12. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Schweizer Aktienmarkt weiter im Korrekturmodus

Neue Sorgen bezüglich der Dauer des Iran-Konflikts und steigende Energiepreise belasteten gestern die Börsen erneut. Heute stehen die Jahresberichte von Geberit, Swiss Life, Accelleron, Kardex, APG, Interroll und Bachem im Rampenlicht.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.82%, SPI: -1.18%, SMIM: -1.45%

Am Schweizer Aktienmarkt nahm gestern die Nervosität wieder zu. Weiterhin belasten der ungewisse Ausgang des Iran-Konflikts und die möglichen Auswirkungen auf die Konjunktur das Vertrauen der Marktteilnehmer. Neuigkeiten aus dem Unternehmensbereich waren dagegen rar gesät. Nach der leichten Erholung vom Dienstag dominierten daher wieder die Verkäufer das Handelsparkett, was beim SMI zu einem Tageverlust von 0.8% führte. 18 der 20 grosskapitalisierten Titel schlossen im Minus.  Neben konjunktursensitiven Werten wie Geberit (-1.4%) und Amrize (-1.8%) gehörten mit Lonza (-1.4%) und Roche (-1.6%) auch Gesundheitswerte zu den Tagesverlierern. Am Ende des Tableaus verloren die Papiere von Givaudan 2.9%. Am besten hielten sich Kühne + Nagel (-0.3%), Nestlé (-0.1%), Richemont (+0.04%) und Logitech (+0.5%), die wenig verändert aus dem Handel gingen.

Im breiten Markt reagierten die Aktien von BKW (+0.3%) kaum auf die vorgelegten Jahreszahlen. Nach der Gewinnwarnung von Mitte Januar blieben im detaillierten Zahlenbericht grössere Überraschungen aus. Eine positive Kursreaktion löste dagegen die Zahlenvorlage von Avolta aus. Der Reisedienstleister übertraf mit einem organischen Wachstum von 5.5% im letzten Jahr die Erwartungen der Analysten, worauf die Aktie 3.7% anzog. Unter Druck standen die Aktien von Galderma (-2.3%), nachdem das Private Equity-Konsortium, welches das Dermatologieunternehmen an die Börse gebracht hatte, am Vorabend rund 15% der Aktien platziert hatte. Der IT-Grosshändler Also (-4.5%) wurde von einer Ratingabstufung eines Brokers belastet.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.73%, DAX: -1.37%

An den europäischen Aktienmärkten dominierte gestern ebenfalls wieder die Farbe Rot auf den Händlerbildschirmen. Unsicherheit bezüglich der Dauer des Iran-Konflikts und der erneute Anstieg der Energiepreise lasteten auf der Stimmung. In einem unruhigen und volatilen Handelsumfeld fiel der EuroStoxx50 um 0.7% zurück. Im Rampenlicht stand nach der gestrigen Zahlenvorlage unter anderem Inditex. Der spanische Kleiderhersteller schnitt 2025 etwas besser ab als von den Analysten erwartet und äusserte sich zudem positiv zur laufenden Geschäftsentwicklung. Die Aktie gab die anfänglichen Kursgewinne allerdings grösstenteils wieder ab und schloss zuletzt nur noch 0.5% höher. Weiterhin auf der Verliererstrasse stand SAP (-4.5%), die im Soge des Ausverkaufs bei den Software-Aktien erneut deutlich an Terrain einbüsste.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.61%, S&P 500: -0.08%, Nasdaq: +0.08%

Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten ebenfalls mit Abgaben auf das unsichere Umfeld. Vor allem der auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones wurde in Mitleidenschaft gezogen und gab 0.6% nach. Beim S&P 500 (-0.1%) hielten sich die Verluste hingegen in Grenzen, während der Nasdaq (+0.1%) sogar leicht zulegte. Dies war unter anderem den Technologiewerten und im speziellen Oracle zu verdanken. Der Softwarekonzern übertraf mit den Umsatz- und Gewinnzahlen des verschobenen 3. Quartals 2026 die Erwartungen der Analysten, worauf die Aktie um 9.2% nach oben schoss. Insbesondere eine starke Entwicklung im Cloud-Geschäft war für die positive Überraschung verantwortlich. Gefragt waren mit AMD (+0.8%), Intel (+2.6%) und Micron (+3.9%) zudem Unternehmen aus dem Chipsektor.

Unternehmensberichte

Geberit rechnet weiterhin mit gedämpften Wachstumsaussichten

Geberit steigerte den operativen Gewinn 2025 in einem anspruchsvollen Umfeld um 2.0% auf CHF  931 Mio. Die entsprechende Marge lag bei 29.4% und damit 20 Basispunkte unter dem Vorjahreswert. Über den Umsatzanstieg von 2.5% auf CHF 3.16 Mrd. hatte das Sanitärtechnikunternehmen bereits im Januar berichtet. Der Reingewinn erhöhte sich um 0.1% auf CHF 598 Mio. Bereinigt um Einmalkosten lag der Reingewinn bei CHF 617 Mio. Der Generalversammlung wird eine um 0.8% höhere Dividende von CHF 12.90 pro Aktie vorgeschlagen. Wie üblich verzichtete das Unternehmen auf einen konkreten Ausblick, rechnet aber für den wichtigsten Markt Europa weiterhin mit gedämpften Aussichten. Das Zahlenset lag im Rahmen der Analystenerwartungen.

