11. Mai 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Inflation beschert der SNB kein Kopfweh

Die Inflation in der Schweiz ist im April von 0.3% auf 0.6% gestiegen. Die Kernrate ist mit 0.3% jedoch immer noch tief. Für die SNB sind das keine Argumente, in nächster Zeit eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen.

Im Fokus

Die Inflation in der Schweiz ist im April von 0.3% auf 0.6% gestiegen. Dies entspricht den Erwartungen. Teurer geworden sind vor allem Erdölprodukte und Telekommunikationsdienste. Die Kernrate ist mit 0.3% immer noch tief. Der Inflationsdruck ist gering. Dabei ist anzumerken, dass die gestiegenen Energiepreise sich zuerst durch den Produktionsprozess durchfressen müssen, bis sie in der Breite bei den Konsumenten ankommen. In anderen Industrieländern sieht es anders aus. In den USA hält sich die Kerninflation auch noch stabil. Die Inflationsrate ist im März jedoch schon deutlich auf hohe 3.3% gestiegen und wird weiter zulegen. In Deutschland nähert sich die Inflationsrate ebenfalls rasch der 3%-Marke.

Preisstabilität nicht in Gefahr

Die Obergrenze des Zielbandes der SNB für die Inflation von 2.0% ist in weiter Ferne und wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erreicht, auch wenn der Erdölpreis länger auf dem aktuellen Niveau bleiben sollte. Dennoch hat die SNB ihre Haltung zum Franken geändert. Zu Beginn des Krieges im Iran hat die SNB unmissverständlich klar gemacht, dass sie eine Aufwertung des Frankens durch Interventionen verhindern wird. Mittlerweile hat die SNB durchblicken lassen, dass sie einen stärkeren Franken zulassen will. Wertet der Franken auf, drückt das die Importpreise und hilft, den Einfluss der höheren Energiepreise auf die Inflationsrate zu dämpfen. Zudem wird die Inflationsdifferenz zum Ausland zunehmen, was der Schweizer Exportwirtschaft einen Kostenvorteil verschaffen wird.

Nichts Neues von der Konjunktur

Die Zweiteilung der Schweizer Wirtschaft hält an. Die Situation für die Industrie ist unvermindert schwierig und wird sich so schnell nicht verbessern. Sie leidet als Zulieferer unter der Schwäche der deutschen Wirtschaft, vor allem der Autoindustrie, und unter den Zöllen Trumps. Der Unterbruch der globalen Logistik durch die Schliessung der Strasse von Hormus hilft auch nicht. Auf der anderen Seite steht die Binnenwirtschaft, die sich gut entwickelt. Das gilt insbesondere für die Bauwirtschaft, die von den tiefen Zinsen und dem boomenden Immobilienmarkt sowie von den Investitionen in die Infrastruktur profitiert. Der private Konsum hält sich ebenfalls solide. Für die SNB bedeutet das, dass sie sich bei der Gestaltung der Geldpolitik auf die Inflationsentwicklung konzentrieren kann.

Zinserhöhung der SNB zu Unrecht erwartet

Wenn man die Futures auf den Saron-Zinssatz als Massstab nimmt, erwarten die Investoren im Dezember oder spätestens im nächsten März die erste Erhöhung des Leitzinses durch die SNB. Die Zinsen am Kapitalmarkt widerspiegeln diese Erwartung nur bedingt. Die Renditen der Obligationen mit einer längeren Laufzeit sind nach wie vor tief und bewegen sich in einem engen Band. Die Erfahrungen von 2022 zeigten, dass die längeren Zinsen rasch und deutlich ansteigen, wenn höhere Leitzinsen der SNB vor der Tür stehen. Es gibt für die SNB kein Argument, in nächster Zeit eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen. Wir erwarten eine solche frühestens im zweiten Halbjahr des nächsten Jahres. Sollte die EZB bei ihren nächsten Sitzungen ihrerseits ihre Zinsen anheben, muss die SNB nicht nachziehen. Die EZB hat mit der hohen Inflationsrate in der Eurozone und mit der Erinnerung an den starken Inflationsschub nach Covid eine andere Ausgangslage.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.02%, S&P500: +0.84%, Nasdaq: +1.71%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -1.02%, DAX: -1.32%, SMI: -0.26%

