Symbolbild für den Kursverlauf des US-Dollars

15. Juli 2026, Tägliche Marktsicht

US-Inflationsrückgang stützt Märkte

Der stärker als erwartet ausgefallene US-Inflationsrückgang im Juni auf 3.5% stützte gestern die Märkte. Heute stehen in der Schweiz die Quartalszahlen von Richemont im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.17%, SPI: -0.14%, SMIM: -0.33%

Der Schweizer Aktienmarkt litt am Dienstag unter der erneuten Eskalation des Iran-Konflikts und dem damit einhergehenden kräftigen Anstieg der Ölpreise. Für etwas Rückenwind sorgte dann am Nachmittag die in den USA im Juni etwas stärker als erwartet gesunkene Inflation. Diese glitt gegenüber der Vorjahresbasis von 4.2% auf 3.5% zurück. Der Leitindex SMI erholte sich im Handelsverlauf zunehmend und ging schlussendlich 0.2% tiefer aus dem Handel. Bei den grosskapitalisierten Werten standen sechs Gewinner vierzehn Verlierern gegenüber. Angeführt wurde der Leitindex von zyklischen Aktien und Finanzwerten: UBS (+3.7%), ABB (+2.0%), SwissRe (+1.0%), Swiss Life (+0.5%) und Holcim (+0.4%). Die UBS profitierte dabei von positiven Quartalszahlen der US-Konkurrenten und SwissRe von einer Broker-Kurszielerhöhung. Tagesverlierer waren Alcon (-3.0%), Logitech (-2.0%) und Novartis (-1.7%). Durchgängig mit positivem Vorzeichen zeigten sich die Einzelaktien, die mit dem Halbleiter-Narrativ in Verbindung gebracht werden: Huber+Suhner (+3.6%), VAT (+3.2%), Accelleron (+2.5%), ABB (+2.0%), Belimo (+1.8%), Comet (+1.5%), Inficon (+1.1%). Im breiten Markt waren auch die Aktien von Clariant (+2.3%) und EMS-Chemie (+2.0%) gefragt, welche positiv auf einen möglichen Angebotsschock durch die erneute Blockade der Strasse von Hormus reagierten.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.15%, DAX: +0.13%

Die europäischen Aktienmärkte zeigten gestern leichte Gewinne. Der länderübergreifende EuroStoxx50 legte um 0.2% zu. Der zyklischere deutsche DAX gewann 0.1% und der französische CAC40 schloss nahezu unverändert. Bei den Einzelwerten stand Ericsson im Fokus. Der Netzwerkausrüster verdiente im 2. Quartal 12% weniger als im Vorjahr, worauf die Aktie um 12.7% einbrach. Auf Sektorenstufe waren die Bereiche Grundstoffe, Energie und Versorger gefragt. Unter Abgabedruck standen hingegen Gesundheit, Zyklischer Konsum und Kommunikationsdienste.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.02%, S&P 500: +0.38%, Nasdaq: +0.90%

Die amerikanischen Aktienmärkte legten trotz der erneuten Eskalation im Nahost-Konflikt zu. Besonders gefragt waren Werte aus der Halbleiterbranche wie Micron (+4.9%), Nvidia (+4.1%), Applied Materials (+3.5%), und AMD (+2.6%). Entsprechend zog der technologielastige Nasdaq um 0.9% an, während der marktbreite S&P500 um 0.4% zulegte. Der Leitindex Dow Jones wurde durch die Abgaben von IBM belastet und schloss nahezu unverändert. Bei den Einzelaktien standen die Grossbanken-Aktien im Fokus, welche die Berichtssaison zum 1. Halbjahr 2026 einläuteten. Der ganze Sektor profitierte von höher als erwarteten Einnahmen aus Zinsen und dem Wertpapierhandel. Die grösste US-Bank JPMorgan (+1.9%) konnte mit einem Gewinnplus von 41% auf USD 21.2 Mrd. den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte einfahren und die Erwartungen übertreffen. Goldman Sachs (+8.3%) übertraf mit einem Sprung von 39% bei den Erträgen und 78% auf USD 6.6 Mrd. beim Gewinn die Analystenerwartungen ebenfalls deutlich. Auch die weiteren Grossbanken Bank of America (+1.3%), Citigroup (-5.9%) und Wells Fargo (-3.3%) legten Glanzresultate vor. In die Gegenrichtung ging es für die Aktien von IBM. Der 2. Quartalsumsatz verfehlte, aufgrund des veränderten Ausgabeverhaltens der Kunden, die Erwartungen deutlich. Der Kurs rutschte um 25.7% ab, was dem grössten Tagesverlust entspricht seit die Aktie kotiert ist.

