Stethoskop auf einer Platine

05. Juni 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Pharmaschwergewichte treiben SMI an

Der Schweizer Aktienmarkt legte gestern deutlich zu. Getragen wurde die positive Entwicklung vor allem von den Pharmaschwergewichten Roche und Novartis. Burckhardt Compression geriet hingegen nach der Aussetzung der Mittelfristziele unter Druck.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.93%, SPI: +0.77%, SMIM: +0.44%

Der Schweizer Aktienmarkt konnte gestern erneut teils deutliche Kursgewinne verzeichnen. Der Schweizer Leitindex SMI legte 0.9% zu. Von den 20 Blue Chips im Index schlossen 12 Titel im Plus. Für den Anstieg des SMI waren vor allem die Pharmaschwergewichte verantwortlich, die nach den jüngsten Verlusten zu einer Gegenbewegung ansetzten. Roche gewann 4.2% und führte damit die Gewinnerliste an, während Novartis um 2.0% zulegte. Novartis profitierte dabei von positiven Studiendaten zu einem Nieren-Medikament. Nestlé schloss dagegen 0.8% tiefer. Zu den stärksten Gewinnern gehörte auch Partners Group (+3.7%), die einen Teil der Vortagesverluste wettmachen konnte. Die Aktie war am Vortag unter starken Druck geraten, nachdem Einschränkungen bei Rücknahmen bestimmter Private-Equity-Fonds für Privatanleger bekannt geworden waren. Das Management versuchte die Marktteilnehmer zu beruhigen und verwies auf die unveränderte Jahresprognose. Ebenfalls deutlich im Plus schlossen Alcon (+2.0%) sowie die Versicherer Swiss Re (+1.5%) und Swiss Life (+1.1%). Unter Abgabedruck standen hingegen der Computerzubehörhersteller Logitech (-2.3%) sowie ABB (-1.1%), Holcim (-1.0%) und Sika (-0.9%).

Am breiten Markt geriet Burckhardt Compression mit einem Kursverlust von 11.8% stark unter Druck. Auslöser war die Verschiebung der Mittelfristziele auf unbestimmte Zeit, nachdem das Unternehmen einen deutlichen Rückgang bei den Auftragseingängen verzeichnet hatte. Die Zurückhaltung der Kunden führt das Management unter anderem auf die US-Zollpolitik, die geopolitischen Unsicherheiten sowie den Konflikt im Nahen Osten zurück. Comet (-2.6%) und Inficon (-3.9%) waren gestern von schwachen Vorgaben aus dem US-Halbleitersektor betroffen. VAT konnte sich dem negativen Trend hingegen weitgehend entziehen und schloss mit einem Plus von 0.2% leicht höher.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.82%, DAX: +0.60%

Die europäischen Aktienmärkte konnten gestern erneut Kursgewinne verbuchen. Für Entspannung sorgten die weiter rückläufigen Ölpreise sowie Hoffnungen auf eine Waffenruhe im Nahen Osten, obwohl die geopolitische Lage weiterhin angespannt bleibt. Am stärksten legte der französische CAC 40 mit 1.2% zu, gefolgt vom länderübergreifenden Euro Stoxx 50, der 0.8% gewann. Auf Sektorenebene gehörten Gesundheitswerte zu den gefragtesten Titeln, gefolgt vom zyklischen Konsumsektor und Finanzwerten. Unter Druck standen hingegen die Bereiche Energie, nichtzyklischer Konsum sowie Kommunikationsdienste. Der US-Chiphersteller Broadcom konnte mit seinem Ausblick die hohen Markterwartungen nicht vollständig erfüllen, was auch europäische Halbleiterwerte belastete. Infineon verlor 3.4%, während STMicroelectronics um 2.6% nachgab. Demgegenüber entwickelten sich Softwareunternehmen besser. So gewann SAP 5.5% hinzu.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +1.73%, S&P 500: +0.41%, Nasdaq: -0.09%

Die US-Aktienmärkte schlossen gestern uneinheitlich. Während der von Standardwerten dominierte Dow Jones um 1.7% zulegte und der marktbreite S&P 500 mit einem Plus von 0.4% ebenfalls leicht höher schloss, verlor der technologielastige Nasdaq 0.1%. Im Fokus stand die Aktie des Halbleiterkonzerns Broadcom, die nach der Vorlage des Quartalsausblicks um 12.6% einbrach. Das Unternehmen prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz mit KI-Chips von USD 16 Mrd. und verfehlte damit die Markterwartungen von USD 17.2 Mrd. Nachdem sich die Aktie seit Jahresbeginn bereits mehr als verdreifacht hatte, reagierten die Anleger entsprechend enttäuscht auf den tiefer als erwarteten Ausblick. In der Folge geriet der gesamte Technologiesektor unter Druck. Micron verlor 7.7%, AMD gab 3.6% nach und Qualcomm büsste 3.0% ein. Nvidia konnte sich diesem Trend hingegen entziehen und schloss 1.8% höher.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.47%; DE: 3.02%; CH: 0.42%

