08. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Konsolidierung nach Börsenrally
Nach der jüngsten Rally legten die globalen Aktienmärkte gestern eine Pause ein. Heute stehen die Quartalsberichte von Lonza und Clariant im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -1.11%, SPI: -1.01%, SMIM: -0.93%
Der Schweizer Aktienmarkt gab gestern die Gewinne vom frühen Morgen wieder ab und schloss nach beschleunigten Abgaben gegen Handelsende tiefer. Nach wie vor steht das Geschehen im Nahen Osten im Fokus. Die Situation ist nach widersprüchlichen Aussagen der USA und dem Iran zwar weiterhin unklar. Die Aktienkurse und der Ölpreis antizipieren aber teilweise bereits eine baldige Einigung, nachdem US-Präsident Trump diese für in den kommenden Tagen als möglich bezeichnet hatte. Der SMI büsste bis Handelsschluss 1.1% ein. Von den 20 grosskapitalisierten Werten schlossen fünf höher.
Angeführt wurde das Tableau von Logitech (+2.5%), Richemont (+1.8%) und Geberit (+0.8%). Logitech hatte am Mittwoch nach guten Quartalszahlen und starkem Ausblick noch leicht tiefer geschlossen, profitierte aber gestern von zwei Kurszielanhebungen. Tagesverlierer waren Swiss Re (-3.2%), Alcon (-2.9%) und Novartis (-2.0%). Der Rückversicherer zeigte zwar dank tiefen Grossschäden und Naturkatastrophen ein gutes Quartalsergebnis, spürt bei der Vertragserneuerung aber nach wie vor anhaltenden Preisdruck. Ebenfalls unter Abgabedruck standen die Aktien von Swisscom (-0.3%), nach den Quartalszahlen. Der Umsatz in Italien schrumpfte klar um 4.5%.
Der breite Markt wurde von AMS Osram (+29.1%) angeführt. Neben den guten Quartalszahlen liess vor allem die Hoffnung auf neue Geschäfte im Bereich Künstliche Intelligenz die Anleger zugreifen. Auch Ypsomed avancierte um 7.2%. Grund dafür war eine Brokeraufstufung aufgrund von strategischen Entscheidungen des Grosskunden Novo Nordisk, die Entwicklung eines Kombinationspräparats zu stoppen. Montana Aerospace (4.1%) verdoppelte im abgelaufenen Quartal den Reingewinn und bestätigte die Ziele für das Gesamtjahr. In die Gegenrichtung ging es für Valiant (-9.1%). Nach enttäuschendem Gewinnwachstum im 1. Quartal litten die Aktien unter Gewinnmitnahmen.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.90%, DAX: -1.02%
Auch an den europäischen Aktienmärkten gaben die Kurse nach den starken Vortagesgewinnen und der wieder steigenden Vorsicht bezüglich einer raschen Lösung im Iran-Konflikt wieder etwas nach. Der EuroStoxx50 beendete den Handelstag 0.9% tiefer. Der zyklischere deutsche DAX verlor 1.0% und der französische CAC 1.2%. Auf Sektorenstufe konnte nur der Bereich Zyklischer Konsum Gewinn realisieren. Die grössten Verluste realisierten die Branchen Energie, Industrie und Nichtzyklischer Konsum.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.63%, S&P 500: -0.38%, Nasdaq: -0.13%
Nach den jüngsten Kursavancen legten die amerikanischen Aktienmärkte gestern den Rückwärtsgang ein. Nach wie vor ist die weitere Entwicklung der Lage im Nahen Osten unklar. Der Leitindex DowJones schloss 0.6% tiefer. Der breiter gefasste S&P500 gab um 0.4% nach und der technologielastige Nasdaq verlor 0.1%. Im Fokus stand unter anderem das Quartalsupdate von McDonald’s (-0.3%). Die Fast-Foodkette blieb mit dem Wachstum auf bereinigter Fläche hinter den Erwartungen zurück, überzeugte aber mit dem Konzernumsatz und bereinigten Gewinn. Für das laufende 2. Quartal sei nun aber eine Verlangsamung der Umsatzentwicklung erkennbar. Die Aktien von Tesla (+3.1%) legten zu, nachdem die Auslieferungszahlen in China im April um 36% erhöht werden konnten. Die Citigroup (+1.0%) gab an ihrem Kapitalmarkttag bekannt, in den Jahren 2029 bis 2031 eine Rendite auf dem materiellen Eigenkapital von 14% bis 15% anzustreben. Zudem wurde ein neues Aktienrückkaufprogramm über USD 30 Mrd. angekündigt.
