30. März 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Finanzmärkte in der Geiselhaft des Ölpreises

Der Krieg im Iran zieht sich dahin und dauert nun schon einen Monat. Für die Finanzmärkte ist aber nur die faktische Schliessung der Strasse von Hormuz und der unterbrochene Transport von Erdöl und Flüssigem Erdgas ein Thema. Eine rasche Lösung dieses Problems ist unwahrscheinlich.

Im Fokus

Der Krieg im Iran zieht sich dahin und dauert nun schon einen Monat. Für die Finanzmärkte ist aber nur die faktische Schliessung der Strasse von Hormuz und der unterbrochene Transport von Erdöl und Flüssigem Erdgas ein Thema. Eine rasche Lösung dieses Problems ist unwahrscheinlich. Der Trend zu einem höheren Ölpreis ist ungebrochen, was die Aktienkurse unter Druck setzt. Der Swiss Performance Index hat seit seinem Höchststand Ende Februar 9% verloren. Die amerikanischen Aktien, die sich lange gut gehalten haben, sind in den letzten Tagen auch ins Rutschen geraten und verlieren gemessen am S&P 500 10%. Damit bewegen sich die Aktienmärkte im Durschnitt ihrer Bewegungen während den vorherigen Kriegen der Amerikaner im Nahen und Mittleren Osten.

Der Ölpreis dominiert die Finanzmärkte

Bei den Ölpreisen gibt es interessante Konstellationen. Der Preisunterschied zwischen den verschiedenen Sorten ist aussergewöhnlich hoch. Dass das Öl aus dem Oman deutlich teurer ist als andere Sorten, ist nachvollziehbar. Dass aber das Nordseeöl Brent fast 15 US-Dollar pro Fass teurer ist als die amerikanische Sorte WTI, ist erklärungsbedürftiger. Normalerweise beträgt der Preisunterschied ein paar wenige US-Dollar. Auffallend ist auch, dass der Preisanstieg für Erdöl mit Lieferung im Herbst oder im nächsten Frühjahr deutlich geringer ausgefallen ist als beim Erdöl für den nächsten Liefertermin im Mai 2026. Brent-Öl mit Lieferung im Oktober ist 23 US-Dollar pro Fass billiger als der Spotpreis. Normalerweise beträgt der Unterschied zwei bis der US-Dollar. Das zeigt, dass die Marktteilnehmer noch davon ausgehen, dass die Versorgungsprobleme nicht bis in den Herbst hinein anhalten werden.

Blick auf die Inflationserwartungen

Für die weitere Entwicklung der Aktienmärkt ist neben dem zeitlichen Rahmen der Kämpfe im Iran deren Auswirkungen auf das Wachstum der Wirtschaft und auf das Verhalten der Zentralbanken entscheidend. Die Erwartungen diesbezüglich haben sich in den letzten Wochen grundlegend geändert. Von allen wichtigen Zentralbanken wird nun eine oder mehrere Zinserhöhungen noch in diesem Jahr erwartet. Dies obschon mit Ausnahme der EZB alle betont haben, dass sie zuerst die weitere Entwicklung verfolgen wollen, die sehr unsicher ist. Wichtig für sie wird sein, wie sich die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen verändern. Sollten diese steigen, nimmt die Gefahr von Zweitrundeneffekten auf die Inflation zu. In den USA ist die aus den Inflation Linked Bonds herauszulesende erwartete Inflation für die nächsten zwei Jahre deutlich von 2.2% auf 3.2% gestiegen. Das widerspiegelt vor allem die höheren Benzinpreise. Die mittelfristig für die nächsten fünf Jahre erwartete Inflation ist auch gestiegen. Der Anstieg hält sich mit einer Erhöhung von 2.3% auf 2.6% allerdings in Grenzen. Von der Fed ist keine überstürzte Zinserhöhung oder Anpassung der Kommunikation in diese Richtung zu erwarten. Das gleiche gilt auch für die SNB.

