24. Juni 2026, Tägliche Marktsicht
Schweizer Aktienmarkt spielt defensive Qualitäten aus
Der Schweizer Leitindex konnte gestern trotz negativer Vorgaben der asiatischen Börsen sein defensives Profil ausspielen. Der SMI wurde von Lonza und den drei defensiven Schwergewichten Novartis, Roche und Nestlé angeführt.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.45%, SPI: +0.30%, SMIM: +0.02%
Der Schweizer Aktienmarkt wurde gestern von negativen Vorgaben der asiatischen Börsen gebremst. Dort verbuchten Profiteure vom Megatrend um Künstliche Intelligenz deutliche Abgaben. Der Leitindex SMI profitierte stark von seinem defensiven Profil und ging 0.5% höher aus dem Handel. Dies als einziger europäischer Index. Bei den grosskapitalisierten Werten standen zehn Gewinner-Aktien gleichvielen Verlierer-Aktien gegenüber. Angeführt wurde das Tableau von Lonza (+3.0%) und den drei Index-Schwergewichten Novartis (+2.6%), Roche (+2.1%) und Nestlé (+1.5%). Lonza profitierte dabei von einem positiven Broker-Update. Grösste Verlierer waren die Zykliker ABB (-2.8%), Partners Group (-2.4%), Richemont (-2.2%) und Logitech (-2.0%). Nach einer kurzen Phase der Stabilisierung drehte der Kurs des Private Equity Spezialisten Partners Group damit wieder nach unten. Die Aktie ist mit Abgaben von rund einem Drittel im bisherigen Jahresverlauf der bisher schwächste Titel im SMI. Für Gegenwind sorgte gestern die Meldung, dass der Konkurrent Apollo bei einem Private-Credit-Gefäss von hohen Rücknahmen betroffen sei.
Im breiten Markt standen vor allem die Halbleiterzulieferer Comet (-8.3%), VAT (-5.4%) und Inficon (-5.1%), welche im laufenden Jahr stark vom Aufschwung im Halbleitersektor profitierten, unter Abgabedruck. Schwächster Wert im Schweizer Gesamtmarkt waren die Aktien von Komax (-14.8%), ohne unternehmensspezifische Meldungen. Für einmal nach oben ging es für die defensiven Titel von Lindt & Sprüngli (+4.9%), welche im bisherigen Jahresverlauf rund 18% verloren haben. Nach Börsenschluss gab Burkhalter (-0.1%) bekannt, die Kapitalerhöhung für die Übernahme der Progressio Holding abgeschlossen zu haben. Ausgegeben wurden 39'484 neue Namenaktien.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -1.28%, DAX: -0.98%
Die Gewinnmitnahmen in Asien bremsten die europäischen Aktienmärkte aus. Der länderübergreifende EuroStoxx50 gab um 1.3% nach. Der französische CAC 40 verlor 0.7% und der deutsche DAX 1.0%. Unter Druck standen vor allem die Chip-Aktien. STMicroelectronics (-8.8%), Infineon (-6.5%) und ASML (-6.0%) standen alle auf der Verkaufsliste. Auf Sektorenstufe waren die defensiven Bereiche Gesundheit und Basiskonsum gesucht. Unter Abgabedruck standen hingegen die Branchen Technologie, Grundstoffe und Industrie.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.09%, S&P 500: -1.44%, Nasdaq: -2.21%
Auch die amerikanischen Aktienmärkte wurden vom Ausverkauf bei den KI-Werten in Asien negativ beeinflusst. Während der Leitindex Dow Jones (-0.1%) mangels des Gewichts an Technologieaktien nur knapp im Minus schloss, gaben der breiter gefasste S&P500 um 1.4% und vor allem der technologielastige Nasdaq um 2.2% nach. Bei den Einzelwerten stand Micron (-13.2%) im Fokus. Der Speicherchip-Hersteller hat seinen Kurs im bisherigen Jahresverlauf mehr als vervierfacht und wird heute seine Quartalszahlen vorlegen. Ebenfalls stark unter Druck standen die Kurse der Halbleiterwerte Lam Research (-9.3%), Applied Materials (-8.5%) Intel (-6.1%), AMD (-5.8%) und Nvidia (-4.1%). Nach dem Kursverlust von 16% zur Wocheneröffnung legten die Aktien des Börsenneulings SpaceX gestern wieder um 1.1% zu. Das Unternehmen emittierte zudem USD 25 Mrd. mit seinem Debut am Anleihenmarkt.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.49%; DE: 2.92%; CH: 0.33%
Im gestrigen Marktumfeld mit den Kursabschlägen respektive Gewinnmitnahmen bei asiatischen und US-Technologiewerten profitierten die als sicher geltenden Staatsanleihen nur begrenzt. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert weiterhin im Bereich von 4.5% und damit auf dem Niveau von Anfang Monat respektive rund 30 Basispunkte mehr als noch Anfang Jahr. In Europa fiel die Bewegung bei den Staatsanleihen im Tagesverlauf ebenfalls verhalten aus.
