16. Juni 2026, Tägliche Marktsicht
USA und Iran einigen sich auf erstes Abkommen
Die USA und der Iran haben gestern eine Einigung über ein erstes Memorandum of Understanding erzielt. Die Märkte haben positiv reagiert, auch wenn die Lage weiterhin fragil bleibt. Lesen Sie dazu mehr in unserem Fokus.
Einigung erzielt, Fragen bleiben offen
Nach langem Hin und Her haben sich die USA und der Iran gestern auf ein erstes Abkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. Der genaue Inhalt ist noch nicht offiziell bekannt. Berichten zufolge sollen ab Freitag wieder erste Schiffe die Strasse von Hormus passieren können. Von iranischer Seite wurde eine Frist von 30 Tagen bis zur vollständigen Öffnung genannt. Viele praktische Fragen zur Umsetzung sind noch offen. Das Abkommen ist ein wichtiges erstes Entspannungssignal. Die Lage bleibt aber fragil.
Die Märkte haben positiv auf das Abkommen reagiert. Der Ölpreis war bereits Ende letzter Woche wieder unter die Marke von 90 Dollar gesunken. Gestern setzte sich der Trend nach unten fort. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostet aktuell rund 83 US-Dollar. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 hatte ein solches Fass im Schnitt rund 68 US-Dollar gekostet. Der Ölpreis ist damit im Vergleich zum Vorkriegsniveau weiterhin erhöht. Daran dürfte sich so rasch auch nichts ändern. Die getroffene Einigung ist noch vage und die Lage am Persischen Golf wird noch länger fragil bleiben. Im Abkommen soll ein Zeitfenster von 60 Tagen vereinbart worden sein, in welchem unter anderem das Thema des iranischen Atomprogramms im Detail verhandelt werden soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Konflikt während oder nach dieser Frist nochmals neu aufflammt und der Iran dabei auch die Strasse von Hormus wieder als Druckmittel einsetzen wird. Unabhängig davon dürfte es mehrere Monate dauern, bis sich die Lieferketten an den Rohstoffmärkten wieder vollständig normalisieren werden. Tanker benötigen mehrere Wochen, bis sie vom Persischen Golf aus ihre Zielhäfen in Europa, Asien oder Amerika erreichen. Auch müssen weltweit die Lagerbestände wieder aufgefüllt werden. Offen bleibt zudem, wie stark die Förderinfrastruktur in der Region beschädigt wurde.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.07%, SPI: +0.24%, SMIM: +0.91%
Der Schweizer Aktienmarkt legte am Montag zu, hinkte jedoch den deutlichen Aufschlägen an den europäischen Börsen hinterher. Der Auslöser der guten Stimmung war die Grundsatzeinigung zwischen den USA und dem Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges, das am Freitag in Genf unterzeichnet werden soll. Die gestiegene Risikofreude der Anleger belastete die drei defensiven Schwergewichte und bremste den SMI (+0.1%) sowie den marktbreiten SPI (+0.2%) aus. Der mittelkapitalisierte SMIM schloss währenddessen mit Gewinnen von 0.9%.
Im Wochenverlauf rücken zudem die Zinssitzungen zahlreicher Notenbanken in den Fokus. Das Hauptereignis ist die Fed-Sitzung morgen Mittwoch, bei der die Märkte die ersten Aussagen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh mit Argusaugen verfolgen werden. Am Donnerstag tagen dann die Bank of England und die SNB. Von den 20 SMI-Titeln schlossen 14 im Plus. Der SMI kletterte gestern Morgen bis auf 13'871 Punkte und näherte sich damit dem Rekordhoch von Ende Februar auf rund 200 Punkte, konnte diese Gewinne jedoch nicht halten und schloss letztlich bei 13'717 Punkten. Die drei defensiven Schwergewichte Novartis (-1.5%), Roche (-1.2%) und Nestlé (-0.9%) sowie Swisscom (-1.3%) bremsten den SMI aus. Grösster Verlierer war allerdings Kühne + Nagel (-3.8%), da bei einer Wiedereröffnung der Strasse von Hormus sinkende Frachtraten befürchtet werden. Zudem äusserte sich ein Broker verhalten zum Seefrachtgeschäft. Ebenfalls unter Abgaben standen die Aktien von Alcon (-0.6%). Gefragt waren hingegen baunahe Werte: Holcim (+3.2%) profitierten dabei zusätzlich von Kaufempfehlungen. Auch Amrize (+3.0%), Sika (+2.1%) und Geberit (+1.8%) zählten zu den grössten Gewinnern und setzten damit ihre starke Performance vom vergangenen Freitag fort. Ebenfalls gesucht waren Partners Group (+2.4%), nachdem der Privatmarktspezialist am Freitagabend Gerüchte über zusätzliche Liquiditätsbeschränkungen seiner Evergreen-Fonds zurückgewiesen hatte. Auch die Finanzwerte Swiss Life (+1.8%), UBS (+1.6%) und Zurich Insurance (+1.5%) standen gestern auf dem Einkaufszettel.
