nach einer leichten Entspannung wieder stärker zugelegt. Zugenommen hat der Preisdruck auch bei den Dienstleistungen, was darauf hindeutet, dass die indirekten Effekte der höheren Energiepreise zu wirken beginnen. Entsprechend ist auch die Kernrate der Inflation wieder von 2.6% auf 2.8% angestiegen. Damit ist sie zwar immer noch tiefer als im letzten Jahr, der Abwärtstrend in Richtung des Fed-Inflationsziels von 2% ist damit aber vorerst zu Ende. Es erstaunt deshalb nicht, dass einige Fed-Mitglieder bereits an der letzten Sitzung den Hinweis auf mögliche weitere Zinssenkungen aus dem offiziellen Statement streichen wollten. Mit einer Leitzinserhöhung dürfte die US-Notenbank vorerst hingegen noch etwas zuwarten.

Die EZB reagiert als Erste auf die höhere Inflation

Etwas weniger Geduld mit der Preisentwicklung dürften die Mitglieder der Europäischen Zentralbank haben. Die Inflationsrate in der Eurozone stieg im April von 2.6% auf 3.0% und liegt damit ebenfalls wieder deutlich über dem EZB-Ziel von 2%. Anders als 2022 möchte die EZB aber nicht erneut für ein zu langes Zuwarten kritisiert werden. Sie wird deshalb frühzeitig auf den gestiegenen Inflationsdruck reagieren und ihren Leitzins im Juni erstmals wieder um 25 Basispunkte anheben.

Inflationsdruck in der Schweiz weniger ausgeprägt

Auch in der Schweiz ist der Inflationsdruck zuletzt weiter angestiegen. Mit 0.6% liegt die Teuerung jedoch weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Zielbands von 0 bis 2%. Erdöl und Erdgas nehmen im heimischen Warenkorb einen geringeren Platz ein als im Ausland. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb aus unserer Sicht vorderhand nicht angezeigt. Wir gehen daher davon aus, dass sich die Kapitalmarktzinsen mittelfristig wieder etwas nach unten bewegen werden.

Unsere Zinsprognosen auf einen Blick

21.05.26 In 3 Monaten In 12 Monaten
SARON -0.05% -0.10% bis 0.00% -0.10% bis 0.00%
Swap 5 Jahre 0.47% 0.25% bis 0.45% 0.15% bis 0.35%
Swap 10 Jahre 0.75% 0.45% bis 0.65% 0.40% bis 0.60%
Quelle: Bloomberg und Prognosen SGKB

Langfristige Zinsentwicklung

Quelle: Bloomberg und Prognosen SGKB

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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