01. Juli 2026, Rohstoffe

Gold in der Defensive

Die Edelmetalle konnten nach einem starken Start ins Jahr zuletzt nicht mehr so glänzen. Dem Gold machten höhere Zinserwartungen in den USA zu schaffen, bei Silber fielen die Kursausschläge noch ausgeprägter aus.

Zur Jahresmitte notieren viele Aktienindizes nahe ihren Jahreshochs, getrieben von der KI-Euphorie und der Hoffnung auf eine dauerhafte Entspannung in Nahost. Anders die Edelmetalle: Sie konnten nach einem starken Start ins Jahr zuletzt nicht mehr so glänzen. Der Goldpreis ist im Juni um 10% zurückgegangen, bei Silber sind es über 20%. Damit ist die Jahresbilanz beim Gold – nach einem Plus von 65% im Vorjahr – nun erstmals ins Minus gefallen.

Die Fed belastet den Goldpreis

Betrachtet man die letzten Monate, hatte sich der Goldpreis lange auf dem Niveau von Ende März gehalten, bevor er im Juni stärker abrutschte. Dem zinslosen Gold machten die höheren Zinserwartungen in den USA zu schaffen. Die von US-Präsident Donald Trump geforderten tieferen Zinsen waren für die Fed zuletzt kein Thema mehr. Vielmehr drehten die Äusserungen diverser Fed-Mitglieder und die Erwartungen der Finanzmärkte in Richtung möglicher Zinserhöhungen. Davon profitierte auch der US-Dollar, was den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzte. Seit der Fed-Zinssitzung von Mitte Juni hat er bis Monatsende 6% verloren und ist erstmals seit November wieder unter 4'000 Dollar pro Unze gefallen.

Investoren: Gold-ETF mit Abflüssen

Die Bewegung verrät auch über den Goldmarkt hinaus etwas über die Marktstimmung. Investoren zeigten sich zuletzt wieder bereit, aus defensiven Anlagen in andere Anlageklassen umzuschichten. Sichtbar wird das an den Gold-ETF. Nach stetigen Zuflüssen zu Jahresbeginn erreichten die Bestände Ende Februar ein Mehrjahreshoch. Seither kam es zu Abflüssen von rund 4%, wie Bloomberg-Daten zeigen. Ob Gold bei dieser Investorengruppe in den nächsten Monaten weiter an Beliebtheit verliert, wird sich zeigen. Ein Teil der Abflüsse dürfte auch auf Gewinnmitnahmen und Liquiditätsbeschaffung zurückzuführen sein.

Notenbanken kaufen weiter

Richtungsweisend bleibt weiterhin der Kurs der Fed. Ein neuerlicher Zinserhöhungszyklus wäre Gift für den Goldpreis. Mit den gesunkenen Ölpreisen zeichnet sich bei der Inflation allerdings eine leichte Entspannung ab, was dieses Risiko etwas mildert. Zugleich bleibt die Nachfrage der Notenbanken eine wichtige Stütze am Goldmarkt. Die Zentralbanken haben in den vergangenen vier Jahren im Schnitt 1'000 Tonnen Gold pro Jahr gekauft – doppelt so viel wie im Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts. Die Nachfrage zeigt sich auch im 1. Quartal 2026 solide (+244 Tonnen). Im neusten Survey des World Gold Council wollen 45% der befragten Zentralbanken die eigenen Goldbestände auch in den nächsten zwölf Monaten aufstocken. So hat China zuletzt den neunzehnten Monat in Folge Gold zugekauft.

Zentralbanken-Umfrage zu Goldreserven

Gold und Silber im Quervergleich

Edelmetallpreise in USD pro Unze (indexiert; Jan. 2023=100). Quelle: Bloomberg

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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