04. Juni 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Lage im Nahen Osten bremst Aktienmärkte
Die erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran belasteten gestern die Aktienmärkte weltweit. Der SMI konnte sich der negativen Stimmung trotz Unterstützung durch die Pharma-Schwergewichte nicht entziehen und schloss 0.7% tiefer. Heute stehen die Jahreszahlen von Burckhardt Compression im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.66%, SPI: -0.54%, SMIM: -0.26%
Der Schweizer Aktienmarkt liess zur Wochenmitte Federn. Nachdem es in der Nacht zu einem der schwersten Gefechte zwischen den USA und Iran seit dem Beginn der Waffenruhe gekommen war, schalteten die Aktienmärkte weltweit in den Korrekturmodus. Der SMI konnte sich der gedrückten Stimmung nicht entziehen und verlor 0.7%. Im Fokus standen die Aktien von Partners Group, die nach einer Meldung von Bloomberg über die Einschränkung von Rücknahmen bei einem seiner Private Equity Fonds um 16.3% auf ein Mehrjahrestief einbrachen. Nach einem Anstieg der Rücknahmeaufträge beim USD 8.6 Mrd. grossen Global Value Sicav Fonds auf 9.8% des NAV im 2. Quartal, reagierte der Privatmarktspezialist mit einem Rücknahmedeckel von 5%. Damit wird verhindert, dass es bei den illiquiden Vermögenswerten des Fonds zu Verkäufen unter dem Wert kommt. Einen schwachen Tag zogen auch die Titel von Logitech (-5.2%) ein, die nach den starken Kursavancen der letzten Wochen unter Gewinnmitnahmen litten. Unter Druck standen zudem UBS (-1.4%), Richemont (-1.5%) und Lonza (-1.5%). Letztere wurden durch eine verhaltene Analystenstudie belastet. Auf der Gegenseite sorgten die beiden Pharmaschwergewichte Roche (+0.5%) und Novartis (+0.6%) mit moderaten Kursgewinnen für etwas Unterstützung. Etwas Auftrieb spürten zudem Geberit (+0.6%), die von der Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms von bis zu CHF 300 Mio. angetrieben wurden.
Im breiten Markt wurde SMG (-5.2%) im Zuge der weltweiten Schwäche im Softwaresektor in Sippenhaft genommen. Ohne relevante Neuigkeiten deutlich tiefer schloss DMS-Firmenich (-3.3%). Der Konkurrent von Givaudan kommt seit der Doppelkotierung am Schweizer Aktienmarkt nicht auf Touren. Entgegen dem Trend gefragt war Implenia (+7.6%). Das Bauunternehmen profitierte nach dem Investorenupdate vom Vortag von positiven Analystenkommentaren und Anschlusskäufen. Sulzer (+5.7%) erhielt Rückenwind von einer Kurszielerhöhung eines Brokers.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.89%, DAX: -1.31%
Die europäischen Aktienmärkte verloren gestern ebenfalls an Terrain. Die fragile Lage im Nahen Osten und steigende Ölpreise belasteten die Risikobereitschaft an den Börsen. Der EuroStoxx50 sackte um 0.9% ab, während der DAX um 1.3% zurückfiel. Im Rampenlicht standen unter anderem die Aktien des holländischen Lack- und Farbenherstellers Akzo Nobel, die nach einem zurückgezogenen Übernahmeangebot um 10.4% einbrachen. Das Zara-Mutterhaus Inditex überraschte mit den Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsquartal positiv, was die Aktien 1.5% anschob. SAP (-4.3%) wurde vom allgemeinen Ausverkauf bei den Softwarewerten belastetet. Aus Branchensicht führte der Energiesektor im Zuge der gestiegenen Ölpreise das Gewinnerfeld an. Ebenfalls gefragt waren Versorger- und Technologiewerte. Zu den Verlierern zählten Unternehmen aus den Bereichen Immobilien, zyklischer Konsum und Finanzen.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -1.21%, S&P 500: -0.74%, Nasdaq: -0.89%
Die amerikanischen Aktienmärkte schalteten im Zuge der fragilen Lage im Nahen Osten ebenfalls in den Korrekturmodus. Trotz solider Daten aus dem US-Arbeitsmarkt und der US-Industrie kam es nach den jüngsten Rekordständen auf breiter Front zu Gewinnmitnahmen. Der Dow Jones gab um 1.2% nach, während der S&P 500 um 0.7% zurückfiel. Der Nasdaq verlor 0.9%. Entgegen dem Trend weiterhin gefragt waren einige Halbleiter-Werte wie zum Beispiel Intel (+4.4%) oder Marvell Technologies (+3.7%). Trotz einem guten Zahlenset und einem angehobenen Gewinnausblick kam es beim Cybersecurity-Unternehmen Palo Alto (-5.6%) zu Gewinnmitnahmen. Die Aktien von Broadcom gaben im nachbörslichen Handel rund 7% nach, obwohl der Halbeleiterkonzern mit den Quartalszahlen die Erwartungen erfüllte und die Umsatzerwartungen für das laufende Quartal leicht nach oben schraubte.
