29. Juni 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht
Gut abgestützter Höhenflug
Im Schatten des Hypes um den Börsengang von SpaceX und der organisierten Aufregung um die KI-Aktien hat der Swiss Performance Index erstmals die Marke von 20'000 Punkten überschritten.
Im Fokus
Im Schatten des Hypes um den Börsengang von SpaceX und der organisierten Aufregung um die KI-Aktien hat der Swiss Performance Index erstmals die Marke von 20'000 Punkten überschritten. Seit der letzten wirklichen Börsenbaisse 2022 hat er 54% gewonnen, obwohl an der Schweizer Börse nur wenige Firmen aus dem Dunstkreis der Halbleiter-Euphorie gehandelt werden. Muss man aber auch an der Schweizer Börse von einer Blase warnen? Die Schweizer Wirtschaft ist in der gleichen Zeit um 21% und damit deutlich weniger gewachsen als die Aktienkurse. Das Gewinnwachstum der börsenkotierten Unternehmen betrug knapp 30% und war damit auch weniger dynamisch als das Kursfeuerwerk. Für die Aktien zum Positiven geändert hat sich das Zinsumfeld. Die Zinsen in der Schweiz sind heute sowohl beim Leitzins der SNB als auch im Kapitalmarkt fast 2% tiefer als 2022.
Börsenkorrektur, was ist das?
Kurskorrekturen gehören zum Aktienmarkt. In den letzten drei Jahren sind solche auch vorgekommen. Im Herbst 2023 fiel der SPI um 12%. Nach der Zollverkündung von Trump im letzten Jahr betrug die Korrektur gar 15%. Schon fast vergessen ist der Rückschlag von 10% nach dem Ausbruch des Krieges im Iran. Vergessen ist dabei das richtige Schlagwort. Die Korrekturen waren jeweils kurz und heftig, wurden aber schnell wieder korrigiert. Eine länger anhaltende Börsenbaisse haben viele Anlegerinnen und Anleger aus ihrem Bewusstsein verdrängt. Das ist einerseits richtig, da Börsenkorrekturen über kurz oder lang immer aufgeholt werden, andererseits aber auch gefährlich.
Fundamental gut abgestützt
Der Höhenflug der Schweizer Aktien ist fundamental gut abgestützt. Die Bewertung auf der Basis der aktuellen Gewinne ist im Vergleich zu 2022 von 20.0x auf 21.7x gestiegen. Das ist im historischen Vergleich nicht aussergewöhnlich hoch. Wenn man das erwartete Gewinnwachstum der Unternehmen in Betracht zieht, sieht es noch besser aus. Die Weltwirtschaft wird aufgrund der durch die Schliessung der Strasse von Hormus ausgelösten Probleme bei der Logistik eine Delle erleiden. Danach wird sie sich jedoch wieder erholen. Die international ausgerichteten Schweizer Firmen werden davon profitieren. Der Heimmarkt in der Schweiz wird im nächsten Jahr auch stärker wachsen. Nach einem durchzogenen BIP-Wachstum 2026 liegt im nächsten Jahr eine Verbesserung in Richtung 1.5% drin. Die Chancen für solide Unternehmenszahlen und steigende Dividenden sind deshalb gut. Von der Zinsseite kommt auch keine unmittelbare Gefahr. Auch wenn sich die internationale Inflationslage nicht so schnell entschärft und der globale Zinstrend nach oben geht, ist ein markanter Zinsanstieg in der Schweiz, der die Aktien belasten würde, nicht zu erwarten. Dafür müsste die SNB den Leitzins deutlich erhöhen, was angesichts der tiefen Inflationsrate in der Schweiz nur schwer zu begründen wäre.
Gefahr von aussen
Der Schweizer Aktienmarkt ist in die globalen Finanzmärkte eingebunden. Eine völlig isolierte Entwicklung ist schwierig. Der MSCI World hat sich seit 2022 verdoppelt. Die Aktien vieler Technologieunternehmen habe noch viel stärker zugelegt und ihre hohe Bewertung wird stark von der Hoffnung getragen. Sollte es in diesem Teil des Marktes zu einem grösseren Einbruch kommen, werden sich die Schweizer Aktien dem nicht entziehen können. Durch die defensivere Charakteristik des Marktes und aufgrund der stabileren fundamentalen Basis hält sich auch in diesem Fall das Potenzial der Rückschläge jedoch in Grenzen. Ein breit aufgestelltes Schweizer Aktienportfolio ist die beste Anlage, um am Wachstum der Wirtschaft zu partizipieren.
