22. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Nervöse Aktienmärkte vor auslaufender Waffenruhe
Die globalen Aktienmärkte zeigten sich angesichts der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Iran nervös. Nach Börsenschluss verlängerte US-Präsident Trump die bestehende Waffenruhe, obwohl keine neuen Verhandlungen stattfanden. Die Strasse von Hormus bleibt derweil blockiert. In der laufenden Berichtssaison stehen heute ABB und Temenos mit den Zahlen zum 1. Quartal im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -1.13%, SPI: -0.91%, SMIM: -1.22%
Der Schweizer Aktienmarkt geriet in Folge negativer US-Vorgaben gegen Handelsende immer stärker unter Druck. Der Leitindex SMI gab schlussendlich 1.1% nach. Wieder zunehmend belasteten die geopolitischen Spannungen des Iran-Konflikts. Das Ende der ursprünglich bis Mittwochnacht angesetzten und nach Börsenschluss verlängerten Waffenruhe rückt näher. Die Strasse von Hormus bleibt nach wie vor blockiert. Von den 20 grosskapitalisierten Werten schlossen fünf höher. Angeführt wurde das Tableau von Kühne + Nagel (+1.5%), Swiss Re (+0.8%) und UBS (ohne Dividendenabgang +0.7%). Heute dürfte sich der Bundesrat zu den Kapitalregeln für die Grossbank äussern. Tagesverlierer waren Lonza (+2.9%), Nestlé (-1.9%) und Novartis (-1.8%). Die Luxusgüterkonzerne Richemont (-1.2%) und Swatch (+0.5%) entwickelten sich uneinheitlich nach der Präsentation der Schweizer Uhrenexportzahlen für den März. Im breiten Markt stand Lindt & Sprüngli (-3.6%) nach Medienberichten um ein schwaches Ostergeschäft in Deutschland weiter unter Druck. Der Titel hat inklusive Dividende im bisherigen Jahresverlauf über 13% eingebüsst.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.88%, DAX: -0.60%
Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich vor dem bald auslaufenden Waffenstillstand nervös. Der länderübergreifende EuroStoxx50 gab um 0.9% nach. Der französische CAC40 verlor 1.1% und der deutsche DAX 0.6%. Auf Sektorenebene konnten sich einzig die Öl- und Gaswerte im Sektor Energie behaupten. Am stärksten unter Abgabedruck standen die Bereiche Gesundheit, Nichtzyklischer Konsum und Industrie.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.59%, S&P 500: -0.63%, Nasdaq: -0.59%
Die US-Aktienmärkte knüpften an den verhaltenen Wochenauftakt an. Der Leitindex DowJones, der breiter gefasste S&P500 und der technologielastige Nasdaq gaben angesichts der Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt um 0.6% nach. Im Fokus stand die Berichtssaison. Der Krankenversicherer UnitedHealth (+7.3%) legte nach starken Quartalszahlen und einem erhöhten Ausblick zu. Der Mischkonzern 3M übertraf mit einem bereinigten Gewinn je Aktien von USD 2.14 ebenfalls die Analystenerwartungen zum 1. Quartal 2026 und bestätigt den Jahresausblick. Die Aktie gab um 1.6% nach. Leicht nach oben ging es auch für Amazon (+1.0%). Das Tech-Unternehmen gab bekannt, in einem ersten Schritt USD 5 Mrd. in den KI-Konzern Anthropic zu investieren. In weiteren Schritten könnten sich die Investitionen auf bis zu USD 20 Mrd. belaufen. Anthropic will dafür auf die Amazon Chips Trainium zurückgreifen, um seine KI-Modelle zu trainieren. Über den Analystenerwartungen lagen auch die Quartalszahlen von GE Aerospace (-5.2%). Für das Gesamtjahr 2026 wird nun ein operativer Gewinn am oberen Ende der Spanne von USD 9.85 bis 10.25 Mrd. erwartet. Gleichzeitig warnte das Unternehmen aber vor den Risiken der aktuell hohen Treibstoffpreise. Die Apple-Aktien büssten 2.2% ein, nachdem der Techkonzern die Ablösung des langjährigen CEO Tim Cook bekanntgab.
Unternehmensberichte
ABB überzeugt mit 1. Quartalszahlen und erhöht Jahresausblick
Der Industriekonzern ABB erzielt im 1. Quartal 2026 einen 18% höheren Umsatz von USD 8.73 Mrd. Auf vergleichbarer Basis resultierte ein Plus von 11%. Angetrieben von der Elektrifizierungssparte sprang der Auftragseingang um 24% auf USD 11.3 Mrd. nach oben. Die operative Gewinn-Marge auf Stufe EBITA stieg um 320 Basispunkte auf 23.5%. Unter dem Strich legte der Reingewinn um einen Fünftel auf USD 1.32 Mrd. zu. Mit den Zahlen wurden die Analystenerwartungen übertroffen. Gleichzeitig wurde der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 erhöht. Neu wird ein vergleichbarer Umsatz im hohen einstelligen bis niedrig zweistelligen Bereich angestrebt (bisher: 6% bis 9% Umsatzwachstum) und eine EBITA-Marge die höher liegt als im Vorjahr, ohne die Immobilienerlöse aus dem 1. Quartal 2026 einzurechnen (bisher: leicht höher). Für das laufende 2. Quartal wird ein vergleichbares Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich und eine höhere EBITA-Marge erwartet.
