13. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Iran-Konflikt sorgt erneut für Unruhe

Die Rally an den US-Aktienmärkten wurde gestern von fehlenden Fortschritten im Iran-Konflikt und höher als erwarteten April-Inflationszahlen unterbrochen. Der Schweizer Aktienmarkt schloss dank Unterstützung durch die defensiven Schwergewichte leicht im Plus. Heute stehen die Quartalsberichte von Zurich Insurance, Sunrise und Adecco im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.14%, SPI: +0.04%, SMIM: -0.17%

Unterstützt durch die defensiven Schwergewichte machte der Schweizer Aktienmarkt seine Auftaktverluste im Tageverlauf wett und schloss gestern trotz schwachem Umfeld leicht im Plus. Die Hoffnungen auf einen baldigen Verhandlungserfolg zwischen den USA und Iran erhielten nach den jüngsten Äusserungen von Donald Trump einen Dämpfer. Entsprechend war die Börsenstimmung weltweit von Vorsicht geprägt. Der SMI beendete den Handelstag schliesslich entgegen dem Trend 0.1% höher.

Eine wichtige Stütze waren die drei Schwergewichte Roche (+0.7%), Nestlé (+1.6%) und Novartis (+1.9%), die von der gestiegenen Risikoaversion am Markt profitierten. Tagesgewinner waren Alcon (+2.9%), die nach den deutlichen Kursverlusten im Zuge der Quartalszahlen gestern eine kleine Gegenbewegung zeigten. Gefragt waren zudem die Aktien von Kühne + Nagel (+0.5%). Sie erhielten Rückenwind von optimistischen Aussagen des dänischen Konkurrenten DSV im Rahmen eines Kapitalmarkttages. Auf der Gegenseite gehörte neben Zyklikern wie Sika (-1.8%) und ABB (-2.9%) auch Swiss Re (-3.5%) zu den Tagesverlierern. Der Rückversicherer wurde nach durchzogenen Zahlen des Branchennachbarn Munich Re in Sippenhaft genommen. Noch weiter hinten im Tableau standen Logitech (-5.3%), die nach der starken Entwicklung der letzten Wochen unter Gewinnmitnahmen litten.

Im breiten Markt reagierten Tecan zunächst mit Kursavancen von bis zu 5% auf den gestern vorgelegten Zwischenbericht und die bestätigten Jahresziele, gaben aber einen Teil wieder her und beendeten den Handelstag schliesslich 2.8% höher. Verhalten aufgenommen wurde der Quartalsbericht von PSP (-0.7%). Für kritische Kommentare sorgte beim Immobilienunternehmen vor allem die leicht gestiegene Leerstandsquote. Clariant (-6.5%) und Georg Fischer (-3.7%) standen nach negativen Brokerkommentaren unter Verkaufsdruck. An der Generalversammlung von Swatch (+2.7%) scheitere der aktivistische Investor Steven Wood erneut mit seinem Versuch, sich als Vertreter der Inhaberaktionäre in den Verwaltungsrat wählen zu lassen. Einen Kurssprung von 9.3% machte SoftwareOne, nachdem der IT-Dienstleister mit seinem Quartalsbericht positiv überraschte und zudem die Jahresziele nach oben revidierte.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.48%, DAX: -1.62%

Die europäischen Aktienmärkte setzten ihre jüngste Konsolidierung fort und schlossen deutlich tiefer. Die fehlenden Fortschritte im Iran-Konflikt belasteten die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer. Im Mittelpunkt standen zudem einige Zahlen aus der bald auslaufenden Quartalsberichtssaison. Der EuroStoxx50 schloss 1.5% tiefer, während der DAX um 1.6% zurückfiel. Für Aufmerksamkeit sorgten unter anderem die Quartalszahlen von Munich Re (-6.1%), die etwas unter den Erwartungen blieben. Zudem äusserte sich der Rückversicherer verhalten zur jüngsten April-Preisrunde. Gewinnmitnahmen belasteten die Aktien von Siemens Energy (-5.1%). Das Energietechnikunternehmen konnte die hohen Erwartungen mit seinem Quartalsbericht nicht ganz erfüllen. Eine positive Reaktion löste der Quartalsbericht von Bayer (+3.7%) aus. Der Agrochemie- und Pharmakonzern übertraf dank einem guten Jahresstart und dem laufenden Sparprogramm die Erwartungen. Ein Minus von 7.2% setzte es für Vodafone ab, nachdem der britische Telekomkonzern in Deutschland einen deutlichen Kundenrückgang vermeldete und die Quartalserwartungen verpasste. 

