22. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Leichte Kursgewinne in der Schweiz

Nach einem richtungslosen Handel ging der Schweizer Aktienmarkt letztlich leicht höher aus dem Handel. Heute stehen die Unternehmensberichte von Richemont und Julius Bär im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.35%, SPI: +0.12%, SMIM: -0.66%

Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnete gestern insgesamt leichte Kursgewinne. Im Fokus stand weiterhin der Iran-Konflikt, von dem jedoch keine neuen Impulse ausgingen. Der Schweizer Leitindex SMI legte um 0.4% zu, während der klein- und mittelkapitalisierte SMIM 0.7% verlor. Von den 20 Blue Chips im SMI schlossen 15 Titel im positiven Bereich. An der Spitze standen konjunktursensitive Titel wie Sika (+1.9%), Kühne + Nagel (+1.4%) und ABB (+1.1%), die von positiven Analystenkommentaren profitierten. Weniger gefragt waren Swiss Re (-3.2%), Partners Group (-1.1%), Swisscom (-0.9%), Richemont (-0.4%) im Vorfeld der heutigen Zahlenvorlage sowie Zurich Insurance (-0.1%). Swiss Re wurde zusätzlich durch eine Ratingherabstufung eines Brokers belastet. Die defensiven Schwergewichte notierten derweil im Plus. Roche gewann 0.7%, Novartis rückte um 0.6% vor und Nestlé schloss 0.2% höher. Die Aktien des Lebensversicherers Swiss Life avancierten um 0.8%. Die Erstquartalszahlen fielen solide aus und übertrafen beim Prämienvolumen die Analystenerwartungen.

Am breiten Markt verloren die Aktien von Temenos ohne nennenswerte Neuigkeiten 6.2%. Die zuletzt stark zurückgebliebenen Medtechfirmen wie Straumann (+1.2%), Sonova (+0.5%) und Alcon (+0.4%) konnten gestern wieder etwas Tritt fassen.

Im Fokus standen zudem die Aktien des Duftstoffkonzerns DSM-Firmenich, der gestern sein Börsendebüt an der Schweizer Börse SIX feierte. Die Titel werden bereits an der Euronext in Amsterdam gehandelt und sind seit gestern zusätzlich auch in Zürich kotiert. Die Aktie schloss 6.4% höher. Nach dem starken Kursanstieg von Ypsomed am Mittwoch von 9.3% im Zuge besser als erwarteter Zahlen, mussten gestern wieder Gewinne preisgegeben (-1.7%) werden. Auch die Halbleiterwerte VAT (-1.1%), Inficon (-1.4%) und Comet (-0.9%), welche zu Wochenmitte noch von positiven US-Vorgaben und einer Branchenstudie Auftrieb erhalten haben, notierten in der Verlustzone.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.26%, DAX: -0.53%

Nach dem starken Handel zur Wochenmitte schlossen die europäischen Aktienmärkte gestern uneinheitlich. Belastet wurde die Stimmung durch schwächere Vorgaben aus den USA, während im Iran-Konflikt weiterhin richtungsweisende Signale ausblieben. Während der britische FTSE 100 (+0.1%) als einziger Leitindex im Plus schloss, verzeichnete der zyklische DAX mit -0.5% die grössten Verluste. Der französische CAC 40 sowie der spanische IBEX 35 gaben jeweils um 0.4 % nach. Zu den stärksten Sektoren zählten Grundstoffe, Versorger und Gesundheit. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen die konjunktursensitiven Bereiche Kommunikationsdienste, Zyklischer Konsum und Industrie.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.55%, S&P 500: +0.27%, Nasdaq: +0.09%

