07. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Friedenshoffnungen sorgen für Börsenrally
Im Zuge von weltweit avancierenden Börsenkursen schloss der Schweizer Aktienmarkt gestern deutlich fester. Heute stehen die Quartalsberichte von Swisscom, Swiss Re, Avolta, Montana Aerospace und AMS im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +1.77%, SPI: +1.88%, SMIM: +2.32%
Am Schweizer Aktienmarkt standen die Zeichen zur Wochenmitte auf Erholung. Grund dafür waren erneute Hoffnungen auf eine baldige Friedenslösung zwischen den USA und Iran, die von einem Bericht des US-Portals Axios genährt wurden. Der SMI notierte zwischenzeitlich fast 2.5% höher, gab aber im späteren Handelsverlauf einen Teil der Kursgewinne wieder her und schloss zuletzt 1.8% höher. Der auf klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen ausgerichtete SMIM profitierte noch stärker von der euphorischen Stimmung und schloss 2.3% höher.
Bei den grosskapitalisierten Werten gehörten Baustoffwerte wie Amrize (+3.3%), Sika (+3.3%) und Holcim (+4.3%) zu den Tagesgewinnern. Noch besser entwickelten sich die Aktien von Richemont, die an der Spitze des Tableaus 6.2% nach oben sprangen. Logitech schlossen nach einem volatilen Handelsverlauf 0.4% tiefer. Die Aktien des PC-Peripheriespezialisten litten nach den besser als erwarteten Quartalszahlen vom Dienstagabend unter Gewinnmitnahmen. Am Ende des Tableaus sackten Alcon um deutliche 11.0% ab. Der Augenheilkundekonzern übertraf zwar mit der Margen- und Gewinnentwicklung die Erwartungen, blieb aber beim Umsatzwachstum leicht unter den Analystenprognosen. Anscheinend rechneten zudem einige Marktteilnehmer mit einer Erhöhung der Jahreszielsetzung, die aber ausblieb. Einzig beim Gewinn pro Aktie zeigte sich Alcon wegen dem Währungsrückenwind etwas optimistischer als noch im Februar.
Im breiten Markt kletterten VAT nach einer starken Vorlage aus dem US-Technologiesektor um 3.7% nach oben und markierten ein neues Rekordhoch. Bachem (+7.5%) waren nach einem besser als erwarteten Resultat des dänischen Pharmaunternehmens Novo Nordisk gefragt. Der Auftragsfertiger aus dem Baselbiet stellt unter anderem Peptide für Abnehmpräparate von Novo her. Der Hörgerätespezialist Sonova (+4.9%) erhielt Rückenwind durch positive Quartalsüberraschungen der Branchennachbarn Amplifon und Demant. Huber + Suhner schossen sogar um 17.5% nach oben. Grund dafür waren eine optimistische Analystenstudie und positive Zahlen des US-Konkurrenten Lumentum.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +2.68%, DAX: +2.12%
An den europäischen Aktienmärkten zogen die Kurse im Zuge der Friedenshoffnungen ebenfalls auf breiter Front an. Der EuroStoxx50 beendete den Handelstag 2.7% höher, während der DAX um 2.1% vorwärts machte. Branchenseitig gehörten nach den starken Quartalszahlen von AMD die Halbleiterwerte zu den Tagesgewinnern. So sprangen etwa die Aktien von ASML um 6.2% nach oben. Novo Nordisk gewannen im Zuge der besser als erwarteten Quartalszahlen und einer leichten Erhöhung der Jahresprognose zeitweise mehr als 9% dazu, schlossen aber zuletzt nur noch 2.5% höher. Die Aktien des Nahrungs- und Getränkeproduzenten Diageo zogen nach einer positiven Quartalsüberraschung 6.3% an. Ansonsten gehörten Auto-, Reise- und Minenwerte zu den Profiteuren der Friedenshoffnungen. Als Geldgeber herhalten mussten hingegen die Öl- und Gastitel, die von den sinkenden Ölpreisnotierungen gebremst wurden.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +1.24%, S&P 500: +1.46%, Nasdaq: +2.02%
Die amerikanischen Aktienmärkte setzten gestern ihren Vortagesanstieg im Zuge von fallenden Ölpreisen und positiv aufgenommenen Ergebnisse aus dem Technologiesektor fort. Der Dow Jones kletterte um 1.2% nach oben. Der S&P 500 schloss 1.5% höher während der Nasdaq 2.0% anzog. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq erreichten neue Rekordstände. Im Fokus stand unter anderem das Quartalsupdate von AMD, das die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf. Zudem hob der Halbleiterkonzern den Jahresausblick an. Die AMD-Aktie beendete einen euphorischen Handelstag 18.6% höher. Das Google-Mutterhaus Alphabet schloss 2.5% höher, nach einem Bericht über mögliche Investitionen von USD 200 Mrd. des KI-Konzern Anthropic. Besser als erwartete Quartalszahlen, die unter anderem von höheren Einnahmen aus dem Streaminggeschäft und spendierfreudigen Konsumenten in den Freizeitparks angetrieben wurden, beflügelten die Aktien von Walt Disney (+7.5%). Auch Uber (+8.5%) und Kraft Heinz (+2.4%) erhielten Rückenwind von positiven Quartalsergebnissen.
