23. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Quartalszahlen im Rampenlicht
Trotz Verlängerung der Waffenruhe im Iran verlor der Schweizer Aktienmarkt im Zuge schwacher europäischer Märkte gestern an Terrain. Der negativen Stimmung entziehen konnte sich die amerikanische Börse, die ihren Rekordlauf fortsetzte. Heute stehen in der Schweiz verschiedene Quartalszahlen im Fokus, unter anderem von Nestlé, Roche, Schindler, SGS und Galderma.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.51%, SPI: -0.59%, SMIM: -1.00%
Der Schweizer Aktienmarkt verlor gestern in einem von Vorsicht geprägten Umfeld an Terrain. Die Verlängerung der Waffenruhe in Iran reichte nicht für eine positive Börsenreaktion, da nach wie vor viele Unsicherheiten bestehen und ein endgültiges Kriegsende weiterhin nicht absehbar ist. Der SMI konnte die verhaltenen Startgewinne nicht halten, drehte am Nachmittag klar in die Verlustzone und schloss 0.5% schwächer. Zu den Tagesverlierern gehörten mit Swiss Re (-2.0%) und Zurich Insurance (-2.6%) zwei Aktien aus dem Versicherungsbereich. Ebenfalls von deutlichen Abgaben belastet wurden Alcon (-2.3%), Sika (-2.4%) und Richemont (-2.5%). Von den Schwergewichten kam trotz der risikoaversen Stimmung wenig Unterstützung. Während sich Nestlé (+0.2%) knapp in der Pluszone halten konnte, verloren Novartis (-0.5%) und vor allem Roche (-1.3%) an Terrain. Roche wurde von Zulassungsdaten zu einem Wirkstoff zur Behandlung von Multiple Sklerose gebremst. Insbesondere die aufgetretenen Nebenwirkungen wurden von den Analysten kritisch kommentiert.
Tagesgewinner waren die Aktien von ABB (+3.4%), nachdem der Industriekonzern mit seinen Quartalzahlen die Erwartungen übertraf und zudem die Jahresziele nach oben revidierte. Unter den wenigen Gewinnern waren zudem die Aktien der UBS (+0.2%) zu finden. Sie reagierten verhalten auf die lange erwartete Regulierungs-Ankündigung des Bundesrats. Wie erwartet schlägt die Regierung eine vollständige Unterlegung der Auslandstöchter mit hartem Kernkapital vor, was die UBS zu einem geschätzten Kapitalaufbau von CHF 20 Mrd. verpflichten würde. Entgegen kommt der Bundesrat der Grossbank bei der detaillierten Ausgestaltung der Eigenmittelvorgaben, etwa bei der Behandlung von immateriellen Positionen wie Software. In den kommenden Monaten wird sich das Parlament über den Vorschlag beugen. Die UBS kritisierte den Vorschlag in einer ersten Stellungnahme als «zu extrem».
Im breiten Markt sackten Sonova um 3.0% ab. Verantwortlich dafür waren enttäuschende Zahlen des australischen Hörimplantate-Herstellers Cochlear, der sich zudem vorsichtig zur Konsumentenstimmung auf dem wichtigen US-Markt äusserte. Das Geschäft mit Hörimplantaten macht bei Sonova rund 7% vom Gesamtumsatz aus. Montana Aerospace brachen nach dem überraschenden Abgang des CEOs um 12.7% ein. Für eine positive Reaktion sorgte dagegen der besser als erwartete Quartalsbericht von Temenos (+4.2%).