Währungen
Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.810
Euro in US-Dollar: 1.137
Der US-Dollar konnte gestern seinen Aufwärtstrend der Vortage fortsetzen. Seit der Fed-Zinssitzung von vergangener Woche legte der Greenback zu allen anderen G10-Währungen zwischen 0.6% und 2.5% zu. Der Dollar notiert auch zum Franken inzwischen auf einem Jahreshoch. Hintergrund sind die Markterwartungen zur weiteren Zinsentwicklung. Während sich für die USA die Erwartung steigender Leitzinsen nochmals verfestigt hat, wird von der SNB bis Ende Jahr keine Zinsveränderung erwartet.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 76.58 pro Fass
Goldpreis: USD 4'090.69 pro Unze
Der Ölpreis kann sich unter der Marke von 80 Dollar halten. Hintergrund sind die vorsichtig positiven Signale aus dem Nahen Osten. Es durchqueren wieder mehr Tanker die Strasse von Hormus. Mit dem stärkeren US-Dollar steht hingegen der Goldpreis unter Druck. Zum Handelsschluss resultierte ein Minus von knapp 0.7%, womit der Rückgang seit Jahresbeginn rund 5% beträgt.
Wirtschaft und Konjunktur
Eurozone: Einkaufsmanagerindizes PMI (Juni)
Industrie: aktuell: 51.3 (erwartet: 51.6, Vormonat: 51.6)
Dienstleistungen: aktuell: 48.9 (erwartet: 48.6, Vormonat: 47.7)
Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex zeigt ein gemischtes Bild für die Eurozone. Eine im Vergleich zum Vormonat bessere Stimmung zeigte sich in den Dienstleistungsunternehmen, in den Industriebetrieben trübte sich die Stimmung hingegen weiter ein. Allerdings bleibt der Stimmungsindikator im verarbeitenden Gewerbe über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Auch in den beiden grössten Volkswirtschaften zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung. In Deutschland trübte sich die Stimmung ein, in Frankreich hellte sie sich leicht auf.
USA: Einkaufsmanagerindizes PMI (Juni)
Industrie: aktuell: 55.7 (erwartet: 54.6, Vormonat: 55.1)
Dienstleistungen: aktuell: 51.3 (erwartet: 51.1, Vormonat: 50.7)
Die US-Einkaufsmanager zeigten sich sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor optimistischer als im Vormonat, was die Hoffnung auf ein Nachlassen des kriegsbedingten Kostendrucks in den kommenden Monaten widerspiegeln dürfte. Beide Teilindizes liegen weiterhin über der Marke von 50 Punkten und liegen höher als in der Eurozone. Allerdings zeigt sich in den USA zuletzt ebenfalls ein Lageraufbau zur Absicherung vor Lieferengpässen.
Tobias Kistler
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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