Audio-Podcast der SGKB
Wie geht es den Schweizer Unternehmen und wie behaupten sie sich im wirtschaftlich herausfordernden Umfeld? Unsere Senior Aktienanalysten Angela Truniger und Matthias Müller unterhalten sich in ihrem Audio-Podcast über ihre Eindrücke von der Aktienkonferenz in Interlaken. Was waren die Highlights und wo gab es Überraschungen?
Aktienmarkt
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.09%, S&P500: -0.05%, Nasdaq: -0.24%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.73%, DAX: -1.29%, SMI: -0.42%
Die Achterbahnfahrt der Halbleiter-Aktien geht weiter und dominiert den internationalen Aktienhandel. Im Schatten der grossen Namen ist es an der Börse ruhig. Der S&P 500 verlor letzte Woche 1.95%. Die europäischen Aktien sanken 1.14%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 2.46% abschloss.
An den Aktienmärkten hat die Perspektive auf eine Beendigung des Krieges im Nahen Osten zu Kursanstiegen geführt. Die Normalisierung der Lieferketten und der nötige Lageraufbau beim Erdöl werden aber Zeit benötigen. Das Risiko einer hartnäckigeren Inflation ist auch bei tieferem Ölpreis nicht ausgestanden. Der weitere Verlauf und die Reaktion der Notenbanken hängt primär vom Ausmass der Zweitrundeneffekte ab. Die amerikanische Wirtschaft zeigt sich im aktuellen Umfeld robust, während in Europa erste Bremsspuren sichtbar werden. Getragen wird die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten weiterhin vom Technologiesektor. Wichtige Stützen für das positive Momentum sind das aussergewöhnliche Gewinnwachstum sowie anhaltend positive Gewinnrevisionen, welche die Bewertungen trotz gestiegener Kurse nicht allzu teuer erscheinen lassen. Die starke Konzentration auf wenige Titel erhöht aber die Abhängigkeit des Marktes und bleibt ein zentrales Korrekturrisiko. Aktien bleiben dennoch die beste Anlage, um am Wachstum der Weltwirtschaft zu partizipieren. Die Erholung der Kurse kann aber als Gelegenheit genutzt werden, einen Teil der Gewinne der letzten Jahre abzuschöpfen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.38%; DE: 2.85%; CH: 0.26%
Der gesunkene Erdölpreis hat die Angst vor Zinserhöhungen der Zentralbanken in den Hintergrund gedrängt. Die Renditen der Obligationen sind deutlich gesunken. Das gilt insbesondere für die Franken-Anleihen, obwohl die Inflation in der Schweiz nie auf ein für die SNB besorgniserregendes Niveau gestiegen ist. War der Anstieg der Renditen zuvor übertrieben, gilt das nun auch für deren Abwärtsbewegung.
Währungen
Euro in Franken: 0.922
US-Dollar in Franken: 0.810
Euro in US-Dollar: 1.138
Der US-Dollar profitierte von den steigenden Zinserwartungen in den USA nach dem ersten Auftritt des neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh. Der Schwung hat aber nachgelassen. Donald Trump wird sicher etwas einfallen, um das Vertrauen in den US-Dollar wieder zu untergraben.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 72.50 pro Fass
Goldpreis: USD 4'055.11 pro Unze
Der Erdölpreis ist wieder auf das Niveau von vor dem Iran-Krieg gefallen. Nur weil ein paar Tanker durch die Strasse von Hormus gefahren sind, ist die Versorgungslage mit Erdöl jedoch noch nicht wieder normal. Nachdem zuvor auf einen steigenden Erdölpreis gewettet wurde, hat sich die Stimmung gedreht. Weil die Amerikaner die Sanktionen gegen die Ölexporte des Iran aufgehoben haben, wird jetzt auf eine Ölschwemme spekuliert. So schnell kommt aber auch diese nicht.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Handelsbilanzdefizit (Mai)
aktuell: 106 Mrd. USD (erwartet: 85 Mrd. USD, Vormonat: 83 Mrd. USD)
Das wird Donald Trump nicht gefallen. Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im Mai auf den höchsten Wert seit einem Jahr gestiegen. Während die Amerikaner weniger exportieren konnten, sind die Importe deutlich gestiegen, sowohl bei den Konsum- als auch bei den Investitionsgütern. Die Firmen haben aus Angst vor Lieferkettenprobleme durch den Krieg im Iran ihre Lager aufgefüllt.
Thomas Stucki
8021 Zürich
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