04. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Steigende Energiepreise befeuern Inflationssorgen

Die weltweiten Aktienmärkte gerieten gestern deutlich unter Druck. Der Anstieg der Öl- und Gaspreise sorgt für Befürchtungen vor erneut steigender Inflation. Heute stehen die Jahreszahlen von Implenia im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -3.10%, SPI: -2.93%, SMIM: -2.32%

Der Schweizer Aktienmarkt wurde gestern stark durch den Iran-Krieg belastet. Im Fokus stand vor allem die Entwicklung des Öl- und Gaspreises. Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent stieg um 8% auf USD 83.70. Der Leitindex SMI ging 3.1% tiefer aus dem Handel. Bis auf Kühne + Nagel (+0.4%) schlossen alle grosskapitalisierten Werte tiefer. Trotz durchzogener Jahreszahlen konnte der Logistikkonzern von der zunehmenden Handelskomplexität aufgrund des Irankonfliktes profitieren. Für wenig Unterstützung sorgten die defensiven Index-Schwergewichte Novartis (-2.7%), Nestlé (-2.4%) und Roche (-2.1%). Tagesverlierer waren Zurich Insurance (-6.7%), ABB (-4.9%) und Swiss Life (-4.7%). Zurich Insurance litt unter der Kapitalerhöhung für den Kauf des Spezialversicherers Beazley. Dafür wurden rund 7 Mio. Aktien zu je CHF 550 bei Investoren platziert.

Im breiten Markt gab VAT (-2.1%) nach. Der Vakuumventil-Hersteller präsentierte Jahreszahlen, die den Analystenerwartungen entsprachen und erwartet nun einen breiten Aufschwung im Halbleiterbereich. Weniger gut kamen hingegen die Jahresberichte von Forbo (-5.9%) und Arbonia (-8.7%) an. Der Türenhersteller Arbonia enttäuschte vor allem beim Ausblick. Nach oben ging es hingegen für Bucher (+1.5%). Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen, dass sich die jüngste Erholung der Nachfrage im Landwirtschaftsgeschäft fortsetzen wird. Nach oben strebte auch der Kurs von Also (+2.9%). Der IT-Grosshändler startet ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu EUR 120 Mio. Die Aktien werden jedoch nicht vernichtet, sondern für allfällige Akquisitionen und Vergütungsprogramme eingesetzt.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -3.59 %, DAX: -3.44%

Die europäischen Aktienmärkte standen erneut unter starkem Abwertungsdruck infolge des Iran-Kriegs. Der länderübergreifende EuroStoxx50 verlor 3.6%. Der deutsche DAX büsste 3.4% und der französische CAC40 gab 3.5% nach. Auf Sektorenebene gab es nur Verluste. Am stärksten wurden die Bereiche Versorger, Finanzen und Industrie belastet. Am besten halten konnten sich Energie, Kommunikationsdienste und Gesundheit.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.83%, S&P 500: -0.94%, Nasdaq: -1.02%

Auch die US-Aktienmärkte wurden gestern durch Sorgen um steigende Preise infolge höherer Öl- und Gaspreise belastet. Die anfänglichen hohen Verluste konnten im Handelsverlauf aber eingegrenzt werden. Während der Leitindex Dow Jones 0.8% abgab, verlor der breiter gefasste S&P 500 0.9%. Der technologielastige Nasdaq büsste 1.0% ein. Stark unter Druck standen die Aktien des Baumaschinenherstellers Caterpillar (-3.4%). Nach oben ging es nach den Geschäftszahlen hingegen für die Einzelhändler Target (+7.4%) und Best Buy (+7.7%).

