12. Juni 2026, Tägliche Marktsicht
SMI trotz geopolitischen Unsicherheiten und EZB-Zinsentscheid im Plus
Die Aktienmärkte notierten gestern in der Gewinnzone. Heute richtet die Finanzwelt ihren Blick auf den Rekord-Börsengang von SpaceX.
EZB erhöht erstmals seit 2023 ihre Leitzinsen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen gestern erwartungsgemäss um jeweils 25 Basispunkte erhöht. Damit liegt der sogenannte Einlagesatz neu bei 2.25%. Der Krieg im Nahen Osten hat gemäss EZB-Präsidentin Christine Lagarde Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation zur Folge. Entsprechend haben die EZB-Ökonomen ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2026 noch einmal leicht gesenkt. Gleichzeitig erhöhten sie ihre Inflationsprognose für das Gesamtjahr 2026 von 2.6% auf 3.0%. Die EZB-Vertreter gehen davon aus, dass der Inflationsdruck über die Sommermonate noch einmal ansteigen wird. Erst im zweiten Halbjahr 2027 dürfte die Inflationsrate wieder in Richtung des EZB-Inflationsziels von 2% fallen. Der Entscheid zur Leitzinserhöhung wurde entsprechend einstimmig gefällt. Darauf, ob dies der Anfang eines neuerlichen Zinserhöhungszyklus gewesen sei, mochte sich Christine Lagarde jedoch nicht festlegen. Die Europäische Zentralbank verfolge weiterhin einen datengestützten Ansatz und entscheide von Sitzung zu Sitzung. Wir gehen allerdings davon aus, dass in diesem Jahr noch weitere Leitzinserhöhungen folgen werden.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.49%, SPI: +0.35%, SMIM: -0.10%
Der Schweizer Aktienmarkt schloss am Donnerstag erneut im Plus. Neue Drohungen von US-Präsident Trump gegen den Iran, darunter die angedrohte Einnahme der Ölinsel Kharg, verpufften weitgehend wirkungslos. Auch die erstmalige EZB-Leitzinserhöhung seit September 2023 sorgte kaum für Bewegung, zumal sie von den Marktteilnehmern erwartet worden war. Am heutigen Freitag richten die Finanzmärkte ihre Aufmerksamkeit auf den Börsengang von SpaceX. Elon Musks Weltraumfirma schreibt mit einem Rekord-IPO Geschichte. Der Leitindex SMI ging gestern 0.5% höher aus dem Handel und auch der marktbreite SPI schloss 0.4% höher. Entgegen dem Trend notierte der klein- und mittelkapitalisierte SMIM 0.1% tiefer. Bei den Blue Chips überwogen die Verlierer, wobei zwölf der 20 Titel im Minus schlossen. Die Pharmaschwergewichte Novartis und Roche stützten den SMI. Novartis gewannen 2.1%, nachdem der Konzern überzeugende Studiendaten zu Delbrax, einem Mittel gegen eine neuromuskuläre Erkrankung, vorgelegt hatte und sich eine beschleunigte Zulassung erhofft. Roche legte 0.4% zu, nachdem der Konzern ein Update zu einem Zulassungsantrag bekannt gegeben hatte. Nestlé gab hingegen um 0.4% nach. Richemont zählte mit einem Plus von 2.7% zu den grössten Gewinnern. Ein Broker bekräftigte seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel. Zusätzlichen Schub lieferte das Übernahmeangebot für Hugo Boss von dessen Grossaktionär Frasers, das Übernahmefantasie im Luxusgütersektor weckte. Auch Konkurrentin Swatch profitierten davon und stieg um 1.2%. Zu den weiteren Gewinnern zählten die Zykliker ABB (+2.1%), Kühne + Nagel (+1.0%) und Holcim (+0.8%). Auf der Verliererseite standen Sika und Geberit, die je 2.1% einbüssten. Grösster Verlierer war Partners Group mit einem Minus von 3.0%. Die Aktie leidet weiterhin darunter, dass der Vermögensverwalter Anfang Monat Rückzahlungen aus einem Fonds deckeln musste, nachdem Anleger grössere Summen abziehen wollten. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste damit auf rund 30%.
