09. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Neue Eskalation im Nahen Osten belastet Aktienmärkte
Nachdem US-Präsident Trump den Waffenstillstand zwischen den USA und Iran für gescheitert erklärt hatte, verzeichneten die Aktienmärkte gestern weltweit Kursverluste, denen sich auch der Schweizer Aktienmarkt nicht entziehen konnte. Heute liegt der Fokus auf den Zwischenberichten von Barry Callebaut und Ypsomed.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -1.30%, SPI: -1.34%, SMIM: -1.68%
Der Schweizer Aktienmarkt schaltete gestern in Korrekturmodus, nachdem US-Präsident Trump anlässlich des Nato-Gipfels den Waffenstillstand mit Iran als beendet erklärt hatte und die Ölpreise daraufhin wieder deutlich angestiegen sind. Der SMI verlor zeitweise mehr als 1.7%, konnte die Verluste am Nachmittag aber etwas eingrenzen und schloss zuletzt 1.3% tiefer. 18 von 20 der grosskapitalisierten Werte schlossen mit Kursverlusten. Unter den schwächsten waren mit Geberit (-3.4%), Holcim (-4.0%) und Sika (-5.0%) Aktien mit Bezug zum Bausektor, die von Sorgen um einen Anstieg der Inflation und Zinsängsten gebremst wurden. Mit Givaudan (-5.1%) litt ein weiterer Titel aus dem Grundstoffsektor unter der Marktschwäche. Der Duftstoffhersteller erwirtschaftet einen hohen einstelligen Prozentsatz des Umsatzes im Nahen Osten. Wenig Unterstützung kam von den defensiven Schwergewichten: Novartis (-0.7%), Nestlé (-1.2%) und Roche (-1.4%) gingen ebenfalls mit deutlichen Kursverlusten aus dem Handel. Vergleichsweise stabil hielten sich die Versicherungswerte Swiss Life (-0.5%), Zurich Insurance (-0.4%) und Swiss Re (-0.2%). Neben Logitech (+0.3%) als einzige Aktie leicht im Plus schloss Swisscom (+0.4%). Der Telekomwert profitierte von seinem defensiven Charakter.
Im breiten Markt verzeichneten konjunktursensitive Werte wie Bossard (-3.5%), Schweiter (-3.3%) und Dormakaba (-3.8%) die stärksten Kursabschläge. Noch schwächer entwickelte sich Belimo (-7.4%). Der Lüftungsklappenspezialist wurde von einer Abstufung eines Brokers belastet. Entgegen dem Trend gefragt war Kuros (+8.0%). Das Biotechunternehmen erhielt Auftrieb von einer neuen Kaufempfehlung eines Brokers.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -1.82%, DAX: -2.23%
Belastet durch die Aussagen von Donald Trump zur Waffenruhe schlossen die europäischen Aktienmärkte zur Wochenmitte markant schwächer. Der EuroStoxx sackte 1.8% ab, während der DAX um 2.2% zurückfiel. Am stärksten unter Druck standen unter anderem konjunktursensitive Branchen wie Finanzen, Zyklischer Konsum, Industrie und Grundstoffe. Noch schwächer entwickelte sich der zinssensitive Immobiliensektor. Auf der Gegenweite suchten die Anleger Schutz in defensiven Bereichen wie Kommunikationsdienste und Versorger, die weniger stark an Terrain einbüssten. Auftrieb spürte der Energiesektor: Shell (+2.3%), TotalEnergies (+2.3%) und BP (+3.5%) erhielten Rückenwind von den steigenden Ölpreisnotierungen.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -1.09%, S&P 500: -0.28%, Nasdaq: +0.20%
Die amerikanischen Aktienmärkte schlossen im Angesicht der erneuten Eskalation im Nahen Osten ebenfalls mehrheitlich tiefer. Der auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones verlor 1.1%, während der breiter aufgestellte S&P 500 um 0.3% zurückfiel. Der technologielastige Nasdaq beschloss den Handelstag dank einer leichten Erholung bei den Technologiewerten 0.2% höher. Im Fokus standen unter anderem die Aktien von Broadcom (+4.8%). Der Halbleiter-Hersteller kündigte eine neue Zusammenarbeit mit Apple (+0.9%) mit einem Auftragsvolumen von USD 30 Mrd. an. Belastet von der Situation im Nahen Osten gehörten die Aktien der Fluggesellschaften American Airlines (-4.0%), Delta Airlines (-1.5%) und United Airlines (-1.6%) zu den Tagesverlierern.
