23. Februar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Der Franken fordert die SNB heraus

Der Franken ist seit Anfang Jahr teurer geworden. Handelsgewichtet hat er nominal 2% zugelegt. Der US-Dollar ist in dieser Zeit von 79 Rappen auf 77 Rappen gefallen. Muss die SNB aktiv werden?

Im Fokus

Der Franken ist seit Anfang Jahr teurer geworden. Handelsgewichtet hat er nominal 2% zugelegt. Der US-Dollar ist in dieser Zeit von 79 Rappen auf 77 Rappen gefallen. Die Nominierung von Kevin Warsh als zukünftigen Fed-Präsidenten hat zwar die stärksten Befürchtungen einer Übernahme der amerikanischen Geldpolitik durch einen Lakaien von Donald Trump besänftigt, konnte dem US-Dollar aber nur kurzfristig einen Schub verleihen. Das Vertrauen in die amerikanische Politik ist zu stark angeschlagen und die Absetzbewegung aus dem Greenback hält an. Gleichzeitig ist der im letzten Jahr stabile Euro auch ins Rutschen geraten. Zum Franken hat er sich von 93 Rappen auf 91 Rappen verbilligt. Es kann nicht mehr nur von einer US-Dollar-Schwäche gesprochen werden, sondern es handelt sich auch um eine Franken-Stärke. Seit sich der Yen in den Augen der Finanzmärkte als sicherer Hafen verabschiedet hat, verbleibt der Franken als letzter verbliebener Sicherheitsanker. Angesichts der Gefahr eines grösseren militärischen Konflikts im Persischen Golf wird die Attraktivität des Frankens nicht abnehmen.

Muss die SNB aktiv werden?

Die Klagen aus der Wirtschaft gegen den starken Franken nehmen zu. Ob die SNB aktiv werden muss, ist gleichwohl eine andere Frage. Die Inflation in der Schweiz ist mit 0.1% immer noch deutlich tiefer als anderswo. In den USA ist sie auf 2.4% gesunken. Die Inflationsdifferenz zum Franken beträgt aber immer noch 2%. Zudem ist unklar, wie zuverlässig die publizierten Zahlen in den USA sind, da aufgrund der langen Schliessung der Bundesverwaltung die Datenbasis gelitten hat. Beim wichtigen Handelspartner Deutschland steigen die Preise ebenfalls mit einer Rate von 2.1%. Der Franken hat sich in den ersten Wochen dieses Jahres zwar auch real aufgewertet, aber in ein einem überschaubaren Rahmen. Sollten die Energiepreise aufgrund der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran steigen, wird die Inflationsdifferenz zu den Handelspartnern weiter zunehmen, da der Einfluss der Energiepreise auf die Inflation in der Schweiz geringer ist als in den anderen Ländern. Der Franken belastet zwar die Schweizer Konjunktur, aber die Wirtschaft wird in diesem Jahr dennoch mit rund 1% wachsen.

Die Handlungsoptionen der SNB sind beschränkt

Viel kann die SNB gegen den Franken nicht tun. Die Zinsen in den Negativbereich zu senken, hätte lediglich einen kurzfristigen Signalcharakter. Wer Angst hat, lässt sich von tiefen oder gar leicht negativen Zinsen nicht beeindrucken. Interventionen im Devisenmarkt sind ein gutes Mittel, um eine rasche Bewegung des Frankens zu stoppen. Eine systematische Währungspolitik zur Schwächung oder zumindest zur Stabilisierung des Frankens wie zwischen 2015 und 2021 steht jedoch nicht zur Diskussion. Einerseits will die SNB die Amerikaner während den laufenden Zollverhandlungen nicht verärgern. Andererseits macht eine Ausrichtung der Geldpolitik auf die Währung keinen Sinn. Soll sich eine solche Politik am US-Dollar oder am Euro ausrichten? Sich gegen den US-Dollar zu stellen, dürfte einen noch stärkeren Aufbau an Devisenreserven benötigen als die Stabilisierung des Euro zum Franken.

