16. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Richemont schiebt SMI nach vorne
Erfreuliche Quartalsergebnisse des Luxusgüterkonzerns Richemont trieben den Schweizer Aktienmarkt gestern an. Heute stehen in der Schweiz die Quartalszahlen von ABB und Partners Group im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.46%, SPI: +0.37%, SMIM: +0.01%
Der Schweizer Aktienmarkt schloss den Handel am Mittwoch mit moderaten Gewinnen ab. Für Unterstützung sorgten überraschend starke Quartalsumsätze des Luxusgüterkonzerns Richemont (+6.7%) sowie schwächer als erwartete US-Produzentenpreise, welche die Hoffnungen auf eine weniger restriktive Geldpolitik der US-Notenbank stärkten. Gleichzeitig hielten die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten die Anleger jedoch zurück und stützten den Ölpreis. Der SMI avancierte schliesslich 0.5%. Zu den grössten Gewinnern neben Richemont zählten Partners Group (+2.9%), Alcon (+2.1%) und Holcim (+2.1%). Eine schwächere Kursentwicklung legten die Aktien von Swiss Re (-1.3%), Logitech (-1.3%) und ABB (-2.9%) hin.
Am breiten Markt stiegen die Papiere von Georg Fischer (+3.2%), Orior (+4.3%) und OC Oerlikon (+8.3%) deutlich an. OC Oerlikon profitierte von einer neuen Kaufempfehlung eines Brokers. Nach unten zeigte es für Gurit (-2.9%), AMS-Osram (-3.2%) und Comet (-4.5%). Während Comet und weitere Halbleiterwerte nach den starken Quartalszahlen von ASML zunächst zulegen konnten, drehten sie im Tagesverlauf ins Minus und gaben ihre anfänglichen Kursgewinne wieder vollständig ab.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.23%, DAX: -0.59%
Die europäischen Aktienmärkte beendeten den Handel am Mittwoch ohne einheitliche Tendenz. Während der EuroStoxx 50 um 0.2% nachgab und der britische FTSE 100 (-0.1%) leicht im Minus schloss, handelte der französische CAC40 (+0.2%) in der Gewinnzone. Anleger agierten angesichts der angelaufenen Berichtssaison vorsichtig. Nach den starken Quartalszahlen der grossen US-Banken sind die Erwartungen an die Unternehmensberichte gestiegen. Daneben blieben die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten ein Belastungsfaktor. Neue Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran sowie erneute Raketen- und Drohnenangriffe vonseiten Iran sorgten für Unsicherheit. Bei den Einzeltiteln stand ASML (-0.4%) im Fokus. Der Halbleiterausrüster erhöhte nach einem starken zweiten Quartal seine Umsatz- und Margenprognose für 2026 und übertraf damit die Markterwartungen. Nach anfänglichen Kursgewinnen kam es jedoch zu Gewinnmitnahmen. Auf Sektorenstufe waren die Bereiche Zyklischer Konsum, Gesundheit und Nichtzyklischer Konsum gefragt. Unter Abgabedruck standen hingegen Versorger, Grundstoffe und Technologie.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.29%, S&P 500: +0.38%, Nasdaq: +0.62%
Die amerikanischen Aktienmärkte beendeten den Handel am Mittwoch freundlich. Der Dow Jones gewann 0.3%, der S&P 500 legte um 0.4% zu und der technologielastige Nasdaq stieg um 0.6%. Unterstützung erhielten die Börsen von schwächer als erwarteten US-Produzentenpreisen, nachdem bereits die Konsumentenpreisdaten am Vortag die Zinserwartungen der US-Notenbank gedämpft hatten. Bei den Einzeltiteln stand Apple (+4.0%) im Fokus. Die Aktie erreichte ein neues Allzeithoch, nachdem starke iPhone-Verkaufszahlen und die Genehmigung für Apple Intelligence in China die Anleger überzeugten. PayPal (+17.2%) sprang deutlich an, nachdem ein Nachrichtenportal über ein mögliches Übernahmeangebot von Stripe und Advent im Volumen von über USD 50 Mrd. berichtet hatte. SpaceX (-0.6%) schloss nur knapp über dem IPO-Preis von USD 135 und setzte damit die Korrektur nach dem starken Börsendebüt fort. Grössere Kursrückgänge waren bei den Chipwerten wie beispielsweise Marvell (-7.2%), Micron (-8.0%) und Sandisk (-8.1%) zu verzeichnen.
Unternehmensberichte
Auftragseingang von ABB übertrifft klar
Der Auftragseingang von ABB stieg im zweiten Quartal 2026 um 30.1% auf USD 12.0 Mrd., während der Umsatz um 14.2% auf USD 9.5 Mrd. zunahm. Dank der anhaltend hohen Nachfrage nach Lösungen für Elektrifizierung, Automatisierung und KI-Rechenzentren verbesserte sich die operative EBITA-Marge auf 20.2%. Zudem kündigte ABB Investitionen von USD 200 Mio. in den Ausbau der Mittelspannungsproduktion in Europa an und bestätigte die geplante Übernahme von Rotork für rund USD 5.5 Mrd. Für das Gesamtjahr bekräftigte das Management den Ausblick und erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich sowie eine weitere Verbesserung der operativen Marge. Die ausgewiesenen Zahlen liegen am oberen Ende der Erwartungen. Der Auftragseingang konnte diese gar deutlich übertreffen.
