02. Juni 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Schwergewichte ziehen SMI klar ins Minus

Der Schweizer Aktienmarkt beendete den ersten Handelstag im Juni mit deutlichen Verlusten.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.75%, SPI: -1.67%, SMIM: -1.67%

Der Schweizer Aktienmarkt geriet zum Start in den Juni deutlich unter Druck. Belastet wurde die Stimmung vor allem durch die verschärfte Lage im Nahen Osten sowie starke Abgaben bei den Schweizer Schwergewichten. Auslöser der Nervosität waren Berichte, wonach der Iran nach israelischen Angriffen im Libanon die indirekten Gespräche mit den USA aussetzen will. Anleger zweifeln damit zunehmend an einer raschen Entspannung des Konflikts. Der Leitindex SMI verlor am Montag letztlich 1.8%. Zu den gestrigen drei Gewinnern im Index gehörten UBS (+1.4%), Kühne + Nagel (+1.6%), und Logitech (+2.8%). Der Hersteller für Computerzubehör profitierte weiterhin von positiven Branchenvorgaben aus den USA. Unter den zahlreichen Verlierern verbuchten Nestlé (-2.0%), Geberit (-2.8%), Sika (-2.8%), Novartis (-3.3%) und Roche (-3.6%) die höchsten Abgaben. Trotz positiven Studiendaten verloren die Pharmaunternehmen deutlich, nachdem diese im Mai performanceseitig einen starken Monat erzielt hatten.

Am breiten Markt stiegen die Aktien von Burkhalter (+2.1%), SMG (+2.4%), Orell Füssli (+3.3%) und Temenos (+7.1%). Die Bankensoftware-Aktie legte deutlich zu, nachdem Nvidia-CEO Jensen Huang betonte, dass KI die Nachfrage nach Software eher steigern als verdrängen werde. Unter Abgabedruck standen Unternehmen wie Ypsomed (-4.0%), Montana Aerospace (-6.4%) und Cicor Technologies (-6.5%). Barry Callebaut stellte heute Morgen seinen neuen Strategieplan vor.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.26%, DAX: -0.40%

Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich zum Wochenauftakt schwächer. Belastet wurden die Börsen durch neue Spannungen im Nahen Osten, nachdem Hoffnungen auf Fortschritte bei den Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Kriegs durch gegenseitige Angriffe einen Dämpfer erhielten. Der EuroStoxx50 schloss 0.3% tiefer als am Freitag. Der französische CAC40 und der deutsche DAX gaben um 0.4% bzw. 0.3% nach, während der britische FTSE100 mit einem Verlust von 0.7% deutlich tiefer schloss. Unter den Einzelwerten konnten die stark gebeutelten Softwareaktien wieder an Boden zurückgewinnen. Die Aktien von SAP schlossen gestern 8.1% im Plus. Die EasyJet-Aktie sprang um 10.0%, nachdem die Private-Equity-Gesellschaft Castlelake ein mögliches Übernahmeangebot für die britische Billigfluggesellschaft prüft. Tiefere Kurse stellten Rolls Royce (-4.8%) und BAE Systems (-5.0%).

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.09%, S&P 500: +0.26%, Nasdaq: +0.42%

Die amerikanischen Aktienmärkte knüpften zum Wochenstart an ihre Rekordjagd an. Unterstützung kam insbesondere vom anhaltenden KI-Boom sowie von Aussagen von US-Präsident Donald Trump, welche die Sorgen über ein Scheitern der Gespräche mit dem Iran vorerst dämpften. Der Dow Jones erreichte ein neues Rekordhoch und schloss 0.1% fester. Der Nasdaq gewann 0.4% und der S&P 500 legte um 0.3% zu, womit gestern bereits der achte Handelstag in Folge mit Gewinnen war. Im Fokus standen Kurszuwächse von Softwareaktien wie Oracle (+10.8%), Salesforce (+9.6%), Adobe (+5.7%) und Microsoft (+2.3%). Auch die Aktien des Chipentwicklers Nvidia stiegen deutlich um 6.3%, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, strategisch stärker in den PC-Markt vorzustossen. Die Aktien von Intel verloren darauf 4.7%. Klare Verluste wiesen  zudem Meta (-5.1%) und Qualcomm (-8.8%) auf.