Unternehmensberichte
Lonza startet gut ins Geschäftsjahr 2026
Der Auftragsfertiger Lonza veröffentlichte heute Morgen sein Update zum 1. Quartal 2026, wie üblich ohne konkrete Zahlen. Seit Jahresbeginn sei eine starke Entwicklung zu sehen, die von einer hohen Nachfrage in allen Geschäftsbereichen getragen worden ist. Das Wachstum und die Kern-Betriebsgewinnmarge sollen im 1. Halbjahr stärker ausfallen, aufgrund der tieferen Vorjahresbasis. Der verkaufte Geschäftsbereich für Kapseln und Nahrungsergänzung soll im 2. Semester 2026 an die Käuferin Lone Star Funds übergehen. Die erzielten Erlöse von CHF 1.7 Mrd. werden in organisches Wachstum und Zukäufe investiert. Der Jahresausblick wurde bestätigt.
Clariant schrumpft erneut
Das Spezialchemieunternehmen Clariant erzielte im 1. Quartal 2026 einen um 9.4% tieferen Umsatz von CHF 918 Mio. Bereinigt um Währungseffekte lag der Rückgang bei 2.0%, zusammengesetzt aus 0.5% weniger Volumen und einem negativen Preiseffekte von 1.5%. Belastend wirkte vor allem die Portfoliobereinigung im Bereich Care Chemicals. Ohne diese wäre der Rückgang in Lokalwährung bei 0.5% gelegen. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA legte hingegen um 3.4% auf CHF 157.8 Mio. zu. Die entsprechende EBITDA-Marge stieg um 210 Basispunkte auf 17.2%. Ohne positive Einmaleffekte resultierte aber auch auf Stufe EBITDA ein Rückgang von 15.9% auf CHF 10.2 Mio. Der Ausblick für das Gesamtjahr und die Mittelfristziele wurden bestätigt. Das Ergebnis lag leicht unter den Analystenerwartungen.
Mobimo mit neuen Mittelfristzielen
Im Vorfeld des heutigen Investorentagen gab das Immobilienunternehmen Mobimo neue Mittelfristziele bekannt. Für 2026 bis 2030 werden zusätzliche Mieteinnahmen von rund CHF 17 Mio. erwartet. Gegenüber 2025 sollen die Mieterträge um über 10% zulegen. Aus dem Erfolg von Entwicklungen werden über CHF 20 Mio. erwartet. Bis 2030 soll das Immobilienportfolio auf über CHF 4.5 Mrd. ansteigen von heute CHF 3.9 Mrd. Der Anteil der Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien soll bis 2030 auf 50% steigen.
Jungfraubahn leidet unter Iran-Krieg
Heute Morgen teilte die Jungfraubahn-Gruppe mit, dass sie weiterhin unter dem Konflikt im Nahen Osten leidet. Die Besucherfrequenz ging in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 über alle Segmente um 5.7% zurück. Für die Reisen auf das Jungfraujoch ging die Besucherzahlen gar um 12.3% zurück. Im Bereich Erlebnisberge lag der Rückgang bei 9.6%. Die Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2026 dürften daher nicht vollständig erreicht werden. Die Finanzziele 2030 werden weiterhin bestätigt.