Partners Group legt mit den Neugeldern deutlich zu
Partners Group hat im ersten Halbjahr 2026 USD 16 Mrd. an Neugeldern erzielt und das verwaltete Vermögen auf USD 186 Mrd. erhöht. Das Unternehmen investierte dabei USD 9 Mrd. in neue Anlagen und realisierte gleichzeitig Beteiligungen im selben Umfang. Das Unternehmen verzeichnete Rücknahmen von USD 3.8 Mrd. aus den Evergreen-Fonds und erwartet einen Anteil der Performance Fees von unter 20% der Gesamterträge und damit unter dem langfristigen Zielkorridor von 25 bis 40%. Die Prognose für das Gesamtjahr mit Neugeldern von USD 26 bis 32 Mrd. wurde bestätigt. Das Management bezeichnete das Investitionsumfeld aufgrund hoher Bewertungen im Private-Equity-Bereich weiterhin als anspruchsvoll und kündigte an, an einem selektiven Investitionsansatz festzuhalten. Die verwalteten Vermögen lagen innerhalb der Analystenerwartungen, die Neugelder lagen darüber.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.55%; DE: 3.11%; CH: 0.44%
Die Futures-Märkte preisen nach den tiefer als erwarteten Juni-Inflationsdaten vom Dienstag eine Zinserhöhung an der nächsten Fed-Sitzung Ende Juli aktuell nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% ein, zu Wochenbeginn waren es noch fast 50%. Sollten die in den letzten Tagen gestiegenen Ölpreise den Inflationsdruck wieder intensivieren, würde jedoch auch die Wahrscheinlichkeit höherer Leitzinsen im zweiten Halbjahr wieder zunehmen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihe sank gestern leicht auf 4.55%, handelt aber weiterhin in der Nähe des Jahreshochs von Mitte Mai. Im impulslosen Umfeld tendierten die europäischen Renditen seitwärts, so auch die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe und jene des zehnjährigen Eidgenossen.
Währungen
Euro in Franken: 0.924
US-Dollar in Franken: 0.806
Euro in US-Dollar: 1.146
Am Devisenmarkt traten zur Wochenmitte die wichtigsten Währungspaare weitgehend an Ort. Zu Wochenbeginn hatte der Dollar nach der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen an Wert eingebüsst. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed am 29. Juli ist spürbar gesunken, und damit hat der zinsbedingte Höhenflug des Dollars ebenfalls einen Dämpfer erhalten. Der Dollar-Index, der die Entwicklung zu sechs wichtigen Handelswährungen misst, bleibt jedoch auf Schlagdistanz zu seinem Jahreshoch von Ende Juni, so auch gegenüber dem Franken. Ein Dollar kostet aktuell rund 80.6 Rappen und damit zwei Rappen mehr als Anfang Jahr. Der Euro notiert zum Franken auf dem Niveau vom Jahresstart.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 84.47 pro Fass
Goldpreis: USD 4'032.12 pro Unze
In den letzten Tagen ist der Brent-Preis pro Fass zeitweise über 87 Dollar und damit auf ein Monatshoch gestiegen, nachdem er Anfang Juli noch auf gut 70 Dollar gefallen war. Auch wenn der Ölpreis gestern ein wenig nachgab, bleibt die Lage am Persischen Golf angespannt. US-Präsident Donald Trump hat dem Iran erneut mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes gedroht, es sei denn, Teheran kehrt an den Verhandlungstisch zurück.
Bei Gold lautete die Devise zuletzt «Treten an Ort». Nachdem der Goldpreis im Juni mit den gestiegenen US-Zinserwartungen unter Druck geraten ist, hat er im Juli bei 4'000 Dollar pro Unze einen vorläufigen Boden gefunden. Das ist im Vergleich zum Stand vor 12 Monaten ein Plus von 20%. Zugleich notiert der Goldpreis rund 25% unter dem Allzeithoch von Anfang Jahr. Richtungsweisend bleibt weiterhin der geldpolitische Kurs der Fed.
Erdöl - mehr als nur ein Schmierstoff der Weltwirtschaft
Das schwarze Gold ist zurück im Fokus. Seine Bedeutung hat in den letzten Jahrzehnten zwar abgenommen, doch Erdöl bleibt entscheidend – und das weit über die Verwendung als Treibstoff hinaus. In der Juli-Ausgabe unseres Anlagemagazins Sicht werfen wir einen Blick auf die vielen Facetten von Erdöl, seine Herkunft und Anwendungsbereiche.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Florian Hiltpold
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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