Kein Vergleich zur Eurokrise

Am besten überlässt die SNB die Devisenkurse dem Markt, solange es zu keinen offensichtlich spekulativen Übertreibungen kommt. Zudem ist die aktuelle Stärke des Frankens nicht mit der Entwicklung während der Eurokrise vergleichbar, als der Euro zum Franken innert 18 Monaten von 1.50 auf 1.05 gesunken ist. Eine solche Bewegung ist für die Exportunternehmen nicht mehr zu stemmen. Die aktuellen Bewegungen gehen für sie in die falsche Richtung, verlaufen aber graduell und in einem akzeptablen Tempo.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.47%, S&P500: +0.69%, Nasdaq: +0.90%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +1.18%, DAX: +0.87%, SMI: +0.44%

Asiatische Märkte
Nikkei 225: geschlossen, Hang Seng: +2.18%, S&P/ASX 200: -0.61%

Die Aktienmärkte haben mit Kursgewinnen auf das Urteil des Supreme Courts zu den amerikanischen Zöllen reagiert. Ob diese Reaktion nachhaltig ist, ist dagegen offen. Der S&P 500 legte letzte Woche 1.07% zu. Die europäischen Aktien stiegen 2.24%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 1.74% abschloss.

Die Stimmung der Anleger ist zuletzt von politischen Unsicherheiten belastet worden. Für die mittelfristige Entwicklung bleiben aber die Konjunktur- und Gewinndynamik zentral. Die für die globalen Aktienmärkte den Ton angebende US-Wirtschaft befindet sich trotz des Rückgangs des Wachstums im vierten Quartal auf 1.4% in einer guten Verfassung. Der wichtige private Konsum bleibt trotz der Abschwächung am Arbeitsmarkt tragfähig und stützt die US-Wirtschaft. Die Unternehmen agieren vorsichtig, was neue Stellen angeht, aber auch Entlassungen bleiben begrenzt. Die für die Aktienmärkte zentralen Treiber wie die Perspektiven für die Gewinne der Unternehmen und das Wirtschaftswachstum bleiben deshalb intakt.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.083%; DE: 2.737%; CH: 0.276%

Eine etwas tiefere Inflationsrate hat genügt, um die Erwartungen an Zinssenkungen der Fed wieder zu erhöhen. Auch in der Schweiz sind die Kapitalmarktrenditen gesunken, nachdem einige Akteure eine weitere Zinssenkung der SNB nicht mehr ausschliessen wollen.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7728
Euro in US-Dollar: 1.1819
Euro in Franken: 0.9132

Die Spannungen im Nahen Osten belasten den Euro und helfen dem US-Dollar. Demgegenüber stehen die neuerlichen Zollunsicherheiten, welche den US-Dollar belasten. Über allem steht der Franken, der in diesem Umfeld gesucht ist. Insgesamt halten sich die Kursbewegungen bei den Devisen aber in engen Grenzen.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 65.55 pro Fass
Goldpreis: USD 5’156.82 pro Unze

Sollte die Strasse von Hormuz durch die Iraner geschlossen werden, würden die Preise für Erdöl und Erdgas steigen. Eine Verdoppelung des Preises für Erdöl, wie nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Die Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten ist weniger stark als die damalige Abgängigkeit Europas gegenüber russischem Öl und Gas.

Wirtschaft

Deutschland: S&P Einkaufsmanagerindex Industrie (Februar)
letzter: 49.1; erwartet: 49.5; aktuell: 50.7

Erstmals seit 2022 zeigt der Indikator für die deutsche Industrie wieder ein Wachstum an. Die zunehmenden Rüstungsausgaben und das Infrastrukturprogramm der Regierung zeigen erste Wirkung. Ob die Erholung der deutschen Industrie nachhaltig ist und an Tempo zulegt, wird sich noch zeigen müssen.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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