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.41%, DAX: -0.31%
Die europäischen Aktienmärkte kamen gestern mehrheitlich nicht vom Fleck. Die anhaltende Patt-Situation in Iran lässt viele Markteilnehmer weiterhin vorsichtig agieren. Im Fokus standen vor allem Quartalszahlen aus dem Unternehmensbereich. Ein besser als erwartetes Umsatzupdate vom Nahrungsmittelkonzern Danone schob die Aktie um 2.5% an. Den Rückwärtsgang legte hingegen der Branchennachbar Reckitt Benckiser (-4.6%) ein. Das Zwischenergebnis des britischen Konsumgüterkonzerns wurde von einer schwächere Grippesaison und Lieferengpässen in Nahen Osten belastet.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.69%, S&P 500: +1.05%, Nasdaq: +1.64%
Die amerikanischen Aktienmärkte konnte sich der vorsichtigen Börsenstimmung in Europa entziehen und verzeichnete klare Kursgewinne. Insbesondere starke Quartalsergebnisse sorgten gestern für Rückenwind. Der Dow Jones kletterte um 0.7% nach oben, während der S&P 500 um 1.1% anzog. Das Technologie-Barometer Nasdaq schloss 1.6% höher. GE Vernova sprang nach deutlich besser als erwarteten Zahlen um 13.6% nach oben. Stark positiv überraschte beim Energietechnikkonzern insbesondere der besser als erwartete Auftragseingang. Der Zwischenbericht von Boeing fiel weniger schlecht aus als erwartet, was die Aktie des Flugzeugherstellers um 5.1% anschob. Trotz besser als erwarteten Zahlen sackten die Aktien des Telekomriesen AT&T im Rahmen einer allgemeinen Branchenschwäche um 0.3% ab. Der Konkurrent T-Mobile US gab 3.6% nach, nachdem der deutsche Mutterkonzern gestern nachbörslich über einen möglichen Zusammenschluss mit der amerikanischen Tochter informierte.
Unternehmensberichte
Nestlé übertrifft dank Volumenentwicklung die Erwartungen
Nestle musste im 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 5.7% auf CHF 21.3 Mrd. hinnehmen. Organisch, also bereinigt um Währungseinflüsse (-9.3%) und Akquisitionseffekte (+0.1%) erreichte der Konsumgüterkonzern ein Wachstum von 3.5%. Preiserhöhungen trugen 2.3% zum Anstieg bei, während sich das Volumenwachstum (RIG) auf 1.2% belief. Damit schwächte sich die Wachstumsentwicklung im Vergleich zu den letzten beiden Quartalen etwas ab, blieb aber im Rahmen der Jahresprognose von 3% bis 4%. Entsprechend hält das Management unverändert an der Zielsetzung fest. Gewinnzahlen werden erst wieder mit dem Halbjahresergebnis im Juli präsentiert. Der Umsatzbericht übertrifft die Analystenerwartungen.
Roche wird von schwachem US-Dollar gebremst
Roche veröffentlichte heute im Rahmen eines Umsatzupdates erste Anhaltspunkte zur Geschäftsentwicklung im 1. Quartal 2026. Der Pharmakonzern musste wegen der Abschwächung des USD einen Umsatzrückgang von 5.0% auf CHF 14.7 Mrd. hinnehmen. Bereinigt um Währungseffekte stieg der Umsatz hingegen um 6.0% und lag damit im Rahmen der Jahresprognose, die ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im mittleren, einstelligen Prozentbereich veranschlagt. In der bedeutend grösseren Pharmasparte wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 7%, während er im Diagnostikgeschäft um 3% höher ausfiel. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Gewinnzahlen werden erst wieder zum Halbjahr veröffentlicht. Das Zahlenset liegt im Rahmen der Analystenerwartungen.
Schindler wächst dank Modernisierungsaufträgen
Schindler musste im 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 5.1% auf CHF 2.59 Mrd. hinnehmen. Währungsbereinigt erreichte der Lift- und Rolltreppenhersteller ein Wachstum von 1.7%. Wachstum liefert dabei vor allem das Modernisierungsgeschäft, während das Umfeld im Neuinstallationsgeschäft weiterhin verhalten blieb. Der Auftragseingang sank um 4.1% auf CHF 2.83 Mrd., was einem währungsbereinigten Plus von 2.8% entspricht. Der bereinigte operative Gewinn (EBIT) stieg um 3.0% auf CHF 337 Mio. Damit verbesserte sich die EBIT-Marge um 100 Basispunkte auf 13.2%, was auf die laufenden Effizienzmassnahmen, eine angepasste Preispolitik und einen stärkeren Anteil des margenstarken Servicegeschäfts zurückzuführen ist. Unter dem Strich verblieb dem Konzern ein 1.9% höherer Reingewinn von CHF 262 Mio. Die Jahresprognose, die ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und eine EBIT-Marge von 15% umfasst, wurde bestätigt. Das Ergebnis fällt insgesamt etwas besser aus als erwartet.
