17. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Partners Group und ABB belasten SMI
Schwach aufgenommene Zahlen von ABB und Partners Group belasteten gestern den Schweizer Aktienmarkt. Heute stehen in der Schweiz die Quartalszahlen von DKSH und Georg Fischer im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.28%, SPI: -0.21 %, SMIM: +0.03%
Der Schweizer Aktienmarkt schloss gestern leicht im Minus. Der Leitindex SMI verlor 0.3%, während der marktbreite SPI um 0.2% nachgab. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sorgten weiterhin für eine vorsichtige Haltung der Anleger. Von den 20 SMI-Titeln hielten sich Gewinner und Verlierer die Waage. Am Tabellenende waren Partners Group (-6.0%) und ABB (-5.9%). ABB geriet trotz überzeugender Quartalszahlen unter Druck, nachdem die angekündigte Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork von den Marktteilnehmern kritisch aufgenommen wurde. Auch Partners Group büsste trotz solider Halbjahreszahlen deutlich ein. Offenbar hatten die Anleger noch stärkere Resultate erwartet. Zu den Gewinnern zählten Alcon (+2.9%), Amrize (+1.9%) und Swiss Re (+1.2%). Unterstützung erhielt der Gesamtmarkt zudem von den defensiven Indexschwergewichten. Novartis (+1.0%), Nestlé (+0.8%) und Roche (+0.4%) schlossen allesamt im Plus und trugen zur Stabilisierung des SMI bei. Am breiten Markt geriet Aryzta nach einem negativen Analystenkommentar zeitweise um gut 5% unter Druck, konnte die Verluste im Handelsverlauf jedoch deutlich eingrenzen und schloss lediglich 1.1% tiefer. Mobilezone gewann nach einem positiven Analystenkommentar 3.5%. Adecco sprang um 8.8% nach oben und profitierte von positiven Vorgaben eines internationalen Branchenkonkurrenten.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.29%, DAX: -0.34%
Die europäischen Aktienmärkte präsentierten sich gestern uneinheitlich. Während der länderübergreifende Euro Stoxx 50 (+0.3%), der britische FTSE 100 (+0.5%) und der spanische IBEX 35 (+0.2%) im Plus schlossen, gaben die übrigen Leitindizes leicht nach. Der deutsche DAX (-0.3%) verzeichnete dabei die grössten Einbussen. Im Fokus der Anleger blieb weiterhin der Konflikt im Nahen Osten und dessen mögliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Auf Sektorebene entwickelten sich Basiskonsumgüter, Gesundheit und Technologie überdurchschnittlich. Unter Druck standen hingegen die Bereiche Versorger, Industrie und Grundstoffe. Delivery Hero gewann trotz der Übernahmeofferte von Uber in Höhe von EUR 41.50 je Aktie lediglich 0.1% hinzu. ASML setzte nach den starken Quartalszahlen und der Anhebung des Jahresausblicks seine Aufwärtsbewegung fort und legte um 3.2% zu. Der niederländische Chipausrüster war damit der einzige europäische Halbleiterwert, der den Handel im Plus beendete.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.20%, S&P 500: -0.51%, Nasdaq: -1.47%
Die US-Aktienmärkte schlossen gestern tiefer. Während der Leitindex Dow Jones lediglich 0.2% verlor und der marktbreite S&P 500 um 0.5% nachgab, fiel der technologielastige Nasdaq mit einem Minus von 1.5% deutlich stärker zurück. Belastet wurden die Märkte einerseits von den anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Andererseits hinterfragen die Anleger zunehmend, ob die milliardenschweren Investitionen der Technologieunternehmen in Künstliche Intelligenz mittelfristig die erwarteten Erträge generieren werden. Entsprechend zeigte sich auf Sektorebene ein defensives Bild. Im Dow Jones führte Nike (+4.2%) die Gewinnerliste ohne nennenswerte unternehmensspezifische Neuigkeiten an. Die Aktien von Uber legten nach dem Übernahmeangebot für Delivery Hero um 1.9% zu. Alphabet verlor 4.4%, nachdem der Konzern den Marktstart seines KI-Modells Gemini 3.5 Pro verschoben hatte, um dessen Programmierfähigkeiten weiter zu verbessern. Unter anhaltendem Verkaufsdruck standen zudem Chip- und Hardwarewerte, während sich Softwareunternehmen vergleichsweise robust entwickelten. Marvell (-8.7%), Intel (-5.8%) und Micron (-5.7%) gehörten zu den grössten Verlierern.
