02. März 2026, Aktienmärkte | CIO-Sicht | Konjunktur | Meine Anlagewelt | Rohstoffe | Währungen
USA und Israel greifen den Iran an
Die USA und Israel haben am Samstagmorgen mehrere Ziele im Iran angegriffen. Der Iran reagierte mit Vergeltungsmassnahmen auf Israel, diverse Golfstaaten sowie US-Militärstützpunkte in der Region.
Wie haben die Finanzmärkte reagiert?
Die Aktienmärkte in Asien und Europa haben heute Morgen mit Kursverlusten auf die Eskalation reagiert. Der SMI eröffnete deutlich im Minus und notiert auch aktuell (Stand: 14 Uhr MEZ) weiterhin mit 1.5% im Minus. Auch der DAX (-2.2%) sowie der EuroStoxx 50 (-2.3%) verzeichnen Verluste. Gefragt sind hingegen klassische «sichere Häfen». Der Goldpreis stieg um rund 2.2%. Der Schweizer Franken war zunächst ebenfalls gesucht, geriet jedoch unter Druck, nachdem die SNB erklärte, sie sei zu Interventionen bereit. Der US-Dollar profitierte vom höheren Ölpreis und legte zu. Insgesamt halten sich die Marktbewegungen bislang jedoch in Grenzen. Wie sich die Finanzmärkte weiter entwickeln, hängt vor allem davon ab, wie stark sich der Konflikt zeitlich hinzieht und örtlich ausweitet. Mehr Klarheit dürften erst die kommenden Tage oder Wochen bringen.
Politische Börsen haben kurze Beine
Politische Ereignisse können zwar kurzfristig erhebliche Marktreaktionen auslösen. Sobald der erste Schock verarbeitet ist, richten Anlegerinnen und Anleger ihren Fokus jedoch meist wieder auf die mittelfristig relevanten Fundamentalfaktoren.
Bei früheren Konflikten in der Region reagierten die Börsen in der Regel nur vorübergehend. Entscheidend für die mittelfristigen Auswirkungen eines Krieges sind die möglichen Folgen für die Weltwirtschaft. Der Iran und viele Länder der Region zählen nicht zu den globalen Wachstumsmotoren. Der Iran steht für weniger als 1% der weltweiten Wirtschaftsleistung. Entsprechend werden die direkten Wachstumseffekte begrenzt bleiben. Wirtschaftlich bedeutsam ist die Region jedoch als Energielieferant. Entsprechend sind die stärksten und nachhaltigsten Marktreaktionen beim Ölpreis zu erwarten.
Die Strasse von Hormus als Nadelöhr
Der Ölpreis ist am Montag zu Handelsbeginn wie erwartet gestiegen. Der Anstieg hielt sich mit rund 10% für die europäische Sorte Brent allerdings in Grenzen. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, wie lange die Transportwege durch die Strasse von Hormus unterbrochen oder gestört sein werden.
Strategische Reserven könnten Engpässe kurzfristig abfedern, doch eine längere Störung des Seetransports hätte einen deutlichen Ölpreisanstieg zur Folge. Über 20 Mio. Fass Erdöl und Flüssiggas (LNG) passieren täglich diese Meerenge. Der Hauptteil des Erdöls geht nach Asien, vor allem nach China und Indien.
Es gibt nur begrenzte Alternativen über Land in Form von Pipelines. Sämtliche Flüssiggasexporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, rund 20% des globalen LNG-Handels, verlaufen über die Seestrasse, da keine Pipeline-Alternativen bestehen.
Kurzfristig werden die Erdölpreise sensibel auf die Entwicklungen am Golf und den Status der dortigen Schifffahrtswege reagieren. Eine längere Blockade stellt ein Eskalationsszenario dar. Zwar können Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Teil ihrer Exporte über Pipelines umleiten, welche die Seestrasse Hormus umgehen, die Auswirkungen auf den Ölmarkt dürften im Falle einer vollständigen Schliessung jedoch erheblich sein. Teheran drohte in der Vergangenheit wiederholt mit einer vollständigen Schliessung der Seepassage. Ein solcher Schritt wurde bislang jedoch nie umgesetzt. Viele Beobachter halten es zudem für unwahrscheinlich, dass der Iran die Meerenge dauerhaft geschlossen halten könnte. Wahrscheinlicher bleiben weiterhin gezielte Störmanöver des Schiffsverkehrs. Während des letztjährigen Zwölf-Tage-Kriegs mit Israel und den USA wurden nahe der iranischen Küste bei nahezu 1'000 Schiffen täglich GPS-Signale gestört, was zu mindestens einer Tankerkollision beitrug.
Implikationen für Anlegerinnen und Anleger
Auf kurzfristige, politisch ausgelöste Marktbewegungen sollte man als Anlegerin oder Anleger nicht überhastet reagieren. Wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und die weitere Entwicklung sorgfältig zu beobachten. Grundsätzlich entscheidend bleiben ein breit diversifiziertes Portfolio mit qualitativ starken, etablierten Unternehmen sowie eine Aktienquote, die auch in turbulenten Phasen keine schlaflosen Nächte verursacht.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Céline Koster
8021 Zürich
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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