Gibt es ein Ende des Krieges im Iran oder doch nicht? Das bewegt momentan die Aktienmärkte fast im Minutentakt. Einzig die amerikanischen Technologieaktien scheint diese Frage nicht zu interessieren. Sie sind wieder in der Gunst der Anleger, egal was passiert. Der S&P 500 legte letzte Woche 2.33% zu. Die europäischen Aktien stiegen 0.51%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.13% abschloss.

Die Entwicklung an den Aktienmärkten wird weiterhin durch die Energiepreise geprägt. Wir gehen von einer Normalisierung der Lage im Nahen Osten in den nächsten Wochen aus. Die Folgen der Verknappung der Energieversorgung werden sich jedoch zunehmend zeigen. Reduzierte Fördermengen, tiefe Lagerbestände sowie mögliche Infrastrukturschäden sprechen für anhaltend erhöhte Energiepreise. Der Ölpreis wird mittelfristig zwar sinken, aber über dem Vorkriegsniveau bleiben. Die Notenbanken befinden sich damit im Spannungsfeld zwischen Konjunkturabschwächung und Inflationsrisiken. Die Dynamik der Weltwirtschaft wird sich verlangsamen, bleibt aber auf Wachstumskurs. Die Erholung an den Aktienmärkten in den letzten Wochen ist historisch betrachtet sehr stark ausgefallen. Zahlreiche Indizes konnten neue Höchststände verzeichnen oder notieren nur knapp darunter. Die Auswirkungen der Energieengpässe auf die wirtschaftliche Entwicklung werden momentan ausgeblendet. Aktien bleiben dennoch die beste Anlage, um am Wachstum der Weltwirtschaft zu partizipieren. Die Erholung der Kurse kann aber als Gelegenheit genutzt werden, einen Teil der Gewinne der letzten Jahre abzuschöpfen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.39%; DE: 3.01%; CH: 0.39%

Nichts Neues bei den Renditen am Kapitalmarkt. Die Bewegungen bei den Obligationen halten sich momentan in engen Grenzen. Das Warten auf neue Impulse geht weiter.

Währungen

Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.779
Euro in US-Dollar: 1.175

Was für den Kapitalmarkt gilt, gilt auch für den Devisenmarkt. In den Kursen ist nur wenig Bewegung zu sehen. Am meisten zittert noch der US-Dollar.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 105.70 pro Fass
Goldpreis: USD 4'673.25 pro Unze

Der Ölpreis ist wieder gefallen, nachdem Donald Trump eine Einigung mit dem Iran in Aussicht stellt. Ob eine solche zustande kommt und wie sie aussehen wird, steht allerdings in den Sternen. Das Positive ist, das der Ölpreis nicht mehr mit den gleich grossen Ausschlägen auf jede Meldung aus der Feder von Trump oder auf jede Konfrontation in der Strasse von Hormus reagiert.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Non Farm Payrolls (April)
aktuell: 115’000 (erwartet: 65’000, Vormonat: 185’000)
USA: Arbeitslosenrate (April)
aktuell: 4.3% (erwartet: 4.3%, Vormonat: 4.3%)

Die amerikanischen Unternehmen haben im April mehr Stellen geschaffen als erwartet. Der Aufbau der Stellen war dabei über verschiedene Sektoren breit abgestützt. Die Arbeitslosenrate hielt sich auf einem tiefen Niveau stabil. Für die Fed gibt der stabile Arbeitsmarkt den nötigen Spielraum, auf Zinssenkungen zur Stützung der Konjunktur verzichten zu können. Sie kann abwarten, wie sich die Inflation in den USA entwickelt.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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