09. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Waffenruhe löst weltweite Börsenerholung aus

Die Waffenruhe im Nahen Osten muss sich erst noch bewähren. Die Aktienmärkte reagierten gestern aber mit Erleichterung auf die Vereinbarung und verzeichneten klare Kursgewinne.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +2.53%, SPI: +2.60%, SMIM: +3.05%

Der Schweizer Aktienmarkt setzte nach der Ankündigung des vorläufig auf zwei Wochen beschränkten Waffenstillstands im Iran-Konflikt zu einer Erholungsrally an. Die Erleichterung darüber, dass eine weitere Eskalation vorläufig abgewendet werden konnte, zeigte sich in markant sinkenden Ölpreisen und einem steigenden Risikoappetit. Der SMI kletterte zunächst um bis zu 3.7% nach oben, gab aber einen Teil der Kursgewinne im Handelsverlauf wieder her und schloss zuletzt 2.5% fester. Wegen der bremsenden Schwergewichte blieb der Schweizer Leitindex hinter den Avancen der anderen europäischen Börsenplätzen zurück. Konjunktursensitive Aktien profitierten am stärksten vom Stimmungsumschwung: Amrize, Sika, Holcim, Richemont und ABB führten die Gewinnerliste bei den grosskapitalisierten Titeln mit Kursavancen zwischen 5.2% und 8.0% an. Klar unterdurchschnittlich entwickelten sich jedoch die drei Index-Schwergewichte Novartis (+1.2%), Roche (+0.9%) und Nestlé (+0.7%). Nicht vom Fleck kamen zudem Swisscom (+0.5%), Swiss Re (+0.2%) und Kühne + Nagel (+0.1%).

Im breiten Markt gehörten mit Accelleron (+7.3%), Montana Aerospace (+6.1%), OC Oerlikon (+11.3%) und Belimo (+9.7%) unter anderem verschiedene Industrietitel zu den Gewinnern. Deutlichen Rückenwind verspürten auch die drei Halbleiterzulieferer Inficon (+5.4%), Comet (+6.4%) und VAT (+7.8%). VAT erhielt zudem Unterstützung durch eine Brokeraufstufung. Die Aktien von R&S Group sprangen nach der Vorlage der detaillierten Jahreszahlen und im Zuge der allgemeinen Börsenerholung um 17.4% nach oben.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +4.97%, DAX: +5.06%

Die europäischen Aktienmärkte reagierten mit starken Kursprüngen auf die Ankündigung der Waffenruhe im Iran. Der EuroStoxx50 legte um 5.0% zu, während der DAX um 5.1% anzog. Den stärksten Auftrieb erhielten Aktien aus konjunktursensitiven Sektoren wie Finanzen, Industrie, zyklischer Konsum und IT. Das niederländische Halbleiter-Schwergewicht ASML kletterte um 8.9% nach oben. Der Stahlhersteller ArcelorMittal, der wegen seinem energieintensiven Herstellungsprozess zuletzt gelitten hat, schloss 12.8% höher. Stark gefragt waren zudem Fluggesellschaften wie Air France-KLM (+11.3%) oder Lufthansa (+10.2%). Deutliche Abgaben verzeichneten hingegen die grossen Mineralölkonzerne wie Shell (-4.2%) oder TotalEnergies (-3.1%), die unter dem deutlichen Rückgang der Ölpreisnotierungen litten.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +2.85%, S&P 500: +2.51%, Nasdaq: +2.80%

Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten gestern ebenfalls mit Erleichterung auf die Waffenstillstandsvereinbarung im Iran und schlossen klar höher. Obwohl die Waffenruhe auf wackligen Beinen steht und der Iran wegen der Angriffe von Israel im Libanon bereits einen Ausstieg aus der Vereinbarung in Erwägung zog, konnten die wichtigsten Indizes ihre Kursgewinne weitgehend halten. Der Dow Jones führte das Feld mit einem Kursplus von 2.9% an, gefolgt vom Nasdaq (+2.8%) und vom S&P 500 (+2.5%). Im Fokus standen unter anderem Intel, die an ihre jüngsten Kursavancen anknüpften und 11.4% anzogen. Seit Anfang Jahr haben die Aktien des Halbleiterkonzerns damit rund 60% zugelegt. Die Aktien von Levi Strauss kletterten um 10.7% nach oben, nachdem der Kleiderhersteller im Rahmen seines Quartalsberichts die Jahresziele erhöhte.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.29%; DE: 2.94%; CH: 0.40%

Der Waffenstillstand im Nahen Osten hat gestern auch die Kapitalmärkte geprägt. Gestiegener Risikoappetit und die Hoffnung auf nur kurzzeitig höhere Inflationsraten führten zu tieferen Renditen der massgebenden Staatsanleihen. Nachdem die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe bereits vorgestern Nacht zurückgegangen war, zogen gestern die Pendants aus Deutschland und der Schweiz nach. Im Vergleich zum Zeitpunkt vor Kriegsausbruch resultiert aber weiterhin ein Plus von rund 25 bzw. 20 Basispunkten.

Währungen

Euro in Franken: 0.923
US-Dollar in Franken: 0.792
Euro in US-Dollar: 1.166

Der US-Dollar hatte seit Ausbruch des Iran-Kriegs gegenüber allen anderen G10-Währungen zugelegt, mit dem gestrigen Waffenstillstand aber wieder etwas an Terrain verloren. Im Vergleich zu Anfang Jahr sieht die Bilanz ohnehin weniger positiv aus. Zum Euro resultiert ein Plus von lediglich 0.7%. Gegenüber dem Schweizer Franken liegt der Greenback mittlerweile sogar wieder leicht im Minus.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 97.02 pro Fass
Goldpreis: USD 4'721.81 pro Unze

Nachdem der Ölpreis vorgestern Nacht infolge der Ankündigung der Waffenruhe erheblich gefallen war, pendelte der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent gestern im Bereich von 93-97 US-Dollar – rund ein Drittel mehr als noch vor Kriegsbeginn. Neben der Stabilität der Waffenruhe an sich steht weiterhin der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus im Fokus. Über die Öffnung der strategisch wichtigen Seestrasse gab es gestern widersprüchliche Meldungen.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: Arbeitslosenrate (März)
aktuell: 3.1% (erwartet: 3.1%, Vormonat: 3.2%)

Die Arbeitslosenrate in der Schweiz sank im März auf 3.1%. Der Rückgang hat jedoch vorwiegend saisonale Gründe. Die um saisonale Effekte bereinigte Quote verharrte bei 3.0% und liegt damit weiterhin leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Bei den Zahlen für die Kurzarbeit, die jeweils verzögert publiziert werden, zeigt sich für Dezember ein Rückgang im Vergleich zum November (-12.2%). Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen aber weiterhin rund ein Drittel höher.

Deutschland: Neue Industrieaufträge (MoM, Februar)
aktuell: +0.9% (erwartet: +3.0%, Vormonat: -11.1%)

Die deutschen Industrieaufträge haben sich im Februar – noch vor der Eskalation im Nahen Osten – weniger stark erholt als erwartet. Nachdem die Bestellungen zu Jahresbeginn um 11.1% eingebrochen waren, legten sie im Februar lediglich um 0.9% zu. Der Anstieg ist dabei zu einem grossen Teil auf die Automobilindustrie zurückzuführen, in der die Auftragseingänge um 3.8% zunahmen.

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Céline Keller

Portraitfoto von Céline Koster, Strategieanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

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