10. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
SMI schliesst leicht im Plus, Nahost bleibt im Fokus
Der SMI erholte sich leicht von den Vortagesverlusten. Die Lage im Nahen Osten sorgte jedoch weiterhin für Zurückhaltung. Der Fokus liegt heute auf den Halbjahresergebnissen von EMS-Chemie.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.29%, SPI: +0.33%, SMIM: +0.20%
Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag einen Teil der Vortagesverluste wettgemacht. Im Fokus standen weiterhin die Entwicklungen im Nahen Osten. Trotz der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran blieb die Reaktion an den Finanzmärkten verhalten. Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach keine vollständige Wiederaufnahme des Krieges geplant sei, sorgten für etwas Beruhigung. Die geopolitische Unsicherheit bleibt jedoch hoch. Mit einem Plus von 0.3% beendete der SMI den Handel. Im Leitindex standen zwölf Gewinner acht Verlierern gegenüber. Vor allem die Verluste der beiden defensiven Indexschwergewichte Novartis (-1.3%) und Nestlé (-1.0%) verhinderten eine stärkere Erholung. Dagegen legte Roche um 0.2% zu. Unter Druck standen die Aktien von Swiss Re, die 1.1% an Wert verloren. Swisscom verlor 0.7%, während Kühne + Nagel leicht um 0.2% zulegte. Beide Titel standen nach der angekündigten Anpassung des SMI im Fokus. Sie müssen den Leitindex im September verlassen und werden durch den Generikahersteller Sandoz (-0.9%) und den Dermatologiespezialisten Galderma (-0.4%) ersetzt. Die Änderungen treten mit Handelsbeginn am 21. September 2026 in Kraft. An der Spitze des SMI standen Logitech mit einem Plus von 3.9%. Die Aktien profitierten unter anderem davon, dass der PC-Zubehörhersteller entgegen früheren Erwartungen seinen Platz im SMI behaupten konnte. Zu den Gewinnern zählten auch ABB (+2.8%), die von der weltweiten Erholung der Tech-Werte profitierte, UBS (+1.9%), Partners Group und Richemont (je +1.8%) sowie Lonza (+1.7%).
Am breiten Markt standen erneut Technologiewerte im Fokus. VAT gewannen 4.2% und profitierten von den angekündigten Investitionen des US-Halbleiterkonzerns Micron. Noch stärker legten AMS Osram (+7.8%) und Comet (+12.0%) zu, wobei Comet zusätzlich von einer positiven Analystenempfehlung Rückenwind erhielten. Die Aktien von Barry Callebaut gaben trotz mehrheitlich erwartungsgemässer Quartalszahlen um 4.1% nach. Zwar kehrte der weltgrösste Schokoladenhersteller im 3. Quartal 2025/26 auf den Wachstumspfad zurück, die Resultate vermochten die Anleger jedoch nicht zu überzeugen. Im Sog dessen verloren auch Lindt & Sprüngli 2.5%. Infracore, ein auf Spitalimmobilien spezialisiertes Unternehmen, gab gestern sein Börsendebüt. Die Aktien schlossen mit CHF 54.00 exakt auf dem Ausgabepreis und blieben damit zum Handelsstart ohne grössere Kursausschläge.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +1.28%, DAX: +0.89%
Die europäischen Aktienmärkte haben sich nach den jüngsten Verlusten leicht erholt. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahost-Konflikt überwogen die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten. Der EuroStoxx avancierte um 1.3% und auch der spanische IBEX 35 (+1.1%), der französische CAC 40 sowie der deutsche DAX (je +0.9%) verzeichneten klare Gewinne. Unter Druck stand hingegen der britische FTSE 100 (+0.2%). Belastet wurde der Leitindex insbesondere von AstraZeneca, deren Aktien nach enttäuschenden Studiendaten zu einem Medikament gegen eine Herzerkrankung um 6.2% einbrachen. Gefragt waren insbesondere die am Vortag unter Druck geratenen Sektoren. Angeführt wurde die Erholung von Technologiewerten, während auch die Branchen Rohstoffe und Finanzen deutlich zulegten. Auf dem Verkaufszettel standen hingegen die defensiven Bereiche Basiskonsum, Energie und Gesundheit.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.27%, S&P 500: +0.81%, Nasdaq: +1.30%
Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Donnerstag trotz der anhaltenden militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran zugelegt. Für Rückenwind sorgte insbesondere eine kräftige Erholung der Halbleiterwerte, die nach den jüngsten Verlusten deutlich anzogen, wodurch der Tech-Index Nasdaq um 1.3% zulegte. Der S&P 500 gewann 0.8%, während der Dow Jones mit einem Plus von 0.3% zurückblieb. Belastet wurde der Leitindex von Kursverlusten bei IBM (-2.2%) und Salesforce (-2.5%). Der Auslöser war eine Ankündigung von Starbucks (+2.5%), künftig verstärkt auf KI-gestützte Unternehmenssoftware zu setzen. Dies schürte erneut Befürchtungen, dass klassische Softwareanbieter zunehmend Konkurrenz durch KI-Lösungen erhalten könnten. Die Aktien von Micron gewannen 4.5%. Der Chiphersteller kündigte an, bis 2035 mehr als USD 250 Mrd. in den Ausbau seiner Halbleiter- und Speicherkapazitäten zu investieren.