Audio-Podcast der SGKB
In der neusten Ausgabe unseres Podcasts sprechen die Strategieanalysten Patrick Häfeli und Roman Elbel über den Krieg im Nahen Osten, dessen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und wie die Zentralbanken auf die jüngst gestiegenen Inflationsraten reagieren werden.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.39%; DE: 3.00%; CH: 0.39%
Es bleibt das Dauerthema an den Märkten: Wann kommt es zu einer Verständigung der Kriegsparteien im Nahen Osten? Die Renditen langlaufender Staatsanleihen stiegen gestern angesichts des höheren Ölpreises wieder leicht an. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe legte im Tagesverlauf um rund fünf Basispunkte zu. Auch in der Schweiz und in Europa zogen die langfristigen Zinsen leicht an. Im Fokus der Märkte steht zudem der heute anstehende US-Arbeitsmarktbericht, der Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank liefern dürfte.
Währungen
Euro in Franken: 0.915
US-Dollar in Franken: 0.780
Euro in US-Dollar: 1.173
Auch an den Devisenmärkten bleibt die fragile Waffenruhe im Nahen Osten im Fokus. Der US-Dollar legte gestern im späten Handel zusammen mit dem Ölpreis zu. Ein Muster, das seit Ausbruch des Kriegs im Iran Ende Februar immer wieder zu beobachten ist. Eine klare Trendumkehr nach der Dollarschwäche vom Vorjahr ist aber nicht erkennbar. Im Vergleich zu Anfang 2026 liegt der Greenback gegenüber dem Schweizer Franken weiterhin im Minus (-1.5%). Das Währungspaar EUR/CHF bewegt sich in einer engen Handelsspanne um 0.915. Die SNB dürfte eine übermässige Frankenstärke bremsen, ohne den grundlegenden Trend umzukehren. Die Märkte könnten bei einer weiteren Frankenstärke austesten, wie entschlossen die Nationalbank tatsächlich eingreifen würde.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 101.76 pro Fass
Goldpreis: USD 4'718.45 pro Unze
Die Nordseeölsorte Brent verteuerte sich zeitweise um bis zu 3% auf knapp 103 US-Dollar pro Barrel. Auslöser waren US-Angriffe auf militärische Ziele im Iran, nachdem iranische Kräfte laut dem US-Zentralkommando Centcom amerikanische Zerstörer in der Strasse von Hormus ins Visier genommen hatten. Gleichzeitig wurde betont, man strebe keine weitere Eskalation an, sei jedoch bereit, US-Streitkräfte zu schützen. US-Präsident Trump sagte zudem, die Waffenruhe mit dem Iran gelte weiterhin. Zugleich warnte er den Iran vor einer deutlich härteren Reaktion, falls nicht rasch ein Abkommen unterzeichnet werde. Trotz der jüngsten Entwicklung handelt Brent-Öl auf Wochensicht weiterhin rund 6% tiefer.
Der Goldpreis befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Unterstützung erhält das Edelmetall weiterhin von der robusten strukturellen Nachfrage. Vor allem die anhaltenden Käufe der Zentralbanken wirken stützend. Die chinesische Notenbank hat ihre Goldreserven im April offiziell um 8 Tonnen aufgestockt und damit den höchsten Monatswert seit 2024 erreicht.
Wirtschaft und Konjunktur
Schweiz: Arbeitslosenrate (April)
aktuell: 3.0% (erwartet: 3.1%, Vormonat: 3.1%)
Die Arbeitslosenrate in der Schweiz ist im April auf 3.0% gesunken. Der Rückgang hat jedoch vorwiegend saisonale Gründe. Die um saisonale Effekte bereinigte Arbeitslosenquote verharrte bei 3.0% und liegt damit 1.1 Prozentpunkte über dem Tiefststand der letzten 20 Jahre vom Frühjahr 2023.
Auch in den USA steht heute Nachmittag der US-Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. Für den April wird ein Stellenwachstum von 65'000 erwartet.
Tobias Kistler
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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