24. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

SMI dank Nestlé deutlich im Plus

Der Schweizer Aktienmarkt legte gestern deutlich zu, gestützt von starken Quartalszahlen und kräftigen Kursgewinnen der Schwergewichte Nestlé und Roche. Heute stehen die Quartalszahlen von Holcim, Inficon sowie Kühne + Nagel im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +1.38%, SPI: +1.19%, SMIM: +0.88%

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich am Donnerstag deutlich fester. Da im Nahost-Konflikt sowohl bei den Friedensgesprächen als auch bei der gesperrten Strasse von Hormus keine neuen Entwicklungen zu verzeichnen waren, blieben von dieser Seite wesentliche Impulse aus. Stattdessen rückte die Berichtssaison in den Fokus und lieferte unterstützende Signale. Getragen von deutlichen Kursgewinnen der Indexschwergewichte Nestlé (+5.9%) und Roche (+3.8%) schloss der Leitindex SMI (+1.4%) klar im Plus. Der Lebensmittelriese übertraf mit seinen Wachstumszahlen für das erste Quartal die Erwartungen, während der Pharmariese mit seinem Quartalsupdate die Markterwartungen weitgehend erfüllte. Die Aktie der Konkurrentin Novartis schloss den Handelstag mit einem Kursplus von 0.6% ab. ABB (+1.8%) verzeichnete am Tag nach der Zahlenvorlage eine positive Kursentwicklung und auch Swisscom (+1.3%) und Kühne + Nagel (+1.2%) zählten zu den Gewinnern. Die UBS-Aktien waren mit einem Minus von 2.7% die grössten Verlierer. Belastend wirkten dabei die am Vortag vom Bundesrat vorgestellten Beschlüsse zur Bankenregulierung, die von den Marktteilnehmern überwiegend kritisch beurteilt wurden. Ebenfalls unter Druck standen Logitech (-2.7%), Lonza (-1.8%), Partners Group (-1.2%) sowie Swiss Re (-1.0%).

Im breiten Markt avancierte Schindler um 2.8%. Der Lift- und Rolltreppenhersteller übertraf im 1. Quartal bei Auftragseingang, bereinigtem operativem Ergebnis sowie Marge die Markterwartungen leicht und bestätigte trotz anspruchsvollem Umfeld den Jahresausblick. Mit den publizierten Quartalszahlen überzeugte auch der Hautgesundheitsspezialist Galderma (+6.6%). Dagegen ging es für Temenos (-7.0%) abwärts, was auf eine allgemeine Sektorschwäche sowie auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein dürfte. Ebenfalls schwächer tendierte Straumann (-2.9%), nachdem ein Broker seine Verkaufsempfehlung bestätigt hatte.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.19%, DAX: -0.16%

An den europäischen Aktienmärkten zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Während der spanische IBEX35 (-0.7%), der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 und der britische FTSE 100 (je -0.2%) an Wert verloren, notierten der französische CAC40 (+0.9%) und der italienische FTSE MIB (+0.3%) in der Gewinnzone. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die ausbleibenden Verhandlungen verunsichern die Marktteilnehmer weiterhin. Im Fokus standen gestern vor allem Unternehmen, die ihre Quartalszahlen präsentierten. Die Aktien des Telekomausrüsters Nokia verzeichneten nach überzeugenden Quartalszahlen einen deutlichen Kurssprung von 6.4%. Auch des französische Telekomunternehmen Orange (+3.3%) überzeugte mit seinem Ergebnis. Der Kosmetikkonzern L’Oreal (+9.0%) konnte im 1. Quartal stärker wachsen als vom Markt erwartet und verzeichnete einen Kurssprung. Enttäuschend fiel hingegen das Ergebnis bei EssilorLuxottica aus. Die Aktien des Brillen- und Luxusgüterkonzerns sanken um 4.8%.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.36%, S&P 500: -0.41%, Nasdaq: -0.89%