Unternehmensberichte

Barry Callebaut stellt «Focus for Growth» vor

Barry Callebaut stellte heute Morgen seinen neuen Strategieplan «Focus for Growth» vor. Das Unternehmen richtet seinen Fokus verstärkt auf Premiumsegmente und attraktive Wachstumsmärkte, um profitabler zu wachsen. Das Gourmetgeschäft soll beschleunigt ausgebaut werden, während ausgewählte Spezialitätenprodukte gezielt skaliert werden. Mittelfristig strebt das Unternehmen ein jährliches Absatzwachstum von 2% bis 4% an. Der wiederkehrende EBIT soll im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, während der wiederkehrende Vorsteuergewinn im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen soll. Zudem plant Barry Callebaut, einen freien Cashflow von CHF 300 bis 400 Mio. sowie eine Kapitalrendite (ROIC) von 11% bis 13% zu erreichen, sofern die Kakaobohnenpreise stabil bleiben. Barry Callebaut bestätigte den Ausblick für das Geschäftsjahr 2025/26 und erwartet weiterhin einen Absatzrückgang von 1% bis 3%. Das Unternehmen rechnet damit, in der zweiten Jahreshälfte wieder zu positivem Mengenwachstum zurückzukehren.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.43%; DE: 3.00%; CH: 0.43%

Mitte Mai waren die langfristigen Zinsen in Europa erheblich angestiegen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen deutschen Bundesanleihe erreichte mit 3.2% den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Seither hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, auch wenn die Rendite mit rund 3% weiterhin rund 10 Basispunkte höher liegt als zu Jahresbeginn.

Währungen

Euro in Franken: 0.915
US-Dollar in Franken: 0.787
Euro in US-Dollar: 1.164

Der Euro-Franken-Kurs ist seit einem Monat äusserst stabil. Ein Euro kostete seit Anfang Mai stets zwischen 91 und 92 Rappen. Nur wenig grösser waren die Schwankungen zum US-Dollar. Der Preis für eine Einheit des «Greenback» bewegte sich im selben Zeitraum im Bereich von 77.5 bis 79 Rappen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 94.12 pro Fass
Goldpreis: USD 4'518.13 pro Unze

Nachdem der Ölpreis Ende letzter Woche auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Monat gefallen war, legte er gestern im Tagesverlauf wieder leicht zu. Gemäss Medienberichten hat der Iran die Verhandlungen über eine Waffenruhe vorübergehend ausgesetzt. Hintergrund sind die verstärkten Operationen Israels im Libanon gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Aktuell kostet ein Fass der Nordsee-Sorte Brent rund 94 US-Dollar, rund 30% mehr als noch vor Kriegsausbruch. Gleichzeitig liegt der Preis wieder deutlich unter den Höchstständen von Ende April, als kurzzeitig die Marke von 120 US-Dollar überschritten wurde.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (Mai)
aktuell: 54.0 (erwartet: 53.0, Vormonat: 52.7)

Gemäss der Befragung des Institute for Supply Management bleibt die US-Industrie weiterhin auf Wachstumskurs. Der entsprechende Index ist gegenüber dem Vormonat nochmals leicht angestiegen und hat den höchsten Stand seit Sommer 2022 erreicht. Bei der Interpretation des Index ist im Moment aber Vorsicht geboten: In der US-Industrie spielen aktuell Vorholeffekte eine wichtige Rolle. Viele Firmen füllen ihre Lager auf, weil sie mit Lieferschwierigkeiten rechnen. Das führt kurzfristig zu zusätzlichen Aufträgen. Auch die gemäss Index längeren Lieferfristen für Vorprodukte sind momentan nicht wie üblich als Zeichen einer stärkeren Nachfrage zu werten. Sie spiegeln vielmehr die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Lieferketten wider.

Schweiz: Wachstum Bruttoinlandprodukt QoQ (1. Quartal 2026, Sportevent-bereinigt)
aktuell: 0.4% (erwartet: 0.5%, Vorquartal: 0.2%)

Die Schweizer Wirtschaft ist solide ins Jahr 2026 gestartet. Das um Sondereffekte bereinigte BIP-Wachstum ist im ersten Quartal zwar leicht schwächer ausgefallen als noch in der Flash-Schätzung von Mitte Mai. Der Anstieg ist mit +0.4% aber weiterhin deutlich grösser als in den Vorquartalen. Getrieben wurde das Wachstum insbesondere von der Industrie. Diese entwickelte sich mit +1.3% klar positiv, wenn auch ausgehend von einem tiefen Niveau. Im Gegensatz dazu stagnierten die privaten Konsumausgaben, was sich unter anderem im Detailhandel bemerkbar machte. Für das laufende zweite Quartal wird allgemein wieder mit einem schwächeren BIP-Wachstum gerechnet. Die negativen Auswirkungen des Iran-Kriegs dürften verstärkt sichtbar werden.

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Florian Hiltpold

Portraitfoto von Florian Hiltpold, Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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