Swiss Life steigert Betriebsgewinn trotz tieferer Gebühreneinnahmen

Der Versicherer Swiss Life erzielte im vergangenen Jahr einen unveränderten Reingewinn von CHF 1.26 Mrd., was einer Eigenkapitalrendite von 17.2% entspricht. Der bereinigte Betriebsgewinn wuchs um 2% auf CHF 1.83 Mrd. Während das Versicherungsgeschäft in Lokalwährung um 6% auf CHF 1.1 Mrd. zulegte, war das Gebührengeschäft in Lokalwährung um 1% auf CHF 858 Mio. rückläufig. Im Asset Management lag das Nettoneugeld bei CHF 17.7 Mrd. und die für Dritte verwalteten Vermögen stiegen um 17% auf CHF 146 Mrd. Die Kapitalisierungsquote (SST) verbesserte sich weiter leicht auf 210%. Die Dividende soll von CHF 35.00 auf CHF 36.50 je Aktie angehoben werden. Mit dem Zahlenkranz traf Swiss Life die Analystenerwartungen.

Accelleron erwartet nach starkem 2025 weiteres Wachstum

Accelleron steigerte den Umsatz 2025 dank einer starken Entwicklung in beiden Geschäftsbereichen um 23.5% auf USD 1.26 Mrd. Zu konstanten Währungen hätte dies einem Plus von 21.6% entsprochen. Der operative Gewinn (EBITA) erhöhte sich um 22.6% auf USD 321.0 Mio. Unter dem Strich verblieb dem Hersteller von Grossturboladern ein um 35.8% höherer Reingewinn von USD 243.7 Mio. Der freie Cashflow stieg von USD 177.7 Mio. im Vorjahr auf USD 214.3 Mio. Den Aktionären wird eine Dividendenerhöhung um 25 Rappen auf CHF 1.50 pro Aktie vorgeschlagen. Zudem plant Accelleron erstmals ein Aktienrückkaufprogramm über CHF 100 Mio., das bis 2028 laufen soll. Dank dem anhaltend guten Umfeld und vollen Auftragsbüchern setzt sich das Management für 2026 ein Umsatzwachstum von 9% bis 14% und eine Margenverbesserung auf 25% bis 26% zum Ziel. Das Zahlenset und der Ausblick fallen besser aus als erwartet.

Kardex mit starkem Auftragseingang

Kardex steigerte den Umsatz 2025 um 7.5% auf EUR 850.4 Mio. Der Auftragseingang erhöhte sich um 24.1% auf EUR 981.6 Mio. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT erhöhte sich um 2.8% auf EUR 101.2 Mio. Dadurch verringerte sich die Marge von 12.4% auf 11.9%. Der Margenrückgang war vor allem einem veränderten Produktemix und höheren Ausgaben für Vertrieb, Forschung und Digitalisierung geschuldet. Unter dem Strich verblieb ein um 48% tieferer Reingewinn von EUR 41.8 Mio. Ein Grossteil des Gewinnrückgangs war einem Sondereffekt geschuldet. Den Aktionären wird eine unveränderte Dividende von CHF 6 pro Aktie vorgeschlagen. Die Mittelfristzielsetzung, die für 2029 bis 2031 einen Umsatzanstieg auf EUR 1.5 Mrd. und eine EBIT-Marge zwischen 10 bis 14% vorsieht, wurde bestätigt. Das Zahlenset lag beim Auftragseingang über den Erwartungen der Analysten, verfehlte sie hingegen bei Umsatz und Reingewinn.

APG schlägt Dividende von CHF 12 pro Aktie vor

Die Aussenwerbungsgruppe APG vermeldete für 2025 einen im Vergleich zum Vorjahr stabilen Umsatz von CHF 327.0 Mio. Nach dem Umsatzrückgang von 1.5% im 1. Halbjahr verbesserte sich damit das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Der operative Gewinn (EBIT) verringerte sich um 9.0% auf CHF 33.2 Mio., was einer 90 Basispunkte tieferen Marge von 10.1% entspricht. In Vorjahr war das Ergebnis allerdings von einem Liegenschaftsverkauf begünstigt worden. Der Reingewinn sank um 10.6% auf CHF 27.1 Mio. Den Aktionären wird eine unveränderte Dividende von CHF 12 pro Aktie vorgeschlagen. Wie gewohnt verzichtet das Unternehmen auf einen konkreten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Der Jahresbericht fällt beim Umsatz etwas besser aus als erwartet, beim Gewinn hingegen etwas schwächer.