Die amerikanischen Aktienmärkte verzeichneten am gestrigen Handelstag Abgaben und beendeten damit die jüngste Rekordjagd. Da die Waffenruhe im Iran-Konflikt auf der Kippe steht, zeigten sich die Marktteilnehmer vorsichtig. Der Dow Jones und der S&P 500 gingen jeweils 0.4% tiefer aus dem Handel, während der Nasdaq um 0.9% nachgab. Im Softwarebereich belasteten wiederauflebende KI-Bedenken sowie Sorgen über eine mögliche Nachfrageschwäche im Zuge des Iran-Konflikts die Kurse. ServiceNow brach nach enttäuschenden Quartalszahlen um 17.8% ein. Auch Microsoft, Salesforce, Oracle und Adobe verzeichneten deutliche Verluste zwischen 4% und 9%. IBM (-8.3%) geriet ebenfalls unter Druck, da die Quartalszahlen die bestehenden KI-Sorgen nicht zerstreuen konnten. Positiv zeigte sich Texas Instruments mit einem Kurssprung von 19.4%. Der Halbleiterhersteller überzeugte mit starken Quartalszahlen und einem zuversichtlichen Ausblick.

Unternehmensberichte

Holcim überzeugt operativ trotz Umsatzrückgang
Holcim musste im 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 4.8% auf CHF 3.52 Mrd. hinnehmen. Organisch, also bereinigt um Währungseinflüsse (-5.6%) und Akquisitionseffekte (-2.8%), erzielte der Baustoffhersteller ein Wachstum von 3.9%. Der wiederkehrende Betriebsgewinn (EBIT) betrug CHF 431 Mio. und sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11.2%. Der Rückgang ist auf Verkäufe von Geschäftseinheiten sowie auf den starken Schweizer Franken zurückzuführen. Die entsprechende Marge sank um 90 Basispunkte auf 12.2%. Organisch wäre der wiederkehrende EBIT um 8.3% gestiegen. An den Jahreszielen hält Holcim fest, wobei ein organisches Umsatzwachstum von 3% bis 5% sowie ein organisches Wachstum des wiederkehrenden EBIT von 8% bis 10% angepeilt wird. Die entsprechende Marge soll weiter steigen. Zudem will Holcim einen freien Geldfluss von rund CHF 2 Mrd. erwirtschaften. Mit den publizierten Zahlen übertrifft Holcim die Markterwartungen teilweise klar.

Kühne + Nagel übertrifft Gewinnprognosen trotz Umsatzrückgang
Kühne + Nagel erzielte im 1. Quartal 2026 einen um 12% tieferen Umsatz von CHF 5.60 Mrd. Bereinigt um Fremdwährungseinflüsse wäre der Umsatz um 5% zurückgegangen. Der um die volatilen Frachttarife bereinigte Rohertrag sank um 6% auf CHF 2.11 Mrd. Der operative Gewinn sank um 15% auf CHF 343 Mio., während der Reingewinn 18% tiefer als im 1. Quartal 2025 ausfiel. Die Konversationsmarge (Verhältnis EBIT zu Rohertrag) sank von 18% im Vorjahr auf 16%. Insbesondere die Seefracht war kurzfristig von den Disruptionen im Nahen Osten betroffen. Kühne + Nagel hat die Prognose für das Gesamtjahr 2026 leicht angepasst und rechnet nun mit einem wiederkehrenden EBIT zwischen CHF 1.25 und CHF 1.4 Mrd. Bisher lag dieser zwischen CHF 1.2 und CHF 1.4 Mrd. Der Logistiker hat insbesondere auf Stufe EBIT und Reingewinn die Markterwartungen übertroffen, während der erzielte Umsatz und der Rohertrag dem Analystenkonsens entsprachen.

Inficon überzeugt mit starkem Umsatzwachstum und höherem Ausblick
Inficon konnte im 1. Quartal 2026 den Umsatz um 14.4% auf USD 181.0 Mio. steigern. Mit Ausnahme des Segments Security & Energy trugen alle Marktsegmente zum Wachstum bei. Der Auftragseingang zeigte sich ebenfalls erfreulich und die Book-to-Bill-Ratio lag klar über 1. Inficon musste hingegen einen rückläufigen operativen Gewinn hinnehmen. Dieser fiel von USD 31.9 Mio. im Vorjahresquartal auf USD 29.4 Mio. Die entsprechende Marge fiel um 390 Basispunkte auf 16.3%. Gemäss Inficon belasteten insbesondere Einmaleffekte in der Höhe von rund 3% das Ergebnis. Unter dem Strich blieb ein 7% tieferer Reingewinn von USD 23.1 Mio. Inficon erhöht den Jahresausblick 2026 aufgrund der positiven Aussichten. Es wird nun mit einem Umsatz von USD 710 bis USD 750 Mio. gerechnet (bisher: USD 680 bis USD 720 Mio.). Auch die Bandbreite für die Betriebsgewinnmarge wird auf 18% bis 20% von bisher 17% bis 19% angehoben. Inficon übertrifft die Markterwartungen auf Stufe Umsatz deutlich und liegt aber beim erzielten EBIT bzw. beim Reingewinn leicht darunter.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.33%; DE: 3.01%; CH: 0.42%

