03. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Iran-Konflikt sorgt für Nervosität an den Märkten
Die Eskalation in Nahost belastete die Aktienmärkte und liess den Ölpreis deutlich steigen. Im Fokus stehen heute die Jahreszahlen von Bucher, Kühne + Nagel, SIG und VAT.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -1.29%, SPI: -1.18%, SMIM: -1.08%
Nach Angriffen der USA und Israels auf iranische Ziele sowie iranischen Vergeltungsschlägen gegen Israel und andere Länder der Region reagierten die Börsen mit Verlusten. Zusätzlichen Druck erzeugte der deutlich gestiegene Ölpreis, der die Unsicherheit an den Märkten verstärkte. Der Leitindex SMI konnte die anfänglichen deutlichen Verluste im Handelsverlauf etwas eindämmen und schloss letztlich 1.3% tiefer. Der marktbreite SPI verlor 1.2% und der klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen umfassende SMIM gab 1.1% nach.
Von den 20 SMI-Werten notierten zwei in der Gewinnzone. An der Spitze notierte Kühne + Nagel (+1.5%). Der Logistiker könnte von steigenden Frachtraten profitieren, sollte es infolge der Iran-Eskalation zu Störungen oder Umwegen in wichtigen Schifffahrtsrouten wie der Strasse von Hormus kommen. Leicht zulegen konnte Amrize (+0.04%), die sich dank ihres klaren US-Fokus dem negativen Marktumfeld weitgehend entziehen konnte. Besonders stark unter Druck standen die Luxusgüterhersteller. Richemont (-5.7%) war der grösste Verlierer und auch Konkurrentin Swatch (-6.5%) gab deutlich nach. In geopolitisch angespannten Phasen leidet die Nachfrage nach Luxusgütern erfahrungsgemäss besonders stark. Die mögliche Konjunktureintrübung setzte auch Bautitel unter Druck, wobei Holcim, Geberit und Sika zwischen 1.3% und 2.6% verloren. Die defensiven Schwergewichte standen ebenfalls unter Druck: Nestlé (-0.9%) und Roche (-1.1%) gaben im Einklang mit dem Markt nach, während sich Novartis (-0.4%) etwas besser behaupten konnten.
Am breiten Markt gerieten Avolta und Flughafen Zürich unter Druck. Avolta verlor 6.5% wegen der Unsicherheit im Reiseverkehr, Flughafen Zürich 3.3% aufgrund der Einschränkungen im Nahost-Flugraum. Mit einem Kurssprung von 22.5% ist gestern Leonteq aufgefallen. Raiffeisen Schweiz hat seine Leonteq-Anteile in der Höhe von 22.7% an die H21 Macro Limited des bestehenden Grossaktionärs Rainer Marc Frey sowie an vier weitere private Investoren verkauft. Nach der Publikation der Geschäftszahlen standen die Aktien von Aryzta auf dem Einkaufszettel, da der Backwarenhersteller mit einem überzeugenden Ausblick sowie der definitiven Ernennung von Verwaltungsratspräsident und Interims-CEO Urs Jordi zum dauerhaften Konzernchef positiv überraschte. Nach einem verhaltenen Zahlenset zeigten sich die Aktien von Gurit unverändert. Gesucht waren die Papiere von Ypsomed (+3.0%), nachdem das Unternehmen gestern eine neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu CHF 150 Mio. (3.66% des Aktienkapitals) ankündigte.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -2.47 %, DAX: -2.56%
Die europäischen Aktienmärkte standen nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran unter erheblichem Druck. Unter den europäischen Leitindizes verzeichneten der spanische IBEX 35 und der deutsche DAX (je -2.6%) die grössten Abgaben. Es folgten der länderübergreifende EuroStoxx50 (-2.5%), der italienische FTSE MIB (-2.0%) sowie der britische FTSE 100 (-1.2%). Auf Sektorenebene stand insbesondere der Sub-Bereich Reisen & Freizeit erheblich unter Druck, angeführt von TUI (-9.9%) sowie Fluggesellschaften wie Air France-KLM (-9.4%) und Easyjet (-3.0%). Autoaktien gaben ebenfalls deutlich nach: Mercedes, Volkswagen, BMW, Renault und Stellantis verloren zwischen 4.0% und 7.2% an Wert. Belastet wurden Reise- und Autoaktien durch Sorgen über steigende Ölpreise, Nachfragerückgänge und Lieferkettenstörungen. Dagegen profitierten Öl- und Gaswerte wie Eni (+3.6%), TotalEnergies (+3.1%), Shell (+2.7%) und BP (+2.1%) sowie Rüstungswerte wie BAE Systems (+3.1%) deutlich.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.15%, S&P 500: +0.04%, Nasdaq: +0.36%
Die US-Aktienmärkte zeigten sich trotz des Krieges im Iran stabil. Während der Leitindex Dow Jones leichte Abgaben von 0.2% verzeichnete, konnten der marktbreite S&P500 (+0.04%) und der technologielastige Nasdaq sogar leichte Gewinne verzeichnen. Die Publikation des ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie, welcher die Stimmung in der US-Industrie widerspiegelt, sendete gemischte Signale und war nur bedingt ein Impulsgeber. Gesucht waren Öl- und Rüstungspapiere. ConocoPhillips legten um 4.2% zu, während ExxonMobil und Chevron je rund 1.0% an Wert gewannen. Die Rüstungsaktie RTX avancierte um 4.7% und die von Lockheed Martin um 2.8%.