Die US-Aktienmärkte konnten gestern nach einem schwachen Handelsstart letztlich leichte Kursgewinne verbuchen. Der US-Leitindex Dow Jones gewann 0.6%, gefolgt vom marktbreiten S&P 500 (+0.3%) und dem technologielastigen Nasdaq (+0.1%). Hoffnungen auf Fortschritte bei Verhandlungen im Iran-Konflikt sorgten für nachgebende Ölpreise und stützten damit die Marktstimmung. Trotz besser als erwarteter Quartalszahlen verlor die Aktie des Chipgiganten Nvidia 1.8%. Zwar überzeugte das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 85%, allerdings äusserten sich einige Analysten kritisch zur Nachhaltigkeit des hohen Wachstumstempos angesichts des zunehmenden Wettbewerbs im KI-Sektor. Deutlich gefragt waren hingegen die Titel des Chipentwicklers ARM, die um 16.2% zulegten. Positive Analystenkommentare, wonach ARM zu den Profiteuren der steigenden Nachfrage nach KI-Chips zählen dürfte, sorgten für kräftigen Auftrieb. An der Spitze des Dow Jones stand IBM mit einem Kurssprung von 12.4%. Auslöser war die Meldung, dass der Technologiekonzern einen Auftrag der US-Regierung im Umfang von USD 1 Mrd. erhalten hat. IBM soll dabei Quantencomputer-Chips für staatliche Anwendungen produzieren.

Unternehmensberichte

Richemont übertrifft Erwartungen bei Umsatz und Dividende

Richemont veröffentlichte heute die Jahreszahlen für das per Ende März 2026 abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26. Der Luxusgüterkonzern steigerte den Umsatz um 5% auf EUR 22.4 Mrd. Zu konstanten Wechselkursen resultierte ein Wachstum von 11%. Alle Regionen, Vertriebskanäle und Geschäftsbereiche trugen zum Wachstum bei. Besonders dynamisch entwickelte sich das Schmuckgeschäft mit Marken wie Cartier und Van Cleef & Arpels, wo sich der Umsatz um 8% auf EUR 16.5 Mrd. bzw. um 14% zu konstanten Wechselkursen erhöhte. Das Uhrengeschäft entwickelte sich hingegen schwächer und verzeichnete einen Umsatzrückgang von 4% auf EUR 3.15 Mrd., wobei sich im zweiten Halbjahr eine Stabilisierung abzeichnete. Regional wuchs Amerika mit einem Umsatzplus von 8% auf EUR 5.68 Mrd. am stärksten. Der operative Gewinn stieg um 1% auf EUR 4.49 Mrd. Die EBIT-Marge ging jedoch um 90 Basispunkte auf 20.0% zurück. Belastend wirkten insbesondere negative Währungseffekte, höhere Rohmaterialkosten sowie einmalige Kosten von EUR 164 Mio. Dank des starken Umsatzwachstums und einer konsequenten Kostendisziplin konnte Richemont die Profitabilität dennoch auf hohem Niveau halten. Der Reingewinn erhöhte sich insgesamt um 27% auf EUR 3.48 Mrd. Positiv wirkte dabei insbesondere der Wegfall der hohen Abschreibungen im Zusammenhang mit YNAP aus dem Vorjahr. Richemont beantragt eine um 10% erhöhte ordentliche Dividende von CHF 3.30 je Aktie sowie zusätzlich eine Sonderdividende von CHF 1.00 je Aktie. Richemont kündigte zudem ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 10 Mio. Aktien an. Insgesamt übertraf das Zahlenset beim Umsatz sowie bei der Dividende die Markterwartungen, während beim operativen Gewinn mit etwas höheren Resultaten gerechnet worden war.

Julius Bär erwartet deutlich höheren Halbjahresgewinn

Julius Bär veröffentlichte heute ein Update zum Geschäftsverlauf der ersten vier Monate 2026. Die verwalteten Vermögen stiegen dank einer positiven Entwicklung an den Aktienmärkten sowie Netto-Neugeldzuflüssen von CHF 3 Mrd. um 1% auf CHF 528 Mrd. an. Die operative Effizienz konnte verbessert werden. Das Kosten/Ertragsverhältnis reduzierte sich um 500 Basispunkte auf 62%. Gleichzeitig stärkte die Bank ihre Kapitalbasis weiter. Die harte Kernkapitalquote (CET1) erhöhte sich von 17.4% per Ende 2025 auf 18.1%. Der Betriebsertrag erreichte ein Rekordniveau, unterstützt durch die hohen verwalteten Vermögen sowie eine aussergewöhnlich starke Kundenaktivität. Julius Bär rechnet jedoch nicht damit, dass sich die hohe Handelsaktivität aus dem ersten Quartal im weiteren Jahresverlauf fortsetzen wird. Vor dem Hintergrund der starken Entwicklung erwartet Julius Bär für das erste Halbjahr 2026 einen Konzerngewinn, der deutlich über dem Vorjahresniveau liegen dürfte.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.56%; DE: 3.10%; CH: 0.60%

