28. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Währungen

Trügerische Ruhe am Devisenmarkt

Trotz hoher Ölpreise und einer Pattsituation im Nahen Osten reagierten die Devisenmärkte im Mai gelassen. Mehr Bewegung ins Währungsgefüge könnten die Juni-Zinsentscheide bringen.

Der Schweizer Franken war in den letzten Wochen trotz seines Rufs als sicherer Hafen nicht gesucht. Der Franken gewann zu Beginn der militärischen Konfrontation am Persischen Golf in der ersten Märzhälfte an Wert. Daraufhin warnte die SNB, den Franken bei Bedarf mittels Interventionen zu schwächen. Der Euro hat das März-Tief von 0.90 seither nicht mehr getestet. Der US-Dollar profitierte zwar von hohen Ölpreisen und gestiegenen Zinserwartungen, bleibt aber anfällig, denn die hohe Staatsverschuldung und die expansive Fiskalpolitik belasten den Greenback strukturell. Sobald sich die Lage im Nahen Osten stabilisiert, dürften diese Argumente wieder zum Tragen kommen.

Juni-Zinsentscheide im Fokus

Im Nahen Osten kommen die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien trotz Waffenstillstand nur schleppend voran. Selbst bei einer zeitnahen politischen Einigung dürften die Energiepreise noch längere Zeit erhöht bleiben. Der volle Preisdruck ist noch nicht sichtbar, da sich die Auswirkungen erst mit Verzögerung zeigen. Mit 0.6% liegt die Teuerung in der Schweiz in der unteren Hälfte des SNB-Zielbands von 0 bis 2%. Die Inflationsrate in den USA ist auf 3.8% gestiegen, jene in der Eurozone liegt mit 3.0% über dem EZB-Ziel von 2%. In diesem Umfeld rücken die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken im Juni in den Fokus. Die EZB trifft ihren Zinsentscheid am 11. Juni.  Eine Woche später folgen die Fed unter dem neuen Präsidenten Kevin Warsh und die SNB.

Inflationsdifferenz stärkt den Franken

Ein wichtiger Treiber für einen stärkeren Franken ist die Inflationsdifferenz zu den anderen Währungsräumen. Fossile Energiepreise beeinflussen die Inflation im Ausland stärker als in der Schweiz, weshalb die Differenz wächst. Dass der Ausgleich über die Währung funktioniert, zeigte sich an der Frankenaufwertung in den Jahren 2022/2023. Je ausgeprägter die Inflationsdifferenz, desto eher wird die SNB eine Frankenaufwertung tolerieren, solange diese nicht zu abrupt erfolgt.

Unsere Währungsprognosen auf einen Blick

28.05.26 In 3 Monaten In 12 Monaten
EUR/CHF 0.9132 0.88 - 0.93 0.88 - 0.93
USD/CHF 0.7840 0.76 - 0.81 0.74 - 0.79
EUR/USD 1.1651 1.13 - 1.18 1.15 - 1.20
Quelle: Bloomberg, Prognosen SGKB

Kursentwicklung Euro und US-Dollar zum Franken

Quelle: Bloomberg, Prognosen SGKB

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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