13. April 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Hat der Franken den sicheren Hafen verlassen?
Neben dem Gold gilt der Franken als der sichere Hafen schlechthin. Seit dem Beginn des Krieges im Nahen Osten konnte er seine Stärke in unsicheren Zeiten aber nicht ausspielen.
Im Fokus
Neben dem Gold gilt der Franken als der sichere Hafen schlechthin. Seit dem Beginn des Krieges im Nahen Osten konnte er seine Stärke in unsicheren Zeiten aber nicht ausspielen. Der US-Dollar stieg zum Franken zwischenzeitlich um drei Rappen und der Euro um zwei Rappen. Handelsgewichtet verlor der Franken seit dem Start der Angriffe 2% an Wert. Damit liegt er aber immer noch auf dem Niveau von Anfang Jahr. Während den besonders heiklen Phasen legte neben dem Ölpreis auch der US-Dollar deutlich zu. Hat der vielgeschmähte Greenback den Franken als sicheren Hafen abgelöst?
Klare Positionierung der SNB
Der Franken ist am 2. März, dem ersten Handelstag nach dem Ausbruch des Krieges, zuerst deutlich stärker geworden. Das hat die SNB veranlasst, die Märkte zu warnen, dass sie bei Bedarf nicht zögern werde, mittels Interventionen den Franken zu schwächen. Die Tonalität ging dabei über die übliche Floskel in der geldpolitischen Berichterstattung hinaus und zeigte Wirkung. Ob die SNB an diesem Tag neben der verbalen Drohung auch direkt am Markt interveniert hat, ist nicht bekannt. Angesichts der innertäglichen Kursentwicklung des Frankens ist ein direktes Eingreifen der SNB an diesem Tag jedoch möglich, wobei der eingesetzte Betrag nicht allzu gross gewesen sein dürfte. Die Daten bezüglich ihrer Devisenmarkttransaktionen im ersten Quartal veröffentlicht die SNB erst Ende Juni. Seither ist es um den Franken aber ruhig geblieben. Die klare Positionierung der SNB hat geholfen, Aufwertungsspekulationen für den Franken gar nie aufkommen zu lassen.
Inflationsdifferenz wird grösser
Die Gefahr einer Franken-Aufwertung ist für die Schweizer Wirtschaft aber nicht vorbei. Einer der wichtigsten Treiber für die Stärke des Frankens ist die Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und den anderen Währungsräumen. Diese wird durch die gestiegenen Preise für Erdöl und Erdgas zunehmen. Einen Vorgeschmack dazu geben die Daten für den März. In der Schweiz stieg die Inflationsrate leicht von 0.1% auf 0.3%. In Deutschland war der Anstieg um 0.8% auf 2.7% deutlich grösser. In den USA war der Sprung der Inflationsrate von 2.4% auf 3.3% ähnlich gross wie in Deutschland. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Monaten noch verstärken, da der direkte und indirekte Einfluss der fossilen Energiepreise in diesen Ländern deutlich grösser ist als in der Schweiz. Der Ausgleich der Inflationsdifferenz über die Währung funktioniert gut. Das hat man an der starken Aufwertung des Frankens um 13% in den Jahren 2022/2023 gesehen. In einem Umfeld mit einer grossen Inflationsdifferenz wird die SNB die Aufwertung des Frankens auch zulassen.
Der US-Dollar bleibt anfällig
Der US-Dollar profitierte in den letzten Wochen von den hohen Ölpreisen und den steigenden Zinserwartungen an die Fed. Wenn sich die Lage im Nahen Osten und an den Energiemärkten stabilisiert, werden die Argumente für eine Schwäche des Dollars wieder zum Tragen kommen. Die Schulden in den USA steigen unkontrolliert weiter. Die Kosten des Krieges und das nötige Geld für den Ersatz der verschossenen Raketen verstärken diesen Trend zusätzlich. Die Sparbemühungen der Regierung, falls solche überhaupt einmal vorhanden waren, haben sich im Pulverdampf aufgelöst und bei Trump dem masslosen Geldausgeben Platz gemacht. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und die Verlässlichkeit der Amerikaner ist durch den Krieg nicht grösser geworden. Ob die Golfstaaten und Saudi-Arabien weiterhin so viel Geld in den USA investieren werden, um sich das Wohlwollen Trumps zu erkaufen, ist fraglich. Die Absetzbewegung aus dem US-Dollar und aus den US-Treasuries wird anhalten und wahrscheinlich sogar zunehmen. Die Schweizer Unternehmen tun gut daran, sich auf eine weitere Abschwächung des US-Dollars zum Franken einzustellen.
