19. Juni 2026, Tägliche Marktsicht

SNB kann vorerst abwarten

Die SNB hält am Nullzins fest. Für die Schweizer Finanzmärkte ergaben sich daraus kaum neue Impulse.

SNB lässt ihren Leitzins unverändert

Die Schweizerische Nationalbank hat sich gestern erwartungsgemäss dazu entschieden, ihren Leitzins vorerst unverändert zu belassen. Damit bleibt der SNB-Leitzins bei 0%, die Sichtguthaben der Geschäftsbanken über einer bestimmten Limite werden weiterhin mit -0.25% belastet. Zudem bleibe die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht, sollte der Franken rasch und übermässig aufwerten.

Für das Jahr 2026 erwartet die Schweizerische Nationalbank weiterhin ein leicht unterdurchschnittliches Wachstum von 1%. Die Prognose-Unsicherheit hat mit dem Konflikt im Nahen Osten jedoch deutlich zugenommen. Dies trifft auch für die bedingte Inflationsprognose zu, welche die SNB vierteljährlich erstellt. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise liegt die Prognose für die nächsten Quartale höher als noch im März. Mittelfristig hat sich der Inflationsdruck gegenüber der letzten Lagebeurteilung jedoch kaum verändert. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb in unseren Augen vorderhand nicht angezeigt.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.36%, SPI: -0.25%, SMIM: +0.02%

Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnete gestern leichte Kursverluste. Während der Leitindex SMI um 0.4% nachgab, schloss der Small- und Mid-Cap-Index SMIM unverändert. Belastet wurde die Stimmung durch die restriktiveren Signale der US-Notenbank. Gleichzeitig sorgte die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran für sinkende Ölpreise. Innerhalb des SMI hielten sich Gewinner und Verlierer die Waage. Zu den stärksten Titeln zählten die zyklischen Werte Sika (+2.9%), UBS (+2.7%) und ABB (+1.7%). UBS und ABB profitierten von positiven Analystenkommentaren. Die UBS-Aktie erreichte dabei den höchsten Stand seit Ende 2007. Positiv entwickelten sich auch die Uhrenhersteller Richemont (+1.7%) und Swatch (+0.5%). Unterstützt wurden die Aktien durch die für den Mai veröffentlichten Uhrenexportdaten, die nach dem schwachen April eine Stabilisierung zeigten. Auf der Verliererseite standen die Pharmaschwergewichte Roche (-2.7%) und Novartis (-2.5%). Ebenfalls schwächer notierten Partners Group (-2.0%) und Kühne + Nagel (-1.3%).

Am breiten Markt avancierte Idorsia ohne nennenswerte Unternehmensnachrichten um 25.7%. Ebenfalls gefragt waren die Aktien von Leonteq, die um 8.7% zulegten. Der Derivate-Spezialist gab bekannt, sämtliche regulatorischen Altlasten bereinigt und die entsprechenden Verfahren abgeschlossen zu haben.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.37%, DAX: +0.37%

Die europäischen Aktienmärkte präsentierten sich gestern uneinheitlich. Während der länderübergreifende EuroStoxx50 (+0.4%), der französische CAC40 (+0.4%) und der deutsche DAX (+0.4%) zulegen konnten, schlossen der britische FTSE100 (-1.0%) und der italienische FTSE MIB (-0.1%) im Minus. Für Unterstützung sorgte die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran, welches Hoffnungen auf eine weitere Entspannung im Nahen Osten und eine Stabilisierung der geopolitischen Lage weckte. Belastet wurde der britische FTSE 100 insbesondere von schwachen Rohstoff- und Energiewerten, die unter dem rückläufigen Ölpreis litten. Im deutschen DAX gerieten insbesondere die Automobilhersteller unter Druck. Mercedes-Benz (-4.6%), BMW (-4.0%) und Volkswagen (-2.8%) verzeichneten überdurchschnittliche Kursverluste. Belastet wurde der Sektor durch eine Gewinnwarnung von BMW. Der Autobauer begründete diese mit einer schwächeren Nachfrage aus China sowie höheren Energiekosten. Ebenfalls deutlich schwächer notierte SAP mit einem Minus von 4.5%. Auslöser war der enttäuschende Ausblick des US-Beratungsunternehmens Accenture, das zu den wichtigsten Vertriebspartnern von SAP-Software zählt.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.14%, S&P 500: +1.08%, Nasdaq: +1.91%