SGS erfüllt mit soliden Umsatzzahlen die Erwartungen
SGS präsentierte heute die Umsatzzahlen zum 1. Quartal 2026. Das Warenprüfunternehmen steigerte den Umsatz zwischen Januar und März im Vorjahresvergleich um 3.9% auf CHF 1.75 Mrd. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Akquisitionseinflüsse, resultierte ein Plus von 5.3%. In Bezug auf die Strategieziele 2027 und die laufende Integration des übernommenen US-Prüfkonzerns ATS sieht sich SGS auf Kurs. Auch an der Zielsetzung für 2026, die ein organisches Umsatzwachstum zwischen 5% bis 7% und eine Betriebsmarge von mindestens 16% anstrebt, wird festgehalten. Der Umsatzbericht liegt genau im Rahmen der Analystenerwartungen.
Vontobel erreicht mit Institutionellen Kunden wieder positives Nettoneugeld
Die Privatbank Vontobel erzielte im 1. Quartal 2026 einen Nettoneugeldzufluss von CHF 1.7 Mrd. Die Sparte «Private Clients» trug CHF 1.3 Mrd. bei, während im Bereich «Institutional Clients» CHF 0.3 Mrd. zuflossen. Die verwalteten Vermögen entwickelten sich gegenüber Anfang Jahr mit CHF 240 Mrd. stabil. Gewinnzahlen werden zum 1. Quartal keine ausgewiesen. Die Eckwerte lagen über den Analystenerwartungen.
Starker Jahresauftakt bei Galderma dank Nemluvio
Galderma steigerte den Umsatz im 1. Quartal 2026 währungsbereinigt um 25.5% auf USD 1.47 Mrd. Alle drei Geschäftsbereiche trugen zur starken Wachstumsentwicklung bei. Im Bereich «Injizierbare Ästhetik» stieg der Umsatz um 13.1%, während das Segment «Dermatologische Hautpflege» einen Umsatzanstieg von 17% erreichte. Im kleinsten Bereich «Therapeutische Dermatologie» sprang der Umsatz dank der anhaltend starken Verkäufe des jüngst zugelassenen Hautmedikaments Nemluvio um 71.3% nach oben. Die Jahreszielsetzung, die ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 17% bis 20% und eine Kern-EBITDA Marge von ungefähr 26% umfasst, wurde bestätigt. Das Umsatzupdate übertrifft die Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.32%; DE: 3.03%; CH: 0.44%
Wenig Bewegung gestern an den Kapitalmärkten: Die Renditen auf die massgebenden 10-jährigen Staatsanleihen haben sich nur geringfügig verändert. Seit Beginn des Iran-Kriegs betrachtet sind die Veränderungen aber weiterhin substanziell. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen aus den USA und Deutschland liegen derzeit über 35 Basispunkte höher. Etwas weniger ausgeprägt ist der Anstieg bei der 10-jährigen Eidgenossenanleihe (+20 Basispunkte).
Währungen
Euro in Franken: 0.919
US-Dollar in Franken: 0.785
Euro in US-Dollar: 1.171
Im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten hat der US-Dollar im März gegenüber dem Franken substanziell an Wert dazugewonnen. Ende März kostete ein Dollar kurzzeitig sogar wieder mehr als 80 Rappen. Seither ist aber wieder eine Gegenbewegung sichtbar. Aktuell bewegt sich der Preis für einen Dollar im Bereich von 78.5 Rappen. Dies ist noch rund 1.5% mehr als vor Kriegsausbruch.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 103.21 pro Fass
Goldpreis: USD 4'714.11 pro Unze
Die Unsicherheiten rund um den Iran-Krieg bleiben gross, nachdem Donald Trump die seit zwei Wochen andauernde Waffenruhe einseitig verlängert hatte. In diesem Kontext stieg der Ölpreis gestern wieder an. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostet aktuell wieder mehr als 100 US-Dollar und damit so viel wie seit rund zehn Tagen nicht mehr. Für die weitere Entwicklung entscheidend bleibt die Strasse vom Hormus, welche aktuell sowohl vom Iran als auch von den USA als Druckmittel genutzt wird.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Matthias Müller
8021 Zürich
Roman Elbel
8021 Zürich
Tobias Kistler
8021 Zürich
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