Unternehmensberichte
Swisscom muss Umsatzrückgang hinnehmen
Swisscom vermeldete für das 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 4.1% auf CHF 3.61 Mrd. Bereinigt um einen negativen Währungseffekt im Italiengeschäft wäre der Umsatz um 2.9% gesunken. Im Schweizer Geschäft verringerte sich der Umsatz im Vorjahresvergleich um 1.3% auf CHF 1.94 Mrd. Im Italiengeschäft glitt der Umsatz um 4.5% auf EUR 1.74 Mrd. zurück. Der operative Betriebsgewinn (EBITDA) konnte trotz dem rückläufigen Umsatz um 0.8% auf CHF 1.29 Mrd. verbessert werden. Unter dem Strich verblieb dem Telekomriesen ein 9.6% tieferer Reingewinn von CHF 332 Mio. An der Jahreszielsetzung, die einen Umsatz von CHF 14.7 bis 14.9 Mrd. und einen EBITDA von CHF 5.0 bis 5.1 Mrd. anpeilt, hält das Management fest. Das Zahlenset bleibt beim Umsatz und beim Reingewinn unter den Erwartungen, schlägt sie aber beim EBITDA.
Swiss Re übertrifft Erwartungen
Swiss Re veröffentlichte heute einige Eckdaten zum 1. Quartal 2026. Im Geschäft mit Sach- und Haftpflichtrückversicherung stieg der Reingewinn um 43% auf USD 754 Mio. Der Schaden-Kosten-Satz verbesserte sich von 86% im Vorjahr auf 79.5%. Damit liegt Swiss Re auf Kurs, das Jahresziel von «unter 85%» zu erfüllen. Die Forderungen aus Grossschäden summierten sich auf USD 133 Mio. und lagen damit deutlich unter dem Vorjahr. Im Lebensversicherungsgeschäft erhöhte sich der Reingewinn um 12% auf USD 491 Mio., während der Ertrag im Bereich «Corporate Solutions» um 26% auf USD 262 Mio. anstieg. Auf Gruppenstufe erhöhte sich der Nettogewinn im Vorjahresvergleich um 19% auf USD 1.51 Mrd. Die annualisierte Eigenkapitalrendite verbesserte sich damit von 22.4% auf 23.6%. In Bezug auf die Jahresziele sieht sich der Rückversicherer auf Kurs. Der Zwischenbericht übertrifft die Analystenerwartungen.
Avolta erfüllt Erwartungen trotz schwierigem Umfeld
Avolta musste im 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 4.8% auf CHF 2.91 Mrd. hinnehmen. Organisch, also bereinigt um einen negativen Währungseffekt von 8.8% und Portfolioanpassungen, erreichte der Reisedienstleister ein Wachstum von 4.7%. Damit lag das Wachstum leicht unter der mittelfristigen Zielbandbreite von 5% bis 7%. Ohne den Einfluss des Nahostgeschäfts hätte das Wachstum bei 5.9% gelegen. Der operative Betriebsgewinn (EBITDA) verringerte sich um 3.1% auf CHF 190 Mio. Zu konstanten Währungen wäre er um 8.4% gestiegen. Der Mittelfristausblick wurde trotz des unsicheren Umfelds bestätigt. Kurzfristig will das Unternehmen, wenn nötig, mit Kostenmassnahmen reagieren. Der Zwischenbericht fällt im Rahmen der Analystenerwartungen aus.