Die amerikanischen Aktienmärkte verzeichneten gestern erneut Kursgewinne auf breiter Front. Besonders stark entwickelten sich die zyklischen Technologiewerte im Nasdaq mit einem Plus von 1.9%, gefolgt vom marktbreiten S&P 500 (+1.1%) und dem Dow Jones (+0.1%). Die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran sorgte für Entspannung an den Märkten und liess den Ölpreis sinken. Die Marktstimmung blieb entsprechend positiv. Weiterhin erfreuten sich Aktien mit Bezug zur künstlichen Intelligenz grosser Beliebtheit. Intel gewann 10.6%, nachdem US-Präsident Trump angekündigt hatte, dass Intel und Apple eine Vereinbarung zur Chipproduktion in den USA abgeschlossen hätten. Davon profitierte der gesamte Halbleitersektor. Zu den grössten Verlierern gehörte Accenture mit einem Kursrückgang von 18.0%. Der IT-Dienstleister präsentierte einen schwächer als erwarteten Umsatzausblick für das vierte Quartal. Accenture rechnet mit einem Umsatz zwischen USD 17.75 Mrd. und USD 18.4 Mrd. und liegt damit unter den Markterwartungen von USD 18.5 Mrd. Belastet wird der Ausblick durch eine zurückhaltendere Nachfrage nach klassischen Beratungsdienstleistungen infolge des verstärkten Einsatzes von KI-Anwendungen sowie durch Projektverschiebungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.45%; DE: 2.93%; CH: 0.35%

Der leichte Anstieg der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe im Anschluss an die Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Fed vom Mittwoch war nur von kurzer Dauer. Gestern war der Trend bereit wieder rückläufig und die Rendite sank um rund drei Basispunkte. In Europa war die Dynamik an den Kapitalmärkten im gestrigen Tagesverlauf sehr gering. Die Zinsentscheidung der Schweizerischen Nationalbank fiel wie erwartet aus, weshalb sich die Zinsen in der Schweiz nicht gross bewegt haben.

Währungen

Euro in Franken: 0.922
US-Dollar in Franken: 0.805
Euro in US-Dollar: 1.146

Der Franken gab gestern nach dem Leitzinsentscheid der SNB gegenüber Euro und US-Dollar nach. Gleichzeitig nahm die SNB eine leichte Anpassung ihrer Kommunikation zu möglichen Devisenmarktinterventionen vor. Nachdem sie im März ihre Formulierung von Interventionen «bei Bedarf» auf eine «erhöhte Bereitschaft» ausgeweitet hatte, ist der Zusatz «bei Bedarf» nun wieder zurückgekehrt. Damit signalisiert die Nationalbank weiterhin eine erhöhte Interventionsbereitschaft, betont jedoch stärker, dass allfällige Eingriffe situationsabhängig erfolgen würden.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 79.53 pro Fass
Goldpreis: USD 4'253.15 pro Unze

Der Ölpreis pendelte gestern zwischen 76 und 80 US-Dollar und schloss am Ende praktisch unverändert zum Vortag. Die Normalisierung der Lieferketten und der Schifffahrt durch die Strasse von Hormus wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Beim Goldpreis zeigte der Trend im gestrigen Handelsverlauf nach unten in Richtung der Marke von 4'200 US-Dollar pro Unze. In der Endabrechnung resultierte ein Minus von knapp 1%.

Wirtschaft und Konjunktur

Abgesehen vom SNB-Leitzinsentscheid wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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