Temenos übertrifft mit Zahlen zum 1. Quartal die Markterwartungen
Der Bankensoftware-Hersteller Temenos steigerte im 1. Quartal 2026 den Umsatz um 15% auf USD 253 Mio. Die Erträge mit Software-Subskriptionen und Software-as-a-Service legten um 13% auf USD 87 Mio. zu. Der Umsatz mit Unterhalt wuchs um 13% auf USD 34 Mio. Der bereinigte EBIT kam 19% höher, bei USD 83 Mio., zu liegen, was einer Margenverbesserung von 31.5% auf 32.7% entspricht. Unter dem Strich legte der bereinigte Gewinn je Aktie von USD 0.75 auf USD 0.90 zu. Die Prognose für das Gesamtjahr und der mittelfristige Ausblick wurden bestätigt. Mit dem Zahlenset wurden die Analystenerwartungen auf allen Ebenen übertroffen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.29%; DE: 3.00%; CH: 0.41%
Die Renditen der gängigsten Staatsanleihen haben sich am gestrigen Handelstag nur wenig verändert. Weiterhin bleibt die Entwicklung des Iran-Kriegs das bestimmende Thema an den Kapitalmärkten. Inflationssorgen aufgrund höherer Energiepreise haben die Renditen auf langjährige Staatsanleihen seit Kriegsausbruch deutlich ansteigen lassen. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe und der Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit liegen derzeit über 35 Basispunkte höher. Die Rendite der 10-jährigen Eidgenossenanleihe verzeichnet seit Ende Februar einen Anstieg von rund 20 Basispunkten.
Währungen
Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.779
Euro in US-Dollar: 1.174
Die Marktreaktion auf den von US-Präsident Donald Trump einseitig verlängerten Waffenstillstand im Nahostkonflikt fällt heute Morgen eher verhalten aus. Der US-Dollar schwächte sich gegenüber dem Franken leicht ab und handelt bei rund 0.78. Beim Euro setzt sich der Trend der Vortage fort. Das EUR/CHF-Paar notiert aktuell bei rund 0.915 und damit wieder einen Rappen unter dem Zwischenhoch von Mitte April.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 98.41 pro Fass
Goldpreis: USD 4'753.15 pro Unze
Trotz der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Verlängerung der heute Abend auslaufenden zweiwöchigen Waffenruhe mit dem Iran hält sich die Nordseesorte Brent nahe der Marke von 100 US-Dollar je Fass. Entscheidend bleibt: Die strategisch wichtige Strasse von Hormus wird weiterhin sowohl vom Iran als auch von den USA als Druckmittel genutzt.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Detailhandelsumsätze MoM (März)
aktuell: +1.7% (erwartet: +1.4%; Vormonat: +0.7%)
Die Umsätze der US-Detailhändler sind im März wie erwartet kräftig angestiegen. Hauptsächlich verantwortlich für das nominal ausgewiesene Wachstum sind Ausgaben für Benzin und Diesel, welche in Folge des Iran-Kriegs und der höheren Ölpreise im Vergleich zum Vormonat um rund 15% angestiegen sind. Der um volatile Komponente (u.a. die erwähnten Treibstoffe) bereinigte Indikator ist um 0.7% gewachsen. Diese Zahlen zeigen, dass Konsumentinnen und Konsumenten in den USA im ersten Monat nach Ausbruch des Iran-Kriegs insgesamt konsumfreudig geblieben sind. Der private Konsum trägt etwa 70% zum BIP der grössten Volkswirtschaft der Welt bei, weshalb entsprechende Zahlen an den Märkten stets grosse Beachtung finden.
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen (April)
aktuell: -17.2 (erwartet: -5.8; Vormonat: -0.5)
Die konjunkturellen Erwartungen für die deutsche Wirtschaft haben sich im April weiter eingetrübt. Der entsprechende Indikator des Instituts für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist auf den tiefsten Stand seit Ende 2022 gefallen. Auch der Indikator für die gesamte Eurozone ist wesentlich zurückgegangen. Hintergrund sind Sorgen um Auswirkungen der hohen Energiepreise und die Befürchtung um länger anhaltende Folgeeffekte. Für die Erhebung wurden rund 200 Finanzmarktanalysten befragt. Zur Einordnung ist zu erwähnen, dass Stimmungsindikatoren wie der ZEW-Indikator in turbulenten Zeiten oftmals zu erheblichen Schwankungen neigen.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Tobias Kistler
8021 Zürich
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