Stethoskop auf einer Platine

02. Juni 2026, Aktienmärkte | Meine Anlagewelt

Schweizer Medizintechnik-Leader: Intakte Chancen für ein Revival der Aktien

Nach einer mehrjährigen Korrektur werden die starken Marktpositionen, die innovativen Produktplattformen und stetige Marktanteilsgewinne der grossen Schweizer Medizintechnikunternehmen an der Börse kaum mehr honoriert. Mit Bewertungen auf Mehrjahrestiefs, Potenzial für positive Gewinnrevisionen und intakten Wachstumsaussichten sehen wir gute Chancen für eine Kurserholung.

Der Schweizer Medizintechniksektor und speziell die grossen Branchenleader Alcon, Straumann und Sonova haben schwierige Börsenzeiten hinter sich. Auf Dreijahressicht haben die Aktien der drei Unternehmen zwischen deutlich korrigiert und notierten jüngst nahe bei Mehrjahrestiefstständen. Neben hausgemachten Problemen, darunter etwa mehrfach verpassten Zielsetzungen und einer fehlgeschlagenen Akquisition bei Alcon, belastete vor allem das anspruchsvolle Marktumfeld die Medizintechnik-Werte. Nach einer starken Entwicklung im Anschluss an die Covid-Pandemie schwächte sich das Absatzwachstum in den letzten Jahren ab. Eine vorsichtigere Konsumentenstimmung, speziell in den USA, belastete etwa die Nachfrage nach Dentalimplanten und Hörgeräten. Da diese Produkte vielfach nicht von den Krankenkassen übernommen werden, ist die Nachfrage teilweise vom Konjunkturverlauf und der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten abhängig. Zusätzlich verschärfte sich der Gegenwind durch den starken Schweizer Franken. Sonova und Straumann, die beide einen bedeutenden Kostenblock in der Schweiz haben und gleichzeitige den Hauptteil der Umsätze im Ausland erwirtschaften, wurden besonders stark von der Währungsaufwertung gebremst. Insbesondere der schwache US-Dollar machte Sonova und Straumann zu schaffen, die im letzten Jahr 24% respektive 30% ihrer Umsätze in den USA erwirtschafteten. 

Operative Entwicklung wird kaum honoriert

Dass alle drei Unternehmen in diesem anspruchsvollen Umfeld ihre Führungsrolle weiter ausbauen und Marktanteile dazugewinnen konnten, wurde vom Aktienmarkt weitgehend ignoriert. Sonova hat dank der im Sommer 2024 vorgestellten neusten Hörgerätegeneration seine marktführende Position weiter ausgebaut. Straumann wuchs weltweit und insbesondere in den Schwellenländermärkten ebenfalls stärker als die Konkurrenz, angetrieben von neuen Produktinnovationen und der starken Präsenz bei den Zahnärzten. Alcon leitete 2025 einen umfangreichen Erneuerungszyklus ein, mit einem erfolgreichen Nachfolgeprodukt für ein weltweit präsentes Augenchrirurgiegerät, Innovationen im Kontaktlinsenbereich und der Lancierung eines Augenmedikaments. Trotz des schwächelnden Konsumumfelds in den USA und eines anspruchsvollen Umfelds in China, das von einer erwarteten Preisanpassungsrunde gebremst wurde, lieferten alle drei Unternehmen zumeist solide Umsatzwachstumsraten im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich ab.

Relative Bewertungen auf Mehrjahrestiefs

Die Entwicklung der operativen Gewinne und der freien Geldflüsse in den letzten Jahren ist bei allen drei Unternehmen dank gutem Kostenmanagement robust ausgefallen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das den Aktienkurs in Relation zum erwarteten Gewinn pro Aktie setzt, ist als Folge, und trotz tieferer Gewinnerwartungen der Analysten, deutlich gesunken. Gemessen an den geschätzten Gewinnen für die nächsten 12 Monate ist die Bewertung bei allen drei Aktien zuletzt deutlich unter den Durchschnitt der letzten 10 Jahre gefallen. Angesichts der gesunkenen Wachstumsraten erachten wir eine Normalisierung der Bewertungen als angebracht. Das Ausmass der Korrektur scheint aber übertrieben. Bei den Gewinnerwartungen der Analysten, die bei allen drei Unternehmen in den letzten Quartalen deutlich nach unten revidiert wurden, besteht nach der jüngsten Stabilisierung ebenfalls wieder Aufwärtspotenzial. Aus unserer Sicht kaum honoriert werden weder die soliden mittelfristigen Wachstumsaussichten noch die starken und durch Produktinnovationen unterstützten Marktpositionen sowie die attraktiven strukturellen Wachstumstreiber in der Medizintechnik-Branche. Diese basieren vor allem auf der demografischen Entwicklung und dem steigenden Wohlstand in den Schwellenländern.

Aktien der Medtech-Leader im Tal der Tränen

Quelle: Bloomberg; Kursentwicklung indexiert (29.05.2023 = 100), Stand: 27.05.2026

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
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8021 Zürich

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