22. April 2026, Meine Anlagewelt | Zinsen & Geldpolitik
Inflation rückt wieder ins Zentrum
Weiterhin stehen die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs im Fokus der Kapitalmärkte. Insbesondere die gestiegenen Inflationsraten bereiten den Notenbanken Kopfzerbrechen.
Bei ihren Lagebeurteilungen im März waren sich die Notenbanken einig, dass der Krieg im Nahen Osten aufgrund der gestiegenen Energiepreise deutliche Aufwärtsrisiken für die Inflation birgt. Erste Auswirkungen zeigen sich bereits in den Inflationsdaten. In den USA stieg die jährliche Teuerungsrate im März von 2.4% auf 3.3%. Der Anstieg geht fast vollständig auf höhere Energiepreise zurück. Die höheren Erdölpreise schlagen bisher nicht auf Transportkosten und Vorprodukte durch. Dies zeigt ein Blick auf die Kerninflation, die die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise ausschliesst. Im März stieg sie nur leicht auf 2.6%. Für die US-Notenbank besteht damit kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Die zu Jahresbeginn erwarteten Leitzinssenkungen sind jedoch vorläufig verschoben.
Energie treibt Inflation in Europa
Auch in Europa zogen die Preise im März deutlich an. Die Teuerung in der Eurozone stieg von 1.9% auf 2.6% und lag damit wieder über dem EZB-Ziel von 2%. Haupttreiber waren auch hier die Energiepreise, während die Kerninflation sogar leicht zurückging. Eine allfällige Reaktion der Europäischen Zentralbank hängt deshalb in erster Linie vom Ausmass der Zweitrundeneffekte ab. Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde erschweren derzeit zwei Faktoren im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran die geldpolitische Reaktion: die unklare Dauer der Konfrontation um die Strasse von Hormus und die Frage, wie stark sich die höheren Energiepreise auf die Gesamtinflation auswirken.
Inflationsdruck in der Schweiz begrenzt
Etwas anders ist die Situation in der Schweiz. Zwar ist auch hierzulande die Inflationsrate zuletzt angestiegen. Mit 0.3% liegt sie jedoch weiterhin am unteren Ende des SNB-Zielbands von 0 bis 2%. Erdöl und Erdgas nehmen im heimischen Warenkorb einen geringeren Platz ein als im Ausland. Entsprechend braucht es hierzulande einiges, bis die Inflation wieder über die obere Grenze des Zielbands steigt. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb aus unserer Sicht vorderhand nicht angezeigt. Wir gehen daher davon aus, dass sich die Kapitalmarktzinsen mittelfristig wieder etwas nach unten bewegen werden.
Unsere Zinsprognosen auf einen Blick
| 22.04.26 | In 3 Monaten | In 12 Monaten | |
|---|---|---|---|
| SARON | -0.04% | -0.10% bis 0.00% | -0.10% bis 0.00% |
| Swap 5 Jahre | 0.30% | 0.25% bis 0.45% | 0.10% bis 0.30% |
| Swap 10 Jahre | 0.57% | 0.45% bis 0.65% | 0.40% bis 0.60% |
Langfristige Zinsentwicklung
Patrick Häfeli
8021 Zürich
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