An den Kapitalmärkten blieb es auch gestern ausgesprochen ruhig. Die Renditen auf die massgebenden 10-jährigen Staatsanleihen haben sich nur geringfügig verändert. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Veränderungen jedoch weiterhin substanziell. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen aus den USA und Deutschland liegen derzeit über 35 Basispunkte höher. Etwas weniger ausgeprägt ist der Anstieg bei der 10-jährigen Eidgenossenanleihe (+20 Basispunkte).

Währungen

Euro in Franken: 0.919
US-Dollar in Franken: 0.787
Euro in US-Dollar: 1.168

Der US-Dollar bleibt derzeit die starke Währung an den Devisenmärkten. Auch gestern machte der Greenback wieder gegenüber sämtlichen G10-Währungen an Boden gut, selbst gegenüber den sogenannt sicheren Häfen aus Japan und der Schweiz. SNB-Präsident Martin Schlegel wiederholte derweil seine Ankündigung von Anfang März, wonach die Schweizerische Nationalbank eine erhöhte Bereitschaft für Interventionen am Devisenmarkt aufweise. Inwiefern die SNB während des Iran-Kriegs bereits am Devisenmarkt aktiv gewesen war, wollte Schlegel jedoch nicht preisgeben. Die Höhe der Devisentransaktionen wird jeweils mit einem Quartal Verspätung veröffentlicht.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 105.74 pro Fass
Goldpreis: USD 4'673.81 pro Unze

Der Ölpreis ist gestern erneut leicht angestiegen und ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostet aktuell wieder mehr als 100 US-Dollar. Daran änderte bisher auch der heute Morgen verlängerte Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon nichts. Für die weitere Entwicklung entscheidend bleibt die Strasse vom Hormus, welche aktuell sowohl vom Iran als auch von den USA als Druckmittel genutzt wird.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: Einkaufsmanagerindizes PMI (April)

Industrie: aktuell: 52.2 (erwartet: 50.9, Vormonat: 51.6)
Dienstleistungen: aktuell: 47.4 (erwartet: 49.8, Vormonat: 50.2)

Gemäss der jüngsten Umfrage von Standard & Poor’s unter Einkaufsmanagerinnen und -managern hat sich die wirtschaftliche Lage in der Eurozone aufgrund der Belastung durch den Krieg im Nahen Osten zuletzt wieder eingetrübt. Dies lag vor allem am Dienstleistungssektor, wo die Geschäftstätigkeit so stark zurückging wie seit den Corona-Lockdowns Anfang 2021 nicht mehr. Im Industriesektor hingegen wurde erneut Wachstum verzeichnet. Allerdings ist die höhere Nachfrage hauptsächlich auf den Aufbau von Lagerbeständen zurückzuführen, da die Unternehmen aus Angst vor Lieferengpässen und Preissteigerungen vorsichtshalber ihre Lager auffüllten. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Aufwärtstrend in der Industrie nur von kurzer Dauer sein wird.

USA: Einkaufsmanagerindizes PMI (April)

Industrie: aktuell: 54.0 (erwartet: 52.5, Vormonat: 52.3)
Dienstleistungen: aktuell: 51.3 (erwartet: 50.6, Vormonat: 49.8)

Gemäss den US-Einkaufsmanagerinnen und Einkaufsmanagern hat sich die wirtschaftliche Lage in den USA im April wieder leicht verbessert. Dabei stiegen die Teilindizes für den Industrie- wie auch für den Dienstleistungssektor an. Damit liegen beide wieder über der Marke von 50 Punkten, was Wachstum verspricht. Allerdings zeigt sich auch in den USA ein starker Lageraufbau aufgrund der Sorgen vor Lieferengpässen.

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Anja Felder

Portraitfoto von Anja Felder, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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