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.11%, S&P 500: -0.16%, Nasdaq: -0.71%

Die amerikanischen Aktienmärkte wurden von der Sorge um eine erneute militärische Eskalation im Iran gebremst. Dazu kam der deutliche Anstieg der Inflation, die wegen der höheren Energiepreise im Vorjahresvergleich auf 3.8% kletterte und damit etwas stärker stieg als von den Marktbeobachtern erwartet worden war. Im Vormonat lag die Teuerung noch bei 3.3%. Verkauft wurden vor allem Technologieaktien und insbesondere die gut gelaufenen Halbleiteraktien. Der technologielastige Nasdaq fiel entsprechend um 0.7% zurück. Der S&P 500 konnte zwischenzeitliche Verluste im späteren Handelsverlauf fast wettmachen und schloss 0.2% tiefer. Der Dow Jones schaffte es sogar noch leicht ins Plus und ging 0.1% höher aus dem Handel. Zu den schwächsten Aktien gehörten die Halbleiterunternehmen Qualcomm (-11.5%) und Intel (-6.8%), die nach ihren enormen Kursanstiegen unter Gewinnmitnahmen litten. Das Telemedizinunternehmen Hims & Hers verfehlte mit den Quartalszahlen die Analystenerwartungen, worauf die Aktie um 14.1% einbrach. Noch deutlicher ging es für den Sportartikelhersteller Under Armour nach unten, der nach enttäuschenden Zahlen um 17.2% absackte.

Unternehmensberichte

Zurich Insurance übertrifft mit Eckdaten die Erwartungen

Zurich Insurance veröffentliche heute einige Eckdaten zum 1. Quartal 2026. Der Versicherungskonzern steigerte die Bruttoprämien im Schaden- und Unfallbereich um 11% auf USD 15.6 Mrd. Auf vergleichbarer Basis entsprach dies einem Plus von 8%. Im Lebensversicherungsgeschäft legten die Bruttoprämien um 5% auf USD 9.85 Mrd. zu. Auf vergleichbarer Basis nahmen die Prämien hingegen wegen einem Rückgang im Geschäft mit Sparprodukten um 5% ab. Beim US-Landwirtschaftsversicherer Farmers stiegen die Bruttoprämien um 4% auf USD 7.72 Mrd. Die Gebühreneinnahmen stiegen ebenfalls um 4% auf USD 1.02 Mrd. Die Solvenzquote des Versicherers verbesserte sich dank der im März abgeschlossenen Kapitalerhöhung für die Übernahme von Beazley auf 265%, im Vergleich zu 259% per Ende 2025. Gewinnzahlen wird das Unternehmen erst wieder mit den Halbjahreszahlen vorlegen. In Bezug auf die Zielsetzung bis 2027 sieht sich das Management auf Kurs. Aus dem Iran-Konflikt werden keine wesentlichen Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf erwartet. Der Zwischenbericht übertrifft die Erwartungen der Analysten.

Sunrise nach gutem Quartal auf Jahreszielkurs

Sunrise vermeldete für das 1. Quartal 2026 ein minimales Umsatzwachstum von 0.1% auf CHF 722.8 Mio. Ein Rückgang im Geschäft mit Internet-Kunden konnte durch Wachstum in den Bereichen Mobilefunk und Geschäftskunden kompensiert werden. Der operative Betriebsgewinn (EBITDAaL) erhöhte sich dank Sparmassnahmen im Bereich Beratungs- und IT-Kosten um 2.5% auf CHF 245.9 Mio. Unter dem Strich musste das Telekomunternehmen ein Reinverlust von CHF 39.4 Mio. hinnehmen, nach einem Verlust von CHF 1.3 Mio. im Vorjahr. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr 2026 wurde bestätigt. Demnach rechnet Sunrise mit einem stabilen Umsatz und einem Betriebsgewinn von rund CHF 1.0 Mrd. Beim bereinigten Free Cashflow setzt sich das Management ein Ziel von CHF 380 bis 400 Mio., was eine Dividende von CHF 3.49 pro Aktie ermöglichen soll. Das Zahlenset übertrifft die Analystenerwartungen deutlich.