Unternehmensberichte
EMS-Chemie mit robustem Halbjahresabschluss
EMS-Chemie publizierte heute Morgen die Zahlen zum 1. Halbjahr 2026. Der Umsatz ging im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0.8% auf CHF 1.012 Mrd. zurück. Allerdings belastete der starke Schweizer Franken das Ergebnis deutlich, denn in lokalen Währungen gelang EMS-Chemie ein Umsatzwachstum von 4.5%. EMS-Chemie profitierte von einem erfreulichen Geschäftsverlauf und wachsenden Absatzmengen, insbesondere mit innovativen Neugeschäften. Höhere Rohstoffkosten konnte das Unternehmen durch Preiserhöhungen zeitnah kompensieren. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT stieg um 4.7% auf CHF 310 Mio. Die entsprechende Marge erhöhte sich um 1.5% auf 30.6%. Für das laufende Geschäftsjahr hob EMS-Chemie den Umsatzausblick leicht an. Neu erwartet das Unternehmen einen Nettoumsatz, der nur noch leicht unter dem Vorjahresniveau liegt. Die Prognose für das Betriebsergebnis (EBIT) wurde bestätigt und liegt weiterhin leicht über dem Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet EMS-Chemie trotz des angehobenen Umsatzausblicks weiterhin mit einem herausfordernden geopolitischen Umfeld. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte EMS-Chemie einen Umsatz von CHF 1.95 Mrd. und einen Betriebsgewinn (EBIT) von CHF 567 Mio. Mit dem publizierten Zahlenset übertraf EMS-Chemie die Markterwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.54%; DE: 3.08%; CH: 0.39%
Nach dem Anstieg der letzten Tage legten die Zinsen gestern eine Verschnaufpause ein. Der wichtigste Treiber für die Zinsen bleibt derzeit jedoch der Ölpreis. Ein steigender Ölpreis aufgrund einer erneuten Eskalation im Nahen Osten sorgt für steigende Inflationserwartungen und entsprechend höhere Zinsen. Eine Entspannung der Situation dürfte hingegen für etwas tiefere Zinsen sorgen.
Währungen
Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.805
Euro in US-Dollar: 1.144
Mit der leichten Entspannung beim Ölpreis hat gestern auch der US-Dollar einen Teil seiner Vortagesgewinne wieder verloren. Ansonsten bleibt es am Devisenmarkt derzeit jedoch ausgesprochen ruhig.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 76.54 pro Fass
Goldpreis: USD 4'113.54 pro Unze
Nach dem deutlichen Anstieg der Vortage hat der Ölpreis gestern wieder etwas nachgegeben. In der ersten Wochenhälfte verteuerte sich das schwarze Gold aufgrund der wieder zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran um mehr als 10%. Der gestrige Rückgang um rund 2% ist deshalb nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Entscheidend für die weitere Ölpreisentwicklung bleibt die Strasse von Hormus. Sollte diese erneut vollständig geschlossen werden, ist ein weiterer Ölpreisanstieg wohl unvermeidbar.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Patrick Häfeli
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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