02. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
SMI setzt Erholung zur Wochenmitte fort
Der Schweizer Aktienmarkt knüpfte gestern an den jüngsten Erholungskurs an und schloss deutlich höher. Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts liessen die Börsenkurse weltweit deutlich ansteigen.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +1.68%, SPI: +1.67%, SMIM: +1.65%
Der Schweizer Aktienmarkt erhielt gestern erneut Rückenwind von Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Konflikts. Grund dafür waren unter anderem Aussagen von US-Präsident Trump über ein mögliches Kriegsende in zwei bis drei Wochen. Im Zuge einer weltweiten Börsenerholung schloss der SMI 1.7% höher. Bei den grosskapitalisierten Werten profitierten insbesondere konjunktursensitive Titel von der Kaufstimmung: Partners Group, UBS, Richemont, Holcim und ABB und legten zwischen 2.6% und 4.8% zu. Etwas gebremst wurde der Aufwärtstrend beim SMI von den Schwergewichten. Novartis (+1.7%) stieg im Rahmen der Indexentwicklung an, während Roche (+1.1%) und vor allem Nestlé (-0.04%) die Indexentwicklung zurückhielten.
Im breiten Markt gehörten unter anderem Technologietitel wie VAT (+2.5%), Comet (+2.5%) und Inficon (+6.4%) zu den Tagesgewinnern. Sie erhielten Rückenwind von den positiven Vorgaben aus dem US-Technologiesektor und positiven Analystenkommentaren. Auch Industrieaktien mit Bezug zu KI und dem Ausbau von Rechenzentren wie Belimo (+4.0%), Huber + Suhner (+4.6%) und Accelleron (+5.3%) schlossen deutlich höher. Der auf Generika- und Biosimilars spezialisierte Pharmakonzern Sandoz (+5.3%) erhielt Unterstützung durch eine Brokeraufstufung. Auch andere Gesundheitstitel wie Galderma (+2.0%), Medacta (+3.1%), Bachem (+2.8%) und Siegfried (+2.8%) standen gestern in der Gunst der Anleger. Auf der Verliererseite reihten sich gestern Aktien aus defensiven Sektoren wie etwa Barry Callebaut (-1.3%), Emmi (-2.7%) und Orior (-3.6%) ein. SoftwareOne sackten 6.3% ab, nachdem sich ein Gründungsaktionär via Platzierung von einem grösseren Aktienpaket trennte. Komax reagierte mit einem Kursplus von 5.6% auf die Ankündigung, dass der langjährige CEO Matijas Meyer im Zuge einer Neuausrichtung das Unternehmen verlassen muss. Dem angeschlagenen Autozulieferer macht neben dem schwachen Konjunkturumfeld auch die starke asiatische Konkurrenz zu schaffen.
SGKB-Videotalk: Geopolitik prägt die Börsen
Eine geopolitische Krise jagt die nächste. An den Finanzmärkten folgen die Reaktionen oft einem bekannten Muster: erst der Schock, dann die schnelle Erholung. Haben politische Märkte auch heute noch kurze Beine? Antworten von Patrick Häfeli und Matthias Müller in unserem Videotalk.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +2.93%, DAX: +2.73%
An den europäischen Aktienmärkten setzte sich die jüngste Erholung gestern mit erhöhtem Tempo fort. Sie knüpften damit an die starken Vorgaben der amerikanischen und asiatischen Handelsplätze an. Der EuroStoxx50 kletterte um 2.9% nach oben, während der DAX um 2.7% anzog. Aus Branchensicht gehörten konjunktursensitive Bereiche wie Finanzen, IT und Industrie zu den Tagesgewinnern. Als Geldgeber mussten Aktien aus den Sektoren Basiskonsum und Energie herhalten. Letztere wurden von den zuletzt wieder etwas gesunkenen Öl- und Gaspreisnotierungen gebremst. Im Fokus stand unter anderem Rolls-Royce. Die Aktien des Triebwerksherstellers, der unter anderem die Rüstungsindustrie beliefert, stiegen nach einer neuen Kaufempfehlung eines Brokers um 6.6% an.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.48%, S&P 500: +0.72%, Nasdaq: +1.16%
Die amerikanischen Aktienmärkte setzten ihre Vortageserholung fort, allerdings in verlangsamter Geschwindigkeit. Der Dow Jones gab einen Teil der zwischenzeitlichen Avancen wieder ab und schloss schliesslich 0.5% höher. Der S&P 500 stieg um 0.7%, während der Nasdaq dank starker Technologietitel 1.2% höher schloss. Gefragt waren insbesondere Halbleiterhersteller wie Seagate (+8.0%), Micron (+8.9%), Sandisk (+9.0%) und Western Digital (+10.1%). Sie profitierten von Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Strasse von Hormus. Die derzeitige Schliessung der wichtigen Transportroute gefährdet die Versorgung mit Helium. Das Edelgas, welches zu einem erheblichen Teil aus Katar kommt, ist ein wichtiger Bestandteil im Herstellungsprozess von Halbleitern. Im Rampenlicht standen zudem die Aktien von Nike, die nach den präsentierten Quartalszahlen um 15.5% einbrachen. Geschockt reagierte der Markt vor allem auf den Ausblick des Sportartikelherstellers, der wegen verschiedenen Belastungsfaktoren im laufenden Quartal unerwartet mit einem Umsatzrückgang rechnet. Zudem dauert der laufende Transformationsprozess länger als erwartet.