Gefahr von Verleiderverkäufen steigt

Bei den Umfragen unter den Investoren nimmt der Anteil der Bären zu. Er ist mittlerweile höher als derjenige der Bullen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Niveau vom letzten April nach der amerikanischen Zollankündigung. Je länger die Unsicherheit andauert, desto stärker werden die Nerven der Anlegerinnen und Anleger aber strapaziert und nimmt die Wahrscheinlichkeit von Verleiderverkäufen zu. Das sind die gleichen Leute, die dann wieder auf den Zug aufspringen wollen, wenn die Erholung an den Märkten einsetzt. Für Anlegerinnen und Anleger, welche die in den nächsten Wochen immer wieder zu erwartenden Dellen finanziell und emotional aushalten können, ergeben sich jedoch immer mehr gute Chancen in Aktien, die überproportional abgestraft werden.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.73%, S&P500: -1.67%, Nasdaq: -2.15%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -1.08%, DAX: -1.38%, SMI: -0.57%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -3.34%, Hang Seng: -0.90%, S&P/ASX 200: -0.72%

Die Abhängigkeit der Aktienmärkte vom Ölpreis hält an. Alles andere rückt momentan in den Hintergrund. Der S&P 500 verlor letzte Woche 2.12%. Die europäischen Aktien stiegen 0.08%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 2.03% abschloss.

Der Krieg im Iran verunsichert die Aktienmärkte. Bislang zeigt die Marktreaktion ein Muster, das mit früheren geopolitischen Konflikten vergleichbar ist. Massgeblich bleibt, ob es zu einer länger anhaltenden Phase hoher Energiepreise kommt. Trotz bestehendem Eskalationspotenzial gehen wir davon aus, dass der Konflikt mittelfristig eingedämmt wird und die Strasse von Hormuz wieder befahrbar wird. Nur bei dauerhaft hohen Energiepreisen sind substanzielle negative Effekte auf die Weltwirtschaft zu erwarten. In diesem Fall wären Europa und Asien stärker betroffen als die USA, da sie energieintensivere Industrien aufweisen und stärker von Energieimporten abhängig sind. Die US-Wirtschaft verfügt dank eigener Produktion über einen gewissen Puffer, bleibt jedoch durch hohe Benzinpreise anfällig für höhere Inflationserwartungen und eine restriktivere Geldpolitik.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.388%; DE: 3.094%; CH: 0.420%

Die Erwartungen gegenüber den Zentralbanken haben gedreht, zumindest für den Moment. Die Angst vor einem starken Anstieg der Inflation lässt die Renditen der Obligationen steigen, vor allem in den USA. Die Angst vor höheren Zinsen ist unbegründet, insbesondere in der Schweiz. Die SNB hat keinen Grund, an der Zinsschraube zu drehen.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7985
Euro in US-Dollar: 1.1518
Euro in Franken: 0.9197

Der Franken hat sich in den letzten Tagen abgeschwächt. Die SNB hat noch einmal betont, dass sie eine Aufwertung des Frankens mittels Devisenmarktinterventionen verhindern wird. Ob die SNB effektiv im Devisenmarkt interveniert hat, ist nicht bekannt.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 101.15 pro Fass
Goldpreis: USD 4'488.69 pro Unze

Der Goldpreis hat sich auf einem tieferen Niveau gefangen. Wie die meisten anderen Finanzanlagen ist auch das Gold nach wie vor eine Geisel des Ölpreises. Steigt das Öl, sinkt das Gold und umgekehrt. An den fundamentalen Faktoren, die für das Gold sprechen, wie die Unsicherheit der Leute und die Käufe der Zentralbanken, hat sich nichts verändert.

Wirtschaft

Die Flut an Konjunkturdaten wird diese Woche wieder zunehmen. Am Freitag werden in den USA die Arbeitsmarktdaten vom März veröffentlicht. Es werden verhaltene Zahlen erwartet. Bereits am Donnerstag wird die Inflationsrate in der Schweiz publiziert. Erwartet wird ein Anstieg auf 0.5%, nachdem die Inflation im Februar noch bei 0.1% lag. Die Erwartungen scheinen uns auf der hohen Seite zu sein.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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