AMS startet besser als erwartet ins Jahr
AMS musste zwischen Januar und März 2026 einen Umsatzrückgang von 3% auf EUR 796 Mio. hinnehmen. Der operative Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA verringerte sich um 3% auf EUR 131 Mio. Die entsprechende Marge verringerte sich um 190 Basispunkte auf 16.5%, lag damit aber am oberen Ende der prognostizierten Bandbreite. Unter dem Strich verblieb dem Leuchten- und Sensorhersteller ein bereinigter Reinverlust von EUR 72 Mio., nach einem Verlust von EUR 23 Mio. im Vorjahr. Der freie Cashflow belief sich auf EUR 37 Mio., nachdem er im Vorjahresquartal noch bei EUR -28 Mio. gelegen hatte. Für das 2. Quartal rechnet AMS mit einem Umsatz zwischen EUR 725 bis 825 Mio. und einer EBITDA-Marge von zwischen 13.5% und 16.5%. Die Jahreszielsetzung, die wegen Devestitionen von einem moderat sinkenden Umsatz ausgeht, wurde bestätigt. AMS übertrifft mit dem Quartalsupdate die Analystenerwartungen.
Montana Aerospace leitet Suchen nach CEO-Nachfolger ein
Montana Aerospace steigerte den Umsatz im 1. Quartal 2026 um 4.1% auf EUR 248.2 Mio. Der operative Gewinn auf Stufe bereinigter EBITDA erhöhte sich um 2.4% auf EUR 40.6 Mio. Damit verbesserte sich die entsprechende Marge um 30 Basispunkte. Unter dem Strich verblieb dem Luftfahrtzulieferer ein bereinigter Reingewinn von EUR 10.5 Mio., 5.9% höher als im Vorjahresquartal. Die Jahreszielsetzung für 2026, die ein Umsatz von mindestens EUR 1.0 Mrd. und einen bereinigten EBITDA von mindestens EUR 185 Mio. vorsieht, wurde bestätigt. Für die seit kurzem offene CEO-Position wurde ein Nachfolgeprozess eingeleitet, mit dem Ziel, in den kommenden Monaten einen neuen CEO präsentieren zu können. Der Zwischenbericht bleibt im Rahmen der Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.35%; DE: 3.00%; CH: 0.39%
Die Spekulationen um ein mögliches Ende des Iran-Kriegs beeinflussten gestern auch die Kapitalmärkte. Mit tieferen Energiepreisen würde unter anderem die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung wieder zurückgehen. In diesem Sinne zeigten die Renditen auf die massgebenden langjährigen Staatsanleihen gestern auf beiden Seiten des Atlantiks nach unten. Bei der richtungsweisenden 10-jährigen US-Anleihe war ein Rückgang um 7 Basispunkte zu verzeichnen. Beim Äquivalent aus Deutschland waren es 6 Basispunkte. Insgesamt bleibt das Renditeniveau aber weiterhin deutlich über dem Niveau vor Ausbruch des Kriegs.
Währungen
Euro in Franken: 0.915
US-Dollar in Franken: 0.779
Euro in US-Dollar: 1.175
Der US-Dollar ist seit Ausbruch des Kriegs im Iran zwar tendenziell stärker geworden. Eine klare Trendumkehr nach den Verlusten vom Vorjahr ist aber nicht erkennbar. Im Vergleich zu Anfang 2026 ist der Greenback gegenüber dem Schweizer Franken weiterhin im Minus (-1.7%). Der Euro ist im Vergleich zur US-Währung etwa gleich stark wie zu Beginn des Jahres.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 101.76 pro Fass
Goldpreis: USD 4'670.10 pro Unze
Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Krieges im Nahen Osten liessen gestern den Ölpreis weiter sinken. Mit rund 102 US-Dollar kostet ein Fass der Nordsee-Sorte Brent aktuell rund neun Dollar weniger als noch Anfang Woche. Gestern wurde bekannt, dass die USA dem Iran ein Memorandum of Understanding vorgelegt haben, welches unter anderem die schrittweise Öffnung der Strasse von Hormus vorsieht. Der Iran soll nun innerhalb der nächsten Tage eine Antwort auf das US-Angebot geben.
Wirtschaft und Konjunktur
Gestern wurden keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.
Roman Elbel
8021 Zürich
Matthias Müller
8021 Zürich
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