Im Vorfeld des heutigen US-Arbeitsmarktberichts sind die Kapitalmarktrenditen in einem ruhigen Handelsumfeld leicht gesunken. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt aktuell rund 20 Basispunkte unter dem Höchststand von Mitte Mai. Auch in Europa gaben die Renditen nach, bewegen sich jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Eskalation im Nahen Osten. Die Märkte warten nun auf neue Hinweise zur Verfassung des US-Arbeitsmarktes und mögliche Konsequenzen für den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank.

Währungen

Euro in Franken: 0.917
US-Dollar in Franken: 0.790
Euro in US-Dollar: 1.161

Die Ruhe vor dem US-Arbeitsmarktbericht war auch den Devisenmärkten spürbar. Die Schweizer Inflationsdaten hatten nur geringe Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Im internationalen Vergleich bleibt die Inflation in der Schweiz aussergewöhnlich tief. Damit unterscheidet sich die Ausgangslage der SNB deutlich von jener vieler anderer Zentralbanken, die weiterhin gegen erhöhte Inflationsraten kämpfen. Im Fokus steht nun die geldpolitische Lagebeurteilung in zwei Wochen. Wir erwarten keine Änderung der Geldpolitik und gehen davon aus, dass die SNB den Leitzins bei 0% belässt. Auch die jüngsten Äusserungen von SNB-Präsident Martin Schlegel sprechen für einen unveränderten Kurs.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 95.0 pro Fass
Goldpreis: USD 4'478.8 pro Unze

Für eine leichte Entspannung an den Ölmärkten sorgten einmal mehr Signale einer möglichen Deeskalation im Nahen Osten. Der Preis für Erdöl der Sorte Brent gab um knapp 3% nach, nachdem Israel und der Libanon ihre Absicht bekräftigt hatten, die vereinbarte Waffenruhe umzusetzen. Zudem nährten Hoffnungen auf Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran die Erwartungen einer Entspannung auf der Angebotsseite. Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage fragil und die Volatilität an den Energiemärkten wird erhöht bleiben.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: Inflationsrate yoy (Mai)
aktuell: 0.6% (erwartet: 0.7%, Vormonat: 0.6%)

Die Schweizer Teuerung lag im Mai 2026 unverändert bei 0.6% gegenüber dem Vorjahr und damit unter den Erwartungen. Auf Monatsbasis stiegen die Konsumentenpreise um 0.2%. Die Kerninflation verharrte bei 0.3%. Haupttreiber bleibt der Dienstleistungssektor mit einem Preisanstieg von 1.2%, während die Güterpreise um 0.4% sanken. Die Mietpreisinflation, die quartalsweise in den Monaten Februar, Mai, August und November angepasst wird, sank im Mai auf 1.1% gegenüber dem Vorjahr, nach 1.4% im Februar. Damit setzt sich der seit mehreren Quartalen beobachtete Rückgang fort. Diese Entwicklung reflektiert die Senkung des Referenzzinssatzes infolge der wiederholten Leitzinssenkungen der Schweizerischen Nationalbank.

Bei den Preisursprüngen zeigte sich eine leichte Abschwächung der importierten Inflation. Die Preise importierter Güter und Dienstleistungen stiegen im Mai um 0.7% gegenüber dem Vorjahr nach 0.9% im April. Die Inlandpreise erhöhten sich dagegen um 0.6% gegenüber dem Vorjahr, nach 0.5% im Vormonat.

Schweiz: Arbeitslosenrate saisonal adjustiert (Mai)
aktuell: 3.1% (erwartet: 3.0%, Vormonat: 3.0%)

Die saisonbereinigte Arbeitslosenrate in der Schweiz ist im Mai auf 3.1% gestiegen. Die Quote liegt damit 1.2 Prozentpunkte über dem Tiefstand der letzten 20 Jahre vom Frühjahr 2023, befindet sich insgesamt aber auf einem normalen Niveau. Auch in den USA steht heute Nachmittag der US-Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. Für den Mai wird ein Stellenwachstum von 85'000 erwartet.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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