Unternehmensberichte
Kühne + Nagel mit Gewinnrückgang und tieferer Dividende
Kühne + Nagel musste 2025 einen Umsatzrückgang von 1% auf CHF 24.48 Mrd. verzeichnen, was vor allem auf den schwachen US-Dollar zurückzuführen war. Währungsbereinigt hätte ein Plus von 3% resultiert. Trotz des anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds behauptete der Frachtlogistiker seine Marktführerschaft bei den See- und Luftfrachtvolumen. Der um die volatilen Frachtraten bereinigte Rohertrag erhöhte sich indes um 2% auf CHF 8.8 Mrd. Demgegenüber sank der EBIT deutlich um 25% auf CHF 1.24 Mrd. In der Folge reduzierte sich auch die Konversionsmarge (Verhältnis von Rohertrag zu EBIT) um 300 Basispunkte auf 16%. Das angekündigte Kosteneinsparungsprogramm in Höhe von CHF 200 Mio. wurde im vierten Quartal zügig umgesetzt. Der Reingewinn verringerte sich ebenfalls um 25% auf CHF 925 Mio. Kühne + Nagel schlägt eine um CHF 2.25 gekürzte Dividende von CHF 6 je Aktie vor. Belastet wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr insbesondere durch US-Zölle sowie eine verhaltene globale Konsumnachfrage, was zu Überkapazitäten und entsprechendem Margendruck führte. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 stellt das Management einen EBIT in der Bandbreite von CHF 1.2 bis CHF 1.4 Mrd. in Aussicht. Insgesamt präsentiert sich das Zahlenset durchzogen. Vor allem der Dividendenvorschlag bleibt hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer zurück.
VAT erwartet strukturelle Wachstumsphase für Chips
Der Halbleiterzulieferer VAT steigerte den operativen Gewinn auf Stufe EBITDA im vergangenen Jahr um 9.5% auf CHF 321.6 Mio. Die entsprechende EBITDA-Marge ging um 120 Basispunkte auf 30% zurück. Unter dem Strich resultierte ein 1.2% höherer Reingewinn von CHF 214.3 Mio. Der freie Cashflow lag 25.8% höher bei CHF 230.4 Mio. Wie schon Anfang Januar bekanntgegeben wuchs der Umsatz um 14% auf CHF 1.07 Mrd. Der Auftragseingang lag unverändert bei CHF 1'033 Mio., beschleunigte sich im Schlussquartal aber um rund einen Drittel. Die Zahlen lagen innerhalb der Analystenerwartungen. Die Dividende soll von CHF 6.25 auf CHF 7.00 je Aktie angehoben werden. Für das laufende Jahr erwartet VAT höhere Werte in allen Bereichen. Für das laufende 1. Quartal 2026 wird ein Umsatz von CHF 240 bis 260 Mio. und eine Book-to-Bill Ratio (Auftragseingang im Verhältnis zum Umsatz) von klar über 1x erwartet. VAT sieht, dass die globalen Halbleitermärkte die Marke von USD 1 Billion bereits im Jahr 2027 überschreiten werden.
Bucher hält Dividende stabil und blickt zuversichtlich auf 2026
Nachdem Bucher Industries bereits im Januar die Umsatzzahlen vorgelegt hatte, folgte heute das vollständige Zahlenset. Der Umsatz des Herstellers von Landmaschinen und Gemeinde-Fahrzeugen sank im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024 um 7.6% auf CHF 2.91 Mrd. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte resultierte ein Rückgang von 5.7%. Der operative Gewinn (EBIT) sank um 0.4% auf CHF 281 Mio. Die entsprechende Marge stieg um 70 Basispunkte auf 9.7%. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von CHF 235 Mio., was einem Anstieg von 3.4% im Vorjahresvergleich entspricht. Der Generalversammlung wird eine Dividende wie im Vorjahr von CHF 11 pro Aktie vorgeschlagen. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet Bucher eine anhaltende Nachfrageerholung, trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten. Insgesamt rechnet das Management mit einem stabilen Umsatz auf vergleichbarer Basis sowie einer Betriebsgewinnmarge auf Vorjahresniveau, bereinigt um einen einmaligen Grundstückverkauf im letzten Geschäftsjahr. Zudem gab Bucher bekannt, dass der Verwaltungsratspräsident Urs Kaufmann an der kommenden Generalversammlung zurücktritt. Er soll durch Stefan Scheiber ersetzt werden, der bereits Mitglied im Verwaltungsrat von Bucher ist. Mit dem vorgelegten Zahlenset übertrifft Bucher die Markterwartungen.