Einmal mehr hat sich gestern das Bild bestätigt, wonach die langfristigen Kapitalmarktrenditen derzeit ein Abbild des Ölpreises darstellen. Hintergrund ist die Sorge vor einem ausufernden Inflationsdruck aufgrund der erhöhten Energiepreise. So stiegen die Renditen gestern im Einklang mit dem Ölpreis an. Mit dem zurückfallenden Ölpreis in den Abendstunden gaben dann jedoch auch die US-Renditen wieder deutlich nach.

Währungen

Euro in Franken: 0.913
US-Dollar in Franken: 0.786
Euro in US-Dollar: 1.162

An den Devisenmärkten blieb es gestern ausgesprochen ruhig. Daran konnten auch die publizierten Konjunkturdaten nichts ändern.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 104.23 pro Fass
Goldpreis: USD 4'525.92 pro Unze

Die Blockade der Strasse von Hormus schüttelt den Ölmarkt regelrecht durcheinander. Gemäss der US-amerikanischen Energieagentur (EIA) sind die Rohöl-Lagerbestände in den USA vergangene Woche um insgesamt 17.8 Millionen Barrel gesunken. Dies ist der grösste wöchentliche Rückgang seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1982. Ins gleiche Horn bläst die internationale Energieagentur (IEA). Sie rechnet im laufenden Quartal wegen der Folgen des Iran-Kriegs mit einem täglichen Rückgang der weltweiten Öllagerbestände um 8.5 Millionen Barrel.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: Einkaufsmanagerindizes PMI (Mai)
Industrie: aktuell: 51.4 (erwartet: 51.8, Vormonat: 52.2)
Dienstleistungen: aktuell: 46.4 (erwartet: 47.8, Vormonat: 47.6)

Gemäss der jüngsten Umfrage von Standard & Poor’s unter Einkaufsmanagerinnen und -managern hat sich die wirtschaftliche Lage in der Eurozone aufgrund der Belastung durch den Krieg im Nahen Osten zuletzt weiter eingetrübt. Dies lag vor allem am Dienstleistungssektor, der unter den kriegsbedingt steigenden Lebenshaltungskosten leidet. Im Industriesektor hingegen wurde erneut Wachstum verzeichnet. Allerdings ist die höhere Nachfrage hauptsächlich auf den Aufbau von Lagerbeständen zurückzuführen, da die Unternehmen aus Angst vor Lieferengpässen und Preissteigerungen vorsichtshalber ihre Lager auffüllten. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Aufwärtstrend in der Industrie nur von kurzer Dauer sein wird.

USA: Einkaufsmanagerindizes PMI (Mai)
Industrie: aktuell: 55.3 (erwartet: 53.8, Vormonat: 54.5)
Dienstleistungen: aktuell: 50.9 (erwartet: 51.2, Vormonat: 51.0)

Gemäss den US-Einkaufsmanagerinnen und Einkaufsmanagern blieb die wirtschaftliche Lage in den USA im Mai weiter stabil. Während der Teilindex für den Industriesektor weiter anstieg, büsste derjenige des Dienstleistungssektors etwas an Boden ein. Weiterhin bleiben jedoch beide Teilindizes über der Marke von 50 Punkten, was Wachstum verspricht. Allerdings zeigt sich auch in den USA ein starker Lageraufbau aufgrund der Sorgen vor Lieferengpässen.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Ihr nächster Schritt

Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.