Unternehmensberichte
Rückkehr zu Volumenwachstum bei Barry Callebaut
Barry Callebaut präsentierte heute Morgen Eckzahlen zu den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2025/26. Der weltgrösste Schokoladenkonzern musste zwischen September und Mai einen Rückgang der Schokolade- und Kakaovolumen um 2.8% auf 1.56 Mio. Tonnen hinnehmen. Im 3. Quartal stiegen die Volumen hingegen um 5.7%. Damit verzeichnete der Konzern zum ersten Mal seit drei Jahren wieder ein Wachstumsquartal. Das Kakaogeschäft profitierte aufgrund der gefallen Preise von Lageraufstockungen und einer stärkeren Nachfrage, während im Schokoladengeschäft eine gute Absatzentwicklung in der Region Asien Pazifik, Mittlerer Osten und Afrika half. Der 9-Monats-Umsatz sank im Vorjahresvergleich um 12.7% auf CHF 9.6 Mrd., vor allem aufgrund der tieferen Kakaopreise, die Barry an seine Kunden weitergibt. Die Jahreszielsetzung wird leicht angehoben. Neu rechnet der Konzern nur noch mit einem Volumenrückgang von rund 1% (zuvor 1% bis 3%). Die EBIT-Marge wird weiterhin im mittleren Zehnprozentbereich erwartet. Der Zwischenbericht übertrifft die Analystenerwartungen.
Ypsomed gewinnt im 1. Quartal 14 neue Kundenprojekte
Ypsomed informierte im Rahmen eines kurzen Zwischenberichts über das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2026/27. Das Medizintechnikunternehmen gewann zwischen April und Juni 14 neue Kundenprojekte und übertrifft damit den Vorjahreswert. Unterstützend wirkten sich neben der anhaltend grossen Nachfrage nach Autoinjektoren die vielen Markteinführungen von Biosimilars und neue Indikationen bei Originalpräparaten aus. Detailliertere Informationen wird das Unternehmen im Rahmen der Halbjahreszahlen am 11. November 2026 präsentieren.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.58%; DE: 3.09%; CH: 0.39%
Wie bereits am Dienstag zogen die Zinsen gestern weiter an. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg um drei Basispunkte. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe legte um zehn Basispunkte zu, jene des 10-jährigen Eidgenossen um vier Basispunkte.
Am Abend wurde das Protokoll der Fed-Sitzung vom 17. Juni veröffentlicht. Es zeigt ein gespaltenes Gremium: Die Hälfte der Mitglieder erwartet in diesem Jahr mindestens eine Zinserhöhung, die andere Hälfte rechnet mit unveränderten oder tieferen Zinsen. Zudem hat die Fed unter Kevin Warsh ihre Kommunikation gestrafft und die bisherige Forward Guidance weitgehend aufgegeben. Dies erhöht den Spielraum für künftige Entscheide. Das Protokoll ist insgesamt eher restriktiv zu werten und lässt mindestens eine weitere Zinserhöhung im Jahresverlauf möglich erscheinen.
Währungen
Euro in Franken: 0.923
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.142
Der US-Dollar profitierte gestern durch die zunehmende Verunsicherung über die erneute Eskalation im Iran. Insgesamt waren die Bewegungen im Vorfeld der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Fed-Sitzung aber zurückhaltend.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 78.02 pro Fass
Goldpreis: USD 4'077.43 pro Unze
Die Ölpreise sind den zweiten Tag in Folge deutlich gestiegen. Grund dafür sind die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran rund um die Kontrolle der Strasse von Hormus. Damit gerät der erst drei Wochen alte Friedensrahmen zunehmend unter Druck. Auslöser waren iranische Angriffe auf drei Schiffe nahe der wichtigen Handelsroute, gefolgt von militärischen Schlägen beider Seiten. US-Präsident Donald Trump erklärte die Waffenstillstandsgespräche faktisch für beendet und kündigte harte Gegenmassnahmen an. Der Preis der Sorte Brent stieg im gestrigen Tagesverlauf um mehr als 5% auf 78 US-Dollar pro Fass an. Der Goldpreis tendierte gestern wieder leicht nach unten und schloss 0.7% tiefer als am Vortag.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Matthias Müller
8021 Zürich
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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