Unternehmensberichte
Montana Aerospace präsentierte heute Morgen die endgültigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2025. Der Zulieferer für die Luftfahrtindustrie steigerte den Umsatz um 15.1% auf EUR 979.3 Mio., während der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) um 25.1% auf EUR161.3 Mio. anstieg. Die entsprechende Marge verbesserte sich um 130 Basispunkte auf 16.5%. Unter dem Strich verblieb ein 6.7% tieferer bereinigter Reingewinn von EUR 11.4 Mio. Im laufenden Jahr rechnet das Management weiterhin mit einem Umsatz von mindestens EUR 1.0 Mrd. und einem bereinigten EBITDA von mindestens EUR 185 Mio. Neu ist die Zielsetzung für 2027, die einen Umsatzanstieg auf EUR 1.1 Mrd. und einen bereinigten EBITDA von mindestens EUR 210 Mio. veranschlagt. Der Ausblick für 2027 bleibt etwas unter den Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.38%; DE: 2.99%; CH: 0.37%
Da sich US-Präsident Trump in seiner Rede an die Nation nicht eindeutig zu einem baldigen Ende des Iran-Kriegs geäussert hatte, stieg die Rendite auf die massgebende 10-jährige US-Staatsanleihe in der Nacht auf heute wieder über die Marke von 4.35%. Ende letzter Woche hatte die Rendite mit rund 4.42% den höchsten Stand seit acht Monaten erreicht, war danach aber wieder leicht gesunken. Seit Beginn des Kriegs resultiert ein Anstieg von insgesamt fast 40 Basispunkten. Hintergrund sind Sorgen um eine höhere Inflation und einen restriktiveren Kurs der US-Notenbank.
Währungen
Euro in Franken: 0.922
US-Dollar in Franken: 0.799
Euro in US-Dollar: 1.153
Der US-Dollar entwickelte sich im März im Gleichtakt mit dem Ölpreis. Seit Kriegsbeginn hat er gegenüber allen anderen G10-Währungen zugelegt. Diese Woche kostete ein US-Dollar zeitweise wieder mehr als 80 Rappen - erstmals seit Mitte Januar. Auch aktuell kratzt der Greenback wieder an dieser Marke. Im Vergleich mit Anfang Jahr notiert der US-Dollar zum Schweizer Franken aber immer noch leicht im Minus.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 107.84 pro Fass
Goldpreis: USD 4'593.64 pro Unze
Der Ölpreis ist aktuell getrieben von Spekulationen rund um die weitere Dauer des Iran-Kriegs. Nach Aussagen von Donald Trump zu einem baldigen Ende der Kampfhandlungen war der Preis in den letzten Tagen gefallen. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gestern Vormittag zwischenzeitlich wieder weniger als 100 US-Dollar. In der Nacht auf heute stieg der Preis aber wieder in den Bereich von 106-108 US-Dollar, da sich Trump in seiner Rede an die Nation weniger eindeutig geäussert hatte. Es ist zu erwarten, dass die Volatilität auch in den nächsten Tagen und Wochen erhöht bleiben wird.
Wirtschaft und Konjunktur
Schweiz: Einkaufsmanagerindex Industrie (März)
aktuell: 53.3 (erwartet: 47.0, Vormonat: 47.4)
Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich im März trotz des Iran-Kriegs deutlich aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex stieg überraschend um 5.9 Punkte auf 53.4 und notiert damit erstmals seit Dezember 2022 wieder in der Wachstumszone. Mit Ausnahme der Beschäftigung verbesserten sich sämtliche Subindikatoren. Besonders auffällig ist die deutlich positivere Einschätzung des Auftragsbestands. Gleichzeitig weist die Umfrage jedoch auf steigende Einkaufspreise und längere Lieferfristen hin. Angesichts der Eskalation im Nahen Osten und der anhaltend schwachen Entwicklung in Deutschland bleibt fraglich, ob die ausgewiesene Stimmungsaufhellung nachhaltig ist. Andere Frühindikatoren, etwa das KOF-Konjunkturbarometer, hatten zuletzt ein weniger optimistisches Bild gezeichnet.
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (März)
aktuell: 52.7 (erwartet: 52.3; Vormonat: 52.4)
Die Dynamik im US-Industriesektor blieb im März insgesamt positiv. Der Einkaufsmanagerindex (ISM) legte leicht zu und notiert weiterhin klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild. Ein Teil des Anstiegs ist auf höhere Einkaufspreise und verlängerte Lieferzeiten zurückzuführen – Faktoren, die einerseits auf eine robuste Nachfrage hindeuten, andererseits aber auch Probleme in den Lieferketten widerspiegeln können. Die Produktion wurde erneut ausgeweitet, der Auftragseingang blieb zwar positiv, verlor aber an Schwung. Gleichzeitig gab die Beschäftigung weiter nach.
USA: Detailhandelsumsätze MoM (Februar)
aktuell: 0.6% (erwartet: 0.5%; Vormonat: -0.1%)
Die Umsätze der US-Detailhändler sind im Februar gegenüber dem Vormonat um 0.6% angestiegen. Damit zeigen sich die für die US-Wirtschaft zentralen Konsumausgaben weiterhin robust, nachdem die Detailhandelsumsätze im Januar noch leicht rückläufig gewesen sind. Steigende Energiepreise und anhaltende Sorgen über die hohen Lebenshaltungskosten könnten im März jedoch für Verunsicherung bei den Konsumentinnen und Konsumenten gesorgt haben. Andererseits stützen Steuerrückerstattungen sowie tendenziell steigende Löhne den US-Konsum.
Osterlektüre
Die nächste «Tägliche Marktsicht» erhalten Sie am Dienstag, 7. April. Wir wünschen Ihnen schöne und sonnige Ostertage. Als Wochenend-Lektüre empfehlen wir Ihnen die neuste Ausgabe unseres Anlagemagazins /sicht.
Roman Elbel
8021 Zürich
Matthias Müller
8021 Zürich
Céline Keller
8021 Zürich
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