Unternehmensberichte
Burckhardt Compression verschiebt Mittelfristziele nach Auftragseinbruch
Burckhard Compression präsentierte heute die Zahlen zum verschobenen Geschäftsjahr 2025/26, das per Ende März abgeschlossen wurde. Der Hersteller von Kolbenkompressoren musste beim Auftragseingang einen Rückgang von 31.9% auf CHF 784.3 Mio. hinnehmen. Die Zurückhaltung bei den Kunden führt das Unternehmen unter anderem auf die US-Zollsituation, die geopolitische Situation und den Konflikt im Nahen Osten zurück. Der Umsatz verringerte sich um 3.5% auf CHF 1.1 Mrd. Der operative Gewinn (EBIT) stieg um 0.2% auf CHF 141 Mrd., was einer 40 Basispunkte höhere Marge von 13.3% entspricht. Unter dem Strich verblieb ein 4.3% höherer Reingewinn von CHF 110.1 Mio. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz zwischen CHF 0.9 und 1.0 Mrd. und eine EBIT-Marge von «rund 12%». Die Mittelfristzielsetzung, die zuvor bis ins Jahr 2027/28 einen Umsatz von CHF 1.2 Mrd. und eine Marge zwischen 12% bis 15% anstrebt hat, wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Einen konkreten Zeitrahmen will das Management erst wieder geben, wenn sich die Visibilität auf dem Markt verbessert hat. Das Ergebnis und insbesondere der schwache Auftragseingang und der Ausblick bleiben deutlich unter den Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.48%; DE: 3.03%; CH: 0.43%
Die Kapitalmarktrenditen sind gestern leicht gestiegen, notieren jedoch weiterhin unterhalb den Niveaus vom Mai, als die langfristigen Zinsen in den USA, Europa und der Schweiz erheblich angestiegen waren. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen deutschen Bundesanleihe erreichte Mitte Mai mit 3.2% den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Auch die Rendite der 10-jährigen Eidgenossenanleihe markierte damals mit rund 0.6% ein neues Jahreshöchst.
Währungen
Euro in Franken: 0.917
US-Dollar in Franken: 0.790
Euro in US-Dollar: 1.161
Seit Anfang Juni haben der US-Dollar und der Euro gegenüber dem Franken an Wert gewonnen und handeln aktuell auf Mehrwochenhochs. Ein offensichtlicher Auslöser für die Entwicklung ist nicht ersichtlich. In der zweiten Wochenhälfte richtet sich der Fokus der Devisenhändler auf den Freitagnachmittag. Dann wird der US-Arbeitsmarktbericht für Mai publiziert.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 96.96 pro Fass
Goldpreis: USD 4'480.55 pro Unze
Der Ölpreis der Sorte Brent kratzte gestern kurzzeitig an der 100-Dollar-Marke, gab anschliessend aber wieder nach, nachdem Israel und der Libanon einem Waffenstillstand zugestimmt haben sollen – unter der Bedingung, dass auch die Hisbollah die Kampfhandlungen einstellt. Damit würde ein zentraler Knackpunkt in den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran wegfallen, die in den letzten Wochen nur schleppend vorankamen.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor (Mai)
aktuell: 54.5 (erwartet: 53.8, Vormonat: 53.6)
Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor hat sich im Mai aufgehellt, wie der vom Institute for Supply Management erhobene Einkaufsmanagerindex zeigt. Er liegt damit weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Anstieg ist allerdings fast ausschliesslich dem kräftigen Auftragseingang zu verdanken. Andere Komponenten wie der Auftragsbestand und die Exportaufträge deuten eher auf eine nachlassende Dynamik hin.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Matthias Müller
8021 Zürich
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