06. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Positive Marktstimmung dank sinkender Ölpreise und anhaltender Waffenruhe

Nach dem schwachen Wochenstart fanden die Aktienmärkte mehrheitlich in die Gewinnzone zurück. Sinkende Ölpreise infolge der anhaltenden Waffenruhe im Nahen Osten sorgten für Unterstützung. Im Fokus stehen zudem die Quartalszahlen von Alcon und Logitech.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.38%, SPI: +0.47%, SMIM: +1.02%

Nach dem schwachen Wochenauftakt verzeichnete der Schweizer Aktienmarkt gestern leichte Kursgewinne. Die Waffenruhe im Nahen Osten sorgte für rückläufige Ölpreise und unterstützte die positive Marktstimmung. Während der Schweizer Leitindex SMI mit +0.4% nur moderat zulegte, entwickelten sich klein- und mittelkapitalisierte Werte im SMIM (+1.0%) deutlich stärker. Dass der SMI nicht stärker avancierte, lag insbesondere an den Indexschwergewichten. Nestlé (-0.8%) wirkte als Belastungsfaktor. Auch Novartis (-0.3%) schloss im Minus, während Roche (+0.6%) leicht zulegen konnte. Insgesamt standen 12 Gewinner 8 Verlierern gegenüber.

Zu den stärksten Titeln im SMI zählten ABB (+2.8%), Lonza (+2.3%) und Amrize (+2.2%). ABB profitierte von einer angehobenen Gewinnprognose des US-Automatisierungsspezialisten Rockwell Automation, gestützt durch eine starke Nachfrage in den Bereichen Lagerautomation und Datenzentren im Halbleitersegment. Amrize legte im Vorfeld des Starts eines Aktienrückkaufprogramms zu. Auf der Verliererseite standen Swiss Life (-1.1%), Givaudan (-1.0%) und Sika (-0.5%). Geberit (-0.4%) gab trotz besser als erwarteter Zahlen leicht nach. Kühne + Nagel (+1.3%) konnte sich nach den Vortagesverlusten, ausgelöst durch den angekündigten Einstieg von Amazon in den Logistikmarkt, etwas erholen. Amazon plant, Drittunternehmen Zugang zu seinem Logistiknetzwerk zu gewähren.

Am breiten Markt legte Sandoz (+4.9%) nach einem positiven Analystenkommentar deutlich zu. Halbleiterwerte wie VAT (+3.2%), Comet (+1.8%) und Inficon (+1.2%) profitierten von positiven Vorgaben aus dem US-Technologiesektor.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +1.84%, DAX: +1.71%

Praktisch alle europäischen Indizes schlossen im Plus, einzig der britische FTSE100 (-1.4%) verlor an Wert. Belastend wirkten unter anderem politische Unsicherheiten im Vorfeld anstehender Kommunalwahlen, die als wichtiger Stimmungstest gelten. Die stärksten Avancen verzeichnete der italienische FTSE MIB (+2.3%), gefolgt vom länderübergreifenden EuroStoxx50 (+1.8%) und vom spanischen IBEX 35 (+1.8%). Aus Branchensicht schwangen die zyklischen Sektoren Technologie, Industrie und Grundstoffe obenaus. Unterdurchschnittlich schnitten hingegen die Sektoren Gesundheit, Immobilien und Nichtzyklischer Konsum ab. Der Chipkonzern Infineon schloss 6.5% höher, daneben ging auch ASML 3.5% höher aus dem Handel. In der Telekombranche verlor die britische Vodafone (-2.2%), nachdem bekannt wurde, dass der Konzern den grössten britischen Mobilfunkanbieter VodafoneThree vollständig übernehmen will. Vodafone erwirbt den 49%-Anteil von CK Hutchison für GBP 4.3 Mrd. Der Abschluss der Transaktion wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.73%, S&P 500: +0.81%, Nasdaq: +1.03%

Nach dem schwachen Wochenstart fanden die US-Aktienmärkte gestern wieder in die Gewinnzone zurück. Solide Quartalsergebnisse sowie die weiterhin bestehende Waffenruhe im Nahen Osten sorgten für sinkende Ölpreise und eine positive Marktstimmung. Der technologielastige Nasdaq gewann 1.0%, während der marktbreite S&P 500 (+0.8%) und der US-Leitindex Dow Jones (+0.7%) ebenfalls höher schlossen. Apple legte um 2.6% zu, während Intel mit einem Plus von 12.9% besonders stark avancierte. Medienberichten zufolge befindet sich Apple in Gesprächen mit Intel und Samsung Electronics über die Produktion seiner Hauptprozessoren in den USA. Damit soll die Abhängigkeit von TSMC reduziert und Lieferkettenengpässen entgegengewirkt werden. Der Social-Media-Konzern Pinterest gewann 6.9%, nachdem das Unternehmen besser als erwartete Quartalszahlen vorgelegt und einen optimistischen Ausblick abgegeben hatte.