Am breiten Markt stachen die Technologietitel VAT (+3.9%) und Comet (+1.7%) positiv hervor, beflügelt von der anhaltenden KI-Hausse. Schwer hatten es hingegen der Intralogistiker Interroll, der nach einer Verkaufsempfehlung durch einen Broker 5.2% einbüsste, sowie der Verpackungshersteller SIG, der ohne nennenswerte News um 4.1% nachgab.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.78%, DAX: +0.06%
Die europäischen Aktienmärkte schlossen am Donnerstag fester. Trumps erneute Drohungen gegen den Iran verpufften weitgehend, und auch die erwartete EZB-Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2.25% sorgte kaum für Bewegung. Am besten zeigte sich der italienische FTSE MIB mit +1.0%, gefolgt vom spanischen IBEX 35 und dem länderübergreifenden EuroStoxx 50 (je +0.8%). Der DAX hinkte mit einem Plus von 0.1% etwas hinterher, während der britische FTSE 100 um 0.5% zulegte. Auf Sektorenstufe waren die Bereiche Technologie, Energie und Versorger gesucht. Unter Verkaufsdruck standen hingegen die Branchen Kommunikationsdienste, Immobilien und Basiskonsum. Bei den Einzelwerten zeigte sich erneut die Divergenz zwischen Software- und Chipwerten. SAP büsste 6.6% ein und Dassault Systemes gab ebenfalls nach, nachdem die Quartalszahlen von Oracle mit hohem Investitionsbedarf in Rechenzentren die Anleger verschreckt hatten. Profiteure des KI-Booms waren hingegen die Halbleiterwerte: ASML gewann 4.6%, STMicro legte um 5.8% zu und ASM International sprang gar 7.4% nach oben, nachdem ein Broker das Kursziel deutlich angehoben hatte. Aufgefallen ist auch Hugo Boss (9.1%), deren Aktie auf EUR 39.76 gestiegen war. Grossaktionär Frasers Group hat ein Übernahmeangebot zu EUR 38.00 je Aktie lanciert, das Analysten als wenig attraktiv bezeichnen, da der Kurs bereits darüber liegt.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +1.86%, S&P 500: +1.75%, Nasdaq: +2.54%
Die Absage geplanter US-Angriffe auf den Iran beflügeltem die amerikanischen Aktienmärkte am gestrigen Handelstag. Donald Trump hatte zunächst Angriffe auf den Iran angekündigt, diese jedoch kurz darauf wieder abgesagt. Er stellte erneut ein baldiges Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges in Aussicht, worauf der Iran jedoch prompt mit einem Dementi reagierte. Hinzu kam die Angst vieler Anleger, vor dem SpaceX-Börsengang künftige Kursgewinne zu verpassen. Besonders gefragt waren deshalb Technologiewerte. Der Technologieindex Nasdaq gewann 2.5%, der Leitindex Dow Jones 1.9% und der marktbreite S&P 500 1.8%. Alle Augen richten sich heute auf den heutigen Börsengang. Elon Musk verkauft einen 5%-Anteil seines Unternehmens zu USD 135 je Aktie, was einer Gesamtbewertung von rund USD 1.8 Bio. entspricht und einen Erlös von rund USD 75 Mrd. einbringen soll. Die Nachfrage soll laut Medien mehr als viermal so hoch sein wie das Angebot. Derweil hielt der Abwärtstrend bei Softwarewerten an: Oracle brachen nach Quartalszahlen 8.5% ein, da Analysten trotz eines ordentlichen Ergebnisses die hohen Investitionen in Rechenzentrumskapazitäten kritisierten. Auch Adobe, Salesforce und Microsoft verloren bis zu 6.3%. Gefragt waren hingegen Halbleiterwerte. Intel gewann 9.3%, beflügelt durch eine Hochstufung durch einen Broker. Auch KLA, Lam Research und Micron zählten zu den gefragten Titeln und gewannen bis zu 13.0% an Wert.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.47%; DE: 3.03%; CH: 0.44%
Die Augen der Kapitalmarktanlegerinnen und -anleger richteten sich zunächst auf die Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Die Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte war jedoch erwartet worden, weshalb diese keine merkliche Reaktion bei den Renditen mehr auslöste. Für etwas mehr Bewegung sorgte hingegen die Absage der durch US-Präsident Donald Trump zuvor angekündigten US-Angriffe auf den Iran. Im Einklang mit dem sinkenden Ölpreis fielen in den Abendstunden auch die Renditen wieder etwas zurück.
Währungen
Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.796
Euro in US-Dollar: 1.157
Auch die Devisenmärkte wurden gestern einmal mehr von den Ereignissen im Nahostkonflikt in Geiselhaft genommen. Die Absage der zuvor angekündigten US-Angriffe auf den Iran und die damit einhergehende Hoffnung auf eine baldige Lösung setzten den US-Dollar gegenüber den meisten Währungen unter Druck.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 88.51 pro Fass
Goldpreis: USD 4'178.32 pro Unze
Der Erdölpreis ist gestern Abend nach der Absage der geplanten US-Angriffe auf den Iran deutlich gefallen. Erstmals seit Mitte März notiert er unter der Marke von 90 US-Dollar pro Fass. Gemäss US-Präsident Donald Trump sei ein baldiges Rahmenabkommen mit dem Iran zur Beilegung des Krieges nahe. Das Abkommen würde auch die vollständige Öffnung der Strasse von Hormus beinhalten und damit mittelfristig die Angebotsknappheit am Ölmarkt beseitigen.
Wirtschaft und Konjunktur
Abgesehen vom EZB-Leitzinsentscheid wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Patrick Häfeli
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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