Audio-Podcast der SGKB
Während draussen die Natur zu neuem Leben erwacht, beginnt an den Finanzmärkten die Zeit der Ausschüttungen. Doch Dividenden sind weit mehr als nur eine saisonale Freude. Welche Rolle sie für die langfristige Rendite spielen und worauf Anlegerinnen und Anleger achten sollten, besprechen unsere Aktienanalystinnen Angela Truniger und Anja Felder im aktuellen Podcast.
Aktienmarkt
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.56%, S&P500: -0.11%, Nasdaq: +0.35%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.51%, DAX: -0.01%, SMI: +0.18%
Die Aussicht auf ein Ende des Krieges im Iran hat die Aktienmärkte beflügelt. Der Kursrückgang am Freitag Nachmittag zeigt aber, dass die Anlegerinnen und Anleger der Sache zurecht nicht so richtig trauen. Der S&P 500 legte letzte Woche 3.56% zu. Die europäischen Aktien stiegen 4.10%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 2.02% abschloss.
Der Krieg im Iran verunsichert die Aktienmärkte. Bislang zeigt die Marktreaktion ein Muster, das mit früheren geopolitischen Konflikten vergleichbar ist. Massgeblich bleibt, ob es zu einer länger anhaltenden Phase hoher Energiepreise kommt. Trotz weiterhin bestehendem Eskalationspotenzial gehen wir davon aus, dass der Konflikt mittelfristig eingedämmt wird und die Strasse von Hormus wieder befahrbar wird. Nur bei dauerhaft hohen Energiepreisen sind substanzielle negative Effekte auf die Weltwirtschaft zu erwarten. In diesem Fall wären Europa und Asien stärker betroffen als die USA, da sie energieintensivere Industrien aufweisen und stärker von Energieimporten abhängig sind. Die US-Wirtschaft verfügt dank eigener Produktion über einen gewissen Puffer, bleibt jedoch durch hohe Benzinpreise anfällig für höhere Inflationserwartungen und eine restriktivere Geldpolitik.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.35%; DE: 3.06%; CH: 0.45%
Der Rückgang des Ölpreises hat auch an den Kapitalmärkten zu einer Entspannung geführt. Die Renditen der Obligationen schwanken von Tag zu Tag aber immer noch stark, auch bei den Franken-Obligationen. Insgesamt halten sich die Bewegungen nach oben und unten jedoch die Waage.
Währungen
Euro in Franken: 0.926
US-Dollar in Franken: 0.792
Euro in US-Dollar: 1.169
Während der US-Dollar nach dem Ausrufen des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran zum Franken an Wert eingebüsst hat, konnte sich der Euro halten. Die Kursbewegungen an den Devisenmärkten sind aber nicht allzu gross. Im Vergleich zu den Turbulenzen bei anderen Anlagen präsentiert sich der Devisenmarkt von der stabilen Seite.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 102.16 pro Fass
Goldpreis: USD 4'712.86 pro Unze
Der Goldpreis hat sich auf einem tieferen Niveau gefangen. Wie die meisten anderen Finanzanlagen ist auch das Gold nach wie vor eine Geisel des Ölpreises. Steigt das Öl, sinkt das Gold und umgekehrt. An den fundamentalen Faktoren wie die Unsicherheit der Leute und die Käufe der Zentralbanken, die für das Gold sprechen, hat sich nichts verändert.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Inflationsrate (März)
aktuell: 3.3% (erwartet: 3.4%, Vormonat: 2.4%)
Die Preise in den USA sind im März deutlich gestiegen, wobei der Anstieg der Inflationsrate fast ausschliesslich auf die Energiepreise zurückzuführen ist. Bis die indirekten Effekte des hohen Erdölpreises über höhere Transportkosten und teurere Vorprodukte in der Inflationsrate zu sehen sind, dauert es noch etwas. Die Kernrate ohne die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise ist im März nur wenig auf 2.6% gestiegen. Für die Fed bedeutet das, keinen unmittelbaren Bedarf für eine Anpassung ihrer Zinspolitik zu haben.
Thomas Stucki
8021 Zürich
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