Unternehmensberichte

Alcon übertrifft Erwartungen und kündigt Aktienrückkaufprogramm an

Alcon präsentierte gestern nachbörslich die Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 10% auf USD 2.7 Mrd., wobei das Wachstum insbesondere durch neue Produkteinführungen getragen wurde. Auf Basis konstanter Wechselkurse belief sich das Umsatzwachstum auf 6%. Die Division Surgical steigerte den Umsatz um 10% auf USD 1.46 Mrd., während die Sparte Vision Care um 9% auf USD 1.23 Mrd. zulegte. Der operative Kerngewinn erhöhte sich auf USD 569 Mio., was einer um 40 Basispunkte höheren operativen Kernmarge von 21.2% entspricht. Der Kerngewinn je Aktie stieg auf USD 0.85 nach USD 0.73 im Vorjahr. Zusätzlich kündigte Alcon ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu USD 1.5 Mrd. über die kommenden drei Jahre an. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen sowohl beim Umsatzwachstum von 5% bis 7% als auch beim Wachstum des operativen Kerngewinns von 70 bis 170 Basispunkten. Gleichzeitig wurde die Prognose für das Wachstum des Kerngewinns je Aktie auf 10% bis 13% angehoben, nachdem zuvor ein Plus von 9% bis 12% in Aussicht gestellt worden war. Das Zahlenset lag über den Markterwartungen.

Logitech erfüllt Markterwartungen

Logitech veröffentlichte gestern nach Börsenschluss die Ergebnisse für das per Ende März 2026 abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26. Der Umsatz stieg um 6% auf USD 4.84 Mrd., währungsbereinigt betrug das Wachstum 4%. Regional verzeichnete die Region Asien-Pazifik mit einem Umsatzplus von 15% auf USD 1.35 Mrd. das stärkste Wachstum, gefolgt von EMEA mit einem Anstieg von 9% auf USD 1.54 Mrd. Dagegen gingen die Umsätze in der Region Americas leicht um 1% auf USD 1.96 Mrd. zurück. Das Wachstum war über nahezu alle Produktkategorien breit abgestützt, einzig die beiden kleinsten Kategorien Headsets und Other waren rückläufig. Der EBIT nahm um 18% auf USD 911 Mio. zu. Der Reingewinn konnte um 15.7% auf USD 856.4 Mio. erhöht werden. Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres zeigt sich Logitech trotz geopolitischer und makroökonomischer Unsicherheiten zuversichtlich und erwartet, das positive Momentum aus dem Schlussquartal fortsetzen zu können. Das Management stellt ein Umsatzwachstum von 4% bis 6% sowie einen EBIT zwischen USD 195 Mio. und USD 215 Mio. in Aussicht. Das Zahlenset erfüllt insgesamt die Markterwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.42%; DE: 3.06%; CH: 0.42%

Die Renditen der langjährigen Staatsanleihen sind gestern angesichts des leicht tieferen Ölpreises wieder etwas gefallen. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe sank gestern im Tagesverlauf um rund zwei Basispunkte. Auch in der Schweiz und in Europa fielen die langfristigen Zinsen leicht zurück.

Währungen

Euro in Franken: 0.915
US-Dollar in Franken: 0.780
Euro in US-Dollar: 1.173

Die Beruhigung der Lage im Nahen Osten sorgt für deutliche Abgaben beim US-Dollar. So verliert der Greenback heute Morgen gegenüber sämtlichen G10-Währungen an Terrain. Seit Beginn des Konflikts liegt er jedoch noch immer gegenüber den meisten Währungen leicht im Plus.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 108.60 pro Fass
Goldpreis: USD 4'645.81 pro Unze

Die Ankündigung von US-Präsident Trump, den am Montag gestarteten US-Einsatz für eine sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Strasse von Hormus «für kurze Zeit» auszusetzen, sorgte für etwas Entspannung im Nahen Osten. Gemäss Trump habe es deutliche Fortschritte bezüglich eines Abkommens mit Iran gegeben, weshalb man das «Projekt Freiheit» vorübergehend gestoppt habe. Der Ölpreis reagierte darauf mit einem Rückgang von mehr als 5 US-Dollar pro Fass.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: Inflationsrate YoY (April)
aktuell: 0.6% (erwartet: 0.6%, Vormonat: 0.3%)

Die Konsumentenpreise in der Schweiz lagen im April 0.6% über dem Vorjahr. Haupttreiber für den Teuerungsanstieg waren wie bereits im Vormonat die höheren Energiepreise. Diesel beispielsweise kostete 19.3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei Heizöl beträgt das Plus auf Jahressicht 35.5 Prozent. Damit wurde auch zum ersten Mal seit Ende 2023 wieder Inflation importiert. Der Preisanstieg der Importgüter gegenüber dem Vorjahr betrug 0.9%, die Inlandgüter wurden um 0.5% teurer. Die Kerninflation glitt gegenüber dem Vormonat leicht zurück und betrug im Jahresvergleich noch +0.3%.

USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor (April)
aktuell: 53.6 (erwartet: 53.7, Vormonat: 54.0)

Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor hat sich im April auf hohem Niveau leicht eingetrübt. Der vom Institute of Supply Management erhobene Einkaufsmanagerindex sank um 0.4 Punkte auf 53.6 und liegt damit weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Während die Einschätzung zum Auftragseingang weiterhin deutlich über der 50-Punkte-Marke verharrt, liegt die Beschäftigungskomponente noch immer leicht darunter. Der Preisdruck hat sich im April zudem erneut verstärkt.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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