24. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Trump-Wende sorgt für steigende Aktienkurse
Der SMI konnte gestern anfängliche Verluste wettmachen und schloss im Plus, nachdem Entspannungshoffnungen im Iran-Konflikt die Märkte gestützt hatten. Im Fokus stehen heute die Jahreszahlen von Inficon.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.56%, SPI: +0.63%, SMIM: +0.33%
Der Schweizer Aktienmarkt startete gestern mit deutlichen Abgaben in den Handelstag, nachdem US-Präsident Donald Trump im Verlauf des Wochenendes dem Iran ein 48-stündiges Ultimatum gestellt hatte, die für Öltransporte wichtige Strasse von Hormus freizumachen. Am Mittag wurden die Verluste allerdings innerhalb von Minuten wettgemacht und der Leitindex SMI schloss schlussendlich mit 0.6% im Plus. Der Auslöser war eine Nachricht des US-Präsidenten, in der er ankündigte, dass es mit dem Iran produktive Gespräche gegeben habe und dass die USA in den kommenden fünf Tagen auf Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur verzichten würde und Gesprächsbereitschaft signalisierte. Allerdings dementierte der Iran sofort direkte Gespräche mit den USA. Nichtsdestotrotz sanken die Ölpreise in der Folge und stützten die Aktienkurse. Die Lage bleibt jedoch fragil, da widersprüchliche Aussagen und anhaltende geopolitische Risiken die Unsicherheit hoch halten.
Bei den 20 SMI-Werten standen sich 15 Kursgewinner und fünf Verlierer gegenüber. Insbesondere konjunktursensible Aktien profitierten von der Entspannung im Iran-Krieg. Klarer Tagessieger war Richemont (+5.1%). Europaweit ging es für Luxusgüterhersteller nach der Nachricht von Donald Trump deutlich nach oben. Konkurrentin Swatch (+1.9%) legte ebenfalls zu. Ebenfalls klare Gewinne verzeichneten Bautitel wie Amrize (+3.3%), Geberit (+1.9%), Sika (+1.2%) und Holcim (+1.1%). Mit Partners Group (+1.5%) und UBS (+1.1%) standen auch Finanzwerte auf der Einkaufsliste. Als Bremsklotz erwies sich hingegen das Index-Schwergewicht Nestlé (-1.3%), während Roche und Novartis um 1.0% bzw. 0.5% an Wert gewannen. In der Verlustzone schloss auch Givaudan (-0.8%). Die Abgaben waren jedoch nur optischer Natur, denn die Aktien wurden ohne die Dividende von CHF 72.00 je Aktie gehandelt.
Am breiten Markt geriet der Hörgeräteexperte Sonova (-5.2%) nach der Ankündigung eines Strategiewechsels deutlich unter Druck. Der Verkauf des Sennheiser-Geschäfts soll den Fokus auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate stärken. Zudem hat Sonova neue Mittelfristziele bekannt gegeben. Bis zum Geschäftsjahr 2030/31 will das Unternehmen einen Umsatz in Lokalwährungen von CHF 6 Mrd. erzielen. Erreicht werden soll dies durch eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5% bis 10%. Die Kern-EBIT in Lokalwährungen wird zwischen 7% und 12% gesehen. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigt Sonova die Ziele. Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025/26 wird das Unternehmen am 18. Mai 2026 publizieren.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +1.33%, DAX: +1.22%
Die europäischen Aktienmärkte verwandelten die deutlichen Anfangsverluste in starke Gewinne um, nachdem US-Präsident Trump die angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke um fünf Tage verschoben hatte. Der Auslöser war, dass laut Trump produktive Gespräche mit dem Iran stattgefunden hätten, wobei Teheran direkte Verhandlungen umgehend dementierte. Der EuroStoxx50 avancierte um 1.3% und auch der deutsche DAX (+1.2%), der spanische IBEX35 (+1.0%) sowie der italienische FTSE MIB (+0.8%) verzeichneten klare Gewinne. Der britische FTSE 100 blieb hingegen mit einem Minus von 0.2% zurück, was unter anderem auf die Rückgänge bei den Energieaktien wie Shell (-2.3%) und BP (-4.2%) zurückzuführen war. Der Konsumgüterhersteller Unilever (-0.5%) will sich von seinem Lebensmittelgeschäft trennen und bestätigt Gespräche mit dem US-Gewürzhersteller McCormick & Co (-0.1%), von welchem offenbar ein Angebot eingegangen ist.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +1.38%, S&P 500: +1.15%, Nasdaq: +1.38%
Auch an den US-Aktienmärkten machte sich ein Funken Hoffnung breit, dass es im Iran-Krieg zu einer gewissen Entspannung kommt. Der US Leitindex Dow Jones sowie der technologielastige Nasdaq erholten sich zum Wochenauftakt um je 1.4%. Auch der marktbreite S&P500 konnte um 1.2% zulegen. Die jüngst vom steigenden Ölpreis gestützten Aktien von US-Ölkonzernen wie ExxonMobil und Chevron gaben im Zuge der rückläufigen Ölpreise zunächst nach, konnten jedoch im weiteren Verlauf wieder ins Plus drehen und schlossen um 0.9% resp. 1.7% höher. Die Aktien von Fluggesellschaften wie American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines waren im gestrigen Umfeld gesucht und avancierten zwischen 2.7% und 4.5%. Rückwärts ging es hingegen für die Titel von Estee Lauder (-7.7%). Gemäss Medienberichten will der Kosmetikkonzern den spanischen Mode- und Kosmetikhersteller Puig (+3.6%) übernehmen. Puig bestätigte die Verhandlungen.