Unternehmensberichte
Gemischtes Zahlenset von DKSH
DKSH litt im 1. Halbjahr unter dem starken Schweizer Franken. Der Umsatz war um 0.9% auf CHF 5.47 Mrd. rückläufig. Zu konstanten Währungen hätte ein Plus von 4.9% resultiert, wovon 4.1% organischem Wachstum und 0.8% Übernahmeeffekten zuzuschreiben war. Die Segmente Health Care (+4.9%), Consumer Goods (4.7%) und Technologie (+2.5%) legten organisch zu, während Performance Materials (-0.1%) leicht rückläufig war. Der Kern-EBIT sank um 3.5% auf CHF 163.4 Mio., was einer 10 Basispunkte tieferen Kern-EBIT-Marge von 3.0% entspricht. Unter dem Strich blieb ein 9.1% höherer Kern-Reingewinn von CHF 112.9 Mio. Für das zweite Halbjahr 2026 zeigt sich das Management zuversichtlich. Erwartet werden eine Beschleunigung der Geschäftsdynamik. Zusätzliche Beiträge sollen aus der gut gefüllten Projektpipeline im Bereich Rechenzentren sowie weiteres Wachstum durch Akquisitionen generiert werden. DKSH hält an der Prognose eines höheren Kern-EBIT gegenüber dem Vorjahr fest und bestätigt zudem die mittelfristigen Finanzziele. Der Umsatz liegt leicht über den Erwartungen, während der Kern-EBIT leicht tiefer ausfällt.
Erhöhter Umsatzausblick 2026 bei Georg Fischer
Der Industriekonzern steigerte den Umsatz im fortgeführten Geschäftsfeld Flow Solutions im ersten Halbjahr 2026 um 5.1% auf CHF 1.58 Mrd. Das organische Wachstum belief sich auf 5.7%, wobei insbesondere das zweite Quartal von einer höheren Geschäftsaktivität sowie Preiserhöhungen infolge gestiegener Rohmaterialkosten profitierte. Der Auftragseingang erhöhte sich trotz eines herausfordernden Marktumfelds von CHF 1.5 Mrd. auf CHF 1.7 Mrd. Belastend wirkten unter anderem die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, extreme Wetterereignisse sowie die anhaltende Schwäche der Bau- und Industriemärkte. Der EBIT legte um 1.3% auf CHF 158 Mio. zu. Unter dem Strich resultierte jedoch ein Verlust von CHF 77 Mio., nachdem im Vorjahr noch ein Reingewinn von CHF 160 Mio. erzielt worden war. Ausschlaggebend dafür war der Verlust aus dem Verkauf der Division GF Casting Solutions. Angesichts des starken Auftragseingangs sowie der erfolgreichen Umsetzung von Preiserhöhungen und Kostensenkungsmassnahmen hob Georg Fischer den Umsatzausblick für das Gesamtjahr an. Neu erwartet das Unternehmen ein organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, nachdem zuvor ein Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt worden war. Die Prognose für die EBITDA-Marge von 14% bis 16% wurde bestätigt. Mit dem Halbjahresabschluss liegt Georg Fischer beim Umsatz leicht über den Erwartungen, während der EBIT die Erwartungen erfüllt.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.55%; DE: 3.13%; CH: 0.45%
An den Kapitalmärkten gab es gestern wenig Bewegung. Die Futures-Märkte preisen eine Zinserhöhung an der nächsten Fed-Sitzung Ende Juli aktuell nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% ein, zu Wochenbeginn waren es noch fast 50%. Auch wir gehen nicht von einer baldigen Leitzinserhöhung in den USA aus. Sollten die in den letzten Tagen gestiegenen Ölpreise den Inflationsdruck jedoch wieder intensivieren, würde hingegen die Wahrscheinlichkeit höherer Leitzinsen im zweiten Halbjahr wieder zunehmen.
Währungen
Euro in Franken: 0.925
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.144
Nachdem der Dollar nach der Veröffentlichung der US-Inflationszahlen am Dienstag an Wert eingebüsst hatte, setzte er gestern zu einer leichten Gegenbewegung an und legte gegenüber sämtlichen G10-Währungen zu. Damit bleibt der Dollar-Index, der die Entwicklung zu sechs wichtigen Handelswährungen misst, auf Schlagdistanz zu seinem Jahreshoch von Ende Juni, so auch gegenüber dem Franken. Ein Dollar kostet aktuell rund 80.9 Rappen und damit zwei Rappen mehr als Anfang Jahr.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 84.91 pro Fass
Goldpreis: USD 3'983.44 pro Unze
Die angespannte Lage im Nahen Osten treibt den Ölpreis weiter vor sich her. In den letzten Tagen ist der Brent-Preis pro Fass zeitweise über 87 Dollar und damit auf ein Monatshoch gestiegen, nachdem er Anfang Juli noch auf gut 70 Dollar gefallen war. Zwar stellt die iranische Regierung derzeit mögliche weitere Verhandlungen in Aussicht. Sie stellt jedoch ebenfalls klar, dass Iran die Kontrolle über die Strasse von Hormus beanspruche. Das Tauziehen um dieses wichtige Nadelöhr am Erdölmarkt geht somit weiter.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Philadelphia Fed Geschäftsklima (Juli)
aktuell: +41.4 (erwartet: +12.5, Vormonat: +10.3)
Der gestern veröffentlichte Geschäftsklimaindex der Philadelphia Fed, welcher die Aktivität im Industriesektor misst, ist im Juli unerwartet stark angestiegen. Mit 41.4 Punkten liegt er nun auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2021. Laut der aktuellen Umfrage bewertet eine Mehrheit der Unternehmen die allgemeine Geschäftslage noch einmal deutlich optimistischer als noch vor Monatsfrist. Weiterhin positiv zeigen sich insbesondere der «Auftragseingang» und die «Offenen Aufträge».
Angela Truniger
8021 Zürich
Patrick Häfeli
8021 Zürich
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