Adecco mit beschleunigtem Wachstum im Startquartal

Adecco steigerte den Umsatz im 1. Quartal 2026 um 2% auf EUR 5.66 Mrd. Bereinigt um Währungseinflüsse und die Anzahl Arbeitstag erreichte der Personaldienstleister ein Wachstum von 5.3% und lag damit über dem 4. Quartal 2025, als ein Anstieg von 3.9% erreicht worden war. Die Bruttomarge verringerte sich wegen Mixeffekten von 19.4% im Vorjahr auf 18.8%. Der operative Gewinn auf Stufe EBITA kletterte dagegen um 12% auf EUR 148 Mio. nach oben. Die bereinigte EBITA-Marge verbesserte sich um 20 Basispunkte auf 2.6%, was neben dem Volumenwachstum vor allem Preisanpassungen und Kostenmassnahmen zu verdanken war. Der verbleibende Reingewinn belief sich auf EUR 69 Mio., nach einem Verlust von 60 Mio. im Vorjahresquartal. Für das laufende 2. Quartal rechnet Adecco im Vorjahresvergleich mit einer leicht tieferen Bruttomarge und etwas höheren Kosten als im 1. Quartal. Der Zwischenbericht erreicht die Analystenerwartungen beim Reingewinn und übertrifft sie bei Umsatz und EBITA.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.46%; DE: 3.10%; CH: 0.46%

Die festgefahrene Situation am Persischen Golf und deren Folgen für die Weltwirtschaft bleiben an den Kapitalmärkten das dominierende Gesprächsthema. In den USA sind die Verbraucherpreise im April um 3.8% gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Mit dem neuesten Inflationsbericht stiegen gestern auch die Renditen langjähriger Staatsanleihen. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe erreichte mit 4.46% ein neues Jahreshoch. Auch die Pendants aus Deutschland und der Schweiz handeln wieder auf ihren Jahreshöchstständen.

Währungen

Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.780
Euro in US-Dollar: 1.173

Die gestiegene US-Inflation verlieh dem US-Dollar gestern etwas Auftrieb, da damit die Zinssenkungsdebatte einen weiteren Dämpfer erhalten hatte. Das EUR/CHF-Währungspaar trat hingegen gestern unterhalb von 0.92 mehr oder weniger auf der Stelle. Mit Blick auf die Entwicklung im laufenden Jahr haben sowohl der US-Dollar als auch der Euro gegenüber dem Franken rund 1.5% seit Jahresbeginn verloren. Heute könnte das Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping neue Impulse am Devisenmarkt auslösen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 106.32 pro Fass
Goldpreis: USD 4'702.23 pro Unze

Die Nordseeölsorte Brent setzte gestern ihren Aufwärtstrend der Vortage fort. US-Präsident Donald Trump sagte zuletzt, die Waffenruhe mit Iran hänge am seidenen Faden, als Reaktion auf Teherans Haltung zu einem US-Vorschlag. Die Strasse von Hormus ist inzwischen seit zweieinhalb Monaten grösstenteils blockiert. Ob China in dieser Frage vermitteln kann, dürfte sich beim heute beginnenden Treffen zwischen Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking zeigen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflationsrate (April)
aktuell: 3.8% (erwartet: 3.7%, Vormonat: 3.3%)

Die Preise in den USA sind im April deutlich gestiegen, wobei der Anstieg der Inflationsrate fast ausschliesslich auf die Energiepreise zurückzuführen ist. Diese legten im Jahresvergleich um 17.9% zu, die Benzinpreise stiegen sogar um 29.2%. Die Frage bleibt, wie stark sich die indirekten Effekte des hohen Erdölpreises über höhere Transportkosten und teurere Vorprodukte noch in der Inflationsrate zeigen werden. Die Kernrate ohne die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise ist im April um 0.2 Prozentpunkte auf 2.8% gestiegen.

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

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