Interroll bleibt leicht unter den Erwartungen

Interroll musste 2025 wegen des anspruchsvollen Umfelds einen Rückgang des operativen Gewinns (EBITDA) von 6.3% auf CHF 94.1 Mio. hinnehmen. Die entsprechende Marge verringerte sich von 19.1% im Vorjahr auf 18.3%. Über den Umsatzanstieg von 2.5% auf CHF 514 Mio. und das Wachstum von 9.2% beim Auftragseingang auf CHF 545.3 Mio. hatte das Intralogistikunternehmen bereits im Januar berichtet. Unter dem Strich verblieb Interroll ein Reingewinn von CHF 55.9 Mio., 10.6% tiefer als im Vorjahr. Der GV wird eine unveränderte Dividende von CHF 32 pro Aktie vorgeschlagen. Einen konkreten Ausblick für das laufende Jahr wurde nicht abgegeben. Der detaillierte Jahresbericht bleibt leicht unter den Erwartungen.

Bachem strebt 2026 Umsatzanstieg von 35% bis 45% an

Bachem vermeldete für 2025 ein Umsatzwachstum von 14.8% auf CHF 695.1 Mio. Währungsbereinigt erreichte der Pharma-Auftragsfertiger ein Wachstum von 19.2%. Die Zielsetzung eines währungsbereinigten Wachstums von 13% bis 18% wurde damit übertroffen. Der operative Gewinn (EBITDA) erhöhte sich um 21.8% auf CHF 214.7 Mio., was einer Marge von 30.9% entspricht. Bereinigt um den Verkauf eines Grundstücks lag die Marge bei 28.6% und damit im Bereich der Zielsetzung. Unter dem Strich verblieb dem Unternehmen ein um 23.7% höherer Reingewinn von CHF 148.8 Mio. Im laufenden Jahr rechnet Bachem wegen der anlaufenden Peptide-Produktion im neuen Gebäude mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 35% und 45% und Investitionen über CHF 400 Mio. Die frühere 2026er-Zielsetzung eines Umsatzes von «mindestens CHF 1 Mrd.» wurde nicht mehr erwähnt. Bei der EBITDA-Marge wird ein Wert im tieferen 30%-Bereich angestrebt. Das Zahlenset liegt im Rahmen der Erwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.23%; DE: 2.93%; CH: 0.42%

Sorgen bezüglich der Auswirkungen der hohen Energiepreise auf die Inflation liessen die Renditen auf die massgebenden Staatsanleihen gestern erneut ansteigen. Bei den 10-jährigen Anleihen aus den USA und aus Deutschland war jeweils ein Anstieg von rund 10 Basispunkten zu verzeichnen. Seit Kriegsbeginn beträgt das Plus jeweils rund 28 Punkte. Auch die Rendite auf den 10-jährigen Schweizer «Eidgenoss» ist seit der Eskalation im Nahen Osten gestiegen, um insgesamt 20 Basispunkte.

Währungen

Euro in Franken: 0.902
US-Dollar in Franken: 0.780
Euro in US-Dollar: 1.157

Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat der US-Dollar gegenüber fast allen G10-Währungen zulegen können. Auch zum Schweizer Franken als traditionell sicherer Hafen beträgt das Plus rund 1.6%. Die jüngste Stärkephase hat aber bisher nicht ausgereicht, um die Verluste vom Januar zu kompensieren. Im Vergleich zu Anfang Jahr resultiert weiterhin ein Minus von rund 1.4%.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 90.41 pro Fass
Goldpreis: USD 5'169.36 pro Unze

Am zwölften Tag nach Kriegsbeginn im Nahen Osten ist der Ölpreis wieder leicht angestiegen. Pro Fass der US-Sorte WTI werden aktuell rund 90 US-Dollar fällig. Dies ist zwar deutlich weniger als der Höchststand vom Montagmorgen, aber immer noch rund 35% mehr als vor Kriegsausbruch. Gestern wurde bekannt, dass die 32 Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) die Rekordmenge von total 400 Mio. Barrel Rohöl aus ihren jeweiligen Reserven freigeben. Ebenso kündigten die G7-Staaten militärische Eskorten für Schiffe in der Strasse von Hormus an. Bis letztere Massnahme umgesetzt sein wird, dürften aber noch mehrere Wochen vergehen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflationsrate YoY (Februar)
aktuell: 2.4% (erwartet: 2.4%, Vormonat: 2.4%)

Die US-Konsumentenpreise lagen im Februar wie erwartet um 2.4% über dem Vorjahreswert. Die Inflationsrate bleibt damit gegenüber Januar unverändert. Dasselbe gilt für die Kerninflation, welche im Februar 2.5% betrug. Weiterhin sind für die höheren Preise insbesondere Dienstleistungen und Lebensmittel verantwortlich. Die Energiepreise haben im Februar kaum zur Inflation beigetragen. Mit dem zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreis könnte sich dies im März ändern, insbesondere wenn die Blockade der Strasse von Hormus noch länger andauern sollte. Vor diesem Hintergrund wird die US-Notenbank Fed nächste Woche ihren Zinsentscheid fällen. An den Märkten wird einhellig davon ausgegangen, dass der Leitzins in der grössten Volkswirtschaft der Welt unverändert bleibt.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler,  bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller,  bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel,  bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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