Unternehmensberichte

Richemont übertrifft Umsatzerwartungen klar

Heute Morgen legte der Luxusgüterkonzern Richemont die Zahlen zum 1. Geschäftsquartal 2026/27 vor. Der Umsatz stieg in Lokalwährung um 20% und in EUR um 17% auf EUR 6.3 Mrd. Das Wachstum wurde von allen Regionen und Sparten getragen. Die Schmucksparte legte in Lokalwährung um 24% auf EUR 4.7 Mrd. zu, während die Uhrensparte in Lokalwährung um 8% auf EUR 873 Mio. wuchs. Gewinnzahlen werden jeweils mit dem 1. und 3. Quartalsbericht keine geliefert. Die ausgewiesenen Umsatzzahlen lagen klar über den Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.59%; DE: 3.11%; CH: 0.44%

Die Markterwartung an eine Zinserhöhung in den USA ist gestern wieder deutlich gesunken. Auslöser war der unerwartet starke Rückgang der US-Inflation im Juni. Dies verschafft der Fed mehr Zeit, um ihre Optionen abzuwägen. Die Futures-Märkte preisen aktuell noch eine Wahrscheinlichkeit von 17% für eine Zinserhöhung an der nächsten Fed-Sitzung Ende Juli ein, zu Wochenbeginn waren es noch fast 50%. Sollten die in den letzten Tagen gestiegenen Ölpreise den Inflationsdruck wieder intensivieren, würde jedoch auch die Wahrscheinlichkeit höherer Leitzinsen im zweiten Halbjahr wieder zunehmen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihe sank gestern wieder unter 4.60%, handelt aber weiterhin in der Nähe des Jahreshochs von Mitte Mai. Der Schweizer «Eidgenoss» notiert derweil auf einem Monatshoch.

Währungen

Euro in Franken: 0.925
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.143

Der Dollar hat gestern nach der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen an Wert eingebüsst. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed am 29. Juli ist spürbar gesunken, und damit hat der zinsbedingte Höhenflug des Dollars ebenfalls einen Dämpfer erhalten. Der Dollar-Index, der die Entwicklung zu sechs wichtigen Handelswährungen misst, bleibt jedoch auf Schlagdistanz zu seinem Jahreshoch von Ende Juni, so auch gegenüber dem Franken. Ein Dollar kostet aktuell rund 81 Rappen und damit zwei Rappen mehr als Anfang Jahr.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 85.48 pro Fass
Goldpreis: USD 4'034.47 pro Unze

Die Lage am Persischen Golf hat sich in den letzten Tagen verschärft. Der Ölpreis stieg bereits den dritten Tag in Folge, nachdem US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe auf den Iran angedroht hatte – nur Stunden, nachdem die USA ihre Blockade von Schiffen mit Ziel- oder Ausgangshäfen im Iran in der Strasse von Hormus wieder aufgenommen hatten. Erstmals seit rund einem Monat stieg der Brent-Preis gestern zeitweise über 87 Dollar, nachdem er Anfang Juli noch auf gut 70 Dollar gefallen war. Vorerst bleibt der Ölpreis stark von der Lage in Nahost abhängig, wobei der Anstieg im Vergleich zu den Höchstständen der Monate März bis Mai bisher moderat ausfällt.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflation CPI (YoY, Juni)
aktuell: 3.5% (erwartet: 3.8%, Vormonat: 4.2%)

Seit Ausbruch des Iran-Kriegs im März ist die Inflationsrate in den USA erheblich angestiegen. Für Juni zeigt sich nun eine gewisse Entspannung. Die Inflationsrate fiel auf 3.5% – deutlich mehr als erwartet. Auch die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation ging zurück und fiel auf 2.6% (-0.2 Prozentpunkte). Insgesamt zeigen die Daten, dass sich der Inflationsschub weiterhin primär auf höhere Energiepreise konzentriert und die im Juni gesunkenen Benzinpreisen wieder an Stärke verloren haben. Bei den anderen Preiskategorien zeigte sich im Juni eine relativ breite Entspannung. Es gibt keine Anzeichen, dass die höheren Energiepreise verstärkt auf andere Güterkategorien übergreifen. Das Ausmass dieser Zweitrundeneffekte ist wichtig für die Reaktion der Zentralbanken. Inwiefern sich die neuste Eskalation im Nahen Osten und der damit verbundene Anstieg des Ölpreises auf die langfristige Inflationsdynamik auswirken wird, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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