Unternehmensberichte

Implenia steigert EBIT-Marge und erhöht Dividende kräftig

Der Baukonzern Implenia verbuchte im vergangenen Jahr einen um 2.4% geringeren Umsatz von CHF 3.47 Mrd. Währungsbereinigt lag der Rückgang bei 1.8%. Der Betriebsgewinn EBIT stieg hingegen um 7.6% auf CHF 140.5 Mio. Die EBIT-Marge verbesserte sich damit von 3.7% auf 4.0%. Unter dem Strich sank der Reingewinn um 9.3% auf CHF 84.7 Mio. Dies aufgrund von gestiegenen Finanzierungskosten und höheren Steuern. Die Eigenmittelquote verbesserte sich weiter von 21.2% per Ende 2024 auf 23.5%. Die Dividende soll von CHF 0.50 auf CHF 1.40 je Aktie angehoben werden. Mit dem Zahlenkranz wurden die Analystenerwartungen beim Umsatz und Gewinn verfehlt und beim EBIT leicht übertroffen. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein EBIT von CHF 150 Mio., vor laufenden Wachstumsinvestitionen von CHF 10 bis 20 Mio., erwartet.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.07%; DE: 2.75%; CH: 0.30%

Nach dem Zinsanstieg der vergangenen Tage gab es gestern erstmals eine leichte Gegenbewegung. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen notiert dennoch rund 15 Basispunkte höher als zum Handelsauftakt am Montag. Hintergrund für den Zinsanstieg sind aufgeflammte Inflationssorgen. Der Anstieg der Energiepreise schürt Befürchtungen, dass die Inflation wieder zunehmen könnte. Dies wird auch die Notenbanken in den USA, der Eurozone und der Schweiz beschäftigen, die am 18. und 19. März ihre geldpolitische Lagebeurteilung vornehmen.

Währungen

Euro in Franken: 0.906
US-Dollar in Franken: 0.780
Euro in US-Dollar: 1.161

Der US-Dollar ist seit Wochenbeginn die stärkste G10-Währung. Der Dollar hat zwar einen Teil seiner Gewinne des Vortags wieder eingebüsst, behauptet sich aber bei anhaltenden Kampfhandlungen im Iran sowohl gegenüber dem Franken als auch gegenüber dem Euro auf einem höheren Niveau. Europa ist im Gegensatz zu den USA stark von Energieimporten abhängig, was die Gemeinschaftswährung belastet. Im Vergleich zum Franken bleibt der Eurokurs weiterhin unter der Marke von 0.91.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 75.82 pro Fass
Goldpreis: USD 5'14.90 pro Unze

Am Energiemarkt ist die Preisvolatilität weiterhin hoch und wird von der Lage im Nahen Osten geprägt. Der europäische Brent-Ölpreis legte gestern im Tagesverlauf um 8% zu und handelt auf 12-Monatssicht nun rund 17% höher. Der Preis gab später etwas nach, nachdem die USA Versicherungsschutz für Öltanker in der Strasse von Hormus zugesichert hatten. Zudem wird nun erstmals über eine Schiffseskorte in der betroffenen Region diskutiert.

Noch stärker reagierten jüngst die europäischen Erdgaspreise. Der für Europa richtungsweisende Terminkontrakt TTF an der Börse in Amsterdam notiert seit Wochenbeginn 70% höher. Die Exporte von Flüssigerdgas aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten machen etwa ein Fünftel der weltweiten Versorgung aus und sind nun vom Iran-Krieg direkt tangiert. Mit aktuell 54 Euro pro MWh liegt das Preisniveau jedoch weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2022, als Russland seinen Angriff auf die Ukraine begann und der europäische Erdgaspreis einen Höchststand von über 300 Euro pro MWh erreichte.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: Inflationsrate YoY (Februar)
aktuell: 1.9% (erwartet: 1.7%, Vormonat: 1.7%)

Im Februar sind die Konsumentenpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.9% angestiegen, nach 1.7% im Januar. Dazu beigetragen haben die gestiegenen Preise im Dienstleistungssektor (+3.4% im Jahresvergleich). Der Anstieg dürfte teilweise auf Sondereffekte im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen in Norditalien zurückzuführen sein und liefert daher nur begrenzte Hinweise auf den zugrunde liegenden Preisdruck. Auch die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie fiel mit 2.4% höher als erwartet aus. Mit Blick auf die geopolitischen Risiken dürfte entscheidend sein, wie lange der Krieg in Nahost andauert und wie stark sich dies auf die Energiepreise überträgt.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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