Am breiten Markt waren im Sog der Entwicklungen in den USA zudem Techwerte gefragt. AMS-Osram (+7.1%), Comet (+3.8%), Inficon (+1.5%) und VAT (+1.0%) standen in der Gunst der Anleger. Belimo (+4.4%) und SoftwareOne (+2.3%) profitierten von Hochstufungen durch Broker, während der Flughafen Zürich (+4.5%) vom Fortschritt im Iran-Deal sowie der Inbetriebnahme des Noida-Flughafens in Indien profitierte. Schwer hatte es hingegen der Maschinenhersteller Bystronic, der nach einer Gewinnwarnung um 14.5% einbrach.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.68%, DAX: +1.05%
Die europäischen Aktienmärkte starten mit Gewinnen in die neue Handelswoche, angetrieben durch das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung des Krieges. Der EuroStoxx 50 sprang zu Handelsbeginn auf ein Rekordhoch, konnte den Schwung jedoch nicht ganz halten und schloss 0.7% höher. Am stärksten avancierte der spanische IBEX 35 (+1.4%), gefolgt vom deutschen DAX (+1.1%) und dem italienischen FTSE MIB (+0.7%). Unter Abgabedruck stand hingegen der britische FTSE 100 (-0.4%), der insbesondere unter den beiden Schwergewichten BP (-3.3%) und Shell (-4.4%) litt. Die Ölwerte gaben im Zuge der Iran-Einigung deutlich nach, da die Ölpreise nach den kriegsbedingten Höchstständen deutlich zurückfielen. Die Aktien des französischen Ölkonzerns TotalEnergies (-4.4%) und des italienischen Eni (-1.7%) mussten ebenfalls deutliche Abgaben hinnehmen. Auf Branchenstufe war entsprechend der Energiesektor der grosse Verlierer. Gesucht waren hingegen die Sektoren Finanzen, Industrie, Zyklischer Konsum sowie Grundstoffe.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.92%, S&P 500: +1.65%, Nasdaq: +3.07%
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran beflügelte auch die Wall Street. Konjunktursensible Technologiewerte zogen stark an, und der Dow Jones (+0.9%) markierte ein neues Rekordhoch, konnte dieses aber bis Börsenschluss nicht halten. Auch der marktbreite S&P500 (+1.7%) sowie der Technologie-Index Nasdaq (+3.1%) legten deutlich zu. Der Ölpreisrutsch trieb Flugwerte an. American Airlines gewannen 3.2% und Delta Air Lines 1.2%, während Boeing 4.5% zulegte. Auf der Verliererseite litten hingegen die Ölwerte. Chevron und Exxon Mobil büssten 3.6% bzw. 4.1% ein. Stark gefragt waren erneut Technologiewerte. Micron Technology notierten 10.8% und Western Digital gar um 16.1% im Plus. Die Aktien von SpaceX setzten ihren fulminanten Börsenstart fort und schnellten um 19.6% nach oben, nachdem sie bereits am ersten Handelstag mit einem Plus von 19% geschlossen hatten.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.47%; DE: 2.95%; CH: 0.38%
Während die 10-jährige US-Staatsanleihe gestern kaum auf die Einigung reagiert hat, ist die Rendite des 10-jährigen Schweizer Eidgenoss 5 Basispunkte zurückgegangen. Mit 0.38% fiel sie auf den tiefsten Stand seit Anfang April. Am Donnerstag steht der nächste Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank an. Die Märkte gehen von einem unveränderten Leitzins aus.
Währungen
Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.795
Euro in US-Dollar: 1.158
Mit dem ersten Abkommen im Iran-Konflikt und dem gesunkenen Ölpreis hat gestern auch der US-Dollar wieder etwas an Terrain verloren. Insgesamt hielten sich die Bewegungen aber im Grenzen. Ein US-Dollar kostet im Moment 79.5 Rappen – rund 0.4% mehr als noch Anfang Jahr.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 82.83 pro Fass
Goldpreis: USD 4'318.56 pro Unze
Entspannungssignale vom Persischen Golf: Nachdem der Ölpreis bereits Ende letzter Woche unter die Marke von 90 US-Dollar gefallen war, sank der Ölpreis gestern weiter und bewegt sich im Moment bei rund 83 US-Dollar. Dies ist weiterhin 22% mehr als im Durchschnitt des Jahres 2025.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Anja Felder
8021 Zürich
Roman Elbel
8021 Zürich
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