Umsatz leicht über Erwartungen, Transformationskosten drücken auf Ergebnis
SIG musste im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 2.4% auf EUR 3'248.7 Mio. hinnehmen, was auf den starken Schweizer Franken zurückzuführen ist. In Lokalwährung wäre ein leichtes Wachstum von 0.4% erzielt worden. Der adjustierte operative Gewinn (EBIT) sank von EUR 550.5 Mio. im Vorjahr auf EUR 442.2 Mio. Die entspricht einer um 290 Basispunkte tieferen EBIT-Marge von 13.6%. SIG hat im abgelaufenen Jahr ein Transformationsprogramm angestossen. Wenn die daraus resultierenden einmaligen Kosten im Betriebsgewinn nicht berücksichtigt werden, dann erzielte SIG einen bereinigten Gewinn von EUR 511.5 Mio. bei einer Marge von 15.7%. Unter dem Strich resultierte ein Reinverlust von EUR 87.0 Mio. nach einem Reingewinn von EUR 194.5 Mio. im Geschäftsjahr 2024. Wie bereits angekündigt soll die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 gestrichen werden. Das Management bestätigt die bereits kommunizierten Ziele für das laufende Geschäftsjahr. SIG erwartet währungsbereinigt und zu konstanten Kunststoffpreisen ein Umsatzwachstum von 0% bis 2%. Zudem wird eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 15.7% und 16.2% anvisiert. Auch die mittelfristigen Ziele bestätigt das Management um den neuen CEO Mikko Keto. Dabei wird ein Umsatzwachstum von 3% bis 5% sowie eine bereinigte EBIT-Marge von über 16.5% angepeilt. Mit den publizierten Zahlen hat SIG die Erwartungen auf Stufe Umsatz leicht übertroffen und die Marge erreicht.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.06%; DE: 2.71%; CH: 0.26%
Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen stieg gestern um 10 Basispunkte. Trotz erhöhter Unsicherheit waren die als sicher geltenden Staatspapiere nicht gefragt. Hintergrund sind erneut aufgeflammte Inflationssorgen: Der Anstieg des Ölpreises schürte Befürchtungen, dass der Preisauftrieb wieder zunehmen und sich mögliche Zinssenkungen in den USA weiter verzögern könnten. Am Nachmittag verstärkten neue Industriedaten den Renditeanstieg, da sie einen überraschend deutlichen Anstieg der Einkaufspreise signalisierten. Auch in Europa und der Schweiz legten die Renditen zum Wochenstart zu.
Währungen
Euro in Franken: 0.911
US-Dollar in Franken: 0.781
Euro in US-Dollar: 1.166
Der US-Dollar profitierte gestern von seiner Stellung als Weltleitwährung. Zusätzlich stützten ihn Inflationssorgen im Zusammenhang mit dem steigenden Ölpreis. Der Schweizer Franken wurde seinem Ruf als «sicherer Hafen» zunächst gerecht. Nachdem die Schweizerische Nationalbank jedoch erklärte, sie sei bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens zu verhindern, schwächte sich die Schweizer Währung am Nachmittag wieder ab. Der US-Dollar hat seit Freitag gegenüber dem Franken rund einen Rappen zugelegt und notiert aktuell wieder über 0.78 Franken.
Rohwarenmärkte
Ölpreis WTI: USD 72.91 pro Fass
Goldpreis: USD 5'310.97 pro Unze
Die Eskalation im Nahen Osten hat den Ölpreis gestern deutlich steigen lassen. Die US-Sorte WTI legte um 6.3% zu, die Nordseesorte Brent um 7.3%. Auf Sicht von 12 Monate beläuft sich das Plus auf 6.5% bei WTI und 12.4% bei Brent. Noch stärker zogen die europäischen Erdgaspreise an (+39.2%). Trotz dieses kräftigen Anstiegs liegen sie damit lediglich auf dem Niveau von vor einem Jahr. Hintergrund sind die zunehmenden Sorgen um die Strasse von Hormus, durch die täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte abgewickelt wird. Eine längere Blockade könnte den Energiemarkt entsprechend spürbar belasten.
Der Goldpreis profitierte von der Suche nach Sicherheit und stieg um 0.8%.
Wirtschaft und Konjunktur
Schweiz: Einkaufsmanagerindex Industrie (Februar)
aktuell: 47.4 (erwartet: 49.8, Vormonat: 48.8)
Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich im Februar weiter verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) ist auf 47.4 Punkte gesunken und notiert damit bereits den 38. Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Produktion wurde wieder zurückgefahren, nachdem sie im Januar kurzzeitig etwas zugenommen hat. Zudem hat sich der Rückgang des Auftragsbestandes beschleunigt. Die Beschäftigungssituation bleibt angespannt.
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (Februar)
aktuell: 52.4 (erwartet: 51.5; Vormonat: 52.6)
Die Dynamik im US-Industriesektor blieb im Februar insgesamt positiv. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) gab zwar leicht nach, notiert jedoch weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Auch der Auftragseingang verzeichnete erneut Zuwächse. Gleichzeitig berichten die befragten Unternehmen von steigenden Einkaufspreisen. Die Beschäftigungsaussichten verbesserten sich zwar leicht, bleiben insgesamt jedoch verhalten.
Tobias Kistler
8021 Zürich
Angela Truniger
8021 Zürich
Céline Koster
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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