Unternehmensberichte
Inficon ohne Überraschung bei den Geschäftszahlen 2025, Ausblick deutlich unter Konsens
Inficon erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen im Vergleich zum Vorjahr um 0.4% höheren Umsatz von USD 673.7 Mio. Der Betriebsgewinn sank hingegen deutlich um 17% auf USD 112.3 Mio. Die entsprechende Marge sank um 360 Basispunkte auf 16.7%. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von USD 85.8 Mio., nachdem dieser im Geschäftsjahr 2024 noch bei USD 112.8 Mio. gelegen hatte. Der Gewinnrückgang ist aber keine Überraschung, da Inficon Eckwerte bezüglich Umsatz und Betriebsgewinn bereits im Januar publiziert hatte. Stark hatten sich die Umsätze im 4. Quartal 2025 entwickelt und betrugen rekordhohe USD 184.2 Mio., was einem Anstieg von 3.7% im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Im Vergleich zum 3. Quartal lag der Anstieg sogar bei 12.0%. Insbesondere im Halbleitersegment (Semi & Vacuum Coating) stieg der Umsatz deutlich an. Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären eine um 10 Rappen tiefere Dividende von CHF 2.00 pro Aktie vor. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 zeigt sich das Management zuversichtlich und erwartet ein Umsatz zwischen USD 680 bis 720 Mio. Die EBIT-Marge soll zwischen 17% und 19% zu liegen kommen. Das Zahlenset war überwiegend bereits bekannt und entspricht deshalb den Erwartungen. Allerdings ist der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2026 deutlich unter dem Analystenkonsens.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.37%; DE: 3.01%; CH: 0.41%
Die vage Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs im Nahen Osten und die damit verbundenen tieferen Energiepreise dämpften gestern die Inflationssorgen leicht. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe reagierte zeitweise mit einem Rückgang um 13 Basispunkte, nachdem Donald Trump angekündigt hatte, die Energieinfrastruktur im Iran für fünf Tage nicht anzugreifen. Am Nachmittag pendelte sie sich bei rund 4.35% ein. Vor Beginn des Krieges hatte sie noch über 4% gelegen.
Währungen
Euro in Franken: 0.914
US-Dollar in Franken: 0.789
Euro in US-Dollar: 1.159
Auch am Devisenmarkt stand der Nahost-Konflikt im Fokus. Nachdem der US-Dollar zunächst fester in den Tag gestartet war, geriet er im weiteren Verlauf unter Druck. Belastend wirkten Aussagen von Donald Trump zu möglichen Verhandlungen mit dem Iran. Gegenüber dem Schweizer Franken verlor der Greenback daraufhin innert weniger Stunden rund einen Rappen.
Rohwarenmärkte
Ölpreis WTI: USD 91.36 pro Fass
Goldpreis: USD 4'396.13 pro Unze
Die Ankündigung Trumps, die angedrohten Angriffe auf iranische Energieanlagen aufgrund produktiver Gespräche um fünf Tage zu verschieben, führte zu einem deutlichen Rückgang der Ölpreise. Die US-Sorte WTI fiel zwischenzeitlich von über 100 US-Dollar auf unter 85 US-Dollar und pendelte sich schliesslich bei rund 90 US-Dollar pro Fass ein. Trotz dieser Entspannung bleibt die Lage volatil, zumal der Iran Berichte über Verhandlungen dementierte. Insgesamt verharrt der Ölpreis damit auf einem deutlich erhöhten Niveau – vor Kriegsbeginn lag er noch unter 70 US-Dollar pro Fass.
Auch der Goldpreis gab gestern spürbar nach und setzte seinen Abwärtstrend den neunten Tag in Folge fort. Seit Beginn des Konflikts summiert sich das Minus auf rund 17%.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine Wirtschaftsdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.
Anja Felder
8021 Zürich
Céline Keller
8021 Zürich
Ihr nächster Schritt
Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.