Ein Chartverlauf mit zwei Kursverläufen

30. Juni 2026, Tägliche Marktsicht

SMI läutet die Handelswoche mit Gewinnen ein

Während die Schweizer und die US-Aktienmärkte am Montag zulegen konnten, zeigten sich die europäischen Märkte uneinheitlich. Derweil schützt der Supreme Court die Autonomie der US-Notenbank.

US-Supreme Court bestätigt Fed-Unabhängigkeit

Das höchste US-Gericht schützt die Autonomie der US-Notenbank Fed. Im beurteilten Fall ging es um die Fed-Gouverneurin Lisa Cook. US-Präsident Trump wollte Cook aufgrund angeblicher Falschangaben bei Hypothekenanträgen per sofort aus dem Amt entlassen. Dies haben die Richterinnen und Richter des Supreme Court nun untersagt und präzisiert, dass dafür ein schweres und konkretes Fehlverhalten nachgewiesen werden müsse. Der US-Präsident kann damit Fed-Gouverneure nicht ohne Weiteres aus dem Amt entlassen. Lisa Cook darf im Amt bleiben, während die Vorwürfe juristisch weiter geprüft werden.

Mit dem Vorgehen zur Entlassung von Lisa Cook wollte Trump seinen Einfluss auf die Notenbank weiter ausbauen. Der US-Präsident fordert schon seit Längerem tiefere Leitzinsen. Aufgrund des durch den Iran-Krieg ausgelösten Inflationsschubs erwarten die Märkte derzeit aber eher Zinserhöhungen. Noch offen ist, wie sich der neue, von Trump nominierte Fed-Präsident Kevin Warsh dazu positioniert. Für Entscheide im zinsbestimmenden Offenmarktkomitee braucht es eine Mehrheit der insgesamt zwölf stimmberechtigten Mitglieder.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.36%, SPI: +0.43%, SMIM: +0.82%

Der Schweizer Aktienmarkt ist mit moderaten Gewinnen in die neue Woche gestartet. Nach einer schwächeren Entwicklung am Vormittag drehten insbesondere die defensiven Schwergewichte den Leitindex SMI am Nachmittag ins Plus. Mit einem Anstieg von 0.4% schloss der Index auf dem Tageshoch. Die erneuten Spannungen zwischen dem Iran und den USA am Wochenende hinterliessen an den Finanzmärkten kaum Spuren. Heute sind erneute Gespräche der Konfliktparteien in Doha geplant, die weitere Fortschritte bei der Deeskalation bringen könnten. Zu den gestrigen Gewinner-Aktien gehörten die Titel von ABB (+1.1%), Swiss Re (+1.1%), Nestlé (+1.2%) und Richemont (+1.7%). Deutlich unter Druck stand gestern der Schweizer Bausektor. Belastet wurde der Sektor unter anderem von Sorgen, dass die gestiegenen Energiekosten infolge des Iran-Konflikts im zweiten Quartal zu einer höheren Kosteninflation entlang der Wertschöpfungskette geführt haben könnten. Tiefere Kurse stellten dementsprechend Sika (-2.5%), Holcim (-3.8%) und Amrize (-4.4%). Am breiten Markt verbuchten die Aktien von DSM Firmenich (+3.0%), Galderma (+4.2%) und SMG (+6.0%) deutliche Kursgewinne. In die andere Richtung zeigten die Papiere von Autoneum (-3.6%) und Centiel (-4.4%).  

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.16%, DAX: -0.18%

Die europäischen Börsen zeigten sich zum Wochenstart uneinheitlich und bewegten sich insgesamt nur wenig von ihren Schlusskursen vom Freitag weg. Der Nahostkonflikt blieb im Hintergrund präsent. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf das Zentralbankforum im portugiesischen Sintra, wo der neue Fed-Präsident Kevin Warsh erstmals auf internationaler Bühne auftritt. Anleger erhoffen sich Hinweise über den künftigen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank. Der EuroStoxx50 schloss 0.2% höher, während der britische FTSE100 und der deutsche DAX um jeweils 0.2% nachgaben. Auf Sektorenebene legten die Bereiche Technologie, Versorger und Energie zu. Eine schwache Kursperformance zeigten die Sektoren Immobilien, Grundstoffe und Kommunikationsdienste.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.59%, S&P 500: +1.17%, Nasdaq: +2.07%

Die US-Aktienmärkte haben sich nach den Verlusten vom Freitag deutlich erholt. Der Dow Jones legte um 0.7% zu, der S&P 500 gewann 1.1% und der Nasdaq führte die Erholung mit einem Plus von 2.1% an. Die Kursentwicklung wurde vor allem von einer wieder gestiegenen Risikobereitschaft der Anleger getragen. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten sorgten trotz der jüngsten Eskalation kaum für Verunsicherung. Bei den Einzelwerten gewannen die Aktien von Comcast 4.5% hinzu, nachdem der Konzern die Abspaltung von NBCUniversal und Sky in ein eigenständiges börsenkotiertes Unternehmen angekündigt hatte, um den Fokus stärker auf das margenstärkere Breitband- und Mobilfunkgeschäft zu legen. Unter Druck geriet hingegen Verizon (-5.2%), nachdem das Unternehmen für das 2. Quartal eine Belastung von bis zu USD 800 Mio. im Zusammenhang mit dem neu angekündigten Joint Venture mit BT Group in Aussicht gestellt hatte. Weitere starke Kursgewinne erzielten Corning (+15.7%) und Palo Alto (+9.1%). Die Aktien von Microsoft (-1.2%) und Shopify (-2.2%) schlossen tiefer.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.37%; DE: 2.86%; CH: 0.29%

In Ermangelung neuer relevanter Konjunkturdaten bewegten sich die Renditen der massgebenden Staatsanleihen gestern nur wenig. Auch der Entscheid des US-Supreme Courts im Fall Lisa Cook führte zu keinen nennenswerten Veränderungen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe ist mit rund 4.4% weiterhin deutlich höher als noch Anfang Jahr. Gründe dafür sind unter anderem der Iran-Krieg, der damit verbundene Inflationsschub und die erwarteten Auswirkungen auf die Geldpolitik.

Währungen

Euro in Franken: 0.922
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.134

Der US-Dollar bewegt sich weiterhin nahe der Marke von 81 Rappen. Im Vergleich zu Anfang Jahr ist dies gleichbedeutend mit einem Anstieg von 2.1%. Noch etwas grösser sind die Zugewinne des Greenbacks gegenüber dem Euro (rund 3%).

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 72.44 pro Fass
Goldpreis: USD 3'980.25 pro Unze

Über das Wochenende gab es neue Angriffe in der Golfregion. Der Ölpreis zeigte sich davon aber wenig beeindruckt und veränderte sich gestern nur geringfügig. Mit rund 72 US-Dollar kostet ein Fass der Nordsee-Sorte Brent aktuell ähnlich viel wie im Schnitt der letzten 10 Jahre (rund 70 US-Dollar). Die Lieferketten haben sich jedoch noch nicht normalisiert: Es durchqueren weiterhin deutlich weniger Tanker die Seestrasse von Hormus als vor Kriegsausbruch.

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.

Florian Hiltpold

Portraitfoto von Florian Hiltpold, Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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